Test: Metro Redux (Nintendo Switch)

Von Jeremiah David am 03. März 2020

Der Port der Neuauflage im Test

Im Februar des letzten Jahres wurde der Ego-Shooter Metro Exodus für alle aktuellen Konsolensysteme veröffentlicht. Alle? Nun, fast alle. Zwar gab es einige Gerüchte um eine mögliche Switch-Version, die das ukrainischen Entwicklerstudio 4A Games nie dementieren wollte, tatsächlich erschien Exodus jedoch nur auf den leistungsstärkeren Konsolen von Sony und Microsoft. Jetzt, ein gutes Jahr später, dürfen auch Besitzer von Nintendos Hybridkonsole das fiktionale, postapokalyptische Metro-2033-Universum erkunden. Doch statt Exodus bekommen sie Redux, eine Spielesammlung bestehend aus den ersten beiden Titeln der Serie, die ursprünglich für die letzte Konsolengeneration entwickelt und 2014 bereits auf PS4 und Xbox One portiert wurden.

Metro Redux reiht sich damit in eine Liste älterer Spiele ein, die erst Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung den Weg auf eine Nintendo-Konsole fanden. Metro 2033 erblickte bereits 2010 das Licht der Welt, Metro Last Light folgte drei Jahre später. Beide Spiele konnten damals gute Wertungen einheimsen. Wir hätten heute zwar lieber das neue Metro Exodus auf der Switch gesehen, müssen an dieser Stelle jedoch konstatieren: Metro 2033 und Last Light sind definitiv besser als gar kein Metro.

Die Spiele der Redux-Sammlung sind für Nintendos Hybridkonsole physisch oder als Download erhältlich. Die physische Version beinhaltet für rund 50 Euro beide Titel. Wer dagegen den Nintendo e-Shop besucht, kann sich dort auch nur einen davon zum halben Preis der Sammlung kaufen. Im internen Speicher der Switch beziehungsweise auf einer SD-Karte benötigt Metro 2033 etwa 6,2 GB an Speicherplatz, bei Last Light sind es knappe 8 GB.

Leben nach dem Atomkrieg

Die Story dürfte vor allem älteren Spielern nach den multiplen Portierungen und Neuauflagen der Serie bereits bekannt sein. Auch Leser mit einer Vorliebe für Sci-Fi könnten sich hier auskennen, denn Metro 2033 basiert auf dem gleichnamigen Roman des russischen Autors Dmitry Glukhovsky und erzählt die relativ lineare Geschichte von Artjom, dessen Eltern sich nach einem fürchterlichen Atomkrieg zusammen mit anderen Moskauern in das große U-Bahn-Netz der russischen Hauptstadt retten mussten. Artjom selbst gehört zu einer Generation von Menschen, die im Untergrund geboren wurden und dort aufgewachsen sind. Die Erdoberfläche ist inzwischen nicht mehr bewohnbar, und auch Teile des Tunnelnetzwerks sind radioaktiv verseucht und können daher nur mit einer Schutzmaske mit speziellem Filter betreten werden. Zu allem Überfluss hat die Strahlung etliche Tiere in Bestien verwandelt, die regelmäßig die provisorischen Lager in den Metrostationen überfallen und daher von den wenigen übrig gebliebenen Menschen bekämpft werden müssen. Unterschiedliche politische Fraktionen ringen zudem um die Macht über das Tunnelnetzwerk, und eine weitere Gefahr geht von den „Schwarzen“ aus, mysteriösen Wesen, die an bestimmten Orten wie aus dem Nichts auftauchen und scheinbar übernatürliche, telepathische Fähigkeiten besitzen. Um Letztere mit einem Raketenangriff zu bekämpfen, muss Artjom die militärische Bunkeranlage D6 finden. Dazu ballert er sich in den klaustrophobischen Tunneln des Metro-Netzwerkes oder an der eisigen, schneebedeckten Oberfläche von Moskau mit klassischen Waffen wie Maschinengewehren oder einer Schrotflinte durch Horden mutierter Gegner.

Metro Last Light basiert analog dazu auf dem Roman 2034, wobei sich die Entwickler hier weit weniger strikt an die Vorlage hielten und viele Stränge der Story eigenständig weiterführten. Spieler übernehmen einmal mehr die Rolle Artjoms, der sich zusammen mit der Scharfschützin Anna auf die Suche nach einem Schwarzen macht, der angeblich an der Oberfläche gesichtet wurde, obwohl die Wesen eigentlich als ausgerottet galten. Tatsächlich trifft er auf eine der Kreaturen, wird dann aber von der neofaschistischen Fraktion des Metro-Netzwerks gefangen genommen und in deren Kampf gegen die anderen Fraktionen gezogen.

