Test: Irony Curtain - From Matryoshka with Love

Von Michael Prammer am 11. Juli 2019

Mit Irony Curtain kommt ein kurzweiliges Point&Click-Adventure auf Nintendo Switch. Der japanische Hybrid scheint wie für dieses Genre geschaffen. Unser Test zeigt, wie sich die Satire schlägt.

Evan Kovolsky ist der Protagonist des Spiels und ein junger, aufstrebender Journalist, der den Kommunismus „vergöttert“. Das Geschehen ereignet sich etwa um 1950 und der Hauptdarsteller wird für seine Zeitung zu einer hitzigen Debatte geschickt. Die Welt befindet sich im kalten Krieg und Evan soll einem Staat voller Kapitalisten die Vorteile des Kommunismus nicht nur näher bringen, sondern will diese am liebsten als die einzig wahren Werte vertreten. Das kann ja nur schief gehen.

Viel Humor...

Was sich bereits schon aus dem Titel erahnen lässt: Irony Curtain nimmt sich nicht besonders ernst und sollte mit viel Augenzwinkern betrachtet werden. Der Humor ist sehr klischeehaft und man stolpert an allen Ecken und Enden über Anspielungen an die ehemalige Sowjetunion oder die vereinigten Staaten. Die Story ist auf jeden Fall interessant, spannend und vor allem mit jeder Menge Humor versehen, wenngleich man sich auch ein klein wenig für den kalten Krieg interessieren sollte. Denn genau hier warten Unmengen an Easter Eggs, Anspielungen und sonstiges aus der Zeit der 1950er/60er, die man mit etwas Hintergrundwissen noch mehr genießen kann.

Das Spiel selbst ist dem Genre der Point&Click-Adventures zuzuordnen. Der Spieler bewegt sich in einem Szenario und hat diverse Aufgaben zu erledigen, ehe das nächste Szenario beginnt. Dabei sind meistens eine Anzahl von Rätseln zu lösen, die allerdings in Sachen Abwechslung und Innovation stark schwanken. Während man bei manchen Rätseln einfach nur einen gewissen Gegenstand von A nach B transportiert, bedarf es bei anderen Aufgaben den Einsatz von viel Hirnschmalz. Es müssen Gegenstände logisch kombiniert  und teilweise über mehrere Bildschirme hinweg zum Ziel gebracht werden, ehe die nächste Aufgabe wartet. Unfair, unlogisch oder langweilig werden die Rätsel im Grunde allerdings nicht und die Spieldauer von etwa sechs Stunden lebt ohnehin hauptsächlich vom tollen Humor.

...und der tollen Musik

Das Abenteuer sieht klasse aus und der grafische Stil passt super zum Humor. Ganz besonders gefällt die musikalische Untermalung. Neben einigen russischen Märschen und Ziehharmonika-Stücken wechselt das Arrangement vor allem situativ stets passend und bringt dadurch viel Dynamik mit. Auch die Synchronsprecher sind unglaublich gut. Evans Englisch mit russischen Akzent sticht dabei besonders hervor.

Das Abenteuer hat einen Wermutstropfen und das ist die Steuerung. Liebe Entwickler, Nintendos Switch hat einen Dock-Modus und einen Handheld-Modus. Gerade im Handheld-Modus bietet sich ein fantastisches Gimmick, nämlich der Touchscreen. Ganz ehrlich, ein Point&Click-Adventure mit Touch-Option auszustatten, wäre absolut nobel gewesen. Denn die Steuerung über die Controller-Eingabe funktioniert zwar, ist allerdings ziemlich schwammig. Nur zu oft liegt man bei der Auswahl in einem Ringmenü daneben, weil man den Stick etwas zu weit gedrückt hat. Ziemlich schade, denn so „versaut“ man sich eine Wertung in den absoluten Topgefilden des Genres.

Fazit:

Irony Curtain ist ein klasse Point-&-Click-Adventure und auch auf Nintendo Switch eine gute Umsetzung geworden. Das Spiel trumpft mit einer lustigen und interessanten Geschichte auf, wird super inszeniert und kann vor allem musikalisch richtig begeistern. Bei aller Euphorie, wer mit den Themen Kalter Krieg und Kommunismus überhaupt nichts anfangen kann und die Geschichte um die 1950er einfach langweilig findet, der wird nicht alle Gags voll aufsaugen können und nicht besonders viel Spaß mit dem Titel haben. Was der Switch-Version zu einer Traumwertung fehlt, ist eine alternative Steuerung. Im Handheld-Modus hätte ich mir persönlich eine Touch-Option gewünscht. Die Standardsteuerung funktioniert, ist aber teils ungenau und sorgt manchmal für Ärgernisse. Dennoch ist Irony Curtain jedoch ein mehr als interessanter Vertreter des Genres, den man unbedingt auf dem Schirm haben sollte.

Wertung:

7.5

Michael Prammer meint:

"Gelungenes Point-&-Click-Adventure mit einem interessanten Thema und viel Humor."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

Schreibe einen Kommentar: