Test: Super Monkey Ball: Banana Blitz HD

Von Lars Peterke am 01. November 2019

Die Affen sind wieder los!  

Nach längere Konsolen-Abstinenz bringt Sega Super Monkey Ball wieder zurück. Als Grundlage dafür hat man sich dafür den Titel “Super Monkey Ball: Banana Blitz” ausgesucht. Der Wii-Ableger aus dem Jahr 2006 war der letzte größere Konsolen-Titel, bevor die Reihe sich in den Folgejahren auf Handhelds und Mobile zurückzog. Jetzt bringt Sega den Titel optisch aufgehübscht als “Banana Blitz HD” zurück. Aber kann das simple Spielkonzept auch 2019 noch punkten? 

Ein Affe in der Hamsterkugel

Am Spielkonzept von Super Monkey Ball hat sich seit jeher faktisch nichts geändert. Die Aufgabe besteht darin einen Affen in einer Kugel innerhalb der vorgegebenen Zeit in das Ziel eines Levels zu manövrieren, ohne dabei in den Abgrund zu stürzen. Auf dem Weg können Bananen zur Verbesserung des Highscores gesammelt werden. Je waghalsiger die Manöver, desto geringer fällt die verbrauchte Zeit am Ende aus. Der Clou: Ihr steuert nicht die Spielfigur selbst, sondern neigt das Level mit dem Analogstick in seine verschiedenen Richtungen. Den Rest erledigt die Physik.

Im Solospiel wollen hundert Level in zehn Welten auf diese Art und Weise absolviert werden. Dabei ändert sich von Welt zu Welt das grafische Thema sowie der vom Spieler verlangte Grad an Filigranität. Angefangen beim Dschungel geht es so durch Eis-, Wüsten- oder Wasserwelten. In Super Monkey Ball: Banana Blitz HD wird dieses Grundkonzept nur um zwei Aspekte erweitert. Zum einen kann das kugelnde Äffchen auf Knopfdruck einen kleinen Hüpfer vollführen. Zum anderen wartet am Ende jeder Spielwelt ein Bossgegner.

Bossgegner werden bewältigt, indem man es irgendwie schafft diverse Male mit dessen Schwachstelle zu kollidieren. Da diese in der einleitenden Videosequenz prominent zur Schau gestellt wird, stellt dies spielerisch keine anspruchsvolle Herausforderung da. Diese ergibt sich erst durch die Kameraführung. Ungleich zu den normalen Leveln ist diese bei Bosskämpfen dauerhaft auf den Gegner zentriert, sodass die Steuerung mitunter zu einem Nervenakt mutiert. Auch die gegnerischen Angriffe sind oft viel zu stark, sodass ein einziger Treffer ausreicht, um euch mit voller Kraft ins Level-Nirvana und damit in den Abgrund zu schleudern. Verpulvert man damit nicht seine über die letzten Level hinweg angesammelte Leben, dann geht es weiter in die nächste Welt.

Dünnes Gesamtpaket

Banana Blitz machte im Original auf der Wii ihrem Ruf als Minispiel-Konsole alle Ehre. Satte 50 Minispiele gab es neben dem Hauptspiel auszuprobieren, von denen ein Großteil jedoch unter miserabler Steuerung und fehlender Spieltiefe litt. Im HD-Remake würde die Liste daher auf nur zehn Spiele reduziert, diese dafür entsprechend aufpoliert. Neben einigen neuen Minispielen sind aber immer noch Klassiker wie “Affen-Ziel” vertreten. An der eher dünnen Substanz dieser Titel hat sich indes jedoch wenig geändert. Ihre Komplexität operiert ungefähr auf dem Niveau von Mario Party und ihr Wiederspielwert ist recht zügig erschöpft. Bei dieser geringen Gesamtmenge ist der neue Minigame-Rush Modus “Decathlon” mit Online-Funktion vertane Liebesmüh.

Immer noch ein Wii-Spiel von 2006

Weitere Ergänzungen wie Online-Ranglisten oder ein Time-Attack-Modus runden das Gesamtpaket zwar ab, machen es aber leider keinen Deut wertiger. Abseits der Inhalte wurde aber saubere Arbeit geleistet. Der Titel bleibt seinem Artstyle treu, die Steuerung ist sehr präzise sowie gelungen und alles läuft butterweich in HD-Auflösung. Optisch passiert dabei auf dem Bildschirm jedoch trotzdem wenig. Die Level wurden in ihrer Ausstattung nicht modernisiert und wirken nach wie vor karg. Mancher mag dies als originalgetreu begrüßen, aber in Anbetracht von Titeln wie Snake Pass wäre auch die Vokabel altbacken zu vertreten.

Alt ist auch der Spielinhalt an sich. Denn die hundert Level des Originals wurden nicht verändert, obgleich die mangelhafte Bewegungssteuerung des Wii-Originals einer präzisen Steuerung mit dem Analog-Stick weichen musste. Solch eine Änderung birgt bei einem Geschicklichkeitsspiel wie Super Monkey Ball radikale Implikationen für Gameplay und Leveldesign. Durch fehlende Anpassungen fliegt man geradezu durch die ersten Welten, knallt dann in späteren Welten aber plötzlich gegen eine Wand. Nur auszugsweise trifft das Spiel eine zufriedenstelle Mitte zwischen Zugänglichkeit, Anspruch und Frustgefahr.

FAZIT:

Super Monkey Ball: Banana Blitz HD ist gewissermaßen der ultimative Albtraum eines Spieletesters, denn es ist genau das was draufsteht: Super Monkey Ball: Banana Blitz HD. Ein 13 Jahre altes Wii-Spiel in HD und ein bisschen was drumherum. Es gibt nichts radikal zu kritisieren oder zu loben und demnach eigentlich gar nichts über das man schreiben kann. Also bleibt nichts anderes übrig als den Titel einzuordnen. Und da wirkt Super Monkey Ball: Banana Blitz HD leider etwas aus der Zeit gefallen. Konkurrenztitel wie Snake Pass oder Overcooked bieten viel mehr Spielspaß und Tiefe zum halben Preis. Der Affenklamauk aus dem Hause Sega hingegen lässt das Solo-Abenteuer inhaltlich unverändert und reduziert die ursprünglich 50 Minispiele auf magere 10. Damit ist das gebotene Paket eher ein Kandidat für Mobile Stores oder Apple Arcade. Für den Anspruch an einen Konsolentitel ist dies aber klar zu wenig. 

Wertung:

6.0

Lars Peterke meint:

"Belanglose Neuauflage ohne größere Schnitzer oder Aha-Momente."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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