Test: Pokémon Schwert / Schild

Von Nico Zurheide am 26. November 2019

Game Freak setzt verfrühter Release ein. Game Freak hat sich selbst verletzt.

Das könnte der interessierte Fan zumindest annehmen, sollte er sich in den letzten Monaten auch nur entfernt mit der Berichterstattung zum neuen Hauptreihen-Abenteuer des Mega-Franchise befasst haben. Seit der diesjährigen E3, auf der Game Director Shigeru Ohmori während einer Gameplay-Präsentation nebenbei ausplauderte, dass es nicht alle bisher bekannten Pokémon in die neuen Spiele schaffen würden, kommt die Fangemeinde kaum noch zur Ruhe und es reihten sich bereits so viele Shitstorms aneinander, dass Schwert und Schild auch gut und gerne als die „Braune Edition“ in die Geschichte eingehen könnten. Die Liste der konkreten Beschwerden wurde im Verlauf des Jahres immer länger, daher gucken wir im Zuge dieses Tests, wie sich die gewohnt überspitzten Kritikpunkte denn nun ganz real im Spiel zeigen. Den Verkaufszahlen der neuen Editionen hat die große Kontroverse samt ihrer vielen Boykottaufrufe indes wenig überraschend kaum geschadet (NplusX berichtete).

Gotta catch 'em all?

Ein kleines Zahlenspiel zu Beginn: In der neuen, grob auf Großbritannien basierenden Region Galar, gibt es wie für jede Generation einen neuen Pokédex. Der sogenannte Galar-Dex enthält genau 400 Pokémon, die man für die Erfüllung eines der Spielziele wieder alle fangen und registrieren muss. Von diesen 400 sind 81 komplett neue Pokémon der achten Generation, außerdem bekamen 13 ältere Pokémon ein neues Design, so wie die Alola-Formen der siebten Generation - das lässt Platz für 306 weitere Taschenmonster. Das Problem: Vor der achten Generation gab es bereits 809 Pokémon, also haben es ganze 506 Monster nicht in die neuen Spiele geschafft. Es gibt keine Möglichkeit, eines dieser Pokémon auf Schwert oder Schild zu übertragen, denn dafür ist der Cloud-Service Pokémon Home nötig, der diese Pokémon gar nicht erst akzeptiert und überdies erst 2020 starten soll. Die Aussage von Game Freak, dass es einfach zu viel Arbeit mache, die fehlenden Pokémon ebenfalls in das Spiel zu integrieren, kann gleich auf mehrere Arten widerlegt werden und wurde durch talentierte Fans auch bereits ins Lächerliche gezogen, nachdem diese kurz nach Release der Spiele bereits andere Pokémon in die Spiele gemoddet haben. Damit sind Pokémon Schwert und Schild die ersten Nicht-Remakes der Hauptreihe, in denen nicht alle bekannten Pokémon zu bekommen sind. Ein trauriger Rekord. Zu allem Überfluss strich man direkt einige Dutzend Attacken mit, darunter auch viel gebrauchte und vor allem in der kompetitiven Szene geschätzte Attacken wie Rückkehr, Frustration, Kraftreserve oder Verfolgung.

Wohlgemerkt: Beim Durchspielen der etwa 20 bis 30 Stunden langen Geschichte merken wir von den fehlenden Pokémon und Attacken natürlich recht wenig. Die Varietät auf den einzelnen Routen und der neuen Naturzone ist so groß, dass wir stets genug Auswahl haben und im Grunde nichts vermissen müssen. Auch die Anteile der verschiedenen Generationen am Wildleben in Galar wirken ausgeglichen. Dass wir beinahe vom Spielbeginn an auf eine große Vielfalt an Pokémontypen zurückgreifen können, liegt vor allem an einer der großen Neuerungen, nämlich der Naturzone.

