Test: Snack World: Die Schatzjagd - GOLD

Von Deniz Üresin am 13. Februar 2020

Ein neuer Tag, ein neuer Test zu einem Switch-Port. Dann wollen wir mal auf Schatzsuche gehen!

Der japanische Spieleentwickler und Publisher Level-5 versteht es, Multimedia-Franchises zu erschaffen. Viele ihrer Spieleserien, wie die Rätselreihe um Prof. Layton oder das Monster-Fang-RPG Yo-Kai Watch (zum NplusX-Test), werden von Manga- und Animeserien sowie haufenweise Merchandise begleitet. Einer der hierzulande eher weniger bekannten Vertreter dieser Art ist Snack World, denn das Spiel, das 2017 für den 3DS erschien, hat Japan nie verlassen. Die inhaltlich aufgebohrte Switch-Fassung, die in Japan bereits 2018 herausgekommen ist, hat aber jetzt tatsächlich eine umfangreiche Lokalisierung spendiert bekommen und genau dieser Version fühlen wir hier auf NplusX auf den Zahn.

Das neue Fantasy Life?

Um gleich vorneweg allen Fantasy-Life-Fans die brennendste aller Fragen zu beantworten: Nein, Snack World ist kein Ersatz oder spiritueller Nachfolger des knuffigen 3DS-Open-World-RPGs vom selben Entwickler. In Snack World erkundet ihr keine weitläufige, zusammenhängende Welt, sondern prügelt euch durch kleine Areale oder zufallsgenerierte Dungeons. Großen Wert auf eine Story legt dieses Spiel aber auch nicht: Ihr erwacht, nachdem ihr euch im Charakterbaukasten zu Beginn des Spiels ausgetobt habt, mit Gedächtnisverlust im Hotel des kleinen Städtchens Croquetta.

Sofort werdet ihr zum König im nahegelegenen Palast beordert, wo ihr auch direkt einen Auftrag von ihm erhaltet – beziehungsweise von seiner Tochter. Die erste Hälfte der nicht über den Tiefgang eines Nickelodeon-Cartoons hinauskommenden Story seid ihr fortan damit beschäftigt, Die Insel rund um Croquetta zu erkunden und in Dungeons fiese Bosse zu bezwingen, um Prinzessin Melonia mal wieder einen ihrer Herzenswünsche zu erfüllen. Viele Charaktere aus der Manga- und Animeserie, wie der Held Chup und seine Crew, treten dabei öfter im Spiel auf, unterstützen euch auf Quests oder stehen gelegentlich als Sparringspartner zur Verfügung. Später taucht zwar noch wie aus dem Nichts dann doch ein Antagonist auf, der einen bösen Drachen heraufbeschwören und die Welt damit bedrohen will, aber wirklich neue Maßstäbe in der Erzählkunst kann die Story trotzdem nicht setzen.  So bleibt es bei einem storytechnisch sehr seichten Abenteuer, das scheinbar eher auf seinen potenziell süchtig machenden Gameplay-Loop aufmerksam machen will. Wer hat sich denn nicht schon das eine oder andere Mal gedacht: „Ach, die eine Quest mach ich noch!“ oder „Okay, ich hör gleich auf, aber erst noch schnell im Waffenladen vorbeischauen und mein Equipment für die nächste Session optimieren!“

Verrücktes Vokabular

Beim Flanieren durch Croquettas Straßen trefft ihr haufenweise NPCs, die mal mehr, mal weniger spannende Dinge zu sagen haben. Manche geben euch Aufträge, die in der Rubrik „Story-Quests“ zu finden sind (auch wenn die meisten dieser Quests herzlich wenig mit der Hauptstory zu tun haben). Diese Quests erfordern, dass ihr entweder bestimmte Gegner oder den Boss eines Gebiets oder Dungeons bezwingen oder lebend an einem bestimmten Punkt ankommt. Manche der Auftraggeber begleiten euch sogar als nicht-spielbare Partymitglieder auf diesen Story-Quests.

Mit euren Jaras setzt ihr euch dann in den Dungeons gegen die Vielzahl an verrückten Monstern zur Wehr. Jaras sind schlüsselanhängerähnliche Waffen, von denen ihr bis zu sechs auf eine Quest mitnehmen und zwischen denen ihr jederzeit wechseln könnt. Das ist auch dringend vonnöten, denn mit jeder Nutzung verliert ein Jara sogenannte JP. Fallen diese auf 0, ist die Waffe für eine Weile unbrauchbar, bis sich ihre JP-Leiste wieder erholt hat. Jede Waffengattung wie Schwert, Bogen, Lanze, Axt oder Zauberstab hat dabei ein eigenes Moveset und ist für bestimmte Gegner und Bosse besonders gut geeignet. Jaras derselben Gattung können sich aber auch noch in ihrem Angriffswert und ihren Spezialattacken und passiven Boni unterscheiden. Neben den Monstern lauern aber auch noch Fallen, Schatztruhen und magische Türen in den Tiefen der zufallsgenerierten Dungeons. Besiegte Gegner bescheren euch Erfahrungspunkte und Materialien zum Verkaufen oder Craften neuer Ausrüstungsgegenstände. Manche von ihnen bleiben aber auch noch etwas länger liegen und gestatten euch, ein „Snackie“ von ihnen zu machen. Mit eurem Pix-e Pod, dem Smartphone eures Protagonisten, könnt ihr ein Foto von dem Monster machen und es in einen „Snack“ verwandeln – was nichts anderes bedeutet, als dass ihr es fortan als Computergesteuertes Partymitglied mit auf Quests nehmen könnt. Die Wahl des richtigen Snack-Teams (ihr könnt später im Spiel bis zu drei davon mit auf eine Quest nehmen) kann euch gerade in brenzligen Bosskämpfen den Hintern retten, indem sie euch heilen, verteidigen oder euch sogar ins Leben zurückrufen, wenn ihr besiegt worden seid.  

Loot in Ehren kann niemand verwehren

Die Story von Snack World lockt zwar niemanden hinter dem Ofen hervor, aber erfahrenen Abenteurern dürstet es ja auch gelegentlich mal nach etwas viel Primitiverem: Nach leckerem, saftigen Loot. Diesem Bedürfnis möchte Snack World gerne nachkommen, erinnert das Quest- und Loot-basierte Abenteuer von seiner Formel her doch sehr an die Monster-Hunter-Reihe: Gold, Materialien, neue Waffen und Rüstungsteile wollen zuhauf entdeckt oder aus den kalten, toten Klauen eines Monsters entrissen werden. Mit dem Geld könnt ihr euch nicht nur Heilitems und neue Waffen kaufen, sondern auch noch etwas viel Wichtigeres: Etwas Schickes zum Anziehen. Alternativ  craftet ihr euch eure Rüstung einfach selbst. Dafür benötigt ihr lediglich das passende Rezept und eine entsprechende Anzahl bestimmter Materialien. Eure Rüstungsteile erhöhen nicht nur eure Stats und bringen passive Boni wie diverse Magieresistenzen mit sich, sondern beeinflussen auch die Chance, seltenere Materialien beim Questen zu erhalten. Für manche Quests müsst ihr sogar zwingend einen bestimmten Stil tragen, aber keine Sorge, egal wie hässlich eure beste Rüstung ist, ihr könnt sie anbehalten – und unter der Zierausrüstung verstecken. Diese beeinflusst nur euer Aussehen und hat keinen Einfluss auf eure Statuswerte. Neben dem Kaufen oder Craften von Waffen und Rüstungen könnt ihr diese mit den entsprechenden Materialien auch verbessern und somit neue Farbschemata freischalten, um euren Style noch individueller anzupassen.

Abseits von den Läden und der einen oder anderen Story-Quest gibt es im nicht allzu großen Croquetta leider kaum etwas Sehenswertes, sodass ihr den größten Teil des Spiels in den Dungeons verbringen werdet. Diese werden bei jedem Betreten zufällig generiert und bestehen aus wahllos miteinander verbundenen Gängen und Räumen. Die Treppe zur nächsten Ebene ist dabei gelegentlich durch ein Schloss versperrt, sodass ihr entweder das Monster finden müsst, das den Schlüssel mit sich herumträgt, oder ihr müsst alle Schalter in der Umgebung finden und betätigen, um weiter voranzukommen. Auf der tiefsten Ebene werdet ihr bei Bedarf noch einmal gründlich geheilt, bevor es zu einem spektakulären Bosskampf kommt. Diese können je nach eurem Level und eurer Vorbereitung knallhart sein. Verliert ihr, werdet ihr zurück ins Dorf transportiert und habt die Quest zwar nicht abschließen können, aber dafür auch weder Geld noch gefundene Schätze verloren.

