Test: Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals - Definitive Edition [Update zur Ver. 1.0.1]

Von Deniz Üresin am 26. September 2019

Viele versuchen es, die wenigsten schaffen es: Dragon Quest XI S ist da und zeigt der Welt, wie ein episches Retro-RPG auszusehen hat. Oder…?

Ein Lichtbringer für die Switch

Nach zwei Ausflügen in Minecraft-artige Blockwelten in Dragon Quest Builders 1 und 2 und dem Auftritt des Dragon-Quest-Helden in Super Smash Bros. Ultimate geht das Bemühen von Square Enix und Nintendo, die japanische Kultserie ein für alle Mal auch im Westen zu etablieren, in die nächste Runde. Im Herbst 2018 erschien der neueste Hauptteil der Reihe, Dragon Quest XI: Streiter des Schicksals, für PS4 und Steam. Die in Japan erhältliche 3DS-Fassung schaffte es allerdings nicht hierher und von der Switch-Version, die bereits 2015 angekündigt wurde, als Nintendos neue Konsole noch „NX“ hieß, war weit und breit nichts zu sehen.

Das lange Warten hat nun aber endlich ein Ende und JRPG-Fans können sich auf eine stark aufgemotzte Version mit dem etwas unhandlichen Titel Dragon Quest XI S: Streiter des Schicksals – Definitive Edition auf ihrer Switch freuen. Doch was für ein Spiel ist Dragon Quest XI überhaupt? Welche Neuerungen und Änderungen sind in der Definitive Edition enthalten? Wie spielt sich das Rollenspiel-Epos auf der Hybridkonsole? Diese und weitere Fragen beantworten wir euch in unserem ausführlichen NplusX-Test.

Es war einmal vor langer Zeit…

Wie in jedem Dragon-Quest-Abenteuer steuert ihr einen stummen Protagonisten durch eine mittelalterliche Fantasywelt, gewinnt neue Freunde, sammelt allerlei Erfahrungen und stellt euch am Ende einem üblen Schurken, der die Herrschaft über die Welt an sich reißen will.

Der elfte Teil, der zwar auf interessante Art und Weise mit der ursprünglichen Trilogie zusammenhängt (die übrigens am gleichen Tag ebenfalls auf der Switch erscheint), aber problemlos als eigenständige Geschichte erlebt werden kann, beginnt mit einer unheilvollen Introsequenz, in der ein Königreich von Monstern überrannt wird. Lediglich ein neugeborenes Baby überlebt, das in einem Korb auf einem Fluss davontreibt.
Ihr schlüpft einige Jahre danach in die Rolle eines jungen Mannes, der im friedlichen Dorf Kieslingen in den Bergen aufgewachsen ist und von seiner Mutter gerade erfahren hat, dass er der wiedergeborene „Lichtbringer“ ist, der die Welt vor dunklen Bedrohungen bewahren soll. So begebt ihr euch ins nahegelegene Königreich Heliodor, um den König um Unterstützung und weitere Informationen zu bitten. Der König ist allerdings gar nicht so angetan vom Lichtbringer, verflucht ihn als „Spross der Finsternis“, der als Vorbote des Unheils gilt und lässt ihn gefangen nehmen. Im Kerker des Schlosses trefft ihr auf euren ersten treuen Verbündeten, den blauhaarigen Dieb Erik, dem ein Seher kürzlich vorhersagte, dass er bald auf den Lichtbringer treffen würde. Mit vereinten Kräften gelingt den beiden eine spektakuläre Flucht aus dem Schlosskerker und so beginnt eine lange, anstrengende Reise quer durch ganz Erdria, der Welt von Dragon Quest XI, um die Wahrheit über den Lichtbringer und seine Bestimmung herauszufinden. Ihr lernt auf eurem Weg zahlreiche verlässliche Kumpane, finstre Widersacher und allerlei quirlige Charaktere kennen, schließt Freundschaften fürs Leben und erlebt gemeinsam ein gigantisches Abenteuer, in dem gelacht, geweint, gekämpft und gestaunt wird.

Die Story von Dragon Quest XI ist also erneut ein klassisches Märchen mit Heldenreise und auch wenn einiges an Dramatik und die eine oder andere überraschende Wendung geboten wird, dürft ihr hier keine allzu komplexe Handlung wie in einem Persona oder Xenoblade Chronicles erwarten.  

Die Stars eines Dragon Quest sind nämlich wie immer die bunte Schar einzigartiger Charaktere und die liebevoll gestaltete Spielwelt. Der gewitzte Dieb Erik, die kecke Magierin Veronica, der Unterhaltungskünstler Rionaldo und all die anderen liebenswerten Kämpfer, die sich dem Lichtbringer auf seiner Queste anschließen, haben alle ihre Eigenarten und werden euch früher oder später unweigerlich ans Herz wachsen.

Mit ihren vielen abwechslungsreich designten und von verschiedenen Kulturen geprägten Orten ist aber auch die Spielwelt Erdria ein wichtiges Feature des Spiels. Die Entwickler und auch das großartige Lokalisierungsteam haben sich sichtbar Mühe gegeben, euch beim Spielen fühlen zu lassen, dass ihr die gesamte Welt bereist. Im  japanisch angehauchten Dorf Onzen gibt es Dampfbäder und alle Einwohner sprechen in Haikus (eine japanische Gedichtform), in der an Venedig angelehnten Stadt Gondolia haben die NPCs einen italienischen Akzent und ihr könnt euch in Gondeln durch die Kanäle der Stadt bewegen und Meerjungfrauen, die in einem waschechten Märchen natürlich auch nicht fehlen dürfen und den Meeresboden ihr Zuhause nennen, kommunizieren nur in Reimen. Jede Stadt hat ihre eigene Geschichte, ihre eigene Architektur und ihre eigenen Probleme, jeder Charakter seinen Platz in der Welt. Das Spiel ist genretypisch sehr linear, lädt aber an vielen Ecken dazu ein, inne zu halten und sich genauer umzusehen. Das Erforschen jeden Winkels belohnt euch auf unterschiedlichste Arten und Weisen, mal bekommt ihr ein tolles Item, mal eine interessante Hintergrundgeschichte zu hören und manchmal ist die Belohnung für euren Erkundungsdrang einfach nur eine atemberaubende Aussicht auf einen besonders schönen Teil der Spielwelt. 

Das altbewährte Prinzip, von Stadt zu Stadt zu reisen und dort Probleme zu lösen sowie magischen Gegenständen hinterherzujagen, funktioniert auch 2019 noch wunderbar und trägt zum allgemeinen positiven Old-School-Feeling bei.

Das modernste NES-Spiel 

„Old-School“-RPGs sind besonders bei Indie-Entwicklern seit einigen Jahren in Mode, da Pixelart und Random Encounters sowie der Verzicht auf viele Quality-of-Life-Features neuerer Spiele natürlich deutlich einfacher zu realisieren sind. Doch auch RPG-Schwergewicht Square Enix mischt hier ordentlich mit und publiziert regelmäßig neue Abenteuer in altem Gewand und hat mit der Tokyo RPG Factory sogar ein Studio gegründet, das sich allein dieser Aufgabe widmet. Die meisten der Klischees und Genrekonventionen, die man mit klassischen JRPGs assoziiert, stammen aber tatsächlich von der Dragon-Quest-Reihe, die bis heute nichts an ihren Kernelementen geändert hat.

Rundenbasierte Kämpfe, Level-Ups, das Speichern per Beichte in der Kirche, flache Witze und eine exorbitant hohe Dichte an Wortwitzen, Alliterationen und sorgfältig ausgewählten Popkultur-Referenzen gehören ebenso seit vielen Jahren zur Serie wie die verspielten Charakter- und Monsterdesigns von Dragon-Ball-Schöpfer Akira Toriyama und die von der Klassik inspirierte Musik des ältesten Videospielkomponisten der Welt, Koichi Sugiyama. Statt Pixelart und Zufallskämpfen (die wahlweise im 2D-Modus aber auch möglich sind, dazu später mehr) setzt Dragon Quest aber seit einigen Jahren auf moderne Optik im Anime-Stil und auf dem Feld sichtbare Gegner.

