Test: Subnautica

Von Jeremiah David am 19. März 2020

Robinson Crusoe geht tauchen

Der Coronavirus sorgt zurzeit weltweit für Chaos. In Deutschland sind längst alle Schulen und Kitas geschlossen und viele Firmen haben auf Home Office umgestellt. Für viele Menschen bedeutet das mehr Zeit zuhause; eventuell mehr Zeit, um sich mit Videospielen zu beschäftigen; mehr Zeit um den womöglich beschämend großen Pile of Shame etwas kleiner werden zu lassen. Daher präsentieren wir euch heute einen Test zu einem nicht mehr ganz aktuellen Spiel, das bei seiner Veröffentlichung zu Unrecht wenig Aufmerksamkeit bekam und von uns damals auch nicht getestet wurde.

Subnautica galt unter Gamern eine kurze Zeit lang als eine Art Geheimtipp. Das Spiel des US-amerikanischen Studios Unknown Worlds Entertainment war auf Steam lange im Early Access, ehe es schließlich 2018 offiziell veröffentlicht und später im selben Jahr auch noch auf die Xbox One und die PlayStation 4 portiert wurde. Letztere Version haben wir uns im Laufe der letzten Tage angesehen.

Unknown Worlds Entertainment beschreibt Subnautica als ein Abenteuerspiel, tatsächlich ist es rein spielerisch ein klassischer Survivaltitel, der ohne viel Kontext beginnt: Das gigantische Raumschiff Aurora ist in den Grenzregionen des bekannten Universums dabei, über einem fremden Planeten abzustürzen. Wieso? Ist völlig egal. Als namenloses Crewmitglied retten wir uns in eine Notfallkapsel, werden jedoch von herumfliegenden Metallteilen am Kopf getroffen und verlieren vorübergehend das Bewusstsein. Als wir aufwachen, müssen wir feststellen, dass die Kapsel an der Oberfläche eines riesigen Ozeans schwimmt. Weit und breit ist außer dem brennenden Rumpf der Aurora, der in der Ferne aus dem Wasser ragt, nichts zu sehen. An Bord der Notfallkapsel sind einige überlebenswichtige Funktionen ausgefallen, aber zum Glück funktioniert der Fabrikator noch. Dieser ist ein Sci-Fi-Gerät, das zur Herstellung unterschiedlichster Dinge genutzt werden kann. Dazu muss die Maschine nur mit den passenden Rohstoffen gefüttert werden, daher springen wir wortwörtlich ins kalte Wasser, um in der unmittelbaren Umgebung der Notfallkapsel nach Ressourcen zu suchen. Unser Ziel fortan: Überleben und irgendwie den Planeten verlassen.

Hamstern unter dem Meeresspiegel

Je nachdem welchen Schwierigkeitsgrad wir vor Spielbeginn gewählt haben, müssen wir nicht nur Rohstoffe wie Titan, Kupfer, Blei oder Quarz finden, sondern auch ständig nach Nahrungsmitteln Ausschau halten. Letztere sind vor allem gefiltertes Wasser und Fische, die durch unterschiedliche Formen der Zubereitung genieß- oder zumindest essbar gemacht werden können. Die Gegend, in der die Notfallkapsel gelandet ist, zeigt sich als relativ seicht, doch schon in geringer Entfernung fallen die zunächst sanften, von Muscheln und Korallen überzogenen Dünen abrupt ab. Aus fünf Metern Tiefe werden schnell 50, dann 500, 1000 und schließlich 1500 und so offenbart Subnautica rasch eine Stärke, die ähnlichen Titeln an Land häufig fehlt: Interessante Gebiete sind zwar sichtbar und in nächster Nähe, können aber aufgrund fehlender Ausrüstung noch nicht erreicht werden. Über ein Radio empfangen wir beispielsweise immer wieder Funksprüche anderer Notfallkapseln, zu Beginn des Spiels liegen diese aber meist so tief, dass wir sie nur von oben herab beobachten dürfen. Das motiviert zum ständigen Weiterspielen, um immer tiefer zu kommen und so immer bessere Gegenstände und neue, faszinierende Orte zu entdecken.

Bei jedem Tauchgang zeigt uns das HUD des Spiels stets, wie lange wir unter Wasser bleiben können, bevor uns die Luft ausgeht. Spätestens wenn die Hälfte der Atemluft verbraucht ist, müssen wir je nach Tiefe den Weg zurück an die Wasseroberfläche suchen, was in verwinkelten Höhlensystemen nicht immer leicht ist – gerade dort oder in besonders tiefen Gebieten sind jedoch meist die kostbarsten Mineralien zu finden. Ohne Ausrüstung können wir nur wenige Sekunden tauchen, mit einer kleinen Tauchflasche werden daraus immerhin eine knappe Minute. Mit einer doppelten Sauerstoffflasche können wir zwei Minuten lang unter Wasser verweilen. Noch besser klappen Erkundungsgänge mit der Seemotte, einem kleinen U-Boot, das bis zu 900 Meter tief tauchen kann und einen eigenen Sauerstoffvorrat besitzt. Das größere Zyklopen-U-Boot dient als mobile Basis und schafft mit passenden Upgrades Tiefen von bis zu 1700 Metern. Auch mit dem Prawn-Anzug können die tiefsten Gebiete des Spiels erforscht werden, aber der futuristische Mech-Anzug ist an den Meeresboden gebunden und damit nur bedingt praktisch.

Dass wir tatsächlich immer weiter nach Materialien suchen wollen, um die oben beschriebenen Fahrzeuge, neue Tauchausrüstung, Unterwasserquartiere, Akkus und unterschiedliche Geräte zu bauen, liegt wie bereits beschrieben hauptsächlich an der wunderbar stimmigen Welt, die Unknown Worlds Entertainment erschaffen hat. Der Ozean ist in verschiedene Biome unterteilt, die jeweils ihre eigene Flora und Fauna aufweisen. Wrackteile der Aurora liegen über alle Biome verstreut. In ihnen finden wir häufig Baupläne für neue Geräte oder Aufzeichnungen, die uns verraten, was mit den anderen Crewmitgliedern passiert ist. Außerdem stoßen wir nach einiger Zeit auf zwei Inseln und verschiedene mysteriöse Bauwerke einer außerirdischen Zivilisation. Vor allem Letztere erweitern das Survival-Gameplay noch um interessante Story-Elemente, die sich insgesamt jedoch deutlich schneller hätten weiterentwickeln dürfen.

Mein U-Heim

Mit dem sogenannten Konstruktionswerkzeug können wir uns unter Wasser eine Basis bauen. Diese besteht aus beliebig vielen Räumen und Verbindungsstücken, die mit allerlei Gegenständen gefüllt werden dürfen. Ein Generator muss natürlich irgendwie für Strom und Sauerstoff sorgen. Außerdem sind Regale und Schränke wichtig, damit Ressourcen aufbewahrt werden können. Ein Bett, ein Tisch und ein paar Stühle dürfen auch nicht fehlen, und ein Snack-Automat ist natürlich nicht nur praktisch, sondern auch noch super cool. In der Aurora können Poster und sogar ein Modell des Raumschiffs gefunden werden. Darüber hinaus können wir in Beeten essbare Pflanzen anbauen, oder in einem Aquarium Fische züchten. Am Meeresboden, häufig zwischen Algen und Gräsern versteckt, finden wir dazu Eier, die wir mitnehmen können.

Die unzähligen Kreaturen in Subnautica wurden analog zu den Umgebungen farbenfroh gestaltet, wobei sich die Entwickler offensichtlich von heimischen Ozeanbewohnern inspirieren ließen. Zwischen Korallen hausen vor allem bunte, kleine Fische, während wir in den Seetangwäldern häufig auf sogenannte Pirscher treffen, die wie eine Kreuzung aus Krokodilen und Haien aussehen. In den tiefsten Gebieten, wo immerzu Dunkelheit herrscht, leben unter anderem leuchtende Quallen und Rochen. Die allermeisten dieser Wesen sind ungefährlich. Selbst die Pirscher sind nicht aggressiv und greifen nur an, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Sandhaie sind minimal gefährlicher. Kleine Reißer sind nervig, aber nicht wirklich bedrohlich. Subnautica wird so nie zu einem reinrassigen Survival-Horror-Spiel, aber es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es in bestimmten Gegenden durchaus monströse Wesen gibt, die unseren Charakter mit nur wenigen Angriffen ins Jenseits befördern oder eine über Stunden hinweg mühsam zusammengebaute und mit Upgrades versehene Seemotte in Einzelteile zerreißen können. Speziell vor dem riesigen Leviathan sollte man sich stets in Acht nehmen.

Ich schwöre, der Baum ist mir vor‘s Auto gesprungen!

Häufiger als der Leviathan werden jedoch die steinigen Umgebungen des Spiels gefährlich. Wenn wir mit voller Geschwindigkeit gegen eine Felswand knallen, nimmt unser U-Boot natürlich Schaden und das bringt uns leider zu einer sehr unschönen Seite von Subnautica: Das Spiel wurde auf der PlayStation 4 technisch einfach schlecht umgesetzt. In manchen Gebieten kommt es immer wieder zu deutlichen Rucklern, und speziell wenn wir mit einem schnelleren Gefährt unterwegs sind, hat das Spiel regelmäßig Probleme, die Umgebungen rechtzeitig zu laden. Kein Mensch kracht absichtlich gegen eine Felswand, ein riesiges Wrackteil oder ein Korallenriff, aber wenn Texturen viel zu spät und wortwörtlich aus dem Nichts aufploppen, sind Zusammenstöße bisweilen unvermeidbar. Die spät ladenden Texturen sorgen auch dafür, dass wir uns zur Orientierung immer auf unseren Kompass verlassen müssen. Eine visuelle Orientierung ist nicht nur aufgrund des trüben Wassers häufig nicht möglich, wenn selbst riesige Gegenstände wie ganze Inseln über der Wasseroberfläche erst aus nächster Nähe sichtbar waren.

Erfreulich ist dagegen, dass die Steuerung unter Wasser hervorragend klappt. In der Schwerelosigkeit des Ozeans dürfen wir uns natürlich nicht nur horizontal, sondern auch vertikal bewegen. Weil das mit den Analogsticks nur bedingt funktioniert, können wir mit Hilfe von L1 und R1 auf- oder abtauchen – eine nahezu perfekte Lösung des Problems.

Fazit

Subnautica hat technisch einige Probleme. Die Ruckler und die ständigen Pop-Ups nerven, aber das Kerngerüst des Spiels ist dennoch so gut, dass das Spiel trotzdem für 30 bis 40 Stunden gut unterhalten kann. Es macht einfach Spaß immer tiefer und tiefer zu tauchen, um neue Regionen zu erkunden. Hoffentlich wird auch der zweite Teil, Subnautica: Below Zero, irgendwann für Konsolen umgesetzt und kann dann nicht nur spielerisch, sondern auch technisch überzeugen.

Wertung:

8.0

Jeremiah David meint:

"Trotz technischer Schwächen ist Subnautica definitiv einen Blick wert."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Mangelhaft

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