Grinder's Guide Level 11: Eine PSP in 2019?

Nutzer-Story von Deniz Üresin am 27. November 2019

In dieser Ausgabe versuche ich zu ergründen, ob man als JRPG-Fan im Jahre 2019 eine PSP braucht, wenn man zu Release keine hatte. Begleitet mich doch auf dieser Reise!

Der Nintendo 3DS und die PlayStation Vita sind tot. Damit ist Nintendos Switch der einzige noch lebende Handheld. JRPG-Fans, die sich im Besitz der Hybridkonsole befinden, brauchen sich über Nachschub aktuell auch wirklich nicht beschweren. Im September kam mit Dragon Quest XI S ein echtes Schwergewicht auf die Konsole und auch wenn Little Town Hero im Oktober die meisten nicht wirklich überzeugen konnte, so erschienen mit Atelier Ryza, Disgaea 4 Complete+ und vielen weiteren japanischen Leckerbissen genügend Alternativen in den letzten Wochen (Anm. d. Red.: zufälligerweise habe ich alle vier eben genannten Spiele für NplusX getestet).  

Da ich aber „relativ neu“ im JRPG-Fanclub bin und mich auch die Geschichten der bekanntesten und interessantesten Franchises und Entwickler neugierig machen, komme ich nicht umhin, das eine oder andere ältere Spiel nachholen zu wollen, unter anderem aus den Ludotheken des SNES, der PlayStation 1, des Game Boy Advance und der PlayStation Portable. Ein SNES besitze ich zwar, aber ein extrem großer Teil der interessanten JRPGs für die Konsole kam nie in Europa heraus und eine PlayStation 1 kommt mir eher nicht mehr ins Haus, da ich inzwischen echt keine Lust mehr auf 360p am TV und kabelgebundene Controller habe.

Eine PSP habe ich mir allerdings besorgt und ich bereue es jetzt schon, den coolen Handheld nicht schon zu Release besessen zu haben – Die JRPG-Auswahl auf dem kleinen Gerät ist einfach nur erstaunlich! Ist das Teil aber auch was für euch? Gehen wir doch mal Schritt für Schritt alle mir einfallenden Pros und Cons für Sonys erste Hosentaschenkonsole durch:

Pro #1: Die Konsole!

Die PSP (zumindest das 2004er Modell, das ich besitze) liegt super in der Hand, was gerade bei längeren Grinding-Sessions ein großer Pluspunkt ist. Zusammen mit der Vita würde ich tatsächlich den Formfaktor der PSP am höchsten von allen Handhelds bewerten, die ich kenne. Die von mir hochgelobte Switch ist mit ihrer Größe und ihrer Form jedenfalls nicht ganz so angenehm in der Hand. Features wie die Bildschirmbeleuchtung, ein jederzeit aktivierbarer Standby-Modus und die Möglichkeit, die Konsole per Wlan mit dem Internet zu verbinden, mögen heutzutage zwar Standard sein, aber zu PSP-Zeiten war es nicht einmal üblich, mit Heimkonsolen online zu gehen.

Mit dem Gerät an sich bin ich jedenfalls mehr als zufrieden, was mich einmal mehr traurig macht, dass Sony wohl kein Interesse mehr am Handheld-Geschäft hat, denn auch die Vita finde ich klasse (zur Vita wird es in Zukunft sicher auch mal eine Grinder’s-Guide-Ausgabe geben!).

Con #1: Das Alter der Konsole…

So cool die Konsole an sich aber auch ist, sie hat doch einige Probleme und die meisten von ihnen lassen sich auf ihr Alter zurückführen. Die 2005 hierzulande erschienene PSP wird nicht mehr produziert und so lassen sich nur noch gebrauchte Geräte erwerben, offensichtlich mit schwankendem Grad an Abnutzungserscheinungen. Der größte Schwachpunkt der PSP scheint ihr Akku zu sein, der sich mit der Zeit abnutzungsbedingt immer weiter aufbläht, bis er nicht mehr in das Batteriefach passt (und dann auch nicht mehr genutzt werden sollte, da Explosionsgefahr besteht!). Neue Akkus zu bekommen ist schwierig und meist lassen sich nur billige Imitate aus China finden, die in ihrer Kapazität und Verarbeitung auch gehörige Schwankungen haben. Ich musste bei meiner PSP auch den Akku austauschen und mein 5€-NoName-Ersatz funktioniert zwar gut, hält aber nur etwa 2 Stunden durch.

Mit der PSP online gehen ist heutzutage auch nicht mehr so einfach wie zu Release. Mit den neueren Verschlüsselungsstandards der Router kommt das Gerät leider nicht klar, sodass der Zugriff auf den PSN-Store über die PSP nur noch über größere Umwege erfolgen kann.

Pro #2: Die Spiele!

Okay, die PSP hat viele JRPGs, das ist kein Geheimnis (und der Grund, warum der Handheld überhaupt Gegenstand einer Grinder’s-Guide-Ausgabe geworden ist). Aber welche davon sind wirklich NUR darauf erhältlich und welche kann man sich auch gemütlich für eine neuere Konsole oder den PC holen?