Wenn ihr euch auf eurer Reise weniger allein fühlen und generell mehr über die Gedanken und Sorgen eurer Mitstreiter erfahren wollt, sei euch unbedingt der ausgiebige Gebrauch vom Party Chat ans Herz gelegt. Dieses seit einigen Jahren etablierte Feature erlaubt es euch unter dem Menüpunkt „Plaudern“ oder per Druck auf die Minus-Taste, jederzeit außerhalb von Cutscenes und Kämpfen mit euren Partymitgliedern zu plauschen. Sie erinnern euch nicht nur daran, was euer nächstes Ziel ist, sondern geben auch oft witzige und interessante Kommentare von sich, die die aktuelle Story und euren gegenwärtigen Aufenthaltsort thematisieren. An den vielen auf der Welt verteilten Rastplätzen könnt ihr außerdem ein kleines Lagerfeuer anzünden und euch kurz von den Strapazen eurer Reise erholen, mit euren Kameraden sprechen oder ihnen einfach dabei zusehen, wie sie ihren Hobbies nachgehen.

Auch die Sidequests sind eher klassisch strukturiert und bestehen fast immer aus simplen Sammel-, Kurier- oder Kill-Quests. Sie haben in Dragon Quest XI vor allem zwei Ziele: Zum einen sollen euch durch das Absolvieren der Nebenaufgaben die diversen Features und Möglichkeiten des Spiels aufgezeigt werden, zum anderen sorgen sie durch kleine Hintergrundgeschichten und Interaktionen zwischen den NPCs dafür, dass sich die Spielwelt lebendig und glaubhaft anfühlt.

Abseits der Sidequests gibt es erneut die aus vielen anderen Teilen der Reihe bekannten Minimedaillen, die überall auf ganz Erdria versteckt sind und euch fürs Finden fürstlich belohnen.



Natürlich gibt es aber trotz all der Selbsttreue einige neue Features, die es zumindest in einem Dragon-Quest-Titel noch nie zuvor gab. Das „Kräftigungs-System“ löst beispielsweise das „Konzentrations-System“ aus Dragon Quest VIII und IX ab. Mit zunehmender Länge des Kampfes und erhöhtem erlittenem Schaden steigert sich pro Runde die Chance, dass einer eurer Kämpfer gekräftigt wird, was ihn in eine blaue Kampfaura hüllt, einige temporäre Statusboosts mit sich bringt und den Zugang zu den sogenannten Koop-Kräften darstellt. Koop-Kräfte sind meist aufwändig animierte, verheerende Spezialattacken, die einen oder mehrere gekräftigte Partymitglieder benötigen. Die Zufallsnatur der Kräftigung macht es natürlich schwer, seine Strategie auf Koop-Kräfte auszurichten, doch die Vorteile einer solchen Spezialfähigkeit können in hitzigen Bosskämpfen das Zünglein an der Waage sein.

Mit der Pfiffigen Schmiede erfährt auch das aus VIII und IX bekannte Crafting-System einen neuen Anstrich. Dieses Mal müsst ihr nicht nur die Rezepte aus Büchern oder durch das Absolvieren von Sidequests erlernen und die passenden Zutaten parat haben, sondern habt auch noch die Möglichkeit, in einem lustigen Minispiel die Werte der von euch geschmiedeten Waffe oder Rüstung zu verbessern. Hier müsst ihr das Eisen, solange es noch heiß ist, mit taktisch platzierten Hammerschlägen schmieden und so einige Leisten so präzise wie möglich bis zu bestimmten Markierungen füllen, was je nach Erfolg die Werte mehr oder weniger stark verbessert. Außerdem bekommt ihr durchs Schmieden Perfektionsperlen, mit denen ihr Gegenstände ein weiteres Mal bearbeiten könnt, falls ihr mit eurer Arbeit einmal nicht zufrieden sein solltet.

Das aufwändig gestaltete neue Fertigkeitensystem, das ein wenig an eine vereinfachte Version des Sphärobretts aus Final Fantasy X erinnert und euren spielbaren Charakteren neue Skills und passive Fertigkeiten im Austausch gegen im Kampf gewonnene Punkte gewährt, gibt euch viele taktische Optionen an die Hand, die ihr bedenkenlos auch einfach mal ausprobieren könnt, da ihr Skillbäume bei Nichtgefallen auch jederzeit an Speicherpunkten gegen einen Obulus zurücksetzen könnt.

