Test: Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX

Von Mark Schäfer am 23. März 2020

Ein Spin-Off in neuem Gewand: Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX erschien für Nintendo Switch. Wie sich das Remake schlägt, lest ihr in unserem Test.

Beinahe 15 Jahre ist es her, dass mit Pokémon Mystery Dungeon: Team Rot und Team Blau die ersten Teile der beliebten Spin-Off-Reihe für Game Boy Advance und Nintendo DS erschienen sind. Anders als in der Pokémon-Hauptreihe, wie den bereits für Switch erschienenen Pokémon Schwert & Schild (zum NplusX-Test), übernehmt ihr in Pokémon Mystery Dungeon nicht die Rolle eines Trainers, der Pokémon fängt, trainiert und in Kämpfen gegen andere Trainer antritt. Hier seid ihr selbst das Pokémon! Mit vagen Erinnerungen, selbst mal ein Mensch gewesen zu sein, startet ihr ins Abenteuer - in einer Welt, in der nur Pokémon leben. 

Auf Erkundungstour

Es bleibt kaum Zeit, sich mit dieser neuen Situation abzufinden, denn ein Pokémon benötigt eure Hilfe. Also macht ihr euch in einen der namensgebenden „Mystery Dungeons“ auf, um es zu retten. Anschließend, euphorisch ob des erfolgreichen Exkurses, gründet ihr kurzerhand ein eigenes Retterteam, um auch anderen Pokémon zur Hilfe eilen zu können. Hauptbestandteil des Spiels ist es dabei, die sogenannten Dungeons zu erforschen. Das sind teils weitläufige Areale mit mehreren Ebenen, die es zu erkunden gilt, um Pokémon zu helfen, neue Freunde zu finden oder einen Bossgegner auf der tiefsten (oder höchsten) Ebene zu besiegen. Dabei ist jede Partie Pokémon Mystery Dungeon anders und einzigartig, denn jeder Dungeon entsteht nach dem Zufallsprinzip, sobald er betreten wurde. Die Anzahl der Ebenen bleibt dabei aber gleich, ebenso die Art der Pokémon, die darin anzutreffen sind. Das Layout eines Dungeons mit seinen Wegen und Räumen, die Art und Anzahl der Items, die unterwegs gefunden werden können, und auch die Treppen, die von einer Ebene in die nächste führen, ändern sich aber bei jedem Betreten. 

Das eigentliche Spielprinzip ist einfach zu verstehen, aber komplex zu meistern. Innerhalb eines Dungeons erfolgen alle Aktionen rundenbasiert. Erst nachdem sich euer Team ein Feld weiterbewegt hat, können sich auch andere Pokémon ein Feld weiterbewegen. Wie lange ihr euch also in einem Dungeon aufhaltet, spielt keine Rolle, die Anzahl der Züge dafür umso mehr. Vor allem, da sie durch eine Magenanzeige, die den Hunger der Pokémon darstellt, begrenzt ist. Daher sind hungerstillende Items wie Äpfel besonders in großen Dungeons unabdingbar. Die Kraftpunkte (KP) regenerieren sich dagegen mit jedem Schritt ein wenig von selbst, sodass das Team nach einem Kampf schnell wieder an Energie gewinnt.

Kämpfe machen einen großen Teil von Pokémon Mystery Dungeon aus, weshalb sie nicht unvorbereitet und mit der richtigen Taktik erfolgen sollten. Ein Team aus Pflanzen-Pokémon in einem Feuer-Dungeon? Keine gute Idee. Die bekannten Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Pokémon-Typen behalten auch in diesem Spin-Off ihre Gültigkeit. Zusätzliche Effekte haben die Böden und Wetterlagen in den Dungeons, die die Angriffe einzelner Typen verstärken oder abschwächen können. Glücklicherweise sind aber schon beim Betreten eines Dungeons alle Items und Pokémon auf der Karte verzeichnet, sodass kein Kampf überraschend sein wird. Im Hauptspiel werden diese in der Regel ohnehin noch keine allzu große Herausforderung darstellen. Spätestens aber im Postgame, wenn Dungeons mit bis zu 99 Ebenen zugänglich werden, sollte das gewählte Pokémon-Team samt der Auswahl mitgeführter Items sowie ggf. verlinkter Attacken (eine Kombination mehrerer Attacken in einem Zug) passen.