Jetzt brandneu: Der zweite Stick

Die Naturzone ist ein großes, offenes Gebiet, dass sich mitten in Galar etwa über die halbe Karte erstreckt und in verschiedene kleinere Subareale aufgeteilt ist. Je nach Gebiet und aktuellem Wetter finden wir hier völlig unterschiedliche Pokémon. Hier erleben wir auch eine der größten Innovationen, die Game Freak jemals hervorgebracht hat: Wir können den zweiten Stick benutzen, um die Kamera völlig frei zu bewegen! Unglaublich. Nun, zumindest bei der Pokémon-Hauptreihe ist dies erstmals möglich. Im Verlauf der Story betreten wir die Naturzone schon lange vor dem ersten Orden und damit recht früh im Spiel. Das Team befindet sich zu diesem Zeitpunkt normalerweise auf einem Level zwischen 15 und 20, in der großen Wildnis können wir allerdings unter anderem schon auf Pokémon treffen, die beispielsweise auf Level 50 sind. An einen Sieg ist nicht zu denken und da wir diese starken Monster zu diesem Zeitpunkt im Spiel logischerweise auch nicht fangen dürfen, bleibt uns bei so einem Aufeinandertreffen immer nur die Flucht. Wer wenige Pokémon im Team hat und einmal nicht aufpasst kann hier aber auch ganz schnell besiegt werden.

Wie in jedem Spiel werden wir bei einer Niederlage in das zuletzt genutzte Pokémon-Center zurückgeschickt und verlieren einen Teil unseres Geldes. Besonders häufig dürften in Schwert und Schild allerdings selbst Neueinsteiger nicht einen Kampf verlieren. Der Ableger ist zwar nicht so leicht wie es Pokémon X und Y waren, hat sich aber nach den etwas anspruchsvolleren Sonne und Mond wieder in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Das liegt einerseits daran, dass der EP-Teiler, der nach jedem Kampf das komplette Team mit Erfahrung versorgt, nicht mehr abgeschaltet werden kann, andererseits werden wir oft vor oder nach wichtigen Trainerkämpfen geheilt und können so nur selten unvorbereitet in eine Situation laufen.

Ganz auf uns allein gestellt sind wir allerdings in der Naturzone. Obwohl die nächste Stadt nie wirklich weit entfernt ist und wir vor allem mit dem Fahrrad schnell unterwegs sind, können wir uns in den weiten Ebenen durchaus beim Pokémonfangen verlieren. Das Team kann dabei viel Schaden nehmen, als Ausgleich hat sich Game Freak das sogenannte PokéCamp ausgedacht. Mit dieser Option im Menü können wir überall in der Naturzone und auf normalen Routen unser Zelt aufschlagen und dann mit den Pokémon aus dem aktuellen Team interagieren. Die Möglichkeiten hier sind allerdings vor allem im Vergleich mit Sonne und Mond stark begrenzt, bis auf das Spiel mit einem Pokéwedel oder einem Ball können wir den Begleitern nur generische Fragen stellen, auf die wir generische Antworten bekommen.

Das Highlight des Campens ist eindeutig das Kochen von Curry, für das es extra eine eigene Sektion für die Zutaten im Beutel gibt. Je nach dem, welche Beeren und Zutaten wir in den Topf mischen, kommt ein ganz individuelles Curry dabei heraus. Die Varianz ist hier so hoch, dass sogar ein eigener Curry-Dex für die Kreationen existiert. Hier können wir bereits gekochte Rezepte und ihre Wirkung jederzeit nachschlagen. Das Kochen selbst besteht aus dem Anfachen von Feuer und dem Umrühren des Currys, was wir beides je nach Controller entweder mit Bewegungssteuerung oder klassisch mit Knopf und Stick erledigen können. Die Mahlzeit heilt entsprechend ihrer Güteklasse eine bestimmte Menge KP aller Pokémon im Team.

Mega-Entwicklung, Z-Attacken, Strammer Max

In der Naturzone kommt auch das andere große neue Feature zum Tragen. Bei der sogenannten Dynamaxierung, die einmal pro Kampf eingesetzt werden kann, wächst das gewählte Pokémon für drei Runden auf gigantische Ausmaße heran und seine Attacken werden zu typenabhängigen Dyna-Attacken. Diese dynamaxierten Pokémon sind besonders schlagkräftig und so kann diese Mechanik zur richtigen Zeit natürlich einen ganzen Kampf entscheiden. Der neue Mix aus Mega-Entwicklung und Z-Attacke,  welche jeweils in den Generationen sechs und sieben eingeführt wurden, ersetzt die alten Features leider vollkommen, das organisch gewachsene Kampfsystem der letzten Jahre wird also wieder gründlich auf den Kopf gestellt.

Pokémon können aber nicht an allen Orten dynamaxieren. Diese Option steht uns selbst nur in den großen Arenen zur Verfügung, wilde Pokémon dagegen treten in ihrer dynamaxierten Form nur in der Naturzone auf. Diese starken Gegner können wir entweder alleine mit drei KI-Partnern bekämpfen, oder uns online auf die Suche nach Hilfe begeben. Schalten wir in der Naturzone die Online-Features ein, wird das Spiel zwischenzeitlich zu einem MMO und etliche Spieler bevölkern die weitläufigen Wiesen. In diesem Modus aber kommt es durchgängig zu Bildrucklern, die bei schlechtem Wetter noch verschlimmert werden, und Spieler springen immer wieder von Fleck zu Fleck. Erwischen wir tatsächlich mal einen Spieler und sprechen ihn an, bekommen wir im besten Fall eine Zutat für das Curry. Das Suchen nach Spielern für die Dyna-Raids gegen wilde Dynamax-Pokémon funktioniert überdies nur mit viel Geduld und Glück, sodass wir mit den KI-Kumpanen stets besser fahren. Für ein vor Release derart angepriesenes Feature gibt der Online-Modus also ein sehr trauriges Bild ab.

Die Dynamaxierung passt derweil aber perfekt in das wohl durch Großbritannien inspirierte übergreifende Fußballthema. Die acht Arenen sind erstmals richtige Arenen, genauer gesagt ganze Fußballstadien, in denen das Spektakel vor einem großen Live-Publikum natürlich gar nicht groß genug sein kann. Die riesigen Dynamax-Pokémon passen da ebenso gut ins Konzept wie die Stadien, die in den Soundtrack eingebauten Fangesänge, die Aufmachung der Arena-Challenge als nationales Großereignis und die Verbrecherorganisation der Region, das Team Yell. Team Yell ist eindeutig eine Hommage an die Fußballfans Großbritanniens, vermischt mit Einflüssen von der auf der Insel populär gewordenen Punk-Szene. Die Mitglieder der rüpelhaften Bande sind glühende Anhänger von Mary, einer weiteren Arena-Challengerin und geben ihr Möglichstes, den anderen Teilnehmern das Leben möglichst schwer zu machen. Wie schon von Team Skull in Sonne und Mond geht von ihnen aber keine echte Gefahr mehr aus.

Spektakel statt Story

Ebenfalls größtenteils harmlos ist unser hiesiger Rivale namens Hop, der seinerseits der jüngere Bruder von Delion, dem amtierenden Champ von Galar, ist. Hop wählt zu Beginn zwar wieder das Pokémon, das einen Typennachteil gegen unseres hat, wechselt im Verlauf des Abenteuers aber immerhin öfter seine Pokémon und ist damit der erste Rivale, der das in dieser Radikalität tut. Betys, ein weiterer Rivale, verhält sich dagegen klassisch antagonistisch und ist stets darauf aus, dem Liga-Präsidenten Rose sein Können zu beweisen. Im Verlauf der durch Cutscenes erzählten Story erleben wir als frisch gebackener Trainer und Teilnehmer der Arena-Challenge im Grunde gar nichts, so ernüchternd das auch klingt. Pokémon war noch nie für eine starke Story bekannt, doch in Schwert und Schild erleben wir immer nur, wie im Hintergrund etwas geschieht, und müssen dann in der folgenden Cutscene stets lesen, dass die Erwachsenen sich schon darum kümmern und wir uns auf die Challenge konzentrieren sollen. Was für die reale Welt nach einer logischen Entwicklung klingt, sorgt in einem Rollenspiel allerdings dafür, dass wir uns trotz der zahlreichen Cutscenes seltsam losgelöst von den wichtigen Ereignissen durch Galar bewegen und sich unsere Story quasi nur um das im Fernsehen übertragene Spektakel der Arena-Challenge dreht. Das ändert sich erst im kurzen Postgame nach dem Besiegen des Champs.