Neu sind auch die Drakonischen Herausforderungen, die ein wenig Würze in das ansonsten relativ einfache Spiel bringen sollen. Diese reichen von stärkeren Monstern und weniger gewonnen Erfahrungspunkten pro Kampf bis hin zu seltsam wirkenden Regeln und Einflüssen auf das Spielgeschehen: Ihr könnt euch beispielsweise selbst verbieten, Gegenstände und Ausrüstung in Shops zu kaufen. Die Scheupocken sorgen dafür, dass euren Charakteren in Kämpfen gelegentlich peinliche Erinnerungen hochkommen, weswegen sie ihren Zug aussetzen, während eine andere, Switch-exklusive Drakonische Herausforderung bewirkt, dass manche der Ratschläge gebenden NPCs im Spiel euch glattweg anlügen.

Einige der Monster, denen ihr im Laufe eures Abenteuers begegnet, funkeln zudem. Besiegt ihr diese besonderen Artgenossen, könnt ihr auf ihnen reiten, was euch gelegentlich neue Bereiche zugänglich macht. Auf der Biene eines Bienenstichlers könnt ihr beispielsweise über Seen hinwegfliegen und das knochige Reittier des Skelett-Reiters kann an bestimmten Wänden entlanglaufen.

Dass der 2D-Modus dieses Spiels überhaupt möglich war, zeugt bereits davon, wie Retro die meisten Gameplay-Mechaniken von Dragon Quest XI sind.

Lebensqualität hoch XI

Old-School-Feeling ist ja schön und gut, aber warum solltet ihr euch mit den veralteten Mechaniken eines 80er-Jahre-RPGs herumschlagen, wenn Gaming dank diverser Quality-of-Life-Errungenschaften heutzutage doch so viel angenehmer ist?

Keine Sorge, denn wenn Dragon-Quest-Spiele eines tun, dann ist es für den größtmöglichen Komfort des Spielers sorgen. Rundenbasierte Kämpfe á la 1986 hin oder her, niemand will ein JRPG nach einer Woche wieder einlegen und keinen Plan mehr davon haben, was er tun muss und wo es weitergeht. Niemand will Quest-Informationen mitschreiben oder online nachlesen müssen, wo sich welche Monster aufhalten und welche Gegenstände sie fallen lassen.

All das müsst ihr auch nicht. Bei jedem Spielstart wird euch in einigen Sätzen zusammengefasst, was gerade Phase ist, das Missionsverzeichnis behält für euch den Überblick darüber, wo neue Sidequests zu finden sind und was ihr wo tun müsst und in der umfangreichen In-Game-Enzyklopädie findet ihr alle verfügbaren Tutorials und Anleitungen sowie bereits gesammelte Items und besiegte Gegner mit ihren jeweiligen Fundorten und weiteren Infos. Auf den detaillierten Karten könnt ihr in Städten sehen, welche NPCs Storyrelevante Informationen oder Sidequests bereithalten und wo sich welche Shops befinden und auf der Oberwelt wird euch angezeigt, wo ihr welche Items einsammeln oder Rastplätze finden könnt.  

Die oben genannten Features sind übrigens alle auch bereits in den Original-Versionen von Dragon Quest XI enthalten. Kann die Definitive Edition da wirklich noch einen draufsetzen?

Definitiv die Definitive Edition

Gefühlt jedes zweite Switch-Spiel ist eine Complete-, Deluxe- oder Definitive Edition und die Anzahl neuer Features schwankt von Titel zu Titel beträchtlich. Dragon Quest XI S verdient sich den Namenszusatz aber tatsächlich, wartet das Spiel doch mit einer enormen Fülle an Neuerungen im Vergleich zum Original auf, von denen hier nur einige aufgezählt werden:

Das gesamte Spiel ist wahlweise im sogenannten 2D-Modus spielbar, in dem ihr das Abenteuer in wunderschöner 16Bit-Pixelgrafik bestreiten könnt. Zwischen den beiden Modi könnt ihr jederzeit an einem Speicherpunkt hin- und herwechseln.

Das neue (bzw. bisher 3DS-Version-exklusive) Dorf Ticklingen, das von den kleinen mysteriösen Geisterwesen bewohnt wird, denen ihr auf eurer Reise immer wieder begegnet, öffnet euch die Pforten zu ausgewählten Gebieten und Dungeons der ersten zehn Dragon-Quest-Titel, wo ihr einige neue Sidequests abschließen, Bosse bekämpfen und exklusive Items und Ausrüstungsgegenstände abstauben könnt.

