Test: Fishing: Barents Sea – Complete Edition (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 06. Januar 2020

Ahoi, ihr Landratten und willkommen zur ersten (uns bekannten) Hochsee-Angelsimulation. Packt eure Rettungswesten ein und dann ab an Bord mit euch.

Simulationsspiele gibt es einige im Segment der Videospiele und die Entwickler haben sich schon vieler Themen bedient. Mit dem Farming Simulator, um ein prominentes Beispiel zu nennen, gibt es eine beinahe Lebensechte Bauernhof-Simulation, die nicht nur ziemlich süchtig macht, sondern auch bis ins kleinste Detail durchdacht wurde. In eine ähnliche Kerbe schlagen jetzt die Entwickler von Fishing: Barents Sea und führen den Spieler in eine Angelsimulation auf hoher See. Dabei will das Spiel möglichst anspruchsvoll und gleichzeitig detailgetreu sein, was dem Spiel tolle Momente beschert, jedoch in einigen Augenblicken auch zu viel des Guten ist.

Vom kleinen Fischer zum großen Kapitän

Das Abenteuer beginnt mit einem optionalen, sehr ausführlichen Tutorial, welches man unbedingt über sich ergehen lassen sollte. Die Geschichte handelt von einem kleinen Seemann, der zu Beginn auf einem mickrigen Kutter sein Glück sucht und möglichst schnell zu einem ruhmreichen Fischer im norwegischen Hammerfest heranreifen möchte. Um auf seinem steinigen oder in diesem Fall welligen Weg voran zu kommen, fischt sich unser Held durch die norwegische Tiefsee, füllt seine Netze mit möglichst üppigem Fang und verkauft diesen wieder am Hafen zu einem möglichst hohen Preis. Mit ordentlich Barem ausgestattet, darf dann bald ein größeres Schiff gekauft werden, mit welchem sich noch größere und gewinnbringendere Fischschwärme an Land ziehen lassen. Will man alle Schiffe freispielen und alle Fischsorten erkunden, lassen sich unzählige Spielstunden mit Fishing: Barents Sea verbringen. Schließlich gibt es sämtliche DLCs in der Complete Edition mit dazu, welche mehr als 12 unterschiedliche Boote in der Werft anbieten.

Das Spielprinzip ist simpel und zum Teil genial, aber auch relativ langatmig. Ausgestattet mit allerhand Hilfsmitteln, wie Karte, Sonar und Kompass, wird zunächst die richtige Fangregion im offenen Meer ausfindig gemacht. Je nachdem, welche Fischsorte es hauptsächlich in die eigenen Netze schaffen soll, richtet sich der Spieler im Hafen darauf aus. Der passende Köder wird zum passenden Netz ausgestattet, die richtige Route wird geplant und es geht los. Wer will, darf sich jetzt zurücklehnen und hat Zeit für andere Dinge. Und das ist hier wörtlich gemeint. Eine Überseefahrt kann dauern und es passiert einfach nichts. Gar nichts. Wie auf einem echten Schiff schippert der einsame Kapitän übers Wasser und langweilt sich. Glücklicherweise gibt es eine Schnellreisefunktion, mit der sich über Wegpunkte diese langweiligen Reisen komplett überspringen lassen. Nun dürfen die Fangnetze ausgeworfen werden und ihr müsst warten. Auch dieser Vorgang ist realistisch und lässt sich vorspulen.

Ran an die Netze

Jetzt geht es ans Eingemachte. Die Netze werde eingeholt und je nachdem, wie voll diese sind, fällt auch das folgende Minispiel aus. Via Quicktime-Event springt eine gewisse Anzahl an Fischen am Rand des Kutters nach oben. Die Fische stehen stellvertretend für den Umfang des gesamten Fangs. Wird im richtigen Moment der A-Knopf gedrückt, vergrößert sich der Fang prozentual. Der Spieler hat also direkten Einfluss auf die Quantität der gefangenen Fische. Ist dieses Minispiel abgeschlossen, darf ein weiteres Minispiel gestartet werden, bei dem es um die Steigerung des Verkaufspreises der Fische geht. Dieses Spiel hätten sich die Entwickler aber definitiv schenken können. Tierfreunde laufen bei den folgenden Zeilen vermutlich Amok: Ihr müsst die Fische tatsächlich ausnehmen, sprich mit einem Messer am Bauch aufschneiden. Trotz allem Anspruch an Realismus, hier ist dieses Minispiel nicht nur komplett unnötig, es macht auch keinen Spaß. Wenn alles erledigt ist, bringt ihr den Fang zurück in den Hafen und kassiert Geld dafür.

Im Hafen gibt es ein paar Anlaufstellen, bei denen ihr regelmäßig vorbeischauen solltet. In der Werft gibt es neue Schiffe, auf der Bank die dafür benötigten Kredite, sollte der Kapitän nicht flüssig genug sein. Es darf Personal angeheuert werden, um bei größeren Aufträgen Unterstützung mit an Bord zu haben. Dieses Personal ist allerdings nur Notwendig, wenn bestimmte Fangmethoden auf großen Schiffen angewendet werden sollen. Zu Beginn des Abenteuers ist das Anheuern von Landratten nicht notwendig. Die Bar, welche es an Land ebenfalls gibt, bringt zusätzliche Aufträge, welche die Geldbörse durch spezielle Forderungen extra aufpeppt. Da will zum Beispiel ein Koch eine bestimmte Fischsorte innerhalb einer bestimmte Zeit und zahlt dafür eine Extrasumme.

Das Freischalten von neuen Schiffen scheitert meistens nicht an den finanziellen Mitteln, denn an die kommt man über die Fischerei und die Zusatzaufträge problemlos. Oftmals hängt es an der mangelnden Erfahrung des Fischers. Damit sind Seemeilen gemeint, die natürlich in Echtzeit bereist werden müssen. Und wie bereits erwähnt: während der Fahrten passiert absolut gar nichts. Nun kann man ein paar Routen auf der Karte einzeichnen und im Kreis fahren, um Kilometer abzuspulen oder für rund 15 Kilometer eine Stunde in Echtzeit opfern – jeder, wie er gerne möchte. Dazu sollte auch immer das Wetter im Auge behalten werden. Tag- und Nacht-Wechsel, Sonne, Regen, Sturm und hohe Wellen. Mit allen möglichen Bedingungen muss gerechnet werden, teils ändern sich diese auch während einer Angeltour.

Die Steuerung passt sich nahtlos an den Realismus des Spiels an und kann durch seine Behäbigkeit für Frust sorgen. Die Kutter steuern sich teilweise katastrophal und manövrieren sich grausam. Einen genauen Punkt anzusteuern ist demnach ziemlich schwierig. Das soll jetzt nicht einmal als Kritikpunkt aufgeführt sein, denn es gehört einfach zur realistischen Simulation dazu. Potentielle Käufer sollten sich allerdings im Klaren sein, dass sich dieses Spiel keinesfalls im Vorbeigehen bewältigen lässt und sowohl Einarbeitungszeit und Geduld erfordert.

Die Optik ist ein zweischneidiges Schwert. Der eigene Charakter wirkt etwas bieder, das Meer je nach Tageszeit etwas detailarm und die Fische könnten auch ein wenig hübscher gestaltet sein. Wenn aber dann am Nachthimmel die Polarlichter aufleuchten oder sich die Berge im Sonnenlicht im Meer spiegeln, dann weiß das Spiel grafisch durchaus zu gefallen. Einige Clipping-Fehler, wie Wasser bei hohem Wellengang, das in den Kutter schwappt und nichts anrichtet, sollen an dieser Stelle allerdings ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

FAZIT:

Fishing: Barent Sea ist eine gelungene Simulation, die den eigenen Anspruch auf Realismus teilweise allerdings etwas zu ernst nimmt. Das Spielprinzip selbst macht absolut süchtig. Die Vorbereitung, der Fischfang und letztlich das Kassieren des Gewinns nebst dem Kaufen neuer Schiffe können für Wochen motivieren. Dass eine solche Simulation etwas Einarbeitung benötigt, sollte sich dabei von selbst verstehen. Das Minispiel mit den Fischen hätten sich die Entwickler jedoch sparen können, und auch die langen Fahrten hätten sie kurzweiliger gestalten dürfen. Das gesamte Spielgeschehen kann trotz offensichtlicher Qualitäten wirklich zäh werden. Grafisch offenbart das Spiel zudem kleinere Schwächen und sieht nicht rundum gelungen aus. Genre-Fans ist die Fischersimulation dennoch – allein schon mangels Alternativen – zu empfehlen.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Süchtig machende, aber teilweise zu realistische Fischersimulation."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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2 Kommentare:


Tobsen
vor 9 Monaten | 1
Nach Lektüre des Tests bleibt ein bisschen unklar, woher die 7/10 resultiert. Das wäre demnach ein gutes, gar empfehlenswertes, Spiel. Dem Text nach zu urteilen, wirkt das Spiel eher wie eine Zumutung.

michi1894
vor 9 Monaten | 0
Neutral bewertet ist das Spiel eine gelungene Simulation mit wenigen Fehlern. Das muss man mögen, sonst geht der Spaß flöten.