Test: The Dark Crystal: Age of Resistance Tactics

Von Michael Prammer am 20. Februar 2020

Kurz nachdem ,,Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands'' auf Netflix die Vorgeschichte des gleichnamigen Films aus den 80ern erzählte, erschien nun ein Videospiel zur Serie.

Die fiktive Welt Thra wird von den Skeksen beherrscht, die in ihrer Erscheinung an Geier erinnern. Die friedlichen Bewohner dieser Welt, die elfenähnlichen Gelflinge, müssen darunter leiden, denn die bösartigen Skekse können ihre Macht nur aufrecht erhalten, indem sie sich derer Essenz bedienen. Als die Gelflinge davon Wind bekommen, formen sie eine Widerstandsbewegung, die allerdings aus einer Vielzahl zerstrittener Völker zusammengesetzt werden muss. Mutter Aughra bekommt es schließlich hin, eine Armee zu erschaffen, die sich dem Kampf gegen das Geier-Volk stellt. Bis zu 14 Mitstreiter gesellen sich dabei in die Runde der tapferen Krieger, wobei Kenner des Films bzw. der Serie einige Charaktere wie Deet und Brea bekannt sein dürften. 

Große Vorlage - klein umgesetzt

Leider verzichtet das Spiel auf eine spannende Inszenierung der Geschichte. Wer die Vorlage und damit Jim Hensons liebevoll animierte Puppen kennt, der wird hier recht enttäuscht sein, denn das Spiel setzt lediglich auf kleine Comics, um die Spielszenen miteinander zu verbinden. Die Geschichte wird durch kurze Dialoge mit kleinen, schwer lesbaren Textboxen vorangetrieben. Ein paar schöne Videosequenzen hätten dem Spiel vor allem angesichts des absolut einzigartigen Charakterdesigns gut getan. So aber wirkt die Präsentation lediglich zweckmäßig.

Das Spielprinzip selbst erinnert an strategische Rollenspiele, wie zum Beispiel Fire Emblem, wenngleich The Dark Crystal: Age of Resistance Tactics nie eine vergleichbare Komplexität erreicht. Die Level sind im Prinzip isometrisch dargestellte, in verschiedene Felder unterteilte Gebiete. Zug um Zug wechselt hier das Geschehen zwischen Spieler und CPU. Die vom Spieler gesteuerten Kämpfer beherrschen dabei Nah- und Fernkampfattacke und klassische Spezialfähigkeiten wie Heilungszauber, die zum Erreichen unterschiedlicher Ziele benötigt werden: Meist muss der Spieler alle gegnerische Einheiten ausschalten, gelegentlich reicht es aber auch schon, einfach nur den Ausgang des Levels zu erreichen oder einen Schalter umzulegen. Höhenunterschiede im Terrain können dabei als Vorteil ausgenutzt werden und sollten bei Angriffen mitberücksichtigt werden. Darüber hinaus kann aber auch das Wetter - starker Wind oder gar Sandstürme - einen Einfluss auf das Ergebnis des Kampfs haben.

Interessant ist zudem auch, dass Charakterklassen jederzeit frei gewechselt werden können, sofern das nötige Level dafür erreicht wurde. So kann ein Krieger beispielsweise nach einigen Kämpfen in einen Dieb oder Paladin verwandelt werden. Letzterer hat ganz andere Vorzüge als ein Krieger und kann ebenso neue Fähigkeiten erlernen. Auf diese Weise bleibt es dem Spieler stets selbst überlassen, welchen Spielstil er bevorzugt.

Zwischen den einzelnen Missionen, die nie länger als 15 bis 20 Minuten in Anspruch nehmen, verwertet der Spieler seine neu gewonnene Ausrüstung oder kauft neue Waren mit Perlen, die als In-Game-Währung dienen. Analog zu den den Charakterklassen sind auch die drei Schwierigkeitsgrade im Spiel jederzeit frei wählbar. Ein Mehrspielermodus fehlt dagegen leider komplett. Das ist wirklich schade, denn gerade als Couch-Koop hätte das Spiel enorm viel Potential gehabt.

Aus technischer Sicht ist die bereits angesprochene Inszenierung etwas bieder ausgefallen und hätte wirklich mehr Liebe zum Detail verdient gehabt. Das Spielgeschehen selbst läuft flüssig, sieht allerdings auch nicht allzu detailliert aus. Dazu nerven die teils viel zu lang geratenen Ladezeiten. Der Soundtrack ist hingegen sehr gut gelungen und kann auf ganzer Linie überzeugen. Auch die Steuerung ist simpel und lässt keinen Spielraum für Kritik.

Fazit:

Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands, so der deutsche Titel, ist ein durchaus unterhaltsames Taktik-Rollenspiel, dass jedoch mit Genregrößen wie z.B. Fire Emblem keinesfalls mithalten kann. Allerdings erzählt das Spiel eine schöne Geschichte, ist leicht zu erlernen und bietet einige interessante Ansätze in Spieldesign. Ebenfalls begeistern kann der wirklich schöne Soundtrack. Weniger schön ist hingegen die sehr fade Inszenierung der Geschichte, die dadurch fast schon belanglos wirkt. Auch die teils sehr langen Ladezeiten und der komplett fehlende Multiplayermodus enttäuschen. Und zu guter letzt ist es auch recht schwierig, eine echte Zielgruppe für das Spiel zu definieren. Fans des Genre bekommen bei anderen Titel insgesamt einfach deutlich mehr geboten, doch auch Fans der Serie kommen z.B. aufgrund der biederen Inszenierung nicht vollumfänglich auf ihre Kosten. Wer sich damit allerdings arrangieren kann, wird trotz allem immer noch gut unterhalten.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Solides Taktik-Rollenspiel mit großer Vorlage aber kleiner Inszenierung."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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