Test: House of Golf

Von Jeremiah David am 26. Dezember 2019

Das Budget-Golfspiel im Test

Manche Firmen tun sich seit jeher schwer bei der Namensfindung ihrer Produkte. Bei Microsoft folgte auf Windows 8 gleich Windows 10, auf die Xbox 360 die Xbox One. Deutlich weniger Probleme hat hier der Entwickler Atomicom, denn das Spiel House of Golf, das im Menü der Switch auch als „Haus des Golfsports“ angezeigt wird, ist genau wonach es klingt: Ein kunterbuntes Haus mit unterschiedlichen Minigolf-Bahnen. Lohnt sich ein sportlicher Ausflug? Unser Kurztest gibt euch die Antwort.

Wer sich das Switch-exklusive Budget-Golfspiel für rund 10€ gönnt und zum ersten Mal startet, landet gleich in einem überschaubaren Hauptmenü. Dem Spieler stehen hier 5 Menüpunkte zur Auswahl: Die zwei Spielmodi „Einzelloch“ und „Meisterschaft“, sowie „Wie man spielt“, „Ball auswählen“ und „Sprache“. Die letzten zwei Punkte sind selbsterklärend, wer dagegen unter „Wie man spielt“ ein interaktives Tutorial erwartet, wird enttäuscht sein, denn hinter dem Menüpunkt verbirgt sich lediglich eine statische Grafik, die die Tastenbelegung des Controllers sowie das HUD erklärt. Die meisten Spieler werden dementsprechend wenig Zeit im Hauptmenü verbringen und stattdessen gleich eine Meisterschaft beginnen.

Das titelgebende Haus des Golfsports besteht aus fünf Räumen mit unterschiedlichen Parcours. Jeweils 3 mal 9 Kurse verteilen sich über eine Garage, eine Küche, eine Lounge, einen Schlafraum und ein Dachgeschoss. Die Multiplizierung mit 3 ergibt sich durch ein Trio an Schwierigkeitsgraden, die keinerlei Einfluss auf das Gameplay haben, aber das Design der Kurse ändern und dem Spieler so beispielsweise mehr Kurven, Steigungen oder andere Hindernisse in den Weg legen. Der Clou an der Sache: alle Kurse sehen aus, als wären sie von Kindern erstellt worden. In der Küche muss der Ball unter anderem über einen Frühstückstisch mit Besteck und Cornflakes-Packungen manövriert werden, im Schlafzimmer dagegen über eine Autorennbahn aus Plastik und um andere Spielsachen herum.

Die simplen Umgebungen sind kreativ gestaltet und besitzen einen bunten Comic-Charme, haben allerdings keinen Einfluss auf das Gameplay. Potentiellen Käufern sollte absolut klar sein: House of Golf bietet technisch sauberen und durchaus unterhaltsamen, aber sehr minimalistischen Golfsport. Der Spieler darf lediglich die Richtung und die Härte des Schlags bestimmen. Mehr muss er praktisch nicht berücksichtigen. Unterschiedliche Schlägertypen gibt es nicht. Die Bälle variieren zwar optisch, besitzen aber alle die gleichen Eigenschaften. Gleiches gilt auch für das Terrain. Ob unser Ball über einen rauen Holztisch, einen Pappkarton, eine Kunstgrasmatte oder eine Glasplatte rollt, ist völlig egal, denn er verhält sich immer gleich. Auch die verschiedenen Alltagsgegenstände, die als Streckenbegrenzung oder Hindernisse dienen, sind wie festgeklebt und lassen sich selbst mit viel Wucht nicht bewegen - eine Reihe bunter Smarties oder eine Gabel auf einer Tischplatte besitzen so beispielsweise die gleichen Eigenschaften wie eine Hauswand. Das ist mehr als schade. Lediglich Steigungen und Abhänge haben einen Einfluss auf den Ball und sorgen dafür, dass er physikalisch richtig langsamer oder schneller wird. Hier hätten die Entwickler die abwechslungsreichen Umgebungen viel geschickter in das Gameplay einbinden können.

Stellenweise frustrierend ist auch, dass sich die Kamera im Spiel zwar drehen, ansonsten aber nicht frei bewegen lässt. Sie ist stets fest hinter dem Ball verankert, wodurch wir uns häufig nur einen unzureichenden Überblick über einen Kurs verschaffen können. In Einzelfällen ist sogar die Position des Lochs nur Anhand einer roten Fahne zu erkennen, die hinter anderen Gegenständen hervorsteht.

Für absolvierte Kurse bekommen wir je nach Leistung einen goldenen, silbernen oder bronze-farbenen Stern. Etwas kurios ist dabei, dass die Erfolge im Spiel alle wortwörtlich ins Deutsche übersetzt wurden. Ein Birdie ist dementsprechend ein "Vögelchen", ein Hole-in-One ist ein "Loch-in-einem". Vermutlich wurde von den Entwicklern einfach ein Online-Übersetzer verwendet.

Mehrere Sterne schalten neue Bälle frei, die mit verschiedenen Mustern versehen oder wie Tiere bemalt sein können. Die Kurse müssen nicht extra freigespielt werden, sondern stehen von Anfang an vollständig zur Verfügung.

Fazit:

House of Golf ist kein schlechtes, aber ein sehr minimalistisches Spiel. Egal ob im Single- oder im Multiplayer mit bis zu sechs Spielern – eine schnelle Runde Golf kann durchaus unterhalten, nur geht dem Spaß nach ein paar Minuten meist rasch wieder die Luft aus. House of Golf ist ein Spiel, das in kurzen Dosen, zum Beispiel in der Bahn, in einem Bus oder auch auf dem stillen Örtchen gespielt werden sollte. Wer keine vollwertige Golfsimulation erwartet und wirklich nur gelegentlich etwas Zeit damit totschlagen möchte, der bekommt ein unterhaltsames, sehr simples Spiel für Zwischendurch. Alle anderen sind mit Konkurrenzprodukten besser bedient.

Wertung:

6.0

Jeremiah David meint:

"Kurzweiliges, aber minimalistisches Golfspiel für Zwischendurch."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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