Test: The Turing Test

Von Michael Prammer am 29. März 2020

Ein Spiel in Ego-Perspektive, ohne ballern? Geht!

Seit Q.U.B.E. oder Portal wissen wir, dass Videospiele, welche den Protagonisten in eine Ego-Perspektive versetzen, nicht automatisch in einer blutrünstigen Baller-Orgie enden müssen. Klar, unter Umständen macht diese stilistisch ins Spiel mit eingebrachte Zerstörungswut gleich doppelt Spaß, allerdings lassen sich Spiele aus dieser Perspektive auch hervorragend als Rätselspiele umsetzen. Genau das beweisen Bulkhead Interactive, die Entwickler von The Turing Test. Mit Square Enix haben die britischen Entwickler dafür auch prominente Unterstützung bei der Veröffentlichung bekommen.

Alleine mit T.O.M.

Der sogenannte „Turing-Test“ stammt aus den 50er-Jahren von einem Mathematiker namens Alan Turing. Dieser wollte beweisen, dass künstliche Intelligenz den Menschen in Sachen Logik ebenbürtig sei. Dabei wird eine Frage von einem Menschen und eine andere Frage von einer Maschine gestellt. Wenn der Fragesteller nicht eindeutig klären kann, welche Frage von der Maschine kam, hat die Maschine den sogenannten Turing-Test bestanden. Was hat das alles mit unserem Videospiel zu tun? Dessen Protagonistin heißt Ava Turing, ist Astronautin und befindet sich auf einer Mission zum Saturnmond Europa, da der Kontakt zur dort ansässigen Crew abgebrochen war. Der einzige Ansprechpartner der Hauptdarstellerin ist eine Künstliche Intelligenz namens T.O.M. Es gilt nun herauszufinden, was mit der Crew auf der Raumstation passiert ist.

Ob Ava Turing etwas mit dem Wissenschaftler zu tun hat, wird übrigens nicht verraten, die Parallelen zwischen der Spielmechanik und dem Experiment spielen aber immer wieder eine Rolle. Die komplette Raumstation ist ein großes Labyrinth voller Türen und Schalter. Viele Hinweise bekommen wir nicht, es gibt lediglich eine Art Pistole, die allerdings nicht als Waffe eingesetzt wird, sondern als „Türöffner“ zum Einsatz kommt. Außerdem versorgt uns T.O.M. mit Informationen und weist auch stets darauf hin, dass die Crew in massiver Gefahr sei, was unsere Ausgangslage nicht gerade vereinfacht. Der Bezug zum eingangs erwähnten Experiment rund um den Wissenschaftler Alan Turing scheint während des kompletten Spiels allgegenwärtig. Die ganze Story baut darauf auf und T.O.M. treibt diese geschickt mittels clever inszenierter Dialoge voran. Der philosophische Ansatz, der immer wieder zum Denken anregt, hinterlässt einen bleibenden Eindruck, wenn man sich darauf einlässt.

Unsere Aufgabe besteht nun darin, von Raum zu Raum zu gelangen, indem wir im Grunde nur simple Schalterrätsel lösen müssen. Diese sind allerdings ziemlich motivierend, da sie sich doch immer wieder unterscheiden. Da gibt es entweder die Möglichkeit, Energieblöcke in bestimmte Vorrichtungen zu bewegen oder eben mit der bereits angesprochenen Pistole Energiekugeln aufzusammeln und dort zu platzieren. Da nur zwei Aktionen gleichzeitig möglich sind, also einen Schalterblock zu platzieren und eine Energiekugel zu verschießen, muss oft mit Taktik und Verstand gearbeitet werden. Denn oftmals verlangt das Erreichen des nächsten Ausgangs das geschickte Kombinieren beider Möglichkeiten, um den Weg freizulegen. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf, zu schwer oder zu leicht sind die Rätsel nicht – die Entwickler haben ein motivierendes und interessantes Konzept gefunden, um den Spieler bei Laune zu halten.

Optisch sieht der Titel ansprechend aus, wirkt allerdings in seinen Weiß- und Grautönen etwas steril. Allerdings läuft das gesamte Abenteuer absolut ruckelfrei, steuert sich nahezu perfekt und bietet aus technischer Sicht kaum Raum für Kritik. Die musikalische Untermalung ist in Ordnung und die K.I. T.O.M. sorgt mit seinem englischen Synchronsprecher für ein weiteres Highlight.

Fazit:

The Turing Test ist ein interessantes Rätselspiel, das zeigt, dass Spiele aus der Ego-Perspektive nicht immer voller Blut und Gewalt sein müssen. Da wir nicht sterben können, uns gemütlich von Raum zu Raum rätseln und dabei unsere grauen Zellen anstrengen, motiviert uns The Turing Test immer mal wieder, ein paar Minuten zu spielen. Dabei ist der Titel weder zu leicht, noch zu schwer und findet in vielerlei Hinsicht ein gesundes Mittelmaß. Wer mit dem sterilen Look nichts anfangen kann oder wer sich nicht damit arrangieren möchte, dass abseits der Rätsel überhaupt nichts los ist, der wird mit dem Spiel nicht glücklich. Der Rest kann sich aber auf einen gelungenen Rätselspaß freuen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Gelungener Rätselspaß aus der Ego-Perspektive."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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