Der neue Fotomodus gestattet es euch, eure Partymitglieder vor der Kamera posieren zu lassen und Schnappschüsse davon zu machen.

Außerdem verfügt die Definitive Edition im Gegensatz zu den anderen Versionen über orchestral eingespielte Hintergrundmusik und eine wahlweise japanische Sprachausgabe zusätzlich zur bekannten englischen (die Bildschirmtexte sind auch auf Deutsch verfügbar), lässt euch die Pfiffige Schmiede jederzeit anstatt nur während des Campens nutzen und bietet euch die Möglichkeit, freigeschaltete Kostüme für eure Charaktere zu wählen, ohne dass diese wie zuvor die dafür benötigten Ausrüstungsgegenstände auch tragen müssen.

Wem das noch nicht ausreicht, der bekommt obendrein noch neue Storysequenzen, die sich um die Partymitglieder drehen, neue reitbare Monster, neue Kostüme, eine Turbo-Funktion für Kämpfe, einen weiteren Superboss und einige neue Endgame-Herausforderungen, an denen ihr euch die Zähne ausbeißen könnt.

Bei all der Lobhudelei müssen aber auch ein paar wenige negative Worte über die Switch-Version verloren werden. Es dürfte zwar niemanden überraschen, aber tatsächlich kann Dragon Quest XI S technisch nicht ganz mit den PS4- und Steam-Fassungen mithalten. Zwar läuft das Spiel durchweg meist flüssig mit 30 Bildern pro Sekunde, allerdings mit etwas reduzierter Texturqualität und Draw Distance. Das flüssige Spielgeschehen wird durch eine dynamische Auflösung gewährleistet, sodass das Spiel im TV-Modus zwischen 900p und 720p, im Handheldmodus etwa zwischen 540p und 720p schwankt. Das mag auf den ersten Blick zwar nicht optimal klingen, sieht im Praxistest aber immer noch wunderschön aus und fällt aufgrund des bunten, etwas simpleren Anime-Looks auch weniger auf als es bei einem Spiel mit fotorealistischer Grafik der Fall wäre. Die Leistung ist vor allem dann sogar eher bewundernswert, wenn man sich vor Augen führt, dass selbst die deutlich stärkere PlayStation 4 nur mit Ach und Krach 900p bei 30 FPS halten konnte. Leider ist mir das Spiel in den 55 Stunden, die ich es bisher getestet habe (Version 1.0.0), dreimal abgestürzt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass in den nächsten Tagen ein Patch nachgereicht wird, der etwaige Fehler behebt. Schließlich wurde auch die Demo-Version, die anfänglich bei einigen Spielern gelegentlich abstürzte, stabil gepatcht. Abseits davon ist an dem Spiel technisch gesehen wirklich kaum etwas auszusetzen.

Update zur Version 1.0.1: Seit diesem Update habe ich 75 weitere Stunden mit dem Spiel verbracht und keinen weiteren Absturz verbuchen können.

Leider wurde es verpasst, einen etwas nervigen Fauxpas der Originalfassungen auszumerzen: Die Drakonischen Herausforderungen können erneut nur zum Start eines neuen Abenteuers aktiviert und nachträglich nur ab-, aber nicht mehr angewählt werden. Wenn ihr also eher auf härtere Kämpfe steht, solltet ihr die stärkeren Monster direkt hinzuschalten, wenn ihr das Spiel beginnt, denn der Schwierigkeitsgrad ist wie erwähnt eher auf der Einsteigerfreundlichen Seite.

Fazit:

Dragon Quest XI S ist eine gigantische Party. Ihre Gäste sind Dragon Quest I bis X, denen durch zahlreiche Anspielungen Tribut gezollt wird, sowie viele weitere einflussreiche JRPGs. In den letzten 30 Jahren haben Serienschöpfer Yuji Horii und sein Team die Dragon-Quest-Formel bis fast zur Perfektion geschliffen und ein Spiel erschaffen, das Fanherzen höher schlagen lässt, sich aber auch perfekt für Neueinsteiger eignet.

