Test: Fire Emblem: Three Houses

Nutzer-Story von Matthew am 08. Januar 2020

Konsole: Nintendo Switch

Release: 26.07.2019

Abschlussdatum: 08.01.2020

Spielzeit: ca. 200 Stunden


Spieleinhalt

Ich habe alle vier Pfade komplett abgeschlossen und die Supportgespräche mit allen Einheiten angehört. Zusätzlich habe ich alle Fähigkeiten aus den Waffentalenten und Klassen erlernt.


Spieleranzahl

Das Spiel lässt sich nur alleine durchspielen.


Story

Nach dem immer wieder kehrenden Traum von einem Mädchen, welches sich mit euch jedes Mal unterhält, werdet ihr von eurem Vater aus dem Schlaf gerissen. Eine kleine Schülergruppe wird von Banditen angegriffen und ihr beschließt euch dieser zu helfen. Nach der erfolgreichen Abwehr begleitet ihr diese zur ihrer Schule und werdet nach kurzer Hand vom Erzbischof Rhea persönlich als Professor eingelandet. Nun ändert sich euer Alltag von einem Söldner zu einem Lehrer von eines der drei Häuser.


Review

Fire Emblem: Three Houses bietet die Auswahl sich eines der drei Häuser anzuschließen: Black Eagle, Blue Lions oder Golden Deers. Jedes dieser Häuser hat einen Hausleader Edelgard, Dimitri oder Claude und jeweils sieben weitere Schüler. Alle drei Häuser besitzen ihre eigene Geschichte und jeder Anführer verfolgt sein eigenes Ziel. Zusätzlich wird das Spiel von einem hervorragenden Soundtrack begleitet, beginnend bei dem Introsong "The Edge of Dawn". Zusätzlich besitzt jeder Charakter seine eigene Hintergrundgeschichte, die ihr über ihre Unterstützungsgespräche erfahrt und könnt dabei unterschiedlich tolle Charaktere kennen lernen.

Zwei Kritikpunkte fallen direkt zu den Vorgängern an: Erst einmal könnt ihr nicht mehr euren eigenen, individuellen Avatar erstellen, sondern habt nur die Auswahl aus beiden Geschlechtern. Zusätzlich besitzt das Spiel eine komplette Sprachausgabe - nur euer Charakter antwortet meist stumm. Ihr bekommt zwar wenige Antwortmöglichkeiten zur Auswahl, die ihr dann lesen könnt, sind meist jedoch belanglos und ändern nur bedingt den Dialog.


Vom Gameplay teilt sich das Spiel in zwei Phasen auf: Die Kämpfe finden rundenbasiert auf ein Spielfeld statt und meist besteht eure Aufgabe, mit eurer Armee die gegnerischen Einheiten auszuschalten oder euch bis zum Commander durch zu kämpfen. Doch vor den Kampf könnt ihr für eure Schlacht sämtliche Vorrichtungen abschließen. Ihr plant eure Einheiten, ihre Position, welche Ausrüstungen und Items ihr an wem verteilt, könnt euch im Shop aufstocken oder bearbeitet eure erlernten Fähigkeiten. Nach Beginn der Mission zieht ihr abwechselnd eure Einheiten. Sobald eure komplette Armee bewegt wurde, zieht der Gegner mit seinen Truppen vor. In eurem Zug könnt ihr eure Züge mit diversen Aktionen planen, indem ihr eure Figuren wie über ein Schachfeld fortbewegt, Gegner angreift, Items verwendet, Magie verwendet oder einfach nur wartet. Im gegnerischen Zug gilt dann: Abwarten und Beobachten.

In diesem Teil wurde eine neue Vereinfachung vorgestellt, die das Spiel um einiges vereinfacht. Sich die komplette Angriffsfläche anzeigen zu lassen, auf den der Gegner Zugriff hat, ist nicht neu, jedoch wird euch ab Three Hourses sogar angedeutet, welche eurer Einheiten von welcher gegnerischen Einheite angegriffen wird. Dazu bekommt ihr die Fähigkeit Züge zurück zu spulen. Dies sorgt sehr oft dafür, dass die beste Strategie in Kämpfen sein wird, einfach dumm los zu stürmen. Es besteht keinen Bedarf mehr vorsichtig zu sein. Während ihr in vorherigen Ablegern euch noch eure und die gegnerischen Einheit genau anschauen musstet, ob ihr einen Heiler in eine Gefahrenzone setzt, fällt dies komplett weg. Sollte etwas schief gehen, dreht ihr einfach die Zeit zurück.

