Test: Vitamin Connection

Von Jeremiah David am 27. Februar 2020

Limited Run Games und WayForward, das Entwicklerstudio hinter Titeln wie Shantae und Mighty Switch Force!, bringen mit Vitamin Connection einen Exklusivtitel auf die Nintendo Switch. Kann das Action- und Geschicklichkeitsspiel überzeugen? Wir verraten es euch in unserem Kurztest.

Vitamin-Power

Die Story von Vitamin Connection ist überaus simpel und mehr Mittel zum Zweck als spannende Unterhaltung: Der Familie Sable geht’s nicht gut. Böse Bakterien machen den Familienmitgliedern zu schaffen, lassen sie husten und schnupfen. Wie reagiert man in so einer lausigen Situation? Man wendet sich an die mikroskopisch-kleinen Helden Vita-Boy und Mina-Girl, die sich sogleich in ihr kapselförmiges Schiff begeben und durch die Blutbahnen der Famile Sable düsen, um dort mit einem Vitamin-Laser Viren und Bakterien abzuballern.

Die Blutbahnen stellen praktisch mehr oder weniger enge, zweidimensionale Korridore dar, durch die wir das Schiff des Vitamin-Duos navigieren müssen. Mit den Schultertasten rotieren wir dazu die längliche, zweifarbige Kapsel so, dass sie immer parallel zu den Außenwänden steht. Berühren wir eine Wand oder einen Gegner, verlieren wir Lebensenergie, die wir durch das Einsammeln leuchtender Punkte wieder auffüllen können. Wer auf der Wii oder dem Gameboy Advance schon einmal Kuru Kuru Kururin gesehen hat, kennt das Spielprinzip, wobei der Klassiker ein reines Geschicklichkeitsspiel darstellte. In der vitaminreicheren Variante muss zusätzlich noch geballert werden, was mit dem rechten Analogstick passiert. Als Ziele dienen Bakterien und Viren, die wie kleine Monster designt wurden, aber auch wunde, rot pulsierende Stellen an den Wänden der Venen. Durch gleichzeitiges Drücken von A und B kann das Spielgeschehen jederzeit beschleunigt, und mit den Pfeiltasten kann ab dem zweiten Level zudem ein Greifarm ausgestreckt werden, um Gegner oder Hindernisse zu beseitigen. Der Greifarm wird mit den Bewegungssensoren gesteuert, was speziell im Handheld-Modus ziemlich mühsam ist und mehr schlecht als recht funktioniert. WayForward empfiehlt wohl auch deshalb zu Spielbeginn die Verwendung des Joy-Con-Grips oder des Pro Controllers.

Nach und nach gleiten wir durch jedes Mitglied der Familie Sable, wobei das labyrinthartige Leveldesign immer wieder einiges an Backtracking erfordert. Die perfidesten Bakterien sitzen stets an besonders wichtigen Organen wie dem Herz, dem Gehirn oder der Leber, und so ist es unser Ziel, diese Orte vollständig von den Krankheitserregern zu befreien. An jedem Organ wartet dazu ein Minispiel auf uns. Die Minispiele haben nichts oder nur sehr wenig mit der Gesundheits-Thematik zu tun und sind stattdessen auf themenunabhängigen, kurzweiligen Spielspaß aus. Bei einem Minispiel müssen wir so beispielsweise in bester Space-Invaders-Manier giftige „Schleimklekse“ durch ein Gegnerfeld hindurch bekämpfen, das Mini-Spiel Kabel-Coaster ist dagegen eine digitale Variante des Spiels Heißer Draht. Bis alle Familienmitglieder wieder gesund sind, müssen insgesamt elf unterschiedliche Mini-Spiele abgeschlossen werden, die größtenteils, aber leider nicht alle voll überzeugen können. Manche Mini-Spiele wiederholen sich außerdem in nur leicht abgewandelter Form. Angenehm überraschend ist allerdings, dass manche dieser Spiele von Switch-Funktionen Gebrauch machen, die sonst eher selten genutzt werden, wie die IR-Kamera oder dem HD-Rumble. Hier zeigen sich die Vorteile einer Switch-exklusiven Entwicklung, wobei an dieser Stelle darauf hingewiesen werden sollte, dass Besitzer einer Switch Lite Vitamin Connection laut den Entwicklern zwar spielen können, aber natürlich auf das HD-Rumble verzichten müssen.

Minimalistische Präsentation, toller Co-op-Modus

Optisch und akustisch präsentiert sich Vitamin Connection höchst stilisiert, die simple Ästhetik ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist Vitamin Connection einwandfrei spielbar und kommt absolut nie ins Stocken, andererseits ist die bunte 2D-Grafik so simpel und detailarm, dass sie wohl nicht jedem Spieler gefallen dürfte und eher an free-to-play Smartphonespiele erinnert. Die Umgebungen in den Levels bestehen aus einfarbigen Flächen, die Cut-Scenes sehen aus wie billig produzierte Samstag-Morgen-Trickfilme. Die englische Sprachausgabe befindet sich auf einem ähnlichen Niveau. Deutsche Sprecher gibt es nicht. Analog zur Optik ist auch der Soundtrack stark geschmacksabhängig. Wer auf J-Pop, Funk- und Jazz-Fusion oder Eurobeat steht, der wird mit Vitamin Connection seine helle Freude haben. Andere finden die aufpeitschenden Lieder womöglich nervig und werden sich nach einiger Zeit nach weniger aufdringlichen Stücken sehnen.

Spielen lässt sich Vitamin Connection solo oder im lokalen Co-op-Modus für zwei Spieler. Wer sich für letzteren entscheidet, steuert mit dem linken Joy-Con Vita-Boy, während der Partner mit dem rechten Joy-Con die Rolle von Mina-Girl übernimmt. Vity-Boy bewegt das Schiff und feuert den Laser ab, Mina-Girl bestimmt dagegen die Rotation der Kapsel und die Richtung des Lasers. Das asymmetrische Gameplay kann zu zweit auf der Couch richtig Laune machen. Online ist Vitamin Connection nicht spielbar.

Fazit:

Die Optik von Vitamin Connection wurde eindeutig dem Gameplay untergeordnet, und der J-Pop-lastige Soundtrack kann je nach Geschmack voll überzeugen oder tierisch nerven. Der Preis von rund 20 Euro scheint für ein Spiel dieser Art außerdem trotz aller Qualitäten etwas hoch angesetzt. Unabhängig davon ist Vitamin Connection jedoch ein flotter und größtenteils problemlos spielbarer Exklusivtitel, der ein paar Stunden lang gut unterhalten kann und danach zur High-Score-Jagd einlädt. Fans von J-Pop und ähnlicher Musik dürfen der Endwertung gerne noch einen Punkt dazu addieren.

Wertung:

7.5

Jeremiah David meint:

"Größtenteils spaßige Vitaminaction mit minimalistischer Präsentation."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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