Test: Spyro Reignited Trilogy

Von Nico Zurheide am 23. Oktober 2019

Nach Crash Bandicoot erlebt auch Sonys zweites Maskottchen der späten 90er ein Revival im Dreierpack.

Generell bestehen erstaunliche Gemeinsamkeiten zwischen der bekannten Beutelratte und dem niedlichen lila Drachen. Während die ersten drei Crash-Titel von 1996 bis 1998 erschienen, folgten die drei Spyro-Abenteuer von 1998 bis 2000. Die von Naughty Dog bzw. Insomniac Games entwickelten Spiele wurden damals allesamt von Sony gepublished, die jeweiligen Remake-Trilogien allerdings von Activision - und daher auch auf anderen Plattformen. Im Gegensatz zu Vicarious Visions bei der Crash Bandicoot N.Sane Trilogy (zum NplusX-Test) nahm sich allerdings das Studio Toys for Bob dem Remake der ersten drei Teile der 3D-Jump'n'Run-Reihe (Spyro the Dragon, Ripto's Rage und Year of the Dragon) rund um den Drachen an. Und bei der Arbeit am Remake hatten auch die ehemaligen Entwickler stärkeren Einfluss als noch bei Crash.

So wie es sein sollte

Diesen Einfluss könnt ihr zu jeder Phase der drei Spiele auch deutlich sehen: Neben dem Austauschen und Aufhübschen sämtlicher Texturen und Modelle gab es für sämtliche bewegliche Objekte auch noch neue Animationen und die gesamte Spielwelt wirkt deutlich ausgearbeiteter und detaillierter als im Original. Spyro selbst galt hier eine besondere Aufmerksamkeit, sein Modell wurde mehreren Tests unterzogen, damit seine Mimik und Emotionen authentisch erscheinen. Optisch lässt sich der Platformer nun aufgrund der comichaften Aufmachung tatsächlich beispielsweise mit Fortnite vergleichen und das ist an dieser Stelle nicht negativ gemeint. Damit das Spiel vom simplen Remaster zum waschechten Remake wird, fügten die Entwickler außerdem noch Fähigkeitenpunkte (quasi Ingame-Achievements), eine Kunstgalerie und stellenweise kleine neue Abschnitte dem Spiel hinzu. Die Musik legte Toys for Bob neu auf, ein überarbeitetes Main Theme kam dabei vom originalen Composer der Spyrospiele. Auch die Steuerung wurde natürlich überarbeitet und an moderne Controller angepasst. Man könnte also das vorzeitige Fazit ziehen, dass wir hier Spyro bekommen, so wie er ursprünglich sein sollte. Musik und Steuerung lassen sich trotzdem optional so einstellen, dass sie exakt dem Original entsprechen.

Die präzise Steuerung ist ein Segen für das Jump'n'Run, wirkt doch jeder Platformer mit ungenauer Eingabe unfertig und plump. Der Spieler hat zu keiner Zeit Probleme mit Spyro zu springen, zu gleiten, zu rennen und Feuer zu spucken. Das sind allerdings, abseits der ab und zu eingestreuten reinen Fluglevel, auch schon die einzigen Aktionen, die der kleine Drache in seinem ersten Abenteuer durchführen kann. Das Spiel bietet zwar trotz der beschränkten Möglichkeiten reichlich Abwechslung, zum Ende hin wiederholen sich die Gameplay-Elemente aber doch zusehends. Hinzu kommen leichte Kameraprobleme beim Sprinten, ansonsten wird das Geschehen aber immer zufriedenstellend dargestellt. Generell überzeugt das Remake auf technischer Seite durchaus - abseits von leichten Framerate-Einbrüchen in den interaktiven Ladebildschirmen, die generell etwas kürzer hätten ausfallen dürfen, sind uns keine Mängel aufgefallen.

Die auffällige Gameplay-Abwechslung kommt hauptsächlich durch das hervorragende Design der einzelnen Level und Hub-Welten zustande. In jeder der kleineren Hub-Welten gibt es nebenbei einiges zu erledigen, innerhalb der richtigen Level dreht das Spiel aber erst richtig auf und gönnt jedem Parkour ein eigenes, einzigartiges Thema. Dadurch bekommen wir in jedem Level auch komplett andere Gegner vorgesetzt, auch wenn sich diese spielerisch oft ähneln. Spyro kann zwar in keinem der drei Teile ein ikonisches Leveldesign à la Super Mario 64 vorweisen, die kompakten und gut durchdachten Welten eignen sich aber bestens für einen derartigen Collectathlon. Diese Philosophie zieht sich vom ersten bis zum letzten Teil komplett durch, nur dass die Hub-Welten ab dem zweiten Ableger deutlich größer werden und es dafür weniger Level pro Hub-Welt gibt.

Natürliche Weiterentwicklung

Überhaupt macht Spyro mit dem zweiten Teil noch einen großen Sprung in die richtige Richtung. Das Gameplay wird um einige Aktionen erweitert, sodass der Drache insgesamt agiler wirkt und die Levelbauer beim Entwerfen der Welten mehr Freiheiten haben. Dazu rückt der Plot etwas stärker in den Fokus, vor allem kurze Cutscenes vor und nach jedem Level hauchen den einzelnen Welten und ihren Bewohnern mehr Leben ein. Im ersten Teil ist Spyro beim Retten der anderen Drachen noch größtenteils auf sich allein gestellt und obwohl die verschiedenen Drachen ob ihrer nur wenige Sekunden dauernden Auftritte ein überraschend gut ausgearbeitetes Design vorzuweisen haben, fühlt sich der Erstling eher wie eine Aneinanderreihung der einzelnen Level als ein Abenteuer mit Hintergrundmotiv an. Das ändert sich mit Ripto's Rage, bei dem mehrere Charaktere Spyro auf seiner Reise begleiten und später teilweise auch im noch einmal vergrößerten Cast des dritten Teils auftreten. Durch „Geldsack“, einen Bären der regelmäßig auftaucht und neue Abschnitte im Tausch gegen große Mengen Edelsteine freischaltet, existiert nun außerdem ein Grund zum Einsammeln möglichst vieler Diamanten.

Neben den größeren Hub-Welten in den späteren Ablegern gibt es auch innerhalb der Level deutlich mehr zu erledigen als noch im Erstling. Das kommt vor allem durch eine höhere Dichte an Sammelitems und Aufgaben zustande, Miniquests lockern das Spielgeschehen zusätzlich auf. In Year of the Dragon gibt es darüber hinaus sogar noch vier weitere spielbare Charaktere, die in kleineren Sub-Welten zum Einsatz kommen und über ein eigenes Moveset verfügen. Diese Protagonisten werden allerdings erst im Verlauf des Spiels freigeschaltet, dadurch entsteht immer wieder nötiges Backtracking in ältere Level, zumindest falls ihr die 100% Abschlussrate anstrebt. Das Backtracking und das Fehlen der im zweiten Teil eingeführten Cutscenes vor und nach jedem Parkour machen den zweiten Teil der Trilogie sicherlich zum stärksten Teil, auch wenn die Unterschiede zwischen den Teilen 2 & 3 insgesamt nicht besonders groß sind und Spyro das hohe Niveau durchgehend halten kann. Auch das für das Remake neu aufgesetzte Voice Acting ergibt in den späteren Ablegern mehr Sinn, sind doch die Dialoge im Erstling noch auf Tutorialniveau und nicht weiter beachtenswert.

Fazit:

Nicht umsonst war Spyro mal ein ernstzunehmendes Maskottchen der Videospielbranche. Seine ersten drei Ableger sind zwar keine zeitlosen Klassiker, doch durch die moderne Neuauflage lassen sich die 3D-Hüpfer nun hervorragend ansehen und spielen. Die einzelnen Titel sind aufgrund ihres Alters nicht übermäßig groß ausgefallen, doch für Komplettionisten stecken in der Reignited Trilogy locker 60-70 Stunden drin. Vor allem in dem schon zu Beginn des Tests bemühten Vergleich mit Crash Bandicoot bietet Spyro damals wie heute ganz einfach die besseren Spiele, was im Hinblick auf die Neuauflagen sicher auch auf die enge Zusammenarbeit der damaligen Entwickler mit Toys for Bob zurückzuführen ist. Vor allem die präzise Steuerung ist ein Pluspunkt für den lila Drachen, beim Schwierigkeitsgrad aber hat Crash durch seine angenehme bis harte Herausforderung die Nase vorn. Gegner und bis auf einige Ausnahmen auch Endgegner sind in Spyro fast niemals eine größere Bedrohung und auch die Level erfordern meist keine herausragenden Platformer-Fähigkeiten - einzig die Boost-Mechaniken in einigen Welten sind schwer zu meistern. Da technisch bis auf einige Ruckler in Ladebildschirmen auch alles stimmt, lässt sich die Spyro-Trilogie auf Nintendo Switch ohne Einschränkungen empfehlen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.5

Nico Zurheide meint:

"3D-Platformer der alten Schule in neuem Gewand - für Genrefans ein Fest."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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1 Kommentare:


Schniko
vor 2 Wochen | 1
Danke für den schönen Test.
Dann werde ich bei Spyro demnächst auch mal zuschlagen, damit meine Switch in der kalten Jahreszeit auch genug zu Futtern bekommt. ;-)