Test: NBA 2K20 (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 22. Oktober 2019

Möchtet ihr das aktuell wohl umfangreichste Sportspiel auf einer Nintendo-Konsole erleben, dann führt kein Weg an NBA 2K20 vorbei. Ob der Titel allerdings auch auf anderen Ebenen überzeugen kann, verrät unser Test.

Der Basketball-Titel von 2K strotzt nur so vor Inhalten. Vor allem als Neuling weiß man zunächst eigentlich gar nicht so recht, wo man denn beginnen soll. Das Herzstück der Bastketball-Simulation ist jedoch zweifelsfrei der Karriere-Modus. Allerdings ist dieser zu Beginn gar nicht so leicht zu entdecken. NBA 2K20 „entblößt“ nämlich erst seine ganze Pracht, wenn sich der Spieler online registriert hat. Wer offline bleibt, bekommt einige Spielmodi nämlich gar nicht erst angeboten. Während der Spieler auf den Manager-Modus (GM) und schnelle Spiele nebst Trainingsmodi auch ohne Anmeldung zugreift, gibt es die meisten Spieleoptionen erst nach der Anmeldung. Eine sehr kuriose Entscheidung, dennoch empfehlen wir euch eine e-Mail-Adresse im Spiel zu hinterlegen, damit auch wirklich alle Spieloptionen offengelegt werden.

Übergroße Basketballsimulation

Widmen wir uns zunächst dem Karrieremodus, welcher sich „Mein Spieler“ nennt. Dieser darf zunächst relativ aufwändig "zusammengebaut" werden, in einem umfangreichen Charaktereditor lassen sich nämlich zahlreiche Details anpassen. Auch die Startwerte des Schützlings können nach eigenen Wünschen arrangiert werden, sodass sich jeder seinen individuellen Star erstellen kann. Die Story kommt dann etwas klischeehaft daher: der junge College-Boy soll es in ein NBA-Team schaffen. Dennoch motiviert die Geschichte im Karrieremodus von Beginn an, bietet interessante Dialoge und wird mit schön inszenierten Videosequenzen vorangetrieben. Einzig Basketball wird verhältnismäßig wenig gespielt; vielmehr verbringt euer Schützling die meiste Zeit mit Training, Übungen und Dialogen – der eigentliche Sport kommt gerade zu Beginn etwas kurz. Löblich ist auf alle Fälle, dass man bei der Nintendo-Switch-Version überhaupt in den Genuss eines solchen Modus kommt. Schaut man in die Fußball-Abteilung, kommen dem Gamer Jahr für Jahr die Tränen, wenn man sich auf Nintendos Hybriden mit abgespeckten Editionen herumärgert, während es bei dieser Basketball-Simulation die volle Packung gibt.

Ein weiterer großer Modus, welcher übrigens auch offline gespielt werden darf, nennt sich „GM“ und ist der Manager-Modus. In diesem übernimmt der Spieler die Rolle einer Vereinsvorsitzenden und muss den Club zu Ruhm und Ehre führen. Dabei stehen pro virtuellem Tag unterschiedliche Aktionspunkte zur Verfügung, welche entsprechend für verschiedene Aktionen eingesetzt werden können. Aktionen sind hierbei hauptsächlich Gespräche mit Spielern oder Verhandlungen mit Partnern. Stellt ihr euch besonders geschickt an, verbessern sich die Beziehungen zu Spielern, Partnern und natürlich der Clubführung, was dann im Erfolg sichtbar wird. Aber auch Ticket- und Merchandising-Preise gilt es im Auge zu behalten, um so die Kasse zu füllen. Als Manager gilt es unter dem Strich diverse Ziele zu erfüllen, um auch die oberen Herrschaften und Investoren glücklich zu stimmen. Im Modus bleibt zudem stets die Wahl, ob ihr die anstehenden Bastketball-Spiele selbst ausgetragen wollt oder ob die CPU diese übernimmt. Im Vergleich zum Karrieremodus sind die Dialoge hier jedoch ziemlich merkwürdig, teilweise sogar albern und wirken oft unnötig aufgesetzt. Dennoch kann auch der GM-Modus für viel Langzeitmotivation sorgen, da es immer viel zu tun gibt - auch abseits des Sports.

Mikrotransaktionen, Online-Casinos und Frauen-Basketball

Was gibt es sonst noch? Wer dachte, dass das Ende der Fahnenstange schon erreicht wäre, der irrt. Denn natürlich kann der Spieler auch einfach nur Basketball spielen. Hier bleibt es euch überlassen, ob ihr Einzelmatches bestreitet, in die Play-Offs einsteigt, eine Saison spielt oder den Modus „Meine Liga“ absolviert. Letzterer umfasst satte 80 Spielzeiten am Stück. Wem das immer noch nicht ausreicht, der bekommt die WNBA auch noch dazu. Hier dürfen in NBA 2K20 nun erstmals auch Frauen mit in das Spielgeschehen eingreifen. Insgesamt 12 Teams sind es, die sogar einen eigenen Saison-Modus spendiert bekommen haben. Das Gute zudem: die Damen steuern sich spürbar anders als die Herren. Das Spielgeschehen wirkt agiler und flotter, zudem bietet es andere Animationen.  

