Kommentar: LEGO meets Nintendo

Von Michael Prammer am 15. März 2020

Der sogenannte "Mario-Tag" am 10. März hat eine interessante Ankündigung hervorgebracht: Nintendo geht eine Partnerschaft mit LEGO ein. Ich freue mich darüber, habe aber auch einige Erwartungen.

Wir haben uns hier auf NplusX erst vor kurzer Zeit so richtig ausgiebig mit dem Thema LEGO beschäftigt und man kann aus dem ersten Artikel unserer Mini-Serie bereits herauslesen, dass LEGO für mich neuerdings eine wichtige Rolle spielt. Die Ankündigung, dass ausgerechnet Nintendo eine Partnerschaft mit dem dänischen Spielzeugunternehmen eingeht, kommt mir dementsprechend gerade recht. Die Zusammenarbeit macht Sinn und hätte durchaus schon viel früher kommen können. Jetzt freue ich mich im wahrsten Sinne des Wortes, wie ein kleines Kind.

Warum ist diese Partnerschaft sinnvoll? Was wurde bereits bekannt gegeben? Und zu guter Letzt: Was sind meine persönlichen Erwartungen? Auf diese Fragen möchte ich mit diesem Kommentar kurz eingehen.

LEGO gilt neben klassischen Videospielen als das Spielzeug, welches wohl am meisten in Kinderzimmern zu finden sein dürfte. Nicht nur das: es gibt mittlerweile auch eine beachtliche Erwachsenen-Szene, die leidenschaftlich sammelt, baut und neue Modelle (sogenannte MOCs - My own Creation) entwirft. LEGO wird für alle Altersgruppen und jedes Geschlecht konzipiert. Es gibt die Duplo-Serie für die ganz Kleinen, die "4+-Serie" für Kinder, spezielle Mädchen-Sets (z.B. Friends), Standard-Sets mit und ohne Lizenzen (Star Wars, DC, Disney, Harry Potter) und Serien speziell für ein älteres Publikum (Creator's Expert Serie). Ähnliches lässt sich auch über Videospiele sagen. Auch hier gibt es ein breites Spektrum an Käufern, wobei Nintendo ganz besonders viele Ziel- und Altersgruppen anspricht. Kinder lieben Mario und co. sowieso, aber auch Erwachsene greifen immer wieder zu Titeln, wie Mario Kart oder The Legend of Zelda, da Nintendo-Spiele einfach zeitlos sind. Beiden Marken haftet zudem ein großer Nostalgiefaktor an. Wir erinnern uns als Erwachsene an unsere ersten Stunden mit einer neuen Konsole, aber auch an die besten und größten LEGO-Bauwerke, die wir mit vollem Eifer und viel Kreativität entstehen ließen. Angesichts dieser Parallelen macht es absolut Sinn, beide Marken jetzt miteinander zu kombinieren. Wenn die neue LEGO-Serie nun auch noch alle Altersgruppen abholen kann, dann steht ihrem Erfolg kaum etwas im Weg.

Wer sich das erste Promo-Material zur LEGO® Super Mario™ Produktlinie anschaut, dem wird schnell auffallen, dass die neuen Figuren im Vergleich zu normalen LEGO-Figuren ziemlich groß sind und digitale Elemente beinhalten. So reagiert Mario mit digitaler Mimik nicht nur auf bestimmte Ereignisse, die Anzeige auf dem Oberkörper kann auch geschickt als Spielelement, zum Beispiel als Counter, eingesetzt werden. Der Spieler baut sich dann ein klassischen Jump'n'Run-Level aus Bausteinen und hat scheinbar unterschiedliche Möglichkeiten, dieses Level zu gestalten. Gegner werden ebenfalls zusammengebaut und passend platziert. Sie stellen wichtige Spielelemente dar.

Nach jetzigem Stand der Dinge kann man davon ausgehen, dass in dem von Nintendo veröffentlichten Video ein Starter-Set gezeigt wurde, das sich beliebig erweitern lässt. Dadurch ergeben sich, gepaart mit neuen Sets, unzählige Möglichkeiten der Levelgestaltung. Dadurch, dass die Sets jederzeit erweiterbar sind, können die Unternehmen langfristig planen. Mir persönlich gefällt die Idee ganz gut, quasi einen Mario Maker im LEGO-Format zu bekommen. Und das, obwohl ich nicht einmal die Zielgruppe für das Spielzeug bin. Die Idee sieht witzig aus, sollte allerdings auch nachhaltig umgesetzt werden, damit Spieler nicht nach wenigen Minuten den Spaß daran verlieren.

Einige Fanseiten von LEGO haben angeblich schon Informationen zu anderen Sets, die 3,99 Euro bis 99 Euro kosten sollen. Von 14 unterschiedlichen Sets ist die Rede. Das teuerste Set beinhaltet angeblich 1000 Steine, was für ein Lizenz-Produkt dieser Preisklasse eine relativ normale Anzahl darstellt. Gerade auf dieses Set setze ich große Hoffnungen, würde ich mir doch etwas Klassisches zum Aufbauen aus dem Mario-Universum wünschen. Sogenannte "Blindbags" für 3,99 Euro – also kleine Päckchen, bei denen niemand weiß, was drinsteckt – schüren die Hoffnung auf klassische Minifiguren, worüber ich mich sehr freuen würde. Das oben beschriebene Starter-Paket soll etwa 230 Steine beinhalten und knapp 60 Euro kosten. Meine "Befürchtung" ist jetzt, dass die anderen Sets allesamt auf diesem Paket aufbauen.

Ich wünsche mir, dass LEGO einen gesunden Mittelweg zwischen klassischen LEGO-Angeboten und digitalen Spielereien wie der Mario-Figur mit Bildschirm findet. Es dürfen gerne fünf oder sechs Sets sein, die sich mit dem digitalen Schnickschnack beschäftigen. Und ich kann mir sogar vorstellen, aus reiner Neugier das Standardpaket zuzulegen und mit meinem Nachwuchs ausgiebig zu testen. Aber bitte, liebes LEGO-Team, die Nintendo-Lizenz ist so grandios und hat so viel Potential. Gebt uns Minifiguren! Gebt uns ein 1000-Teile-Bowser-Schloss, einen Planeten aus Mario Galaxy oder das Luftschiff aus Odyssey! Setzt nicht alle Ressourcen in das "neue" Spielerlebnis. Denkt bitte daran: Klemmbausteine sind eine analoge Angelegenheit. Der digitale Aspekt sollte hier zweitrangig sein. Wenn der bereits angesprochene Mittelweg gefunden wird, alle Zielgruppen vernünftig bedient werden und die Lizenz gut vermarktet wird, dann steht hier eine tolle Erfahrung vor der Tür, auf die sich LEGO- und Nintendo-Fans freuen können.

Schniko meint: Lego und Nintendo waren den Großteil meiner Kindheit und Jugend meine absoluten Lieblingshersteller für alles, was bunt und lustig ist. Und beide Firmen sind für mich inzwischen vergleichbar verschwenderisch, wenn es darum geht, das unfassbare Potenzial der Produkte auszuschöpfen. Beide Unternehmen wirken auf mich bisweilen überheblich und faul und zunehmend ausschließlich gewinnmaximierend ausgerichtet. Herzenswünsche vieler Fans werden ignoriert, der Markt stattdessen mit teils seelenlosen und billig produzierten Mainstream-Angeboten gefüttert.

Ich weiß, dass der finanzielle Erfolg beiden Unternehmen - momentan - im Grunde recht gibt. Aus einer marktbeherrschenden Position bzw. mit einer sich wie geschnitten Brot verkaufenden Konsole lässt sich auch relativ entspannt so agieren. Allerdings müssen sowohl Lego als auch Nintendo ein wenig aufpassen: Falls die Kundschaft sich irgendwann an Marvel- und Disney-Klemmbausteinsets sattgesehen hat, wenn Nintendo weiterhin solch lange Durststrecken wie momentan verstreichen lässt, dann werden sie vielleicht feststellen, dass vielleicht gar nicht jeder Kunde nur auf Animal Crossing wartet, um damit ein halbes Jahr an Zockerei zu verbringen. Und dass es möglicherweise noch Kinder gibt, die gern mit Piraten, Cowboys und einem Bauernhof spielen möchten.

Versteht mich nicht falsch. Ich mag immer noch Produkte dieser Firmen. Ich liebe Breath of the Wild. Ich verehre Super Mario Galaxy. Ich schaue mir immer gern meinen Lego-X-Wing an und streichle ab und an meinen neuen Speed-Champion Ferrari F8 Tributo. Ich spiele gern mit den Lego-Zügen meines Sohnes, suche im aktuellen Programm der Dänen aber vergebens nach einem Bahnhof, einem beschrankten Bahnübergang oder sonstigem Zubehör. Und im Portfolio von Nintendo klafft für mich momentan eine riesige Lücke. Ich gehöre leider zu der Personengruppe, die sich Nullkommanull für Animal Crossing interessiert. Und meine Switch staubt nach Luigis Mansion 3 ohnehin zusehends ein. Eine Direct-Ausgabe, die eine Fülle an kurz- bis mittelfristig erscheinenden Titeln aufzeigt, ist längst überfällig.