Ehrlich gesagt sind nicht mehr ganz so viele JRPGs exklusiv auf PSP erhältlich. Ein beachtlicher Teil der Games, allen voran die vielen Titel von Nihon Falcoms Ys- und The-Legend-of-Heroes-Reihen, ist inzwischen auf Steam erhältlich. Außerdem können einige PSP-Titel digital im PSN-Store erworben und auf der Vita gespielt werden. Letztere ist aber eigentlich keine wirkliche Option, denn niemand hat eine Vita und selbst die, die eine haben, sind meist nicht wohlhabend genug, um sich eine maßlos überteuerte Vita-Speicherkarte leisten zu können.

Exklusiv geblieben sind damit beispielsweise die Quest-basierten Action-RPGs Phantasy Star Portable 1 und 2, das Final-Fantasy-VII-Prequel Crisis Core und ein paar recht unbekannte Games wie das taktische Rollenspiel Jeanne D’Arc und das Fantasy-RPG Brave Story (die beide aber nicht in Europa erschienen und aus den USA importiert werden müssten…).

Aber gerade Sammler und Retail-Freunde kommen auch bei vielen nicht-exklusiven Spielen nicht um eine PSP herum. Viele der Ys- und Legend-of-Heroes-Titel sind physisch nur für PSP erhältlich, genauso wie die Version von Final Fantasy IV, die das Sequel The After Years enthält. Die in ein paar Tagen für PS4 und Switch erscheinende Neuauflage des ersten Titels der Star-Ocean-Reihe, Star Ocean: First Departure R, ist weitgehend inhaltsgleich zur bereits 2008 veröffentlichten PSP-Version, welche im Gegensatz zu den neuesten Ablegern auch eine physische Edition erhalten hat. Kurz gesagt: Wer die nötige Geduld und das entsprechende Budget hat, kann sich eine ziemlich epische JRPG-Kollektion für seine Hosentaschen-PlayStation zusammenklauben!

Con #2: Die Verfügbarkeit/Preise!

Einen kleinen Haken für Sammler gibt’s da aber leider… Ein beachtlicher Teil der PSP-JRPGs ist außerhalb Japans ziemlich selten und damit auch exorbitant teuer. Die Monster-Hunter-Teile auf der PlayStation Portable, Breath of Fire 3 und Crisis Core: Final Fantasy VII mögen aktuell noch nicht ganz so viel kosten, aber für ziemlich viele Spiele dürftet ihr, wenn ihr überhaupt das Glück habt, sie zu finden, den damaligen Ladenpreis oder mehr hinblättern. The Legend of Heroes: Trails in the Sky ist beispielsweise auf ebay nur äußerst selten anzutreffen und das meist zu Preisen jenseits der 50€. Für Ys Seven könnt ihr dann nochmal mindestens genauso viel blechen. 

Das ist auch der Grund, warum sich in meiner PSP-Sammlung aktuell keines dieser Spiele befindet: Ich hatte leider noch kein wahnsinniges Glück. Immerhin konnte ich Phantasy Star Portable für einen ganzen Euro auf ebay ersteigern! Da ich bisher aber noch nicht dazu gekommen bin, PSP für die PSP zu spielen, kann ich euch aber leider noch nicht sagen, ob sich der Euro gelohnt hat. 20 Euro für das PSP-Remake des ersten Final Fantasy halte ich nach dem Durchspielen für etwas viel, aber als JRPG-Fanatiker habe ich gerne in dieses wichtige Stück der Genre-Geschichte investiert. Weitere 20 musste ich für den zweiten Teil zahlen, womit ich über dem Durchschnittspreis des GBA-Moduls liege, das beide Teile vereint, aber so habe ich wenigstens zwei Spiele mit Verpackung und netter Spielanleitung und eben auf der PSP mit besserer Grafik und besserem Soundchip.

Tales of Eternia, welches hin und wieder für 15 Euro oder weniger verfügbar ist, kann ich hingegen wärmstens empfehlen. Ich bin hier zwar noch nicht durch, aber bisher hatte ich wie mit jedem Tales-of-Ableger eine Menge Spaß mit dem Fantasy-Action-RPG.

Pro #3: Die dunkle Seite der Macht…

So, kommen wir mal langsam zum letzten und vielleicht auch wichtigsten Punkt dieser Liste für eine Entscheidung für oder gegen die PSP. Sonys Handheld ist aus vielen Gründen ein Emulator-Paradies. Das Hacken des Geräts ist kinderleicht und mit einer Custom Firmware und einem ca. 2 Euro teuren Adapter lässt sich eine Micro-SD-Karte als Speichermedium anstelle der viel zu teuren Sony-eigenen Memory Sticks verwenden. Die SD-Karte könnt ihr dann mit allerlei Schabernack füllen… So laufen NES-, SNES- und GBA-Emulatoren problemlos auf dem Handheld und da diese technisch gesehen eine tragbare PS1 ist, lassen sich ROMs von Play-Station-1-Spielen auch durch gewisse Modifikationen direkt auf der PSP spielbar machen. Auch Fantranslation-Patches von exklusiv in Japan erschienenen PSP-Spielen (wie beispielsweise das taktische Rollenspiel Valkyria Chronicles 3 von Sega) sind ein gerne genutztes Feature. Ich möchte hier niemanden dazu ermutigen, seine PSP zu hacken und noch viel weniger, Videospiel-Piraterie zu betreiben und lediglich darauf hinweisen, dass sehr viel mit diesem kleinen Tausendsassa möglich ist. Ich würde aber auch niemanden verurteilen, der das nie in Europa erschienene Squaresoft-JRPG Xenogears auf seiner PSP spielt… (by the way ein wunderbares PS1-Spiel und eine der genialsten Stories, die ich je in einem Videospiel erleben durfte!)

Fazit:

Zugegeben, mein Abenteuer mit der Play Station Portable hat gerade erst begonnen und vielleicht ist es auch noch zu früh für mich, wirklich ein Urteil darüber zu fällen, ob sich die Konsole für JRPG-Fans lohnt oder nicht. Trotzdem habe ich mein pinkfarbenes Modell vom Flohmarkt inzwischen sehr lieb gewonnen und freue mich auf die vielen Spiele, die ich darauf noch spielen werde. Nach Tales of Eternia stehen bei mir noch Breath of Fire 3, Crisis Core, Final Fantasy II, Phantasy Star Portable und Ys The Ark of Napishtim an. Ob ich allerdings je an erschwingliche Kopien von Trails in the Sky, Ys Seven und den beiden Star Ocean Remakes kommen werde, steht noch in den Sternen…

Wie sieht es bei euch aus? Habt oder hattet ihr eine PSP? Was habt ihr darauf gespielt? Wollt ihr euch noch eine holen und wenn ja, für welche Spiele? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Die nächste Ausgabe des Grinder’s Guide wird sich dann wieder mehr mit den Spielen an sich und weniger mit einem Abspielgerät beschäftigen, denn 2019 ist bald rum und damit ist es mal wieder Zeit für einen JRPG-Jahresrückblick! Der Term „mal wieder“ impliziert eine gewisse Regelmäßigkeit, obwohl ich bisher nur 2016 einen solchen Rückblick verfasste… Aber in Zukunft versuche ich, keine Jahre mehr auszulassen!

Schaut euch auch meine älteren Grinder's Guides hier an!

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6 Kommentare:


Matthew1990
vor 1 Woche | 1
Die PSP nur deshalb gut, weil meine Ex damals eine hatte und ich dort meine aller ersten Erfahrungen in Monster Hunter machte. Seitdem liebe ich dieses Franchise. :D

Denios
vor 1 Woche | 1
Das ist ein wirklich guter Grund für eine PSP :D Ich habe Freedom Unite auf der Vita nachgeholt, wo man den rechten Stick für die Kamera nutzen konnte und selbst das war schon ziemlich frickelig, will gar nicht wissen, wie man das ohne den Stick gemacht hat...

Vyse
vor 1 Woche | 2
Meine PSP war während meines Auslandssemesters in Japan mein einziger Begleiter und ich war damit bestens versorgt.

Neben unzähligen JRPGs (Riviera: The Promised Land, Breath of Fire III, Final Fantasy Tactics: War of the Lions, Mana Khemia, Half-Minute Hero, Valhalla Knights 2: Battle Stance, Hexyz Force, Persona Portable, Crisis Core, Tales of the World, Class of Heroes, ...) habe ich auch etliche Musikspiele (Rock Band Unplugged, jedes DJ Max Portable das ich in die Finger bekam und Pop'n Music Portable) darauf abgerissen. Monster Hunter Freedom 2 hatte ich auch dabei, aber es war leider wirklich fast unspielbar, auch wenn mich das enorme Potential der Serie schon damals angefixt hatte. Hachja, als Student hatte man noch richtig viel Zeit für Videospiele...

Dazu kommen dann noch die ganzen Erinnerungen, die mit dem Teil zusammenhängen: Im Nipponbashi-Bezirk von Osaka dutzende Videospiele-Läden nach seltenen Importen abzugrasen, oder die nächtlichen Touren durch die nähere Umgebung des Wohnheims, damit ich über unverschlüsselte WLANs DLCs und Download-Spiele herunterladen konnte... herrlich.

Damals haben Videospiele noch richtig Spaß gemacht.

Denios
vor 1 Woche | 0
sehr nice! wenn ich ein Auslandssemester gemacht hätte, hätte ich auf jeden Fall auch einen Handheld und haufenweise JRPGs mitgenommen^^

Tobsen
vor 1 Woche | 1
Eine PSP hätte man sich damals echt gut neben dem DS besorgen können. Den DS dann für J'n'Rs und Action Adventures und Nintendogs und die PSP für Rollenspiele und Action. Stattdessen musste es aber dringend Catch! Touch! Yoshi! und Pac Pix zum Vollpreis sein!!!11!

Denios
vor 1 Woche | 0
wobei der DS in JRPG-Hinsicht auch ordentlich was zu bieten hat. Zwar fast nur Remakes, aber nicee. Aber irgendwie bekam ich die meisten davon auch erst bissl später mit^^