Test: Dark Souls 3

Von Lars Peterke am 23. April 2016

Der Bildschirm wird kurz schwarz. Düstere Chorgesänge ertönen. Eine fast schon zu ruhige Kameraeinstellung gibt zunächst nur langsam den Blick auf das frei, was nun folgt, während sich eine grausame Kreatur aus den Schatten erhebt. Und egal, ob diese groß, klein, kräftig oder einfach nur verstörend gruselig daherkommt: Das Adrenalin schießt durch den Körper und Spieler der “Dark Souls”-Reihe wissen genau, welche Achterbahnfahrt aus Leid, Frust und irgendwann später auch unvergleichlicher Befriedigung sie nun erwartet. Nach dem PS4-Exklusivtitel Bloodborne schickt der Japanische Entwickler From Software seine Fans in Dark Souls 3 nun ein weiteres Mal auf die Reise durch eine düstere Fantasy-Welt, die dem Spieler außer Gegenliebe so ziemlich alles aufbietet, was geht. Es soll die furiose Fortführung einer RPG-Reihe werden, die inzwischen vom Geheimtipp zum Massenphänomen avanciert ist. Zu einer Selbstbeweihräucherung der sogenannten Hardcore-Gamer. In unserem Test verraten wir euch, ob der Titel die damit einhergehenden, hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann.

A Game of Thrones

Als untoter Krieger gelangt ihr in das Königreich Lothric. Um es vor dem Untergang zu bewahren, sollt ihr euch dort auf die Suche nach den fünf Aschefürsten machen und sie auf ihre Throne zurückführen. Wie genau ihr dies anstellen sollt, wird euch aber genau so wenig erklärt wie die Hintergründe der Spielgeschichte, die sich selbst nach einem akribischem Studium aller Item-Beschreibungen und der Spielumgebung nur grob erschließt und weiterhin viel Raum für Interpretationen lässt. Dark Souls 3 ist genau wie seine Vorgänger ein Spiel, das ihr euch auf dieser und allen anderen Ebenen hart erarbeiten müsst.

Nach der Wahl eurer Klasse und der Erstellung eures Spielcharakters verschlägt es euch zunächst auf den Friedhof der Asche. Die hier anwesenden Untoten geben sich noch recht generös als Schwertfutter her, während Markierungen auf dem Boden euch die grundsätzlichen Kampfmanöver näherbringen. Auf einem Hügel entzündet ihr dann das erste Leuchtfeuer. Es dient euch wie auch in den anderen Souls-Spielen als Ruhestätte. Hier regeneriert ihr eure Gesundheit, füllt eure Heiltränke oder wechselt über die Reise-Funktion zu einem anderen Leuchtfeuer. Nach einer weiteren Handvoll Gegner ist mit dieser Idylle aber Schluss. Mit Iudex Gundyr trefft ihr auf den ersten Bossgegner des Spiels. Bereits seine Hellebarde misst in ihrer Länge locker das Vierfache eures Körpers. Nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Auslegung von Größenverhältnissen in Dark Souls. Insbesondere Neueinsteiger können es hier schwer haben und werden unbarmherzig gebrochen.

Doch hinter diesem Vorgehen steckt Methode. Mit korrekt abgepassten Block- und Ausweichmanövern ist ein Sieg über Iudex nur Formsache. Dafür muss der Spieler lediglich das Kampfsystem perfekt verinnerlichen. Ein Kinderspiel, immerhin hat man schon ganze zehn Spielminuten auf dem Konto! Für nicht wenige Spieler dürfte an dieser Stelle eine lange Frustphase folgen. Doch ist der Kampf erst einmal gewonnen, weicht der Hass auf das Spiel einer unvergleichlichen Genugtuung, die mit inniger Liebe einhergeht. Dark Souls 3 zieht den Spieler in seine Welt, bevor es überhaupt richtig losgeht.

Nach der Feuertaufe gelangt der Spieler in den Feuerband-Schrein. Er fungiert als Heimat und ist der einzige Ort an dem sich Dinge vorfinden lassen, die dem Protagonisten generell zugetan sind. