Test: Luigi’s Mansion 3

Von Kamil Witecy am 28. Oktober 2019

Schaurig-schön: Passend zu Halloween schickt Nintendo Marios Bruder Luigi erneut auf eine ebenso witzige wie gruselige Geisterjagd.

Unsere Lieblingsklempner haben in den letzten Jahren die ein oder andere anstrengende Rettungsaktion hinter sich gebracht. Kein Wunder also, dass sich Mario und Luigi nach einem erholsamen Urlaub sehnen. Da kommt es quasi wie gerufen, dass die Brüder als VIPs zusammen mit Prinzessin Peach und einigen Toads in ein neu eröffnetes, prachtvolles Luxushotel eingeladen werden. Doch schon unmittelbar nach der Anreise nimmt die erhoffte Erholung eine schaurige Wendung: Überall im Hotel treiben aufgebrachte Geister ihr Unwesen. Die ansässige Hotelbesitzerin und der wieder einmal entkommene König Buu Huu haben gemeinsam einen Pakt geschlossen, um die ahnungslosen Helden in eine Falle zu locken und schließlich in Gemälde einzusperren. Nur Luigi kann durch einen glücklichen Stolperer und einem folgenden Sturz in den Kellerschacht der Verewigung als modisches Accessoires entkommen. Somit liegt es erneut an Luigi zum nunmehr dritten Mal in die Rolle des Geisterjägers zu schlüpfen. Mit schlotternden Beinen und zunächst nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, geht es für den schreckhaften Latzhosenträger darum, die tückischen Etagen des Spukhotels zu erkunden, um den Horrorausflug doch noch zu einem guten Ende zu bringen.


Der Staubsaugersimulator glänzt mit neuen Features

Um es direkt zu Beginn auszusprechen: Luigi’s Mansion 3 ist eine klassische Fortsetzung. Wer schon einmal Teil 1 (GameCube, 2001) oder Teil 2 (Nintendo 3DS, 2013) der Serie gespielt hat, wird sich bereits nach wenigen Spielminuten sofort wieder heimisch fühlen, denn trotz einiger Neuerungen haben die Entwickler das generelle Spielprinzip beibehalten. Dementsprechend schnallt sich Luigi in bester Ghostbusters-Manier erneut den von Professor I. Gidd umfunktionierten Staubsauger Schreckweg um. Wie der Zufall es so will, ist der kauzige und leicht verrückte Professor auch im dritten Spukabenteuer wieder mitten im Geschehen, obwohl sich dieser zu Spielbeginn noch an der Wand hängend in einem Gemälde wiederfindet. Mit der Hilfe seines treuen Geisterhundes, dem Polterpinscher, findet der vor Angst bibbernde Luigi das in der Garage des Hotels geparkte Auto des Professors. Darin enthalten ist seine neueste Erfindung: der Schreckweg F-LU, der in die Fußstapfen des Schreckweg 08/16 bzw. 09/15 tritt.

Entsprechend gehört in Kombination mit der Taschenlampe das Saugen, Pusten und Versprühen von Stroboblitzen wieder zum Grundrepertoire des schlaksigen Italieners. Zusätzlich rüstet der Professor eure Handlampe im Verlaufe der Geschichte zur Düsterlampe auf, mit dessen Schwarzlicht Unsichtbares wieder sichtbar wird. Gänzlich neu ist hingegen die Möglichkeit des Saugschusses. Mit einer umfunktionierten Kanone kann Luigi entsprechende Pümpel mit angehängtem Seil verschießen. Diese haften jedoch nur an bestimmten Stellen, um beispielsweise Gegenstände aus ihrer Verankerung zu reißen oder mit gehörigem Schmackes durch die Gegend zu schleudern, um so an ihren verborgenen Inhalt zu kommen. Durch das gleichzeitige Drücken der ZR- und ZL-Taste könnt ihr zudem kurz in die Luft zischen und dadurch alles um Luigi herum wegpusten. Da es sich wahrhaftig um ein wirklich luxuriöses Nobelhotel handelt, findet ihr in jedem Raum, in jeder Truhe und jedem Schrank versteckte Goldbarren, Münzen und Geldscheine, die ihr mit dem Schreckweg einsaugen und eurer Geldbörse hinzufügen könnt. Neben dem guten Gefühl an sich, wirklich jede Ecke nach Moneten abgesucht zu haben, könnt ihr das Bare auch bei Professor I. Gidd eintauschen, um einige Hilfestellungen (z.B. einen Beleber, der zum Einsatz kommt, wenn alle Herzen von Luigi verbraucht sind) für das Abenteuer zu erkaufen.

Neben dem gründlichen Absaugen aller Hotelebenen ist weiterhin das Bekämpfen der herumspukenden Geister ein wesentlicher Bestandteil des Spiels. Das funktioniert ganz nach demselben Muster wie auch schon in den vorherigen Serienablegern: einen Geist mit dem Strobolicht blenden, Schreckweg gezielt ansetzen und mit der nötigen Beharrlichkeit einsaugen. Die Gespenster wehren sich jedoch und ziehen Luigi mitunter schon einmal durch die Gegend. Hier liegt es dann an euch, sich durch Gegensteuern nicht abschütteln zu lassen. Jedem Feind ist dabei ein bestimmter Kraftpunkte-Wert zugeordnet. Je größer dieser ist, desto länger dauert es diesen vollständig zu bekämpfen und letztlich einzusaugen.

Manchmal muss den Spukgestalten vorab zunächst ein Schild entrissen oder eine Sonnenbrille von den Augen gesaugt werden. Andere Gegner können nach dem Anblitzen nur von einer bestimmten Stelle aus eingesaugt werden. Neu ist in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, dass angesaugte Geister jetzt auch mit großer Wucht auf den Boden geklatscht werden können, um dabei das umliegende Mobiliar zu zerstören, vor allem aber auch um den Geistern Schaden zuzufügen. Zudem könnt ihr mit dieser Methode nicht nur den eingesaugten Geist selbst schädigen, sondern auch gezielt andere sich im Raum befindliche Entitäten aufs Korn nehmen und deren Kraftpunkte reduzieren. Dies hat zur Folge, dass sich die Kämpfe packender und actionreicher als noch in den ersten beiden Spielen der Reihe anfühlen.

Anspruchsvolle Steuerung und Glibber-Fluigi

Da Professor I. Gidd um die anhaltende Schreckhaftigkeit von Luigi weiß, stellt er euch im Laufe der Erkundung des Horror-Hotels einen Helfer an die Seite, der bereits in der Neuauflage des ersten Luigi's Mansion für den 3DS seinen Auftritt hatte: Fluigi! So kann Luigi mit dem Schreckweg FL-U nicht nur Geister einsaugen oder wegpusten, sondern auf Knopfdruck auch seinen glibbrig-grünen Doppelgänger auf die Bildfläche zaubern. Dies bringt einige spannende Gameplay-Kniffe mit sich, da Fluigi aufgrund seiner schleimigen Erscheinungsform dazu in der Lage ist, sich durch Gitter zu zwängen, durch Gullis zu schieben oder durch enge Rohren zu flutschen. Zudem kann er ganz unbeschadet durch Stacheln laufen oder anfliegenden Speerspitzen trotzen. Fluigi besitzt allerdings nur rund ein Viertel der Lebensenergie des Originals (die sich aber automatisch regeneriert), kann keine Türen öffnen und verschwindet bei Berührung mit Wasser sofort als grüne Glibber-Kugel. Auch in Auseinandersetzungen mit manchen Geistertypen ist Fluigi eine große Hilfe oder sogar zwingend nötig, um diese abzulenken oder gleich mit zwei Staubsaugern gleichzeitig zu attackieren. 

Aufgrund der Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten des Schreckwegs ist die Tastenbelegung und die generelle Steuerung in Luigi’s Mansion 3 durchaus als anspruchsvoll zu beschreiben, zumal ihr häufig mit beiden Sticks gleichzeitig agieren müsst, um unabhängig voneinander Luigi und seinen Sauger bzw. seine Lampen zu steuern. Aufgrund der vorgegebenen und nicht manuell anpassbaren Kameraperspektive ist es somit nicht immer ganz einfach das jederzeit zu koordinieren. Gerade Einsteiger dürfte die Steuerung zu Beginn daher gut fordern, wobei für erfahrene Staubsaugerprofis die Steuerung aber spätestens nach den ersten zwei Spielstunden in Fleisch und Blut übergeht. Dank der besseren Control Sticks der Switch-Eingabegeräte spielt sich der Titel auch deutlich handlicher und effektiver als auf dem Nintendo 3DS mit seinen nicht ganz so flexiblen Schiebepads.

Hinsichtlich der Rolle von Luigi und Fluigi sei noch erwähnt, dass ihr immer nur eine Spielfigur steuern könnt. Auf Knopfdruck kann zwischen Luigi und Fluigi hin und herwechselt werden. Die andere Figur verharrt dann mit leicht gesengtem Haupt an Ort und Stelle. Jedoch habt ihr stets die Möglichkeit eine bestimmte Aktion auch nach einem Charakterwechsel weiter ausführen zu lassen (z.B. Sauger anlassen), sodass Gegenstände oder Gegner im Anschluss mit doppelter Saugkraft angegangen werden können. Auch dies ermöglicht strategische Optionen für Kampf und Rätsel. Wer möchte, kann das Spiel aber ab einer bestimmten Stelle prinzipiell auch komplett zu zweit bestreiten. Der Wechsel zwischen Singleplayer und Koop-Multiplayer ist über das Menü jederzeit möglich. Der zweite Spieler übernimmt dann die Kontrolle über Fluigi, muss sich aber mit Einschränkungen abfinden. Da Fluigi aufgrund seiner Erscheinungsform keine Türen öffnen kann, kann er weder die Marschrichtung vorgeben noch sich unbegrenzt weit weg von Luigi entfernen. Dennoch ist die dauerhafte Anwesenheit der Klempner-Kopie, gespielt von einem menschlichen Mitstreiter, durchaus ein Vorteil beim Spielen und erleichtert im Grunde alles: Kämpfe gegen Geister, Geschicklichkeitspassagen, auch Rätsel und das Entdecken von Geheimnissen.

Vielfalt und Kreativität pur

Dreh- und Angelpunkt des Spukhotels ist der mittig eingebaute Fahrstuhl, der euch ganz bequem den Weg in jede Etage des Gebäudes ebnet - Treppen gibt es im gesamten Gebäude nur ganz wenige. Das große Problem: die Knöpfe für die einzelnen Etagen im Fahrstuhl fehlen. Meist ist ein bestimmter Boss-Geist auf einer Ebene des Hotels im Besitz von einem der Fahrstuhlknöpfe und es liegt an euch, zu diesem vorzudringen und euch die Knöpfe zumeist auf kreative Art und Weise unter den Nagel zu reißen. So erklimmt ihr Etage um Etage des Hotels auf der Suche nach Mario, Peach und den insgesamt drei anwesenden Toads.

Damit das auf Dauer nicht zu langweilig wird, haben die Entwickler ihrer Kreativität wahrlich freien Lauf gelassen. Nahezu jedes Stockwerk des Gebäudes bringt ein ganz eigenes Thema mit sich, das mit sehr viel Sorgfalt bis ins letzte Detail perfekt ausgestaltet wurde. So schlendert ihr mit Luigi unter anderem durch ein Filmstudio mit unterschiedlichen Filmsets und müsst dort einen Hollywood-Blockbuster produzieren, während ihr auf anderen Ebenen eine komplette Pyramide erkundet oder eine Ritterburg mit fiesen Fallen und Rittern erklimmt. Sehr actionreich wird es auch dann, wenn ihr plötzlich in einem verwachsenen Ökohaus mit einer Kettensäge herumhantiert und wirklich alles und jeden niedermäht, was sich euch in den Weg stellt. In Luigi’s Mansion 3 werden all diese und noch viele weitere Themenbereiche, Szenarien und kreativen Ideen in einem Hotel und somit unter einem Dach vereint. Die großartige Vielfalt und Kreativität bei der Gestaltung ist ein großes Highlight des Spiels und so ist die freudige Erwartung der nächsten Etage ein permanenter Begleiter.

Dabei lässt jedes Stockwerk nicht nur Entdecker-, sondern auch Sammlerherzen höherschlagen. Es gibt wirklich an jeder Ecke und in jedem noch so kleinen Raum etwas zu entdecken. Jeder noch so unwichtig erscheinende Zwischengang ist vollgestopft mit den bereits erwähnten Moneten und Goldbarren, aber auch mit diversen weiteren Alltags-Gegenständen, mit denen stets in irgendeiner Form interagiert werden kann - und sei es nur, um alles kurz und klein schlagen bzw. saugen zu können. Denn manchmal macht es einfach tierischen Spaß ein großes Chaos zu veranstalten, Fässer und Kisten zu zertrümmern und möglichst viel kaputt zu machen - in einigen Fällen ist es aber sogar für den Spielfortschritt unabdingbar, denn Luigi's Mansion 3 steckt serientypisch voller kleiner Rätsel, versteckter Geheimtüren und verschlossenen Gängen und Wegen. Den Entdeckerdrang wecken auch die auf jeder Etage sechs zum Teil wirklich sehr gut verborgenen Juwelen sowie versteckte Buu Huus, die es im weiteren Spielverlauf einzufangen gilt. Einige dieser Sammlereien sind auch erst mit fortgeschrittener Spielzeit und zusätzlichem Equipment zu erreichen, sodass ihr auch regelmäßig bereits besuchte Etagen erneut aufsuchen musst (Stickwort Backtracking). Habt ihr genügend Moneten gesammelt, könnt ihr euch in Professor I. Gidds mobilem Labor im Keller später auch die einzelnen Standorte der Diamanten bzw. Buu Huus erkaufen. Wie ihr schließlich an diese gelangt, müsst ihr dann jedoch selbst mit etwas investiertem Hirnschmalz herausfinden. Darüber hinaus hat Nintendo noch ein kleines, spielinternes Achievement-System in Luigi's Mansion 3 eingebaut.

Der Virtual Boo bringt rote Farbe ins Spiel

Apropos Professor I. Gidd: Der Game Boy Horror hat als Kontaktmöglichkeit ausgedient, stattdessen stattet euch der kleinwüchsige Erfinder mit einem Virtual Boo aus, der zeitgleich auch als Karte, Pausenmenü und Schnellreise ins Labor dient. In Anlehnung an Nintendos Virtual Boy sticht hier die Farbe Rot besonders hervor. Dabei zeigt euch das Tool stets euer aktuelles Ziel an und ihr könnt jederzeit selbst den Kontakt zum Professor suchen, um etwaige Tipps oder Hinweise einzuholen. Auf der anderen Seite meldet dieser sich aber auch bei dringendem Redebedarf von selbst bei euch, um seine Anmerkungen, Tipps oder Bitten loszuwerden. Etwas nervig sind dabei einige Phasen im Spiel, bei denen euch der Professor in einer fast schon aufdringlichen Art und Weise auf die derzeit im Fokus stehende Aufgabe aufmerksam macht, wenn das Spiel meint, dass ihr gerade ein wenig zu langsam vorankommt. Zudem gibt es mindestens eine Stelle im Spiel, in denen ihr durch die Hinweise des alten Greises für meinen Geschmack ein wenig zu schnell auf die richtige Fährte gebracht werdet. Hier hätte es sich für mich einfach noch befriedigender angefühlt, wenn ich dieses wirklich richtig clevere Rätsel komplett eigenständig gelöst hätte.

Auf der anderen Seite hat es der ein oder andere Rätselraum durchaus in sich und es ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, was zum Weiterkommen zu tun ist. Für Veteranen eine willkommene Herausforderung, bei Einsteigern und jüngeren Semester könnte das jedoch unter Umständen auch schon einmal in Resignation enden. Generell ist der Schwierigkeitsgrad aber als moderat einzustufen, auch wenn neben einigen anspruchsvolleren Rätseln auch der ein oder andere durchaus herausfordernde Bosskampf auf euch wartet. Die Schwierigkeit liegt bei Letzteren darin überhaupt herauszufinden, mit welcher Strategie ihr diesen Gegnern Schaden zufügen könnt. An ausreichenden Möglichkeiten, Luigis Lebensenergie mit Herzen wieder aufzufüllen, mangelt es zumeist nämlich nicht. Dafür hat das Abenteuerspiel beim Umfang insbesondere im Vergleich zum immer noch guten, aber auch verdammt kurzen Erstlingswerk zugenommen. Rund 15 Stunden müsst ihr mindestens investieren, um die Story ohne viel Schnickschnack abzuschließen. Wer wirklich alle Geheimnisse sowie Juwelen und Buu Huus einsammeln will, kann locker mit 20-25 Spielstunden rechnen.

Euer Fortschritt im Spiel wird übrigens automatisch gespeichert, wenn Luigi durch eine Tür des Hotels läuft. Manuelles Speichern ist somit nicht nötig und wird auch gar nicht angeboten. Zusätzlich fertigt das Spiel auch an besonders günstig gelegenen Zeitpunkten in der Story automatische Speicherpunkte an, solltet ihr einen kürzlich gespielten Teil des Abenteuers doch noch einmal wiederholen wollen. In Summe ist dieses System also eine deutlich bessere und elegantere Lösung als im 3DS-Ableger.

Herausragende Technik und Mehrspieler-Möglichkeiten

Luigi’s Mansion 3 sieht mit seinem bunten Cartoon-Stil und den geschmeidigen Animationen schlichtweg beeindruckend aus und läuft selbst bei hohem Geisteraufkommen jederzeit flüssig. Zwar lediglich mit 30fps, was aber bei einem Spiel wie Luigi’s Mansion mit einem eher gemächlicheren Tempo zu keinem Zeitpunkt negativ auffällt. Dafür punktet das Spukabenteuer mit authentischen Details und interaktiven Elementen an jeder Ecke, während die grandiose Echtzeit-Ausleuchtung und die gelungenen Spiegelungen für beste Gruselstimmung sorgen. Wenn Luigi den Schreckweg anwirft, bewegt sich jeder Teppich und jeder Vorhang in Richtung des Sogwirbels, Einrichtungsgegenstände beginnen fast schon rhythmisch zu wackeln, Staubpartikel aus den nicht ganz so aufgeräumten Ecken wirbeln hervor und Goldmünzen klimpern langsam aus den Schränken und Regalen heraus. Das Gesamtbild ist immer stimmig, Raum für Raum, Etage für Etage.

Seinen Teil zur tollen Präsentation trägt auch der gelungene Humor des Titels bei. Trotz des Grusel-Settings ist das Spiel in erster Linie herrlich witzig und charmant. Es ist unheimlich putzig mit anzuschauen, wenn Luigi sich gruselt, ängstlich auf Zehenspitzen steht, um in Schränke hineinzuschauen oder ihm vor Angst die Zähne klappern und die Schweißperlen über die Stirn kullern. Wenn die Geister dann auch noch untereinander ihre Späße machen, unseren Helden mitsamt seinem Sauger durch die gesamte Hotellobby ziehen oder der grüne Klempner von einer gefräßigen Mülltonne verschlungen wird, schießt euch ganz automatisch ein Dauergrinsen ins Gesicht. Auch die stets passende, akustische Untermalung unterstreicht den sehr positiven Eindruck. Wenn Luigi ängstlich tappend aus dem Fahrstuhl tritt und mit einem langgezogenen „Maaarioooo“ nach seinem Bruder ruft, zeigt sich einmal mehr wie charmant dieser Titel doch eigentlich ist.

Wenn ihr darüber hinaus Lust auf Mehrspieler-Partien habt und noch mehr Zeit in Luigi’s Mansion 3 investieren möchtet, lohnt sich ein Besuch des Polterparks bzw. des Wirrwarrturms. Der Polterpark ist für bis zu acht Spieler gleichzeitig ausgelegt, die als "Team Luigi" und "Team Fluigi" in einem Geister-Wettstreit gegeneinander antreten. In insgesamt drei Spielmodi könnt ihr um die Wette Geister (Geisterjagd) oder Geld (Pool-Münzjagd) einsaugen bzw. Zielscheiben mit Kanonenkugeln abräumen (Kanonade). Dabei geht es im letzteren Modi um das gemeinsame Koordinieren, denn die Kanonen müssen vor dem Abschießen erst geladen werden, wobei die einzelnen Kugeln zunächst von Geistern und Gegenspielern abgeluchst werden müssen. Die Spiele des Polterparks wirken nicht zuletzt aufgrund der Perspektive, die fest eine kleine Arena zeigt, eher wie etwas umfangreichere Minispiele aus der Mario-Party-Reihe. Für eine kurze Runde zwischendurch sind sie somit ganz spaßig, aber sonderlich viel Zeit werdet ihr mit den Spielen eher nicht verbringen.

Deutlich spannender ist der aus Teil 2 bereits bekannte Wirrwarrturm. Dieser Spielmodus ist hinsichtlich des Spielablaufs an den Story-Modus angelehnt, wobei ihr hier eben gemeinsam mit Freunden im lokalen Jäger-Modus oder aber im Jäger-Online-Modus auf Geisterjagd gehen könnt. So geht es darum in einem Vierer-Team innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits wahlweise fünf oder zehn Etagen hintereinander von jeglichen Geistern zu befreien und nebenbei noch Münzen und Geldscheine einzusaugen, um die eigene Punktzahl zu erhöhen. Das Zeitlimit gilt jeweils pro Stockwerk, und nur wenn alle übernatürlichen Wesen eingefangen wurden, geht es hoch zur nächsten Etage. Die Räume werden dabei bei jedem neuen Durchgang zufällig neu generiert.

In der Praxis ist ein guter Mix aus individueller Geisterhatz und Teamplay nötig, um wirklich weit voranzuschreiten. Denn einerseits lassen sich die Räume solo deutlich schneller erkunden, andererseits erfordern größere Geister ein paarweises Angreifen. Außerdem sind die Räume mit Fallen - falsche Türen oder hungrige Teppiche - gespickt, und seid ihr einmal in eine hineingetappt, seid ihr auf die Hilfe eines Mitspielers angewiesen. Hier bietet sich also das Spielen via Voice-Chat förmlich an, alternativ könnt ihr via Steuerkreuz auch bestimmte Infos an eure Mitspieler weitergeben. Nintendo hat zudem bereits angekündigt, dass in Zukunft auch kostenpflichtige Zusatzinhalte veröffentlicht werden, die den Mehrspieler-Modi Wirrwarrturm und Polterpark neue Inhalte hinzufügen. Konkrete Infos gibt es aber bislang nicht.

Fazit:

Was für ein grandioser Geisterspaß! Das kunterbunte Horror-Abenteuer ist technisch herausragend, bietet einen unheimlich charmanten Humor und ist in jedem Winkel der Geistervilla liebevoll inszeniert. Der bestens arrangierte Mix aus sorgfältig abgestimmten Rätseleinlagen, gruseliger Erkundung, monetärem Sammelwahn und rasantem Geisterkampf weist eine unheimlich angenehme Balance auf und wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Dafür sorgen die gut durchdachten neuen Gameplay-Mechanismen sowie insbesondere die kreativen und abwechslungsreichen Ideen der Entwickler. Jedes Stockwerk des Hotels bringt ein ganz eigenes Thema mit sich, was euch regelmäßig vergessen lässt, dass ihr eigentlich nur in einem einzigen Gebäude unterwegs seid. Zum anderen benötigen die vielen kleinen und auch großen Rätsel oft kreativen Einsatz von Luigis Staubsauger-Fähigkeiten und seinem glibbrig-grünen Klon Fluigi. Wünschenswert wäre noch etwas mehr Varianz bei den normalen Geistertypen sowie stellenweise etwas mehr Zurückhaltung bei der Lösungshilfe gewesen und wenn es noch andere, vielleicht spannendere Möglichkeiten geben würde, seine fleißig zusammengesuchten Münzen einzutauschen. Dennoch: In Summe ist Luigi’s Mansion 3 mühelos der beste Ableger der Serie und ein echter Pflichtkauf für alle erkundungsfreudigen Nintendo-Switch-Besitzer. Wer der Reihe bisher noch keine Chance gegeben hat, sollte spätestens jetzt über seinen eigenen Schatten springen und dem armen Luigi bei der Bewältigung seiner Angstzustände helfen.

Wertung:

9.0

Kamil Witecy meint:

"Kreativ, abwechslungsreich und wahnsinnig charmant - Luigi's Mansion 3 ist mühelos der beste Teil der Serie!"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Herausragend

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9 Kommentare:


Falcon
vor 3 Wochen | 2
Hui - klasse Test! Das macht das Warten jetzt nur umso schwerer :D

Frage: Das Speichersystem war ja grad im zwoten Teil bei vielen ein Kritikpunkt. Hier wird geschrieben, dass ja jetzt immer nach jeder Tür gespeichert wird. Ist das in der Praxis gut so?

Terry
vor 3 Wochen | 1
Ja, das funktioniert in der Praxis eigentlich absolut problemlos. Hatte mit diesem System nie Schwierigkeiten. Es gibt halt auch verdammt viele Türen im Hotel ;-)

TomParis
vor 3 Wochen | 1
Hört sich gut an, freu mich auf Donnerstag.
Das mit der Steuerung überrascht, hoffentlich ist das nicht zu komplex um den Spaß zu nehmen.

Terry
vor 3 Wochen | 1
Die Steuerung ist nicht wirklich komplexer als in vorherigen Teilen. Es kommen ja nur einige wenige neue Elemente hinzu, die nicht kompliziert sind auszuführen.

Wie gesagt: Ja, die Steuerung ist anspruchsvoll, aber wer schon einmal einen Teil gespilet hat, kommt da auch sehr schnell wieder rein und hat imo keine Probleme.

2null3
vor 3 Wochen | 1
Die größte Herausforderung für mich: Das Spiel erst Samstag anzufangen, obwohl ich es Donnerstag schon zugesendet bekomme (Geburtstagsgeschenke packt man ja nicht vorher aus). ;-)

Schniko
vor 2 Wochen | 1
Alles Gute nachträglich und viel Spaß mit dem Spiel. :-)
2null3
vor 2 Wochen | 1
Vielen Dank! Ich hab jetzt zuerst einmal den jüngsten Zelda Release durchgespielt, den es ebenfalls zum Geburtstag gab und mich direkt im Anschluss auf Luigis Mansion gestürzt, das ja mal so großartig ist, dass ich mich direkt wieder frage, warum ich den zweiten Teil nie beendet habe.


Falcon
vor 2 Wochen | 0
Das Spiel ist sooo klasse! Bin rund 10 Stunden im Spiel und wirklich begeistert von den vielen coolen Ideen. Außerdem sind einige Kristalle echt top versteckt.

CrossWiesel21
vor 2 Wochen | 1
Haha, be"geistert" :-D
Bin auch sehr positiv überrascht, wie kreativ und abwechslungsreich das Spiel ist. Wirklich toll!