Einmal Snack World in HD ohne alles, bitte!

Wie bereits erwähnt ist Snack World ursprünglich ein 3DS-Spiel gewesen und das sieht man dem RPG zugegebenermaßen auch an. Zwar haben alle Charaktermodelle und Texturen eine höhere Auflösung spendiert bekommen, sind insgesamt aber eben recht simpel und undetailliert, was zum Teil durch den Cartoon-Look kaschiert werden kann. Neben der Grafik sind aber auch an vielen anderen Ecken die 3DS-bedingten Restriktionen des Spiels zu spüren. So lässt sich die Kamera fast immer nur in einem sehr kleinen Rahmen bewegen, die Charaktere geben während der Gespräche und auch in manchen Cutscenes nur kurze Geräusche oder Standardphrasen von sich, anstatt den Inhalt der Sprechblasen vorzulesen und auch der Multiplayermodus ist leider etwas dürftig ausgefallen. Tragischerweise könnt ihr nämlich keine der Storyquests gemeinsam erledigen. Der Multiplayermodus ist nur auf die Nebenquests beschränkt, von denen es nicht extrem viele gibt. Da jedes Gebiet und jeder Bossgegner durch die Nebenquests aber abgedeckt werden, könnt ihr immerhin zusammen mit Freunden oder Fremden, lokal oder online, looten und leveln. Dabei könnt ihr euch auf der Switch allerdings nur mittels voreingestellter kleiner Phrasen, Emojis oder Posen verständigen, selbst geschriebene Texte wie beispielsweise bei Monster Hunter sind nicht möglich.

Etwas mehr Fleiß ist in die deutsche Lokalisierung geflossen. Level-5-Spiele strotzen im Allgemeinen nur so vor Wortwitzen und lustigen und abgedrehten Gesprächen und auch Snack World macht hier keine Ausnahme. Manche der Wortwitze wurden aber leider Wort für Wort aus dem Englischen übersetzt und ergeben im Deutschen damit keinen Sinn mehr, aber alles in allem ist die deutsche Übersetzung mehr als solide und viele bekannte Anime-Synchronsprecher leihen den Figuren in Snack World ihre Stimmen. Selbst der Titelsong wurde komplett auf Deutsch übersetzt und neu eingesungen, auch wenn gerade hier leider nur Wort für Wort übersetzt wurde, sodass sich die deutsche Version stellenweise etwas mehr gewollt als gekonnt anhört.  

Fazit:

Auch wenn wir während der Testzeit den Multiplayermodus nicht aus erster Hand miterleben konnten, sind wir doch der Überzeugung, dass dieser in Snack World das größte Spielspaß-Potenzial hat. Gemeinsam durch Dungeons rennen, Gegner verdreschen und sich gegenseitig die Beute vor der Nase wegschnappen – herrliches Chaos und ein schmaler Grat zwischen Freund- und Feindschaft sind da vorprogrammiert.

Wenn ihr einen Nachfolger zu Fantasy Life sucht, sucht ihr hier leider vergebens, auch wenn sich immerhin die Kampfsysteme recht ähnlich sind. Wollt ihr aber einfach nur den Kopf ausschalten und ein paar zufallsgenerierte Dungeons nach cooleren Waffen und Rüstungsteilen absuchen und das am besten noch mit ein paar Freunden, könnt ihr gerne zugreifen. Euch erwartet ein solider Action-Dungeon-Crawler mit viel persönlichem Flair (vor allem die optische Gestaltung eures Charakters steht hier im Vordergrund), der aber auch etwas an seinen 3DS-Wurzeln leidet. Im Zweifelsfall wartet ihr am besten auf einen Sale oder ein Gewinnspiel.

Wertung:

7.0

Deniz Üresin meint:

"Sich mit Freunden durch Dungeons zu schlagen kann Spaß machen, auch wenn die Restriktionen der ursprünglichen 3DS-Fassung an vielen Ecken durchscheinen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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1 Kommentare:


Denios
vor 1 Woche | 0
wenn jemand ein bisschen Dungeons crawlen will, sagt mir im Forum Bescheid ;)