PlayStation 5 und Xbox Series X im ersten Vergleich

Von Jeremiah David am 19. März 2020

Was können die Next-Gen-Konsolen?

Microsoft spielt, so hat man zumindest das Gefühl, schon seit einiger Zeit mit offenen Karten. Die Redmonder gehen mit viel Selbstvertrauen in die nächste Konsolengeneration und veröffentlichten bereits im Februar konkrete Leistungsdaten der Xbox Series X. Erst seit gestern wissen wir dagegen, mit welcher Hardware Sony antritt. Noch sind längst nicht alle Details geklärt, aber wir möchten dennoch einen ersten frühen Vergleich der Next-Gen-Konsolen wagen.

Die Hardware

Sowohl Sony als auch Microsoft setzen auf eine von AMD entwickelte Zen 2 CPU mit jeweils acht Kernen. Die Zentrale Recheneinheit der PlayStation 5 läuft mit einer Taktrate von 3,5 Ghz, während die der Xbox Series X in der Theorie 3,8 Ghz schafft, praktisch aber wohl mit 3,6 Ghz läuft. Die höhere Frequenz ist reserviert für Spiele, die ohne Multithreading auskommen, was schon seit einiger Zeit aber immer seltener wird. Auch der Arbeitsspeicher ist bei beiden Konsolen nahezu identisch: Die 16GB GDDR6-Speichermodule unterscheiden sich lediglich minimal in der Geschwindigkeit der Datenübertragung.

Einen deutlich größeren Vorteil hat Microsoft zweifelsohne bei der Grafikeinheit. Die GPU wurde beiden Konsolen individuell angepasst und setzt jeweils auf AMDs neusten RDNA-2-Standard, die GPU der Xbox hat jedoch 52 CUs, während die GPU der PlayStation 5 lediglich auf 36 kommt, die allerdings – zumindest mit Boost – etwas schneller getaktet sind. CU steht hier für Compute Unit und beschreibt im Prinzip ein Bündel an Recheneinheiten. Der Boost-Modus sorgt dafür, dass die PS5 anstatt mit konstanter Frequenz zu laufen, letztere je nach Arbeitslast variiert. Die Xbox Series X besitzt damit rund 12 TFLOPS an Leistung, die PS5 nur knapp mehr als 10 TFLOPS. Während dem Spielen dürfte sich dieser Vorteil für die Redmonder vor allem in mehr Details in den Umgebungsgrafiken oder in einer höheren Framerate bemerkbar machen.

Beim Laden hat Sony dagegen definitiv die Nase vorn: Die eigenständig entwickelte SSD der PS5 hat zwar nur 825 GB an Speicherplatz, ist aber rund doppelt so schnell wie die 1 TB SSD der Xbox Series X. Ladezeiten dürften damit auf der PlayStation 5 um einiges kürzer ausfallen, wobei anzumerken ist, dass grundsätzlich jede SSD einer Festplatte überlegen ist und sich Ladezeiten auch auf der Xbox Series X in Grenzen halten werden. Der Geschwindigkeitsvorteil der PS5-SSD könnte jedoch die Nachteile der etwas schlechteren Grafikeinheit zumindest ein Stück weit ausgleichen und zum Beispiel bei der Vermeidung von Pop-Ups oder Laderucklern helfen. Problematisch wird durch die schnellere SSD dagegen das Aufrüsten der Konsole. Die PS5 wird nicht mit jeder handelsüblichen SSD kompatibel sein.

Die Software

Noch wissen wir wenig über das Spieleangebot der Next-Gen-Konsolen. Microsoft wird Halo Infinite und Hellblade II: Senua’s Saga wohl zum Launch bringen und darüber hinaus diverse ältere Spiele und 3rd-Party-Games in einer verbesserten Version veröffentlichen. Gears 5 und Cyberpunk 2077 sollen so beispielsweise jeweils ein Upgrade bekommen. Der Service „Smart Delivery“ soll Spielern dabei immer die beste Version des Spiels zugänglich machen, unabhängig davon, auf welcher Xbox sie spielen.

Sony scheint derweil noch stärker bemüht, der PS4 einen würdigen Abschied zu schenken, als sich um Spiele für die PS5 zu kümmern. Zwar ist es wahrscheinlich, dass kommende AAA-Titel der PS4 wie Ghost of Tsushima oder The Last of Us 2 ihren Weg auch auf die PS5 finden werden, bestätigt ist das allerdings nicht. Sicher wissen wir nur von einem konsolenexklusiven Launchtitel namens Godfall – ein „looter-slasher“ Action-Rollenspiel vom relativ unbekannten Entwickler Counterplay Games. Gerüchten zufolge könnte uns zum PS5-Launch ein neues Ratchet & Clank erwarten oder vielleicht sogar der zweite Teil von Horizon Zero Dawn, diese Gerüchte sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn Ratchet-&-Clank-Entwickler Insomniac Games hat erst Ende 2018 Spider-Man veröffentlicht, während die Veröffentlichung von Horizon Zero Dawn: The Frozen Wilds nur etwa ein Jahr länger zurückliegt. Ob zwei beziehungsweise drei Jahre für die Entwicklung eines AAA-Titels reichen, ist fraglich.

Genaueres wissen wir jedoch bei beiden Konsolen über die geplante Abwärtskompatibilität. Auf der Xbox Series X werden automatisch Spielstände, Achievements und Freundeslisten der Xbox One transferiert und alle Spieletitel, die auf der Xbox One laufen, können auch auf der neueren Konsole gespielt werden. So wünscht man sich das als Kunde!

Auch Sony verspricht Abwärtskompatibilität, hat aber aktuell einige Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Sonys Mark Cerny gab lediglich an, dass zum Marktstart die meisten der 100 meistgespielten PS4-Titel auch auf der PS5 laufen werden. Das ist ein etwas magerer Beginn angesichts der fast 4000 erhältlichen PS4-Spiele und Sony verspielt sich damit einen großen Vorteil: Die über 100 Millionen PS4-Besitzer werden ihre alten Lieblingstitel nur zu einem kleinen Teil auf der PS5 spielen können.

Dass eine 100%-ige Abwärtskompatibilität bei Sony keine allzu hohe Priorität hat, hängt womöglich auch mit dem Streaming-Dienst PlayStation Now zusammen. Dort stehen schon jetzt hunderte PS3- und PS4-Spiele zur Auswahl, die man natürlich auch auf der PlayStation 5 streamen können wird. Eine vollständige Abwärtskompatibilität stünde also in direkter Konkurrenz mit PlayStation Now und könnte den ein oder anderen User davon abhalten, ein Abo abzuschließen. Deutlich kundenfreundlicher ist der Xbox Game Pass, der natürlich auch für die Xbox Series X fortgeführt wird. Dank der vollständigen Abwärtskompatibilität wird man vermutlich alle im Abo erhältlichen Titel nicht nur über xCloud streamen, sondern auch herunterladen und ohne zusätzliche Latenzen offline spielen können. 

Darüber hinaus hat Microsoft bereits versprochen, dass alle First-Party-Titel auch weiterhin ab Launch im Xbox Game Pass zur Verfügung stehen werden, während Sony sogar offiziell bestätigt hat, dass dies auf PlayStation Now nicht der Fall sein wird. Damit wird die Xbox Series X vor allem zu Beginn einen erheblichen Vorteil haben: Wer sich die Microsoft-Konsole und ein Game-Pass-Abo besorgt, hat vom ersten Tag an ohne zusätzliche Kosten Zugriff auf das komplette First-Party-Lineup der neuen Hardware. Bei PlayStation Now dürfte hingegen einige Zeit verstreichen, bis die ersten PS5-Titel auf den Service tröpfeln.

Der Rest

Neben der Leistung und den Spielen werden einige weitere Faktoren dazu beitragen, dass sich Kunden entweder für die Xbox Series X oder die PlayStation 5 entscheiden werden: Der Controller, das Aussehen der Konsole und – am wichtigsten – der Preis.

Über das Design der PS5 und deren Controller wissen wir leider noch gar nichts, beziehungsweise nur, dass der DualShock 5 dem Spieler ein haptisches Feedback gibt, das die bisherige Rumble-Technologie ersetzt. Von der Xbox Series X und dem dazugehörigen Controller existieren dagegen längst hochauflösende Fotos. Während die Optik der Konsole an sich natürlich Geschmacksache ist, könnten die Maße des schwarzen Kastens problematisch werden. In eine handelsübliche TV-Bank wird die Xbox Series X mit Grundmaßen von 15 x 15 cm und einer Höhe von gut 30 cm zumindest stehend nicht reinpassen. Der Controller unterscheidet sich dagegen optisch nicht viel vom Vorgänger-Modell, was aber nicht weiter tragisch ist, denn der gehört noch heute zu den besten und ausgereiftesten Eingabegeräten auf dem Markt und ist dem DualShock 4 in vielerlei Hinsicht überlegen.

Einen Preis haben weder Microsoft noch Sony bisher genannt, wobei die Specs unter Berücksichtigung aktueller Grafikkartenpreise vermuten lassen, dass die Xbox Series X teurer in der Herstellung ist. Ein Preis von etwa 450 bis 500 Euro scheint realistisch. Die PS5 könnte für 400 bis 450 Euro auf den Markt kommen. Sollten beide Konsolen zur Markteinführung gleich viel kosten, hätte Microsoft einen klaren Vorteil.

Welche Konsole spricht euch bisher mehr an?

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4 Kommentare:


NXPro
vor 2 Wochen | 0
Bisher spricht mich die XBox eigentlich in allen Punkten mehr an als die Playstation. Am Ende wird die Frage trotzdem wieder sein wo ich welche Spiele spielen kann. Mit einem guten PC und einer Switch kann man leicht deswegen trotzdem zur Playstation tendieren. Würde mein Spiele-PC kaputt gehen in nächster Zeit, würde ich definitiv die XBox kaufen.

nibez
vor 2 Wochen | 1
Die SeX ist Stand jetzt im Grunde in allen Belangen überlegen. Vor allem durch den Game Pass hat Microsoft hier einen großen Vorteil.
Da ich aber noch nie eine PlayStation besaß und ja wohl die bekanntesten/wichtigsten PS4-Spiele auch auf PS5 spielbar sein werden, könnte ich mir da auch einen Kauf vorstellen.
Allerdings nur wenn die PS4-exklusiven Sonyspiele dann auch kompatibel sind. Kann ja auch sein dass die da lieber wieder Geld mit Remakes verdienen wollen wie beim Wechsel von PS3 zu PS4.

TraxDave
vor 2 Wochen | 0
Die Preisfrage ist für mich jedenfalls nicht entscheidend, welche Konsole ich mir holen werde. Ob es jetzt 50 oder sogar 100€ mehr oder weniger sind, ist auf 5-7 Jahre gerechnet bei so einer Entscheidung für mich nicht relevant. Es könnte allerdings beeinflussen, wann ich die Konsole kaufe.
Eigentlich bin ich gerne Early-Adopter, auch wenn's nur Probleme mit sich bringt. Das einzige, was Sony hätte bewerkstelligen müssen ist anständige Abwärtskompatibilität, aber neeiin. Jetzt muss ich den PS3 Pile of Shame doch zuerst "abarbeiten", dass die PS5 Platz hat und meine PS4 kann ich dann auch nicht einfach meinem Bruder oder einem Freund auf unbestimmte Zeit borgen.

prog4m3r
vor 2 Wochen | 0
Xbox, da die PS5 keine vollständige Abwärtskompatibilität vorzuweisen hat, ist generell noch fraglich ob ich mir diese überhaupt zulege. Sonys Firstparty Titel interessieren mich persönlich weniger als der Japano Kram, welcher Stand jetzt immer häufiger auch für Switch und zumindest digital für Xbox kommt. Sollte Microsoft daran arbeiten und japanische Entwickler bei der Portierung unterstützen, könnte man Sony seine letzte Bastion abgraben. Im Zweifelsfall werde ich aber wohl einfach meine Steam Bib füttern - geht ja jetzt sogar mit Horizon Zero Dawn, auch wenn ich lieber Retail Spiele besitze, die Titel welche es betrifft werde ich wohl verschmerzen können (oder einfach kaufen und ungeöffnet ins Regal stellen, lol).