Es ist durchaus berechtigt, die Reihe für ihren Mangel an Innovationen, ihre eher simplen Handlungsstrukturen und ihren niedrigen Schwierigkeitsgrad zu kritisieren. Für alle, die nicht in jedem Spiel unkonventionelles Gameplay und eine Game-of-Thrones-artige Story voller Intrigen und Wendungen sehen müssen, lohnt sich aber ein Blick in die umfangreiche Demoversion des Spiels.

Die märchenhafte Story, all die vor Charme strotzenden Charaktere und fiesen Bösewichte, die unvergesslichen Schauplätze Erdrias, ein simples, aber spaßiges Kampfsystem, eine Oscar-reife Lokalisierung und eine unglaubliche Fülle an Quality-of-Life-Features und Nebenbeschäftigungen zeichnen den neuesten Teil der Traditionsreihe, insbesondere aber die erweiterte Switch-Fassung aus. Wer das Spiel bereits auf PS4 oder Steam ausgiebig durchgespielt hat und davon gesättigt ist, muss natürlich nicht unbedingt erneut zugreifen, denn trotz der vielen Verbesserungen und Additionen ist das Spiel im Kern noch das gleiche.

Wenn dieser viel zu lange Test eine Botschaft vermitteln soll, dann die, dass tonnenweise Herzblut in Dragon Quest XI S steckt, was sich in jeder Spielminute des umfangreichen Rollenspiels bemerkbar macht.

Wertung:

9.0

Deniz Üresin meint:

"Dragon Quest XI S kombiniert meisterhaft märchenhafte Abenteuer mit Old-School-Gameplay und modernen Features. Ein Must-Have-Titel für alle RPG-Fans!"
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Herausragend
Technik: Sehr gut

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5 Kommentare:


Vyse
vor 2 Wochen | 1
Der 2D-Modus sieht so unglaublich schick aus, dass man echt noch mal Lust auf das Spiel bekommt.

Ich hatte letztes Jahr die PS4-Version mit "superstarken Gegnern" gespielt und irgendwann wurde es zu einem richtigen Problem, dass es offenbar keine Magieabwehr gibt. Ein Boss hat meiner Party mit Wasser-Flächenzaubern mehr Schaden zugefügt als ich heilen konnte. Was habe ich also gemacht? Meine Skill-Punkte umgeschichtet und etwas gegrinded, um einen Zauber zu erlernen, der die Resistenz gegen Wassermagie erhöht. Beim Boss eingesetzt und es reduzierte den Schaden um 10% - von rund 60 HP auf rund 54 HP. Der Zauber war so dermaßen nutzlos dass es sich nicht lohnte, eine Runde dafür zu verschwenden.

Daran merkte man leider, dass das Spiel nicht auf "superstarke Gegner" ausgelegt war. Der Schwierigkeitsgrad war ja in der japanischen Version gar nicht vorhanden und wurde erst nachträglich bei der Lokalisierung hinzugefügt. Da der Default-Schwierigkeitsgrad bockeinfach ist, ist das Balancing egal und es wirkt sich nicht aus, wenn ein Zauber völlig nutzlos ist. Erst durch den höheren Schwierigkeitsgrad wurde das Problem dann offensichtlich.

Aber ganz ehrlich, der gigantische Umfang und die 2D-Optik machen wirklich Lust auf diese "Definitive Edition". Hmmmm....

Denios
vor 2 Wochen | 0
Das Spiel ist weiterhin das gleiche, wenn dir die Story und Charas also nicht allzu sehr zusagen, wirst du trotz der vielen neuen Features nicht viel mehr Spaß mit DQXIS haben.

Denios
vor 2 Wochen | 0
Gerade ist übrigens das Spiel auf die Version 1.0.1 gepatcht worden. Ich hoffe, damit haben sich die Abstürze erledigt!

TraxDave
vor 2 Wochen | 1
Super Test, danke.
Wird wohl mein erstes vollwertiges Dragon Quest werden. Da es trotzdem eigentlich schon eine Spur älter ist, wird aber mal zugewartet bis der Preis fällt. ^^

Asinned
vor 2 Wochen | 1
Schöner Test. Obwohl früher JRPGs mein Lieblingsgenre war, habe ich um DQ immer einen großen Bogen gemacht. 11 fand ich dann aber irgendwie doch interessant und spätestens die Demo hat mich dann zu Day1 verleitet. Bin mal gespannt ob meine Motivation über die relativ lange Spieldauer hoch bleibt.