Test: Chaos auf Deponia

Von Michael Prammer am 18. Dezember 2019

Die Adventure-Spezialisten von Daedalic Entertainment bringen mit Chaos auf Deponia einen weiteren alten Genre-Vertreter auf Nintendo Switch. Warum man sich diesen Titel unbedingt ansehen sollte, verrät unser Kurztest.

Chaos auf Deponia ist der zweite Teil einer abgeschlossenen Trilogie, aber keine Angst, denn auch ohne Vorwissen zum ersten Teil gelingt der Einstieg gut. Die Geschichte erzählt von Protagonist Rufus, der zwei große Probleme an der Backe hat. Da wäre der Schrottplanet Deponia, der zur Zielscheibe der Organisation Organon geworden ist und durch diese Widersacher ausgelöscht werden soll. Als würde das nicht ausreichen, hat Rufus, der zu Selbstüberschätzungen neigt, auch noch eine Freundin, die nicht nur eine gespaltene Persönlichkeiten hat, sondern gleich drei unterschiedliche Bewusstseinsformen annehmen kann, was im Laufe des Abenteuers allerdings überaus nützlich ist.

Tolle Story

Die Geschichte ist herrlich skurril, hat viele Wendungen und zählt zu den absoluten Highlights des Spiels. Immer wieder stößt man auf urkomische Situationen und Charaktere, bei denen sich ein Lachen kaum vermeiden lässt. Und auch wenn die Geschichte am Ende des etwas 10 Stunden andauernden Abenteuers genau wie beim ersten Teil der Serie relativ offen ist und Spielraum für den letzten Teil bereit hält, so wirkt sie doch stimmig und weitaus befriedigender, als das noch beim ersten Teil der Fall war. Das mag auch daran liegen, dass man die neue Spielwelt, den schwimmenden Schwarzmarkt, deutlich größer und schöner gestaltet hat. Es gibt neben einem Viertel, das an Venedig erinnert, ein Hafenviertel, dazu gesellt sich ein Markt und dann hätten wir da noch das Nobelviertel, in dem sich die besser betuchten Bürger des Planeten aufhalten. Die Charaktere und Möglichkeiten sind je nach Gegend grundverschieden und sorgen für viel Abwechslung.

Beim Spielprinzip finden wir uns im Genre eines klassischen Point-and-Click-Adventures wieder. Man hat stets ein zweidimensionales Bild vor Augen, auf dem es verschiedene Interaktionsmöglichkeiten und Rätsel zu lösen gibt, ehe das nächste Bild betreten werden darf oder die Geschichte anderweitig voranschreitet. Im Fokus des Gameplays steht Rufus' Freundin Goal, die dank ihrer drei gespaltenen Persönlichkeiten zu einem wichtigen Faktor beim Lösen einiger Rätsel wird. Rufus kann dank einer Fernbedienung jederzeit zwischen den drei Charakteren der Liebsten umschalten und somit neue Situationen heraufbeschwören. Beispiel: bei einer Paar-Therapie schaltet er Goal auf ein liebevolles naives Mädchen und erzielt so die besten Ergebnisse. An anderer Stelle, wo eher Überredungskünste gefragt sind, wird der „Krawallmodus“ aktiviert und Goal setzt ihren Dickkopf durch.

Gelungene Präsentation

Hin und wieder gibt es neben dem Klassischen Point&Click-Gameplay kleine Minispielchen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Rufus Goal bekämpfen muss, weil diese, charakteristisch bedingt auf Krawall gebürstet, unbedingt Streit sucht. Diese Art von Minispielen kommen nicht allzu häufig vor und lassen sich überspringen. Sie haben auch kaum Einfluss auf das eigentliche Spielgeschehen. Der wichtigste Aspekt in der Spielmechanik bleibt das Suchen und  Kombinieren von Gegenständen, um dadurch die Story voranzutreiben. Gepaart mit den Interaktionsmöglichkeiten der Freundin ergibt sich ein toller Mix, der kaum Wünsche offen lässt.

Die Präsentation ist wirklich aller erste Sahne. Die handgezeichneten Hintergründe und Charaktere sind sind in ihrer Simplizität sehr gut gelungen und schaffen ein stimmungsvolles Gesamtbild. Weder Charakterdesign, noch Level und Spielwelt lassen hier irgendwelche Wünsche offen und wirken allesamt unterschiedlich und abwechslungsreich. Eine wunderbare Musikkulisse und gute Synchronsprecher runden die Präsentation ab, wobei hierbei speziell der singende Erzähler hervorzuheben ist.,Mit seinen witzigen Reimen sorgt er immer wieder für Lacher zwischen den Story-Parts.

Fazit:

Chaos auf Deponia ist einfach ein wunderbarer Vertreter des Adventure-Genres, den man sich als Fan solcher Spiele nicht entgehen lassen darf. Die Präsentation ist wirklich spitze, vor allem die handgezeichneten Umgebungen und Figuren wissen zu gefallen. Auch die Musik muss hier erwähnt werden und rundet das Gesamtbild des Spiels ab. Spielerisch erfindet sich das Spiel nicht neu, hat allerdings ein paar interessante neue Ideen parat und kann vor allem dank der verrückten Geschichte den Spieler von Anfang bis Ende bei Laune halten. Wer mit dem Genre generell nichts anfangen kann und bislang Point-&-Click-Adventures gemieden hat, wird auch jetzt nicht zum Serien-Fan. Allerdings liefern die Entwickler einen hervorragendes Spiel, das man sich auf jeden Fall ansehen sollte.

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Hervorragender Genre-Vertreter mit lustiger Story und toller Präsentation."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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