Ein weiterer Modus ist der „Mein Team“-Modus; und dieser sorgte schon im Vorfeld für richtig Ärger. Das Stichwort hierbei: Mikrotransaktionen. Das Gameplay ist prinzipiell wie ein Kartenspiel aufgebaut. Zunächst wird ein Starterdeck gezogen, welches das Grundgerüst des Teams darstellt. Anschließend gilt es mehrere Herausforderungen zu erfüllen, welche neue Ingame-Währungen bringen und über diese man sich dann neue Karten kaufen kann. Leichter geht dies aber natürlich mit echtem Geld und genau hier beginnt die Sauerei. Es lassen sich Unsummen an Geld in NBA 2K20 investieren, um neue Kartendecks zu kaufen, ohne dabei zu wissen, was ihr dafür genau bekommt. Die Karten sind reine Lotterie, niemand weiß, was drin ist. Hinzu kommen die Casinospiele, die den Modus scheinbar „aufpeppen“ sollen aber einzig und alleine darauf ausgelegt sind, dem Spieler noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Alles ist auf „Pay-to Win“ ausgelegt. Einzig interessant hierbei sind die Evolutionskarten, welche sich verbessern lassen, aber ansonsten gibt es für diesen Modus von uns nur eine klare Empfehlung: Dadurch, dass NBA 2K20 so umfangreich ist, solltet ihr von dieser offensichtlichen Abzocke, welche die Entwickler ja ganz bewusst so implementiert haben, einfach Abstand nehmen.

Moment, das hört sich im ersten Moment doch alles nach "FIFA Ultimate Team" an und wird von EA seit Jahren praktiziert? Nicht ganz, denn im Vergleich zum Fußball-Pendant legt NBA 2K20 eine ganze Schippe drauf. In den wichtigsten Spielmodi (Mein Team, Meine Karriere) ist der Shop ein Bestandteil des Menüs und damit allgegenwärtig. Hinzu kommt, anders als in FIFA, dass man mit Echtgeld auch seiner Karriere gezielt unter die Arme greifen darf. Liebevoll wird der Spieler bei jeder Gelegenheit daran erinnert, dass ein wenig Ingame-Währung, die natürlich auch durch echtes Geld erworben werden kann, den Fortschritt um einiges einfacher und schneller ermöglichen würde. Das ist schon frech.

Vieles beim Alten, ansprechende Portierung

Zum Gameplay möchten wir aber natürlich auch noch ein paar Zeilen schreiben. Doch hier ist ganz klar zu sagen: Wer NBA 2K19 gespielt hat, wird keine nennenswerte Unterschiede entdecken. Das Spielgeschehen hat sich kaum verändert, wobei es hier und da ein paar Änderungen gibt. So wurde die Kontrolle des Dribblings etwas verbessert und die Spieler kommen mit verbesserten Animationen daher. Auch der bereits angesprochene Damen-Modus steuert sich spürbar anders, aber sonst gibt es wirklich wenig Neuerungen. Das heißt natürlich nicht, dass das Spiel nicht funktioniert. Im Gegenteil, NBA 2K20 steuert sich klasse und erfordert einiges an Übung. Ein ausgefeiltes Tutorial nimmt den Neuling behutsam bei der Hand und führt ihn Schritt für Schritt in die hohe Kunst des Ballwurf-Sports ein. Und das kann dauern. Frischlinge werden selbst auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad alle ihr Matches sang- und klanglos verlieren. Allerdings hat das Spiel eine tolle Lernkurve und sobald ihr den Dreh raus habt, zaubert ihr im Handumdrehen stylische Dunks und schwindelerregende Spielzüge aufs Parkett.

Auch technisch zeigt sich NBA 2K20 recht ordentlich auf der Nintendo Switch. Die Spieler sehen detailreich aus, die Animationen wirken authentisch und das Spielgeschehen läuft relativ flott über den Bildschirm. In einigen Zwischensequenzen, gerade im „GM“ sieht man dann jedoch, dass die Hybrid-Konsole über einschränkte technische Mittel verfügt und die Charaktermodelle wirken hier etwas blass. Was wirklich nervig ist allerdings, sind die teilweise elend langen Ladezeiten. Diese stören den Spielfluss merklich und sollten dringend nachgepatcht werden. Die Soundkulisse passt, die Kommentatoren sprechen zwar ausschließlich englisch, kommen allerdings ziemlich unterhaltsam daher. Auch sonst kann die Präsentation des Titels überzeugen, was an den vielen Sequenzen und Videoclips liegt, welche ins Spiel eingebaut wurden.  
FAZIT:
NBA 2K20 ist eine erstaunlich umfangreiche Basketballsimulation. In Sachen Umfang macht dem Titel kaum ein Sportspiel etwas vor und so dürfte es Wochen und Monate dauern, bis man sich alle Modi ausführlich zu Gemüte geführt hat. Vor allem der Manager-Modus und der Mein-Spieler-Modus sorgen für sehr viel Langzeitmotivation. Das Spiel steuert sich auch auf Nintendo Switch ordentlich und sieht optisch gut aus. Besonders erfreulich: auch auf Nintendos Hybrid-Konsole gibt es da komplette Paket und nicht nur eine aufgewärmte Suppe (siehe FIFA in diesem Jahr). Weniger erfreulich sind jedoch die erschreckenden Ladezeiten und das Hauptärgernis des Spiels. Die Entwickler wollen mit aller Gewalt den Spielern noch mehr Geld aus der Tasche ziehen und stellen das im Mein-Team-Modus unverblümt zur Schau. Das grenzt an Betrug, vor allem die Art und Weise, mit welcher Dreistigkeit (kein Einfluss auf den erwerbbaren Inhalt) die Spieler hier zur Kasse gebeten werden. Dafür gibt es Punktabzug, denn obwohl man den Modus ignorieren sollte und immer noch genug Content hätte, ist alleine der Versuch strafbar. Gerade dieser Aspekt ist schade und macht eine Topwertung dieses Titels zunichte.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Umfangreiche Basketballsimulation, die aber wenig Neuerungen erfahren hat und sich mit ihrem Pay-to-Win-Mechanismus deutlich verwirft."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Herausragend
Technik: Gut

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