Test: Etherborn

Von Michael Prammer am 31. Juli 2019

Lasst die Seele baumeln, taucht ab in eine fantastische Welt und genießt knackige Rätsel. Ob das versprochene Spielprinzip auch hält was es verspricht, verrät unser Test.

Vorweg gesagt: Allzu viele Zeilen werdet ihr zu diesem „Kunstwerk“ nicht lesen. Denn zum einen lässt sich das Spielprinzip schnell erklären, zum anderen ist Etherborn kein klassisches Videospiel, sondern vielmehr ein audiovisuelles Erlebnis. Das Konzept von Etherborn beruht dabei auf dem Lösen verschiedener Rätsel und verzichtet komplett auf Gegner. Sterben könnt ihr somit ebenfalls nicht. Auch Hindernisse, welche präzise Sprünge oder schnelle Reaktionen verlangen, gehören ebenso wenig zur Natur des Spiels wie komplizierte Suchaufgaben. Alles in Etherborn ist von ruhiger Behaglichkeit gekennzeichnet.

Der Spieler schlüpft in die Rolle einer Spielfigur, von der praktisch nur eine halbtransparente Hülle und einige sichtbare Arterien existieren. Ohne echtes Tutorial, lediglich mit einer kurzen und knappen Einführung, wird uns die Grundsteuerung, die sich auf simples Laufen beschränkt, nähergebracht. Das Ziel des Spiels ist es, mit Hilfe von Schalterrätseln neue Wege freizuschalten. Dafür benötigen wir Quader, die in verschiedene Einbuchtungen platziert werden müssen. Zu Beginn stellt das Auffinden dieser Blöcke noch kein Problem dar, doch schon recht schnell entpuppt sich das Unterfangen als durchaus knifflige Angelegenheit.

Einfaches Spielprinzip, tolle Präsentation

Mit zunehmender Spielzeit kommt ein weiterer und wichtiger Kniff des Gameplays zum Tragen. Unser Protagonist kann nämlich unabhängig von Schwerkraft und physikalischen Gesetzen glatte Wände hinauflaufen; wenn auch nur dort, wo es das Leveldesign auch zulässt. Und genau dadurch wird das Spielprinzip deutlich interessanter. Sehen wir zum Beispiel an einer Kante einen Würfel, der eigentlich gar nicht zu erreichen wäre, müssen wir uns eventuell nur um die nächste Ecke wagen, um dort schon eine passende Rampe zu finden, die für den notwendigen Aufstieg sorgt. 

Diese spielerischen Freiheiten machen den Reiz der Erkundung in Etherborn aus. Hinzu kommt, dass manchmal weniger Würfel als Einbuchtungen vorhanden sind. So gilt es stets eure grauen Zellen anzustrengen und auch eure taktischen Fähigkeiten auf die Probe zu stellen, um schließlich einen Weg freizuspielen.

Unfair wird das Spielprinzip dabei zum Glück nie. Denn auch wenn die Würfel hin und wieder sehr gut versteckt sind, so gibt es immer eine relativ naheliegende Lösung, um an diese auch heranzukommen. Genauso verhält es sich auch mit dem Einsatz der Würfel, um neue Wege freizuschalten. Wer ein wenig nachdenkt und herumprobiert wird auch immer sein Ziel finden. Das soll jedoch nicht heißen, dass Etherborn keine Herausforderung darstellt und dem Spielprinzip nach wenigen Minuten die Luft ausgeht. Das ist definitiv nicht der Fall, denn dafür haben die Entwickler viel zu viele gute Ideen in das Spiel gesteckt.

Was das Spiel jedoch erst zu einem echten Geheimtipp macht, ist die außergewöhnliche Präsentation. Der einfache Grafikstil, der jedoch durch die tollen Hintergründe zu einem schönen Erlebnis geformt wurde, paart sich ideal mit den teils wunderschönen Musikklängen. Genau hier verliert man sich immer wieder im Spiel. Schnell sind die Rätsel und Suchaufgaben für einen Moment vergessen und der Spieler schweift ab, um einfach nur das gebotene Ergebnis zu genießen. Da fällt auch kaum ins Gewicht, dass die Entwickler die Hauptfigur etwas merkwürdig gestaltet haben. 

Fazit:

Etherborn ist ein wirklich schönes Spiel für Zwischendurch, bei dem der Spieler einfach mal abschalten kann. Ohne zuviel von der Person hinter dem Gamepad zu fordern lädt das Spielprinzip dazu ein, das audiovisuelle Erlebnis auf sich wirken zu lassen und beinahe nebenher einige gut durchdachte Rätsel zu lösen. Das funktioniert gut, bedarf aber auch ein wenig Interesse an dieser Form von Videospielen. Denn durch das langsame und seichte Spieltempo könnten sich einige Spieler auch schnell langweilen. Wer jedoch ein Erlebnis sucht, das mit einigen Traditionen bricht und mehr denn je als Kunst verstanden werden will, der ist bei Etherborn genau richtig.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Spielerisch sehr simpel, dafür audiovisuell eine echte „Granate“."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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