Die verschiedenen menschlichen Charaktere und vor allem auch die 81 neuen Pokémon sind dafür aber beinahe komplett sehr gelungen designt. Die neuen Monster fügen sich problemlos in die nun auf 890 angewachsene Riege an Pokémon ein und bringen in einigen Fällen auch gehobenes Potential für das kompetitive Spiel mit sich. Nur der Protagonist selbst bleibt trotz der wieder zahlreichen Einkleidungs- und Styling-Möglichkeiten komplett ohne Persönlichkeit, was aber für ein Rollenspiel nicht unbedingt weiter tragisch ist. Die Antwortmöglichkeiten, die wir in einigen Dialogen zur Auswahl bekommen, haben absolut keinen Einfluss auf die Story oder unseren Charakter.

Auch die Region Galar ist wieder erfreulich abwechslungsreich gestaltet und bietet durch die Naturzone auch einen relativ langfristigen Zeitvertreib neben dem eigentlichen Spielgeschehen. Trotz des großen offenen Gebiets ist die ganze Region durch ihr langgezogenes Layout allerdings streng linear aufgebaut und viele markante Besonderheiten, wie eine monumentale Digdri-Statue oder eine übergroße Geoglyphe auf einem Hügel (die an den Cerne-Abbas-Riesen erinnert), spielen in der Geschichte des Spiels keine Rolle. Dieser Umstand erweckt zusammen mit vielen anderen Kleinigkeiten das Gefühl, dass Game Freak die Spiele eigentlich viel größer angelegt hatte, dann aber aufgrund des unverschiebbaren Releasezeitpunkts viele Ideen wieder verwarf oder eben halbherzig in die Spiele integrierte.

Neben der Naturzone, dem PokéCamp, der Dynamaxierung und den Galar-Formen gab es trotz des offensichtlich verfrühten Releases noch weitere Neuerungen und Detailverbesserungen. So öffnen sich Türen im Gegensatz zu Sonne und Mond wieder automatisch; die alten, einmal benutzbaren TMs kehren als Technische Platten (TP) zurück und sorgen so quasi in Personalunion mit ihrem Real-Life-Pendant, der Schallplatte, für herzlichen Retro-Charme; als Champ wird der Protagonist endlich auch nach dem Besiegen des stärksten Trainers der Region überall anerkannt; der Attacken-Erlerner-Verlerner und Namensbewerter steht nun praktischerweise in jedem PokéCenter und durch das Rotom-Smartphone können wir nun von überall aus auf das PC-Boxenlagerungssystem zugreifen, um nur einige zu nennen. Erstmals in der Hauptreihe sind nun auch wilde Pokémon direkt in der Oberwelt zu sehen, daneben gibt es aber weiterhin auch semi-Random-Encounters (diese werden mit einem Ausrufezeichen gekennzeichnet). Ein größeres neues Feature sind außerdem die PokéJobs, die wir am PC im PokéCenter auswählen können. Hier schicken wir eine bestimmte Anzahl unserer Pokémon je nach Jobbeschreibung eine frei wählbare Zeitspanne zu den Berufen und verschaffen ihnen so auch abseits des eigentlichen Teams etwas Erfahrung. Für zusätzliche Erfahrung sorgen auch die neuen, sinnvollen EP-Bonbons, die einem Pokémon, anders als das bekannte Sonderbonbon, je nach Größe eine bestimmte Menge EP zugute kommen lassen, statt es einfach auf den nächsten Level zu bringen.

Trotz der vielen Neuheiten, darunter auch die Tatsache, dass Schwert und Schild die ersten Haupt-Editionen auf einer Heimkonsole sind, findet Game Freak mit den neuen Editionen in einigen Belangen auch wieder zurück zu den Wurzeln. Hauptsächlich sprechen wir hier natürlich von der klassischen Arenenstruktur mit acht Herausforderungen und einer Top 4 samt Champ am Ende, auch wenn die Top 4 etwas anders als gewöhnlich aufgebaut ist und sich in Form eines Turniers darstellt, an dem alle Arenaleiter teilnehmen. Der Soundtrack orientiert sich ebenfalls an älteren Spielen, vorwiegend aus den Generationen drei bis fünf, und kann insgesamt überzeugen. Teilweise bekommen wir sogar großartige Stücke von den Komponisten Minako Adachi und Go Ichinose vorgesetzt, darunter beispielweise die von Dudelsäcken geprägte Musik der südlichen Naturzone, die gutsbürgertümliche Orchestralmusik von Claw City oder die von Fußballfangesängen inspirierte letzte Phase der Kämpfe gegen Arenaleiter.

Ganz und gar nicht überdurchschnittlich hingegen - und damit wären wir wieder beim Thema verfrühter Release - kommt die optische Präsentation der Spiele daher. Abgesehen von den Charaktermodellen der Personen und Pokémon wirken viele Texturen arg verwaschen oder matschig, gerade in der Naturzone zeigt sich, dass die Spiele für weitläufige Gebiete einfach nicht gut genug programmiert sind. Objekte, die sich nicht in der Nähe des Protagonisten befinden, ploppen beim Näherkommen stets erst spät auf. Die Grafik wirkt teilweise wie in alten Cartoons, in denen Hintergründe nur wenig aufwendig gezeichnet wurden und bewegliche Objekte, in diesem Fall eben die Charaktermodelle, dagegen klar herausstechen. Darüber hinaus wirken viele Stellen einfach unfertig, sei es nun eine Sackgasse in einer Stadt oder etwa die Tatsache, dass es wieder Kampfrestaurants gibt, wir dort aber kein Essen erwerben können. Derlei Nebensächlichkeiten machen eine Spielwelt erst lebendig und fallen besonders auf, wenn sie wegbleiben. Vor allem, da bestimmte Gebiete, so zum Beispiel das Haus des Protagonisten oder die Stadt Fairballey, vollends durchgestylt daherkommen und so im krassen Kontrast zu den oftmals leeren Arealen an anderen Stellen der Spielwelt stehen.

Fazit:

Game Freak sollte dringend einen Teil des Geldes, dass das Pokémon-Franchise in die Kassen spült, in bessere Entwickler und ein generell größeres Team reinvestieren. Technische Mängel lassen sich auf dem kleinen 3DS-Screen eben deutlich leichter kaschieren als auf einer Heimkonsole. Andererseits verkaufen sich die Spiele auch mit einer Vorgeschichte wie der von Schwert und Schild herausragend gut. Das liegt natürlich einerseits an der großen Zielgruppe und den vielen Fans der Spiele, andererseits machen viele Aspekte der neuen Spiele auch Lust auf mehr Heimkonsolen-Pokémon. Das Grundgerüst der Spiele mitsamt seines komplexen Kampfsystems bleibt nunmal bestehen, auch wenn einige gute Mechaniken wie Mega-Entwicklungen oder Z-Attacken der neuen Dynamaxierung zum Opfer gefallen sind.

Dennoch merkt man Schwert und Schild eindeutig an, dass deren Release viel zu früh kam. Innerhalb des Pokémon-Konstrukts ist eine Verschiebung der Haupteditionen zwar beinahe unmöglich, sollte jedoch zukünftig weiter so die Qualität der Spiele unter dem Rhythmus leiden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Pokémon in der Rangliste der umsatzstärksten Franchises von HelloKitty vom ersten Platz verdrängt wird.

Zweite Meinung von Michael Prammer:

In einem Punkt pflichte ich meinem Kollegen Nico ganz klar bei: Technisch ist das erste echte Heimkonsolen-Pokémon wirklich alles andere als gelungen. Ich persönlich würde hier nicht einmal unbedingt die Grafik selbst ankreiden. Diese sieht nämlich relativ gelungen aus, die Hintergründe wissen zu gefallen und einige Animationen wurden nett ausgearbeitet. Es ist vielmehr die im Test bereits angesprochene Technik selbst, die dem Gesamteindruck zu schaffen macht. Aufploppende Gegenstände, Bildrateneinbrüche, Charaktere, die plötzlich verschwinden... Man könnte noch weitere Beispiele finden, die auf eine gewisse Schlamperei bei der Performance hindeuten. Aber ich bin ganz ehrlich: Mich persönlich haben all die technischen Makel nach einigen Spielstunden schon gar nicht mehr gestört - mehr noch, ich habe sie nicht mehr bemerkt. Viel zu sehr hat mich die neue Galar-Region in ihren Bann gezogen. 