Vom Retter zum Geretteten

Besonders schmerzlich ist es, wenn euer Team kurz vor Ende eines Dungeons besiegt wird und sich unter den Items keine Beeren oder Beleber mehr finden, um neu durchzustarten. Im Falle von Pokémon Mystery Dungeon heißt das, dass alle mitgeführten Items sowie Pokédollar verloren sind. Zumindest, wenn ihr euch nicht selbst von einem anderen Team retten lasst! Schon das Original bot ein Passwort-System, mit dem Freunde einen Dungeon aufsuchen konnten, in dem das eigene Team kampfunfähig auf Hilfe wartet. Das ist auch in Retterteam DX der Fall, bei dem ihr aber auch selbst mit einem zweiten Team den gleichen Dungeon betreten oder online einen Hilferuf absenden könnt, welcher von einem beliebigen anderen Spieler weltweit abgerufen werden kann. Schafft er es, euch im Dungeon zu helfen, könnt ihr euren Weg mit allen Pokémon in der zuvor erreichten Ebene fortsetzen.

Trotz seiner großen Unterschiede zur Pokémon-Hauptreihe weist Pokémon Mystery Dungeon auch viele Parallelen auf. So sammeln eure Pokémon Erfahrungspunkte im Kampf, steigen im Level und lernen neue Attacken. Auch TMs und VMs, viele verschiedene Items und besonders Pokémon sind mit von der Partie. Statt „Gotta Catch ´em all!“ heißt es hier jedoch „Gotta Recruit ´em all!“. Fast 300 Pokémon, u.a. alle aus den ersten drei Generationen, warten darauf, sich eurem Team anzuschließen. Entweder indem ihr sie in den Dungeons rettet, oder nachdem ihr sie bekämpft habt. Bis zu acht Pokémon können dann gemeinsam einen Dungeon durchstreifen. Das sorgt gerade in engen Gängen gerne mal für Stau und ist auch in Kämpfen nicht leicht zu handhaben, da nur der Anführer eines Teams direkt gesteuert werden kann. Der Rest positioniert sich automatisch und schrittweise.

Generell ist die Steuerung nicht einfach und gerade zu Beginn überladen und komplex. Zwar kann sich das Team nur in acht Richtungen bewegen, das funktioniert aber weder mit dem Analogstick noch den Richtungstasten des Joy-Con komfortabel und geht sogar soweit, dass für diagonale Bewegungen alternativ die R-Taste gedrückt werden kann, wodurch horizontale und vertikale Schritte verhindert werden. Das ist äußerst hilfreich für Kämpfe, in denen man aufgrund der Rundenbasiertheit möglichst wenige Aktionen ausführen möchte, wirkt aber insgesamt nicht rund und stimmig. Auch andere Aktionen, wie eine direkte Attackenauswahl, erfordern das Drücken einer Schultertaste. Für den Großteil des Spiels werdet ihr daher auf den neuen Automatikmodus zurückgreifen, der via L-Taste aktiviert werden kann und die Pokémon automatisch den Dungeon erkunden und Items sammeln lässt. Erst wenn es zu einem Kampf kommt, müsst ihr wieder selbst ins Geschehen eingreifen. 

Etwas enttäuschend ist jedoch die technische Umsetzung des Remakes. Besonders den Vergleich zu den Neuauflagen von Game-Boy-Spielen wie Pokémon Gelb oder Link’s Awakening, welche in ihren Switch-Fassungen massiv aufpoliert wurden, verliert Retterteam DX deutlich. Das soll nicht heißen, dass die Grafik in sich nicht stimmig wäre, die neue Optik im Wasserfarben-Look weiß durchaus zu gefallen. Aber der Eindruck, dass mehr drin gewesen wäre, bleibt. Auch die prozedural generierten Dungeons unterscheiden sich nur in der Größe und Anordnung der Räume sowie Verbindungspfade, sehen letztlich aber doch immer gleich aus. Eine größere Vielfalt an Assets, die für mehr Abwechslung sorgen oder dynamischere Layouts, weg von rechteckigen Räumen, hätten dem Spiel und der Serie nicht geschadet. Aber das macht ein Pokémon Mystery Dungeon auch aus und Fans der Serie werden sich direkt heimisch fühlen.

Fazit:

Man muss wissen, worauf man sich bei Pokémon Mystery Dungeon: Retterteam DX einlässt, sonst kann einem schnell die Lust vergehen. So ging es mir vor 15 Jahren auf dem Game Boy Advance. Dem Remake gab ich trotzdem eine Chance, diesmal machte es Klick. Man muss sich darauf einstellen, immer größere Dungeons Ebene für Ebene zu erkunden, auch wenn diese sich nur im Grundthema wie Wasser oder Feuer unterscheiden, während man immer wieder Kämpfe gegen Pokémon führt. Auch wenn die Story dabei nach und nach mehr Details dazu verrät, warum man selbst zu einem Pokémon geworden ist, ändert sich nichts am grundlegenden Spielprinzip. Ist man aber Fan des Genres und gleichzeitig Fan von Pokémon, wird man viel und lange Freude an Retterteam DX finden. Alle anderen spielen lieber erst einmal die Demo-Version.

Wertung:

7.0

Mark Schäfer meint:

"Solider Dungeon Crawler, der Genre- und Pokémon-Fans lange unterhalten wird."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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