It’s-a Me, Mario!

Nun also werden diese beiden Unternehmen im Rahmen einer Partnerschaft Lego-Sets mit Super-Mario-Thematik auf den Markt bringen. Und solange nicht das komplette Portfolio dieser Sets bekannt ist, lassen sich Qualität und Sinnhaftigkeit noch nicht völlig seriös abschätzen. Fanwünsche gab es sicherlich genug: Peachs Schloss oder ein Bowsercastle, eine Serie von Minifiguren mit Mario, Luigi, Toad und Co.

Zunächst haben Nintendo und Lego aber einen Bausatz gezeigt, in dem man mit einer Mario-Figur samt elektrischer Funktionen einen selbstgebauten Level absolvieren kann. Ob man diese Mario-Figur nun absolut cool oder doch eher ziemlich schräg findet, ist natürlich Geschmackssache. Bauspaß ergibt ein solcher Parcours ganz sicher. Auch wenn es bestimmt genug Erwachsene geben wird, die sich einen Level aufbauen und zum Anschauen ins Regal stellen, handelt es sich beim Gezeigten um eine Spielwelt, die wohl eher für Kinder konzipiert ist. Und prinzipiell finde ich die Umsetzung als Spielset auch gar nicht verkehrt. Wie wandelbar und abwechslungsreich sich das dann aber wirklich gestalten lässt, wird wohl erst der komplette Blick auf alle dann angebotenen Sets zeigen. Neben der Frage, ob es weitere Modelle geben wird und ob sich erwachsene Lego-Fans auch ihr geliebtes Castle aus Mario 64 neben ihr Hogwarts Schloss stellen können, bleibt mir abschließend noch ein Gedanke hinsichtlich des Spielsets:

Super Mario und seine Welt stehen ja üblicherweise für Spielspaß, der sich aus einer bunten,  kreativ gestalteten und wandelbaren Welt und der Bewegung und Interaktion darin ergibt. Allerdings erzählt die Mario-Welt abseits entführter Prinzessinnen keinerlei interessante Geschichten. Und besteht die Welt des Spielens nicht zum Großteil aus den Geschichten, die Kinder sich innerhalb ihrer Spielwelt ausdenken und die sie dann nachspielen? Wie wandelbar und abwechslungsreich wird der Levelbausatz wirklich sein? Wie lange bleibt es spannend? Was genau spielen die Kinder, wenn sie den Level ein paarmal umgebaut und im Prinzip doch immer das gleiche gespielt haben? Welchen Raum haben Kinder, um diese Welt zu ihrer eigenen zu machen? Gibt es mehr Kommunikation als „Here we go“ in dieser Welt? Und welche Geschichte spielt sich eigentlich ab, während Mario Münzen sammelt und auf Gumbas springt?

Ich weiß, ich bin da gewiss etwas altmodisch. Und vielleicht spielen Kinder heutzutage auch wirklich anders, als ich früher. Aber ich bin etwas skeptisch, ob es wirklich eine gute Idee ist, analoges Spielzeug auf diese Art mit der Welt der Videospiele zu kombinieren.

Ich bleibe aber gespannt, was das komplette Lineup dann letztendlich mit sich bringt.

Freut ihr euch auf die Kombination aus Lego und Super Mario? Wie findet ihr das gezeigte Video? Und worauf würdet ihr euch besonders freuen?
Ab damit in die Kommentare!

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3 Kommentare:


Vader
vor 3 Wochen | 1
Also mich haben sie Komplett abgeholt^^ Da werde ich mit meinem Sohn richtig spass dran haben. Ich glaube ich kann da keinem Set Wiederstehen ^^
Ich hab mich sofort verliebt in den Mario mit Mimikwechsel ;-)
Ich hoffe auf Boss Set´s und die Burgen.
Was ich nicht sehen konnte , ob es nun ein normales Bauset mit Effekten ist oder ob es sowas wie ein "Gesellschaftsspiel" mit regeln sein soll.
Diese Miniserien oder Überraschungs tüten mag ich persönlich überhaupt nicht. Ich seh gerne was ich kaufe^^

Vader
vor 3 Wochen | 0
Und natürlich dürfen Luigi und Co nicht fehlen hehe^^
michi1894
vor 3 Wochen | 0
Vaderchen, schön mal wieder von dir zu lesen ;).
Mein Junior war auch total begeistert, als er das Video gesehen hat, wobei er mit seinen drei Jahren wahrscheinlich nch etwas zu jung sein dürfte. Gekauft wird wohl trotzdem etwas davon, der Neugier wegen ;)...