Die Spielwelt ist der Star des Abenteuers und das liegt nicht nur an den teilweise offenen Arealen. Vielmehr ist dem neuen Pokémon-Spiel endlich die Frische beigefügt worden, die ich als Nicht-Hardcore-Fan der Serie schon länger vermisse. Der Wechsel zwischen Linearität und offener Welt, die neuen Monster und die schön und abwechslungsreich erzählte Story runden Pokémon Schwert und Schild für mich ab. Dass man die Galar-Region einem westlichen Großbritannien nachempfunden hat, ist nicht nur mutig, sondern zahlt sich auch aus. Die ländlichen Dörfer wirken verträumt, die großen Städte sehen aus, wie von der Queen selbst gezeichnet und die gesamte Region ist voller Leben. Überall sind Pokémon und NPCs, mit denen der Spieler interagieren kann. Selbst im Vergleich zu einem grandiosen Breath of the Wild wirkte für mich diese Spielwelt noch lebhafter und "echter". Abseits der angesprochenen technischen Schnitzer macht das Abenteuer Spaß wie eh und je und hat die für mich bislang beste Spielwelt in einem Pokémon-Abenteuer.

Wertung:

7.0

Nico Zurheide meint:

"Das Heimkonsolendebut der Hauptreihe macht Lust auf mehr, durch schlechte Designentscheidungen und mangelhafte Technik fehlt es ihm aber an Substanz."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Mangelhaft

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10 Kommentare:


prog4m3r
vor 1 Woche | 0
FANBOYWERTUNG! °-°

Buttergebäck
vor 1 Woche | 0
Selbst 7.0 empfindet du noch als Fanboywertung? Ich gehe davon aus dass das ironisch gemeint ist.

Denios
vor 1 Woche | 1
Nicer Test. Entspricht ungefähr meiner Einschätzung nach einigen Videos und Kram, den ich auf Youtube sah.

Buttergebäck
vor 1 Woche | 0
Nach all der Kontroverse und den Diskussionen um das Spiel ist es nun also draußen und jeder kann sich endlich selbst ein Bild machen.

Grafisch liegt das Spiel auf jeden Fall weit hinter anderen AAA-Titeln auf der Switch, auch wenn ich es längst nicht als so schlimm empfinde wie im Test beschrieben. Es gibt aber auf jeden Fall auch einige großartig designte Orte, und die Animationen der Figuren und teilweise auch der Pokemon sind überragend. In dieser Hinsicht haben sich die Kürzungen an anderen Stellen voll ausgezahlt. Die matschigen Texturen und hereinploppenden Objekte habe ich zu keinem Zeitpunkt als störend empfunden, sicher auch weil sie eben schon aus großer Entfernung hereingeploppt sind. Der Soundtrack ist teilweise sehr unspektakulär im Vergleich mit den früheren Editionen, enthält aber auch wieder die eine oder andere Perle, gerade in der zweiten Spielhälfte.

Auch spielerisch gibt es viel Licht und viel Schatten. Das allerwichtigste bei einem Pokemon-Spiel sind immernoch die (neuen) Pokemon, deren Aufmachung, Ausstrahlung, Attacken und Spielbarkeit. Und diesbezüglich gibt sich das Spiel Gott sei Dank nicht den Hauch einer Blöße. Bereits bei den vor dem Release enthüllten Monstern sind mehr als genug dabeigewesen, dass ich mir daraus ein sechsköpfiges Team aus fantastischen Pokemon zusammenstellen kann. Jetzt im tatsächlichen Abenteuer sind noch viele weitere solcher dazugekommen. Umso bedauernswerter sind die Gameplay-Probleme mit denen das Spiel dennoch zu kämpfen hat: Über die zwangsweise EP-Teilung ist ja im Vorfeld auch schon viel diskutiert worden, und nun hat sich auch hir gezeigt was für eine fatale Entscheidung sie ist. Wenn man ein neues Pokemon fängt, ins Team aufnimmt und wegen seines niedrigen Levels erstmal in jedem Kampf aufs Feld schickt, dauert es leider viel zu lange bis es levelmäßig mit den anderen aufgeschlossen hat, weil diese ja parallel immernoch mitleveln, wenn auch nicht so schnell wie das unterlevelte Pokemon. Ohne die EP-Teilung würde das zunächst unterlevelte Pokemon viel schneller das Niveau der anderen erreichen, wodurch die Sache gegessen wäre und die anderen Monster endlich auch wieder in den Kämpfen zum Zug kommen könnten. So hingegen ist man gerne mal eine ganze Route oder noch länger gezwungen fast nur ein und dasselbe Pokemon zu benutzen. Mit dem neu gefangenen Monster zu grinden wäre theoretisch eine Lösung,

