Test: Layton's Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre – Deluxe

Von Mark Schäfer am 13. November 2019

Layton ist zurück! Nun ja, zumindest sein Name. Und neu ist das Abenteuer rund um seine Tochter Katrielle auch nicht. Dafür aber erstmals auch auf dem TV spielbar. Unser Review verrät mehr.

Über zwölf Jahre ist Professor Laytons erster Auftritt nun schon her. Dieser begründete eine Spieleserie, die im Laufe der Zeit viele Fans fand, vor allem wegen ihrer charmanten Machart. Professor Layton und seine Welt sind sozusagen eine überzeichnete japanische Interpretation europäischer Zivilisation. Die Charaktere und das clevere Kopfnuss-Gameplay passen dabei so gut zusammen, dass mittlerweile zwei Trilogien und ein abendfüllender Anime-Film mit Layton entstanden sind.

Auch wenn der Professor seinen letzten Auftritt 2013 hatte, das Franchise lebt weiter. Mit Layton's Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre erschien 2017 das erste Spin-Off der Reihe zunächst für iOS und Android, später auch für den 3DS. Hauptfigur: Laytons Tochter Katrielle. Das aus zwölf Episoden bestehende Abenteuer findet nun seinen Weg auf Nintendo Switch, als Deluxe-Version vollgepackt mit allen bisher veröffentlichten Extras und Boni, neuen Rätseln und neuer Steuerung für den TV-Modus.

Zwölf kleine Fälle …

London: In die Fußstapfen ihres Vaters tretend hat Katrielle, oder „Miss Layton“, ein Detektivbüro eröffnet und löst Drei-???-mäßig „jeden Fall“ und jedes Rätsel. Zwölf Kapitel und damit zwölf kurze Geschichten dürft ihr erleben, wobei jedes Kapitel inhaltlich in sich abgeschlossen und höchstens lose mit den anderen verknüpft ist. Dafür lassen sich die ca. 90 bis 120-minütigen Fälle auch gut über einen längeren Zeitraum verteilen, ohne dass man wichtige Details zur Story vergisst.
Die Fälle spielen sich jedoch sehr zäh, vor allem, weil jede Geschichte maximal linear verläuft: Katrielle und ihr Team besuchen in geskripteter Reihenfolge charakteristische Orte Londons. Nach und nach öffnen sich weitere Gebiete in denen Hinweise gesucht und Passanten befragt werden wollen. Sind sechs vordefinierte Hinweise gefunden, löst Katrielle den Fall automatisch. „Fallfinale“ nennt das Spiel die dann folgenden kurzen Filmsequenzen, ehe das Prozedere im nächsten Kapitel von vorn beginnt. Zwar besteht im späteren Spielverlauf die Möglichkeit, laufend zwischen verschiedenen Fällen zu wechseln, eine Notwendigkeit dazu besteht jedoch nicht.

Nicht selten sind die erzählten Geschichten recht banal, die Lösungen dann aber unwahrscheinlich abgedreht. Jedenfalls so irre, dass ihr nicht mehr als eine Zuschauerrolle übernehmt und kaum selbst an der Lösung des Falls mitgrübeln könnt. Das neue Layton-Spiel ist also noch mehr als seine schon sehr erzählfreudigen Vorgänger eine interaktive Novelle.

Jede Novelle braucht eine gute Geschichte. Die Geschichten in Layton's Mystery Journey kommen aber häufig unbefriedigend und belanglos daher. Auch das Storytelling an sich ist handwerklich schwach: Die Entwickler werfen immer wieder mit den gleichen Running-Gags über Katrielles Essverhalten um sich, mit den gleichen Sticheleien des sprechenden Hundes und den gleichen, slapstickartigen Einlagen des trotteligen Assistenten. Die Gespräche mit den Zeugen sind oft ohne Belang, übermäßig theatralisch geschrieben und teils so lang, dass man sich dabei erwischt, wie man entnervt „Komm‘ endlich zum Punkt!“ in Richtung des TVs brüllt.

Und die Rätsel?

