Test: Munchkin - Quacked Quest (Nintendo Switch)

Von Deniz Üresin am 14. Dezember 2019

Die Couch-Multiplayer-Gaudi von Asmodee Digital steht heute bei uns auf dem Prüfstand.

Munchkin, das war doch dieses Kartenspiel, welches das RPG-Genre parodierte, komplett mit Ausrüstung, Kämpfen gegen Trolle und Orks und Level-ups, oder? Und genau das kommt jetzt für alle aktuellen Konsolen und Steam raus? Naja, fast.

Munchkin: Quacked Quest ist nämlich kein Kartenspiel, sondern ein Party-Dungeon-Crawler. Was das sein soll, erfahrt ihr in unserem NplusX-Test:

Looten und Leveln

Das Spielprinzip von Munchkin: Quacked Quest ist schnell erklärt: Ihr startet ein Spiel für bis zu vier Spieler und kämpft euch durch eine Serie von zufällig ausgewählten Räumen voller Feinde, Schatzkisten und Fallen, während ihr versucht, einige Vorgaben zu erfüllen. Sobald das Zeitlimit abgelaufen ist, werdet ihr in den Bossraum transportiert, wo ihr nochmal alles geben müsst. Nach einer kurzen Bonus-Runde, in der noch ein paar Level-ups verteilt werden, hat derjenige gewonnen, der den höchsten Level erreicht hat. Das war‘s auch schon!

Beim Spielstart landet ihr zuerst immer in einer Art Taverne, in der ihr verschiedene Einstellungen vornehmen könnt. So könnt ihr eure Spielfigur aus einem von vier Völkern auswählen, was einen Einfluss auf die Stats eures Charakters hat. Außerdem könnt ihr weitere Spieler und/oder Bots hinzufügen und das Zeitlimit für das nächste Spiel festlegen. Irgendjemand bei Asmodee Digital muss es jedoch ziemlich lustig gefunden haben, das Zeitlimit in zufälligen Schrittgrößen erhöhen und verringern zu lassen, denn ihr könnt nicht einfach in beispielsweise Fünf-Sekunden-Schritten 5 Minuten oder 5 Minuten und 5 Sekunden, etc. wählen. Erhöht ihr das Zeitlimit, kommen mal 10 Sekunden, mal 27 Sekunden auf die Uhr und beim Verringern des Zeitlimits geschieht dasselbe. Im Grunde ist das halb so wild, denn es macht keinen großen Unterschied, ob ihr jetzt eine Partie mit 10 Minuten Spielzeit oder mit 9:57 Minuten spielt, aber der Humor der Entwickler lässt leider nicht nur bei dieser Einstellung etwas zu wünschen übrig.

Haben alle Spieler einen Charakter gewählt und ist das Zeitlimit festgelegt, kann auch schon der zu bezwingende Dungeon erschaffen werden. Dafür ziehen die Dungeon-Master Karten aus einem Deck (dem sogenannten Dungeonarium), die die Grundlagen für den Dungeon schaffen und so festlegen, welche Raumtypen und Vorgaben ihr vornehmlich antreffen und welchem Boss ihr am Ende des Dungeon Crawls gegenübertreten werdet. Diese Einstellungen sind stets zufällig und können in keiner Weise von Hand vorgenommen werden.

Mario Party – Dungeon Crawl Edition

Die einzelnen Räume der Dungeons kommen jeweils mit einer Vorgabe daher, die es zu erfüllen gilt, bevor ihr in den nächsten Raum könnt – allerdings gibt es nicht sonderlich viele verschiedene Ziele, sodass diese sich sehr oft wiederholen. Ihr müsst häufig entweder eine oder die meisten im Level herumliegenden Enten aufsammeln oder die meisten Gegner im Raum töten. Ihr bewegt euch dabei ähnlich wie Link in den 2D-Zeldas aus der Top-Down-Perspektive durch die Räume, schlagt mit eurer Waffe per Knopfdruck zu oder ladet eine Spezialattacke durch Gedrückthalten des entsprechenden Knopfes auf. Zusätzlich könnt ihr noch blocken, einen Sprintangriff aufladen und, sofern ihr diese ausgerüstet habt, eine Fernwaffe abfeuern oder einen Magieangriff verwenden. 

