Seltsames Sony-Patent zu neuartigen Mikrotransaktionen

Von Andreas Held am 19. Februar 2020

Das Patent beschreibt einen Sprachassistenten, der dem Spieler konkrete Items zum Bewältigen einer Herausforderung aufzeigt und zum Sofortkauf anbietet.

Es ist kein Geheimnis, dass die großen Publisher immer mehr darauf setzen, zusätzlich zu den Einnahmen aus Spieleverkäufen weitere Einnahmen durch DLCs und Mikrotransaktionen zu generieren. Die bisher sehr verbreiteten Loot-Boxen stehen jedoch mittlerweile, aufgrund ihrer starken Ähnlichkeit zu potentiell süchtig machenden Glücksspielen, immer stärker unter dem Beschuss der Gesetzgebung. Ein neues, von Sony eingereichtes Patent zeigt nun eine mögliche Reaktion auf diese neue Situation auf.

Das Patent beschreibt einen Sprachassistenten, der dem Spieler - ähnlich wie Siri oder Alexa - konkrete Fragen beantworten kann. Der Assistent schlägt dem Spieler dann nicht nur eine Lösung für die aktuelle Spielsituation vor, sondern zeigt ihm auch eine Statistik, wie viele andere Spieler diese Lösung zum Erfolg geführt hat. Handelt es sich bei der Lösung um ein konkretes Item, das der Spieler einsetzen soll, kann der Assistent dem Spieler ein Kaufangebot für dieses Item machen.

Ein konkretes Beispiel: Fragt der Spieler "Wie besiege ich diesen Boss?", könnte der Assistent den Spieler auf eine besonders starke Waffe hinweisen, mit der der Obermotz sehr leicht zu besiegen ist. Eine Einblendung würde dem Spieler zeigen, dass 80% der Spieler, die diese Waffe benutzt haben, den Boss beim ersten Versuch innerhalb von einer Minute besiegen konnten. Hat der Spieler die entsprechende Waffe noch nicht innerhalb des Spiels gefunden, könnte der Assistent dem Spieler anschließend anbieten, die Waffe z.B. für 0,99€ zu kaufen und sofort zu benutzen.

Derartige Patente sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, denn es wäre nicht das erste Mal, dass ein für viele Spieler verstörend klingendes Konzept nie in einem fertigen Spiel zum Einsatz kommt. Trotzdem zeigt das Dokument, dass Sony ein gewisses Forschungsbudget in die Schöpfung neuartiger, möglichst verlockender Mikrotransaktionen investiert. Nur eines scheint sicher: Sprachassistenten, die als eingebaute Komplettlösungen fungieren, werden in der nächsten Konsolengeneration vermutlich zum Standard gehören.

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3 Kommentare:


michi1894
vor 1 Monat | 1
Damit gehen Videospiele immer weiter in eine Richtung, die für die Tonne ist. Es würde leider genug Menschen geben, die so etwas nutzen und den Herstellern die Taschen noch mehr füllen.

Buttergebäck
vor 1 Monat | 1
Was mir am sauersten daran aufstößt ist nicht mal das Geld das die Leute dann bezahlen würden, sondern dass die In-sich-Abgeschlossenheit des Gameplays noch weiter torpediert wird. Etwaige Hilfestellungen die ein Spiel bietet müssen aus dem Spiel selbst heraus kommen, alle Schichten die darübergelegt werden wie z.B. Achievements oder solche Sprachassistenten sind Gift für das Medium Videospiel.

Vyse
vor 1 Monat | 1
Im Prinzip das. Ich finde es schon völlig furchtbar, wenn in Single-Player-Spielen irgendwelche overpowereten Items in mein Inventar gesteckt werden, weil ich irgendeine Complete Edition gekauft habe, irgendein Ingame-Event absolviert habe oder weil der Twitter-Account des Publishers X Millionen Follower erreicht hat.

Mit Sprachassistenten oder ähnlichen Zugänglichkeits-Features hätte ich nicht mal unbedingt ein Problem, solange man sie vollständig abstellen kann und sie dafür sorgen, dass sich die Entwickler trauen können ihre Spiele für die Leute die sie nicht nutzen wieder etwas schwieriger zu machen. Celeste oder Thief (2014) zeigen sehr gut, dass sowas geht.