Natürlich ist auch Layton's Mystery Journey vollgepackt mit Rätseln, die während der Fälle von den Passanten gestellt oder akribisch beim Absuchen der Umgebung gefunden werden können. Ab und zu erinnert man sich dabei auch an die glorreichen Layton-Zeiten auf Nintendo DS und 3DS. Und doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kopfnüsse früher etwas intelligenter waren. Manche Rätsel sollten z.B. eher mit einem Augenzwinkern betrachtet werden und erinnern in ihrer Form eher an eine Trickfrage. Beispiel: In einem Rätsel bekommt ihr es mit zwei Schwestern zu tun. Eine läuft mit einem Meter pro Sekunde zur Schule los, die andere folgt 100 Sekunden später mit zwei Metern pro Sekunde. Wann treffen sich die beiden frühestens? Nach 100 Sekunden, wie es mathematisch geboten wäre, könnte man meinen. Nein. Das Spiel zwinkert doof: „Die Schule ist nur 100 Meter entfernt, sie treffen sich also schon dort.“

Auch ansonsten tischt euch das Spiel oft kleine Minispiele als Rätsel auf oder fordert zu Trial-and-Error-Challenges heraus. Die echt kniffligen Aufgaben gibt es auch noch, doch gefühlt nehmen ihre Dichte und ihre Qualität im Vergleich zu den Vorgängern ab. Dieser Trend ist allerdings schon seit dem dritten Layton-Spiel zu beobachten. Mit über 200 Rätseln, teils versteckt in den zwölf Episoden, teils als kostenloser täglicher Download, stimmt aber der Umfang. Da sieht man schonmal über ein misslungenes Rätsel hinweg, wenn das nächste denn wieder überzeugen kann. Auch die DLCs der bisherigen Versionen sind mit an Bord, auch wenn es sich hierbei hauptsächlich um Outfits handelt, mit denen ihr Katrielle einkleiden könnt.

In diversen Minispielen könnt ihr euch auch abseits der Story bei Laune halten. Je besser ihr die Spielwelt erkundet, desto mehr Objekte findet ihr für diese Spielchen. Etwa ein Restaurant-Spiel, in dem ihr den Spielcharakteren ein Menü nach ihrem Geschmack auftischen müsst. Leichte Kost oder lieber deftig? Süße Nachspeise oder lieber etwas mit weniger Kalorien? Kleine Hinweise sollen auf die Vorlieben der Charaktere hinweisen.

Und je mehr Objekte ihr für die Bonusspiele sammelt, desto komplexer werden die Aufgaben. Wie in den 3DS-Laytons durchsucht ihr die Szenerien auch im Spin-Off indirekt, indem ihr eine Lupe über den Bildschirm lenkt. Das ist mobil via Touchscreen, aber auch per Analogstick möglich. Die beste Alternative, insbesondere im TV-Modus, ist jedoch ein Joy-Con, mit dem ihr die Lupe in Wii-Manier per Bewegungssteuerung über den Bildschirm sausen lasst. Das funktioniert sehr gut, ist deutlich schneller als per Analogstick und versperrt, anders als die Finger auf dem Touchscreen, nicht die Sicht. Hinweismünzen, versteckte Rätsel und Sammelschätze für die Kuriositätenkiste – erkundet ihr die Schauplätze sorgfältig, winken kleine Belohnungen.

Auch wenn das Spiel ursprünglich für Smartphones entwickelt wurde, ist Produktionsqualität gewohnt hoch: Die Umgebungen und die Comic-Spielcharaktere sind liebevoll gestaltet. Zwischendurch gibt es immer wieder mal kurze Filmsequenzen inkl. hochwertiger Sprachausgabe und die hochaufgelösten Umgebungen machen auch auf dem großen TV eine gute Figur. Bei Grafik, Ton und Musik lässt das Spiel also nichts vom Layton-Charme vermissen.

Fazit:

Layton's Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre - Deluxe kann nicht an die Qualität seiner Vorgänger anknüpfen. Das liegt auch im Konzept begründet. Maßgeblich für Smartphones entwickelt setzt das Spiel nicht auf eine große, zusammenhängende Geschichte, sondern auf zwölf kleine Einzelepisoden. Diese Kurzgeschichten hängen kaum miteinander zusammen und sind zudem handwerklich nicht besonders gut konstruiert. Die Szenarien sind eher langweilig, die Lösungen mitunter absurd, die Hinweise nichtssagend. Die Dialoge sind hölzern geschrieben und so gewollt lustig, dass sie letztlich oftmals nervig sind. Selbst zu den Charakteren, eine der Stärken der Professor-Layton-Spiele, lässt sich kaum Bindung aufbauen, weil sie in endlosen Running-Gags und Bla-Bla-Gesprächen verheizt werden. Layton's Mystery Journey: Katrielle und die Verschwörung der Millionäre - Deluxe ist damit eine Art Layton Light. Das Kern-Gameplay bleibt unverändert erhalten und ist ebenso unterhaltsam, doch das, was die Professor-Layton-Spiele zusammengehalten hat - die Geschichte, die Charaktere, der Charme - das fehlt.

Wertung:

7.0

Mark Schäfer meint:

"Das Layton-Prinzip funktioniert auch auf dem TV. Mit schwachen Dialogen, Szenarien und Geschichten hinkt das Spin-Off der Hauptreihe aber leider hinterher."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Gut

Schreibe einen Kommentar: