Test: AER - Memories of Old (Nintendo Switch)

Von Jeremiah David am 27. August 2019

Die Switch-Version des Open-World-Abenteuers im Test 

Die Welt von AER – Memories of Old erinnert ein wenig an die aus The Legend of Zelda: Skyward Sword, denn sie besteht lediglich aus schwebenden Inseln hoch über oder vielmehr zwischen den Wolken. Anders als im Zelda-Teil finden wir dort aber fast nur Ruinen und verlassene Lager. Die Welt von einst wurde zerstört, die alten Götter vergessen.

Als die junge Frau Auk in einer großen Höhle vor einem Altar eine Kerze anzündet, passieren zweierlei Dinge: Zum einen zeigt ihr eine Vision den erneuten, drohenden Untergang der Welt, dargestellt durch einen leuchtenden, in der Mitte geknickten Balken, der fast wie Saurons Auge in der Herr-der-Ringe-Trilogie über das düstere Land hinwegblickt, zum anderen erhält sie eine magische Laterne namens Karahs Licht. Mit gezückter Laterne offenbaren sich Auk seltsame, reglose Gestalten, die sich rasch als die Geister längst verstorbener Menschen entpuppen. Sie sollen Auk helfen, aus den Fehlern ihrer Vorfahren zu lernen. Ihre Gedanken oder Aussagen werden in Textform angezeigt. Nach diesem Ereignis reist Auk zwischen den vielen Inseln hin und her, um in drei antiken Tempeln einen Weg zu finden die Zerstörung ihrer Heimat zu verhindern.

Skyward no Sword

AER – Memories of Old ist im Grunde in zwei große Bereiche unterteilt. Der erste ist die Oberwelt, die aus unzähligen, dafür aber meist recht kleinen Inseln besteht. Das Reisen zwischen den Inseln ist zum Glück sehr einfach, denn Auk ist eine Formwandlerin. Durch Drücken der A-Taste springt Auk. Ein zweites Drücken derselben Taste während Auk in der Luft ist, bewirkt, dass sich die junge Frau in einen Vogel verwandelt, und dann gleitet sie mit überraschender Leichtigkeit und Eleganz durch die Lüfte. Man merkt, dass das inzwischen geschlossene Entwicklerstudio Forgotten Key viel Zeit und Aufwand in diese Mechanik gesteckt hat. Wenn Auk im Flug durch Drücken der X-Taste an Höhe und/oder Geschwindigkeit gewinnt, zoomt die Kamera heraus und offenbart dem Spieler eine Panoramaansicht der in Pastelltöne gebadeten Insellandschaft zwischen den Wolken. Auk steuert sich als Vogel schnell und präzise. Nicht selten ertappten wir uns dabei, wie wir ohne Ziel immer wieder durch Wolken flogen, oder wahllos Inseln umkurvten, um einfach nur das tolle, entspannende Gefühl des Fliegens zu genießen. 

Das Erkunden der Inseln selbst macht dagegen weniger Spaß. Außer den ebenso stummen wie starren Geistergestalten, die schnell langweilig werden, gibt es in AER praktisch nur eine kleine Handvoll Tiergeister und die Tempel zu entdecken. Viele Insel, die aussehen, als müssten sie irgendwelche fantastischen Geheimnisse hüten, tun genau das nicht, und Auk kann weder mit normalen Tieren, noch mit irgendwelchen Gegenständen interagieren. Auch gibt es keine Fähigkeiten zum freizuschalten oder Items zu finden. Die Welt scheint nicht nur verlassen, sie ist es größtenteils auch. Die Inseln verkommen so zu wenig mehr als einem hübschen, aber leblosen Raum für meditative Flugmanöver.

Der zweite große Bereich besteht aus den oben bereits erwähnten Tempeln, die Auk in der Oberwelt zunächst finden und öffnen muss, ehe sie im jeweiligen Innern simple Rätsel lösen darf. Auch die Tempel erinnern in ihrem Aufbau ein klein wenig an The Legend of Zelda, sind jedoch verwinkelter und zugleich offener als die klassischen Zelda-Dungeons. Außerdem kommen sie gänzlich ohne Gegner aus. Auk selbst besitzt außer Karahs Licht keine weiteren Gegenstände oder gar Waffen und kann innerhalb der Tempel auch nicht fliegen. So muss sie allein durch Laufen und Springen, sowie durch das Lösen einiger Schalterrätsel leuchtende Plattformen erreichen. Am Ende jedes Tempels wartet ein Wächter mit einem Schlüssel auf sie. Die Schlüssel – Teile eines uralten Artefakts – öffnen schließlich einen riesigen Turm in der Mitte der Karte. Die Schalterrätsel sind so simpel, dass sie kaum Hirnschmalz erfordern. Die Sprungpassagen sind da schon kniffliger, allerdings nur, weil sich Auk in ihrer menschlichen Gestalt nicht annähernd so präzise steuern lässt, wie als Vogel. Die Steuerung beim Springen ist nicht grauenhaft, und sterben kann Auk ohnehin nicht, aber ihre Gestalt wirkt zu leicht, so als würde sie sich über einen Planeten mit verminderter Schwerkraft bewegen. Das stört vor allem bei Passagen, die exaktes Timing sowohl beim Abspringen und beim Landen erfordern – zum Glück gibt es davon jedoch nicht viele.

Grow Home, Auk

Dass AER – Memories of Old spielerisch wenig mit den Zelda-Titeln gemein hat, wurde bereits erwähnt. Selbiges gilt aber auch für die Optik des Spiels. Forgotten Key selbst bezeichnet den Art-Style auf Steam als „traumhaft und minimalistisch“. Vor allem das zweite Adjektiv sollte hier betont werden. Ein großer Fokus lag während der Entwicklung offensichtlich auf der Atmosphäre und der Ästhetik, nicht auf Realismus. Alle Objekte im Spiel bestehen aus einer äußerst geringen Anzahl an Polygonen, Texturen sucht man vergeblich. Selbst Auk besitzt nur eine sehr grobe Form und kommt beispielsweise ganz ohne ein Gesicht aus. Immerhin läuft das Spiel in der Regel sehr flüssig. Nur beim Fliegen zwischen größeren Inselgruppen, wenn ein neues Gebiet geladen werden muss, kommt die Framerate für einen Sekundenbruchteil ins Stocken – sowohl im Docked- als auch im Handheld-Modus der Switch. Die Hintergrundmusik besteht aus ruhigen New-Age-Klängen, die gut zur entspannenden Welt des Spiels passen. Eine Sprachausgabe gibt es nicht.

Fazit:

AER – Memories of Old ist ein schwer zu bewertendes Spiel. Es kombiniert die schwebende Inselwelt aus The Legend of Zeld: Skyward Sword mit dem meditativen Gameplay von Spielen wie Journey oder Flower und dem minimalistischen, low-poly Art-Style von Grow Home. Es ist kein aufregendes oder packendes Spiel, will das aber auch gar nicht sein. Es erzählt keine spannende Geschichte und hat keine herausfordernden Rätsel, aber trotzdem ist es kein schlechtes Spiel. Es ist ein kurzweiliges, entspannendes Open-World-Abenteuer, bei dem man für rund drei Stunden einfach mal ohne Druck und große Action die Seele baumeln lassen kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Wertung:

7.0

Jeremiah David meint:

"Kurzes, entspannendes Open-World-Abenteuer"
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Durchschnittlich

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