Buttergebäck
vor 1 Woche | 0
verbietet sich aber im Grunde wegen des zweiten großen Kritikpunkts am Spiel: Das Balancing ist zeimlich verkorkst. Es ist gerade im letzten Viertel des Spiel nahezu unvermeidlich dass man deutlich überlevelt ist und die Kämpfe dadurch viel an ihrer Spannung und der taktischen Finesse, die da Kampfsystem ja eigentlich auszeichnet, verlieren. Noch schlimmer sind aber eigentlich die Konsequenzen, die sich daraus für das Verhalten des Spielers ergeben. Dieser wird nämlich dazu genötigt, viele Dinge die seinen Taschenmonstern Erfahrungspunkte bescheren würden, so stark wie irgend möglich herunterzufahren. Kämpfe gegen wilde Pokemon im hohen Gras, angeln, sich mit den Baristas in den Cafes duellieren: All das überlegt man sich dreimal, weil man dadurch ja nur noch weiter hochgelevelt wird und die wirklich gut inszenierten Storykämpfe somit spielerisch noch weiter ins Lächerliche gezogen werden. Man muss bedenken dass ja gerade das Entdecken und Erforschen der Welt und die Jagd nach den Pokemon eine ganz wesentliche Säule eines jeden Pokemon-RPGs sind. Und genau dieser Aspekt wird durch Fehler im Gamedesign so dermaßen torpediert, das ist beschämend.

Mein letzter wesentlicher Kritikpunkt am Spiel (der interessanterweise im Test ebenfalls überhaupt nicht zur Sprache kam) ist die Abgespecktheit vieler Orte und Umgebungen. Viele Routen wirken unangemessen kurz und simpel, komplexe Höhlen und Dungeons wie man sie aus vorangegangenen Teilen gewohnt ist sucht man vergeblich. Selbst ein ausuferndes Hauptquartier des bösen Teams gibt es nicht, Orte wie Spikeford oder das Energiewerk in Claw City bestehen nur aus wenigen Räumen in denen auch auch nicht viel passiert außer ein paar Kämpfen. Man vergleiche das bitte mit der unglaublich intensiven Infiltration des Aether-Foundation-Hauptquartiers in Sonne & Mond. Es lässt sich erahnen dass diese Beschneidung auch mit der zugegeben wirklich beeindruckenden und ausufernden Naturzone zusammenhängt, es zeigt sich aber auch deutlich dass diese kein Ersatz für die Umgebungen ist, in denen sich das Abenteuer eigentlich abspielt. Die Naturzone bietet kaum Spannung und irgendwie auch kaum Gameplay, sie ist nur eine große Wildnis in der es etliche verschiedene Pokemon zu fangen und Items zu finden gibt, hier ist der Entwicklungsaufwand für den daraus resultierenden Spielspaß einfach viel zu hoch. Für die nöchsten Editionen wünsche ich

Falco
vor 1 Woche | 1
Ich bin völlig ungespoilert an das Spiel rangegangen und habe lange nicht mehr so viel Spaß mit einem Pokemon Spiel gehabt.

Es ist immer noch unschön, wie die ganze Kommunikation und Implementation der Pokémon gelaufen ist. Aus competitive Sicht ist insbesondere der Wegfall der Mega ein tragischer Verlust, die weitaus mehr Flair hatten als die Gigadynamax Pokemon.

Bei den Wegfall der Attacken sehe ich das weniger drastisch. Der Wegfall von Rückkehr schadet vor allem den nicht vorhandenen Megapokemon am meisten. Der Wegfall von Verfolgung empfinde ich als positiv, nachdem in Generation 5 und 6 der Typ Unlicht sehr stark gebufft wurde.
Das letzte kontroverse Thema ist Kraftreserve. Ich finde es einfach gut, dass nicht jedes verdammte spezielle Pokémon eine Kraftreserve noch drauf hat.

Alles in allem: technisch viel falsch gemacht. Die Fans wurden mehrmals enttäuscht. Das Gesamterlebnis Spielspaß ist trotz allem vorhanden.

TraxDave
vor 6 Tagen | 1
Ich hab mich ebenfalls bis auf die in Nintendo-Directs gezeigten (eher kurzen) Trailern, völlig spoilerfrei in das Spiel begeben. Ich würde gerne sagen völlig ohne biased zu sein, jedoch war dies ja kaum möglich, sollte man sich auch nur kurz im Internet aufhalten.

Die Kernelemente, die für mich Pokémon interessant machen, sind in dieser Generation so gut, wie schon lange nicht mehr (wenn nicht generell fast am besten) - nämlich die neuen Pokémon. Ich hatte es eigentlich noch nie. Das Problem, dass ich schon nach wenigen Minuten nicht mehr wusste, wen ich nun im Team behalten soll und wen nicht. Deswegen erwische ich mich auch nach 10-15 Spielstunden immer noch gerade erst den zweiten Orden gemacht zu haben, weil ich mein Team immer wieder switche und alle halbwegs trainieren möchte, sei es auch nur, um die Entwicklungen zu sehen.

Die Naturzone hat mir das erste mal sehr viel Spaß gemacht. Gerne wäre ich länger dort geblieben, durch die (durchaus sinnvolle) Level-Begrenzung, bei der man ohne Orden Pokémon nur bis Lv 20 fangen kann, wurde ich dann doch nach Engine City getrieben.

Die Technik ist auf jeden Fall ausbaufähig, sowie auch die EP-Teiler Sache (einfaches aus und abschalten ab Beginn des Spiels in den Optionen sollte wohl möglich sein). Von den Animationen war ich allerdings stark positiv überrascht - sei dies auch eher dem vorherigen Shitstorm geschuldet, als den tatsächlichen Animationen.

Insgesamt bleibt für mich trotz Mängel (die für mich allerdings einfach nicht ins Gewicht fallen) ein begeisterndes Pokémon Hauptspiel, bei dem trotzdem noch so viel Luft nach oben bleibt, dass ich mir keine Sorgen um die Nachfolger mache. Interessant wird, wie es dann betreffend begrenztem Pokédex mit Pokémon Home etc weitergeht.

Falco
vor 6 Tagen | 1
Das mit dem EP Teiler finde ich z.B. gar nicht schlimm, weil du einen wichtigen Punkt ansprichst. Man bekommt früh im Spiel Zugang zu einer Vielfalt an Pokémon, sodass man bei entsprechender Rotation sich nie über den EP Teiler beklagt.
Für Nuzelocke Runs ist es unpraktisch.
Ansonsten muss ich zugeben, dass ich echt ziemlich underlevelt noch bin vor dem dritten Orden, jedoch ich einfach meinen Spaß daran habe, alte und neue Bekanntschaften ins Team zu integrieren :)
TraxDave
vor 5 Tagen | 1
Für mich persönlich ist es auch nicht schlimm, eben genau deswegen...weil ich eh um die 20-25 Pokémon hab, die ich versuche mitzuschleifen. ^^

Allerdings begrüße ich generell immer eine Option vor dem Zwang. Dass das Spiel dadurch allerdings leichter wird, ist meiner Erachtens einfach falsch. Man muss ja nur mehr trainieren, in diesem Sinne nicht besser werden, sondern nur EP sammeln - was nichts anderes ist als Zeit investieren. Dementsprechend bin ich froh, dass die EP von Anfang an geteilt werden. :)

nibez
vor 5 Tagen | 2
Die neuen Pokémon sind auf jeden Fall wieder ziemlich gut gelungen, aber das waren sie in der siebten Gen imo auch ^^ Und wie im Test auch gesagt kommt man im Verlauf des Spiels niemals in die Situation, dass die Auswahl an verfügbaren Pokémon zu klein ausfällt. Aber dass es insgesamt "nur" 400 gibt merkt man später dann doch und kritisieren musste ich es.

Das mit dem EP-Teiler sehe ich gar nicht tragisch. Game Freak sollte nur endlich den optionalen höheren Schwierigkeitsgrad aus Schwarz 2 wiederbringen oder erfahrenen Spielern generell mehr Optionen bieten, sodass man sich das Spiel nicht erst mit einer Nuzlocke zurechtschustern muss. Die Animationen sind sehr gelungen, bis auf die der legendären Cover-Pokémon. Das ist, ganz offen gesprochen, einfach nur lächerlich ^^'