Die zweite Phase ist eher ruhiger, denn dies ist euer Schulleben als Professor. Wie in einem RPG könnt ihr euch in 3rd Person Perspektive frei über das Schulgelände bewegen und dort diverse Aufgaben abschließen, wie kleine Nebenmissionen oder trainiert eure Fähigkeiten. Ihr könnt eure Beziehungen zu anderen Einheiten stärken indem ihr mit ihnen am Tisch essen geht oder zusammen Tee trinkt. Euch stehen kleine Tätigkeiten zur Verfügung, wie Gärtnern, Angeln oder am Wettkampf teilzunehmen. Ebenfalls könnt ihr verlorene Gegenstände zurück bringen und Geschenke verteilen und vieles mehr -  all dies führt dazu, dass die Beziehung zu euren Leuten stärkt oder eure Fähigkeiten ausbauen. Darüber hinaus könnt ihr bestimmte Seminare geben oder entwickelt eure Einheiten über Klassenexame weiter.

Im Vergleich zu vorherigen Teilen hat sich hier das Klassensystem komplett geändert und war für mich die ungewohnteste Umstellung. Jede Einheit kann in den meisten Fällen alle Waffen anwenden und ist nicht mehr auf Klassen begrenzt, wodurch ihr jederzeit eure Waffenfertigkeiten steigern könnt.Darüber hinaus kamen zusätzliche Skills, wie Reiten, Fliegen und schwere Rüstung hinzu, die ebenfalls sich von E bis S+ aufsteigen lassen.
Jedoch erfordern neue Klassen nicht nur die bekannten Siegel und Levelvoraussetzungen, sondern müsst bestimmte Skilllevel erreicht haben. Während jeder eurer Schüler als Bürger oder Nobler beginnt, hat er ab Stufe 5 die Möglichkeit einer von vier Beginnerklassen zu werden: Myrmidone, Soldat, Kämpfer oder Mönch. Eine weitere Neuerung ist die Erweiterung der Klassenhierarchie. Während ihr nicht einfach nur einmal eure Klasse weiter entwickelt, stehen nun vier Reihen an Klassen zur Verfügung: Ab Stufe 5, Stufe 10, Stufe 20 und Stufe 30 - jede benötigt eine andere Siegelart.
Kommen wir zum interessanten Part: Wenn ihr eure Einheit zu einer Myrmidone entwickelt, könnt ihr diese ab Stufe 10 zu stärkeren Klassen entwickeln, wie den Söldner oder Kavalier, insofern ihr die Voraussetzungen habt. Logischer Weise folgt bei der Wahl des Schwertkämpfers auch eine Schwertkämpferklasse. Das System an sich ist etwas gewöhnungsbedürftig, da Fire Emblem-Fans die klassische Entwicklung von Myrmidone zum Schwertmeister und Söldner zum Held kennen. Hier jedoch entwickelt sich eine Myrmidone nach Wahl erst zum Söldner, später dann zum Schwertmeister oder einen Helden, dann noch einmal weiter. Soweit ganz spannend - dennoch hat es zwei gravierende Probleme:

1. Ihr müsst von Anfang an wissen, was ihr ab Stufe 30 werden wollt, denn die zeitliche Begrenzung eures Spielverlaufes, welches nach den Credits endet, sorgt dafür, dass ihr nur wenig Ausweichmöglichkeiten im späteren Verlauf habt. Denn hier kommt die erste Problematik, denn die Hälfte aller Endklassen benötigen Reiten und Lanze, welches gerade bei einem primären Bogenschützen oder sogar Magier etwas schwierig nebenher mitzustufen ist. Doch nicht nur Bogenschützen, Heiler, Magier und gepanzerte Ritter müssen nebenher Reiten und Lanzen erlernen, sondern auch Schwertkämpfer dürfen sich parallel der Magie widmen - selbst, wenn sie diese zuvor nicht anwenden können, da es neben den Totenpriester keine Alternative für Schwertkämpfer gibt.

2. Im ersten Punkt braucht zwar jede Klasse nebenbei die Lanzenfähigkeiten, jedoch existiert es keinen anständigen Klassenbaum für Lanzenkämpfer selbst. Beginnend als Soldat könnt ihr im Anschluss Kavalier, dann Paladin werden. Als Meisterklasse müsst ihr jedoch irgendwann ebenfalls Bogen oder Magie gelernt haben. Der Pfad als Pegasi-Ritter ist noch planungsloser, denn als Frau könnt ihr von der Soldatin zur Pegasi-Ritterin werden, die Lanze und Fliegen beherrscht. In der dritten Stufe existiert keine sinnvolle Fortsetzung für euren Pegasi-Ritter. Der Wyvern-Reiter kann fliegen, benötigt jedoch Axtkenntnisse - der Paladin verwendet Lanze, jedoch muss eure Einheiten reiten können. Mein Ergebnis war meist: Überspringen wir Stufe 3 und werden direkt zum Falkenritter in Stufe 4.

Als Fazit des Klassensystems sollte gesagt werden, dass pro Stufe 4 - 7 Klassenoptionen habt. Dadurch geht die Auswahl in der Entwicklung in die Tiefe, engt eure Auswahl in der Einstufe jedoch auf eine kleine Auswahl von sieben Klassen ein:
- Falkenritter (nur Frauen): Schwert, Lanze, Fliegen
- Wyvernlord: Axt, Lanze, Fliegen
- Totenpriester: Schwert, Elementar-Magie
- Erzritter: Axt, schwere Rüstung, Reiten
- Bogenritter: Bogen, Lanze, Reiten
- Dunkelritter: Elementar-Magie, Lanze, Reiten
- Heiliger Ritter: Heilige Magie, Lanze, Reiten
- Kriegsmeister (nur Männer): Axt, Faustwaffen
- Gremory (nur Frauen): Elementar-Magie, Heilige Magie
Als Veteran fehlen einem Kombinationen, wie Schwert und Bogen, Axt und Bogen, Schwert und Lanze, etc. oder mehr Auswahl ohne beritten zu sein.

Zusätzlich gefiel mir selbst das New Game+ nicht, denn zu Beginn verliert ihr den kompletten Spielfortschritt. Für eine zu geringe Summe könnt ihr dann manche Punkte zurückkaufen, wie eure Waffenlevel, Supportlevel, etc. jedoch hätte ich es persönlich besser gefunden, hätte ich meinen Charakter aus dem vorherigen Spielverlauf direkt als Startcharakter erhalten - zumindest hätte ich die Option dafür gerne gehabt den Fortschritt ohne Kosten mitzunehmen.

Die letzten beiden Punkte sind meine größten Kritikpunkte am Spiel, beruhen jedoch auf die Gewohnheit, dass es zuvor anders war und reine Geschmackssache. Zum mehrfachen Durchspielen hatte dieses System gereicht und ab dem zweiten Durchlauf wusste ich selbst, wie ich zu spielen habe, denn am Ende bleibt Fire Emblem für Nintendo Switch ein hervorragendes Spiel.

Zwei kaum genutzte Neuerungen im neusten Teil war zum einen die Strategeme zum anderen die Kampftechniken. Ihr könnt eure Einheiten mit einer kleinen Armee ausstatten, um mit diesen anzugreifen ohne ein Konter zu kassieren. Jede kleine Armee hat ihre eigenen Fähigkeiten und lassen sich sogar ein wenig trainieren. Die Kampftechniken ermöglichen eurer Einheit abhängig vom Waffeneinsatz und auf Kosten der Waffenhaltbarkeit besondere Angriffe auszuführen, die beispielsweise stark gegen gepanzerte Einheiten sind oder die Reichweite von Schützen erhöhen.

DLC


Die Bonuskampagne bietet sieben neue Missionen, die ihr zusammen mit Dimitri, Edelgard und Claude beschreitet, dabei noch einen Repräsentanten aus je einem Haus mitnehmt. Zusätzlich schließen sich vier neue Einheiten aus dem vierten, geheimen Haus an: Hapi, Yuri, Balthus und Constance. Zusammen erlebt ihr eine neue Geschichte unabhängig von dem Hauptspiel.
Sobald ihr diese Zusatzkampagne abgeschlossen habt, könnt ihr alle vier neuen Einheiten im Hauptspiel rekrutieren, die euch sowohl zwei neue Nebenmissionen mitbringen als auch neue Supportgespräche und Bindungen ermöglichen.

Ansonsten erhaltet ihr als fünfte Einheit Anna, die ihr im Spielverlauf sehr früh erwerben könnt. Exklusiv für die Edelgard-Route gibt es kostenlos Jeritza als Todesritter zu erhalten.
Vier neue Klassen enthält der DLC auch: Dunkler Flieger (Elementar-Magie, fliegend) und Valkyrie (Magie, reitend) ist ausschließlich nur für Frauen, alle können zum Kriegsmönch (Heiligmagie, Faustwaffen) und Spieler (Heiligmagie, Schwert) werden.

Nebenbei erhaltet ihr neue Kostüme für euch und eure Schüler, könnt die Sauna besuchen und könnt Katzen und Hunde füttern.

Wertung:

9.5 / 10

Matthew meint:

"Ein perfekter Einstieg für Neulinge in das Fire Emblem-Franchise!"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Herausragend

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