Egal ob 2033 oder Last Light – die Story wird mit vielen Cut-Scenes und Dialogen jeweils gut erzählt und weiß bestens zu unterhalten.

Atmosphärische Horror-Action

Beide Spiele legen trotz des Vorhandenseins einiger Stealth-Passagen eindeutig einen Fokus auf knallharte Action und gruselige Spannung, die vor allem durch die sparsam ausgeleuchteten Umgebungen entsteht. Wenn im Lichtkegel von Artjoms Taschenlampe Gegner aus Staubwolken oder hinter dichten Spinnennetzen wie aus dem Nichts auftauchen, fährt Metro zur Höchstform auf. Hin und wieder verwandeln Fahrten in handbetriebenen Eisenbahn-Draisinen das Spiel auch fast in eine Art Rail-Shooter. Erwähnenswert ist darüber hinaus, dass es zugunsten einer dichteren Atmosphäre kein klassisches HUD gibt. Mit Ausnahme eines Fadenkreuzes sieht der Spieler alles so, wie es Artjom sehen würde, samt Effekten, die Schmutz, Blut oder Wassertropfen auf dem Glasvisier der Schutzmaske simulieren. Munitionsanzeigen und ähnliches werden stets nur vorübergehend eingeblendet. Eine Uhr an Artjoms Handgelenk zeigt an, wie lange die Schutzmaske noch benutzt werden kann, bis ein Filterwechsel nötig ist.

Im sogenannten Ranger-Hardcore-Modus wird völlig auf Anzeigen verzichtet und Artjom nimmt bei Kämpfen mehr Schaden. Schon der normale Modus stellt in Metro 2033 jedoch eine Herausforderung dar und so ist der Ranger-Hardcore-Modus sicher nur für besonders hart gesottene Spieler geeignet. Last Light spielt sich etwas leichter, weil Artjom hier seltener alleine unterwegs ist und die NPC-Kameraden durchaus zielsicher sind.

Sowohl Metro 2033 und Last Light überzeugen zudem mit einer lebendigen, realistischen Darstellung des Moskauer Untergrunds. Obgleich des postapokalyptischen Settings fühlt sich die Welt bewohnt an, wobei das in erster Linie natürlich für die Lager in den Metrostationen gilt. Dort hausen nicht nur grobschlächtige Männer, sondern auch Frauen und Kinder. Hinter Wänden aus Spanplatten oder Wellblech sitzen Menschen auf schmutzige Betten und anderen Möbeln und unterhalten sich über allerlei Dinge. An den Wänden hängen Poster und Fotos, auf Tischen stehen unzählige Alltagsgegenstände. Irgendwo spielt ein Mann auf einer Gitarre, in einer Halle werden Mastschweine gehalten, anderswo jongliert jemand mit Bällen, um Kinder zu amüsieren. Es gibt Läden, wo Händler ihre Waren – hauptsächlich Waffen – anbieten, aber auch Kneipen und Bars. Die großen, meist geschlossenen Tore der Metrostationen werden von Söldnern mit Flutscheinwerfern bewacht. In Metro 2033 heißt die größte Siedlung Polis, in Last Light haben die Menschen den D6-Bunker besiedelt.

Anno 2010 war die Präsentation von Metro 2033 vor allem auf dem PC eine Wucht und Metro Last Light konnte in dieser Hinsicht noch mit einigen Verbesserungen aufwarten. Der zweite Teil der Serie verlagert das Geschehen häufiger in offenere Gebiete außerhalb der Metro-Tunnel. Wo vorher nur Schnee und Eis waren, ist in Last Light auch etwas Grün. Die verlassenen Regionen Moskaus erinnern in ihrer Aufmachung an Dokumentationen über Tschernobyl und können atmosphärisch nicht weniger überzeugen als die Gebiete unter der Erde. Seit 2010 ist allerdings ein ganzes Jahrzehnt vergangen. Wie schlagen sich die Titel aus technischer Sicht heute?

Ein solider Port

Im Jahr 2020 sehen beide Spiele auf der Nintendo Switch zweifelsohne deutlich besser aus als auf der Xbox 360, aber nicht ganz so gut wie das Remaster für die PS4 oder Xbox One. Neue Texturen, detailliertere Charaktermodelle und verbesserte Lichteffekte kaschieren das Alter der Spiele. Dass die Titel ursprünglich für eine ältere Konsolengeneration entwickelt wurden, merkt man vor allem anhand einiger grob modellierter Gegenstände, steifen Animationen sowie schlecht umgesetzten Effekten. Die Darstellung von Feuer sieht beispielsweise zweidimensional und altbacken aus. Das gilt aber für alle Systeme. Dass die Switch-Version nicht ganz mit der PS4/X1-Fassung mithalten kann, liegt mitnichten an den absolut gleichwertigen Texturen, Modellen oder Lichteffekten. Hier hat 4A Games bemerkenswert gute Arbeit geleistet.

Stattdessen sind es die Auflösung und die Ladezeiten, die der PS4- und Xbox-Version einen leichten Vorteil verschaffen. Die PS4-Fassung läuft in 1080p, während sich die Pixeldichte auf der Switch stets der Umgebung und den darzustellenden Objekten anpasst, das heißt, in detaillierteren oder offeneren Gebieten mit vielen Gegnern verringert sich die Auflösung zugunsten einer gleichbleibenden Framerate und sorgt so gelegentlich für ein weniger scharfes Gesamtbild. Zwischen einzelnen Regionen unterbrechen zudem Ladebildschirme das Geschehen – nicht selten für 60 Sekunden oder länger. Im Gegenzug laufen die Metro-Spiele auf der Switch jedoch mit einer konstanten Framerate von 30 Frames pro Sekunde und sind dadurch jederzeit ruckelfrei spielbar, außerdem sehen sie für Switch-Verhältnisse insgesamt mehr als ordentlich aus.

Der Gegner-KI merkt man die Last-Gen-Wurzeln des Spiels stärker an. Von den mutierten, vierbeinigen oder auch geflügelten Bestien speziell in Metro 2033 ist sicher kein hoher IQ zu erwarten, aber die Kreaturen stürzen sich mehr als nur stumpfsinnig auf ihre Feinde und reagieren zum Teil nicht einmal auf direkte Treffer aus nächster Nähe. Sie führen ihre vorprogrammierten Angriffsanimationen durch und fallen erst dann tot um. Menschliche Gegner verhalten sich wenig besser. Sie ducken sich zwar hinter Gegenstände und greifen nicht ganz so kopflos an, aber lassen sich dennoch kaum als intelligent beschreiben. Zum Glück lebt Metro mehr von der packenden Atmosphäre als von den Gefechten und so oder so sollten die beiden Spiele der Serie nicht mit moderneren Shootern verglichen werden, denn es handelt sich hier um eine Remastered-Fassung, nicht um ein Remake. Unabhängig davon sieht Last Light dank einem höheren Detailgrad etwas besser aus als Metro 2033 und auch in Sachen Gegner-KI hat der Nachfolger ein klein wenig die Nase vorn. Da der zweite Teil auch noch abwechslungsreicher ist, lässt sich klar sagen: Wer sich nur eines der beiden Spiele besorgen möchte, sollte sich definitiv für Last Light entscheiden.

Steuern lassen sich beide Spiele identisch. Mit den Analogsticks werden Artjom und die Kamera bewegt, mit ZR wird geschossen, durch Drücken des rechten Sticks eine Nahkampfattacke ausgeführt. Mit der A-Taste kann sich Artjom ducken, mit B springt er. Y dient der Interaktion mit der Umgebung, mit X werden Waffen gewechselt. Gedrückthalten der linken Schultertaste öffnet ein Ausrüstungsmenü, während ein schnelles Drücken derselben Taste dazu führt, dass sich Artjom mit der Hand über das Visier wischt.

Leider fühlt sich die Steuerung speziell beim Zielen etwas schwammig an, das führt aber letztlich nur dazu, dass die Schrotflinte mit ihrer breiten Streuung schnell zur Waffe der Wahl wird.

FAZIT:

Es ist schwierig Metro Redux objektiv zu bewerten, denn auf anderen Systemen ist die Spielesammlung schon so lange erhältlich, dass sie dort längst für wenige Euro angeboten wird. Vergleicht man Metro Redux aber nur mit anderen Titeln für Nintendo Switch, bekommt man definitiv viele Stunden Spielspaß für relativ wenig Geld. Beide Spiele erzählen eine interessante Story in einer atmosphärischen, in sich stimmigen Welt, und der Redux-Port ist erstaunlich nah an der PS4-/X1-Version. Wer noch nie ein Metro-Spiel zocken durfte und keine andere Konsole besitzt oder viel im Handheld-Modus spielt, macht mit den beiden Old-School-Shootern wenig verkehrt.

Wertung:

8.0

Jeremiah David meint:

"Atmosphärische Old-School-Shooter im Doppelpack"
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


Falcon
vor 1 Monat | 2
Danke für den Test! Ich denke, ich werde die Reihe auf Switch jetzt tatsächlich endlich mal nachholen ^^