Das Töten der Gegner bringt euch keine Erfahrungspunkte, allerdings lassen gefallene Feinde Ausrüstungsgegenstände und Gold fallen. Level-ups könnt ihr durch das Sammeln bestimmter Mengen an Gold oder durch das Erfüllen der Raumvorgaben erhalten. Ist die Vorgabe erfüllt, hält die Stoppuhr an, bis einer von den Spielern die Tür zum nächsten Raum eingeschlagen hat, damit es weitergehen kann. Am Ende jedes Spiels trefft ihr auf einen Bossgegner, dem ihr entweder den meisten Schaden zufügen oder den finalen Schlag verpassen müsst, um die Vorgabe für den letzten Raum zu erfüllen. Am Ende werden vor der Siegesfeier noch zufällig ein paar Kategorien für Bonuslevels ausgewählt und so erhält beispielsweise derjenige, der die meisten Türen eingetreten oder am häufigsten die Rüstung gewechselt hat, noch ein paar letzte Level-ups, bevor der Spieler mit dem höchsten Level zum Sieger erkoren wird. Als Belohnung darf sich der Gewinner schließlich eine neue Karte aussuchen, die dem Dungeonarium hinzugefügt wird, was das nächste Spiel potenziell etwas variantenreicher macht.

Das hektische Gewusel zu den begehrten Enten und die kleinen Kämpfchen, die dabei entstehen können, erinnern in ihren besten Momenten an die eher kämpferischen Minispiele der Mario-Party-Reihe, in denen ihr entweder ein Ziel zuerst erreichen oder der letzte verbleibende Spieler auf der Plattform sein müsst.

Patzer und Probleme

So nett die Idee von Munchkin: Quacked Quest auch sein mag, an der Umsetzung hapert es leider an so mancher Stelle. Die einstellbaren Bots, die einem Einzelspieler während der Abwesenheit von Freunden Trost spenden sollen, sind beispielsweise nicht sonderlich intelligent und haben in einigen Räumen Wegfindungsprobleme. Sie schaffen es unter anderem nicht, einen Block zur Seite zu schieben oder manche der Fallen sicher zu umgehen. 

Doch selbst mit Freunden kann der Spielspaß manchmal getrübt werden. Auf einen Online-Multipayermodus hat man leider verzichtet. Die Framerate des Spiels ist trotz der eher wenig fordernden Grafik etwas labil und geht bei großem Gegneraufgebot öfter mal in die Knie. Das Alleinstellungsmerkmal der Switch-Version, auch unterwegs im Tabletop-Modus mit Freunden eine Runde spielen zu können, sieht ebenfalls auf dem Papier deutlich besser aus als in der Realität: Das Spiel ist schon auf dem großen TV-Bildschirm hektisch und chaotisch genug, um einem die Lokalisierung des eigenen Charakters deutlich zu erschweren, auf dem kleinen Switch-Bildschirm ist es stellenweise fast unmöglich, dem Geschehen zu folgen. Tode werden zwar nicht sonderlich hart bestraft, da ihr lediglich ein paar Sekunden später wieder respawnt, aber nervig ist es trotzdem, wenn man die Hälfte des Spiels über keine Ahnung hat, wo man gerade ist und was man gerade macht. 

Die Angriffs- und Verteidigungswerte von fallengelassenen Waffen und Rüstungen werden außerdem leider nicht angezeigt, sodass ihr bei der Wahl, die Ausrüstung zu wechseln oder die alte zu behalten, auf euer Bauchgefühl angewiesen seid. Zu schlechter Letzt ist die Verzögerung des Angriffs beim Drücken der Angriffstaste deutlich spürbar und recht unangenehm, unabhängig vom verwendeten Controller und der Verbindungsart, sodass es möglicherweise sogar eine bewusste Entscheidung war, die Verzögerung so lang zu machen.

Fazit:

Für bis zu vier Freunde/Feinde kann Munchkin: Quacked Quest eine Weile lang ziemlich spaßig sein. Sich durch Horden von Gegnern zu dreschen und dabei seine Mitstreiter so gut wie möglich zu sabotieren ist simpel und nett genug, um auch weniger RPG-affinen den Controller in die Hand zu drücken und zum Mitspielen bewegen zu können. Da sich die Räume und die Vorgaben allerdings als wenig abwechslungsreich entpuppen, das Chaos auf dem Bildschirm zu oft negativ auffällt und zu allem Überfluss auch noch eine instabile Framerate dazukommt, ist das Spiel weit entfernt von einer eindeutigen Kaufempfehlung. Munchkin-Fans könnten dem Artstyle und den Gags möglicherweise noch etwas abgewinnen, auch wenn letztere im Original-Kartenspiel ausgereifter und weniger abgedroschen wirken als in der Videospiel-Adaption. Bevor ihr die happigen 24,99 Euro im eShop ausgebt, solltet ihr euch unbedingt Videomaterial zum Spiel ansehen, um besser abschätzen zu können, ob euch das Spiel zumindest visuell und vom allgemeinen Spielprinzip her zusagt.

Wertung:

5.0

Deniz Üresin meint:

"Munchkin serviert kurzweiligen Couch-Multiplayer-Spaß garniert mit einigen Fehlern und Problemen."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Mangelhaft

Schreibe einen Kommentar: