Test: The Stretchers

Von Kevin Erlenhoff am 31. Dezember 2019

Der Koop-Titel The Stretchers liegt auf dem Operationstisch von NplusX. Ob der Titel die Operation übersteht, erfahrt ihr in unserem Test.

Gestrecktes Spiel, gequetschte Story

Der Spieltitel des schwedischen Entwicklers Tarsier lässt sich im Deutschen am besten mit dem Begriff der "Krankentrage" übersetzen und verrät dabei gleich das Szenario des chaotischen-witzigen Koop-Titels: Alles dreht sich um zwei Mitarbeiter der örtlichen Ambulanz, die Patienten mit der Trage abtransportieren müssen. Denn immer wieder melden Bewohner der Grünschnabelinsel Vorfälle von Menschen, denen urplötzlich schwindelig geworden ist und die jetzt die Hilfe unserer zwei Sanitäter benötigen.

In einer kleinen Auswahl an Gestaltungsoptionen könnt ihr die Rettungssanitäter ein wenig umstylen und dann auch schon euren ersten Auftrag annehmen. Immer wieder geht es dann darum, die Menschen von der zunächst unbekannten Krankheit zu befreien. Schnell erfahrt ihr im Spieleverlauf dann jedoch, dass ein Bösewicht sein Unwesen treibt und die Leute in verwirrt umherirrende, sogenannte Dusler verwandelt. Glücklicherweise haben Wissenschaftler gleichzeitig an einer Maschine gearbeitet, die den Verwirrungsprozess rückgängig machen kann. Mit einem Rettungswagen und einer ausziehbaren Krankentrage seid ihr nun bestens gewappnet, um den armen Menschen der Stadt zu helfen und sie schnellstmöglich einzusammeln.

Dabei ist nicht nur die Geschichte von The Sretchers einfach gehalten, auch der Soundtrack und die grafische Gestaltung gleichen eher einem Fortnite-Verschnitt. Auf Sprachausgabe wird gänzlich verzichtet, stattdessen geben alle Charaktere wie in der Sims-Reihe nur seltsame Geräusche von sich. Auch für euren Protagonisten gilt: Reden ist silber, aber schweigen ist gold.

Back to the Couch-COOP

Dem Spiel merkt man schnell an, dass es primär für den Zweispieler-Spaß auf der Couch programmiert wurde. Im besten Falle schnappt ihr euch also einen Freund oder ein Familienmitglied und teilt euch die Joy-Cons. Als Sanitäter-Duo müsst ihr dann zu zweit diverse Rätsel lösen oder Patienten auf eurer Liege tragen. In der offenen Spielwelt, in der ihr mit eurem Krankenwagen herumfahren könnt, findet ihr desweiteren viele Nebenmissionen, die Teamwork verlangen. So müsst ihr euch beispielsweise eine große Säge schnappen und Bäume fällen oder ein Feuerwerkspaket an steinigen Hindernissen abstellen, um Letztere  aus dem Weg zu sprengen.

Solltet ihr keinen Wingman parat haben, müsst ihr beide Sanitäter alleine koordinieren. Da beide Charaktere einen festen Control-Stick zugewiesen bekommen, besteht die größte Herausforderung dann darin, beide präzise zu steuern. Weil der Schwierigkeitsgrad der Rätsel dauerhaft niedrig ist, wird für Singleplayer die Koordinierung der eigenen Finger zur größten Herausforderung im Spiel. 


Im Falle eines Falles...

... könnt ihr immer noch auf Highscore-Jagd gehen, denn in jeder Mission beginnt ein Zeitlimit abzulaufen, der euch am Ende einer Mission Bonuspunkte bringt. Dazu könnt ihr für viele Aktionen weitere Punkte erzielen: Vertreibt ihr Möwen oder findet einen goldenen Tresor, rettet ihr mehrere Patienten auf einmal oder verliert Punkte, wenn euch ein Hindernis trifft. Mehr Zeit könnt ihr in die Erfolgsjagd verbringen, die viele Herausforderungen in eurem Stickerbuch parat haben oder ihr erkundet die offene Spielwelt und findet kosmetische Artikel, um eure beiden Helfer umzukleiden. Dennoch bleibt das Spiel kein ernst zu nehmender Titel, sondern will euch zu zweit auf der Couch vor allem durch ihren albernen Aufgaben oder Physik amüsieren, wie es bereits der Goat-Simulator tat.

Fazit:

The Stretchers bedient sich nicht an Qualitäten wie ikonische Charaktere oder innovatives Gameplay, sondern sieht sich eher in der Schublade der spaßigen und albernen Mehrspielerspiele, die ohne große Aufmachung auskommen können. Wer einen ernst zu nehmenden Singleplayer sucht, sollte sich daher lieber an die großen Marken von Nintendo bedienen, aber als familiäres Zusammenspiel auf der Couch könnte The Stretchers vor allem weniger spielaffinen Mitspieler amüsieren. Es wird sicherlich nicht nur für viele Lacher vor dem Fernseher sorgen, sondern bietet genug Spielmaterial für mehrere Spielabende.

Wertung:

6.0

Kevin Erlenhoff meint:

"Nintendos Kombination aus Couch-COOP-Spielerfahrung und Goat-Simulator."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

Schreibe einen Kommentar: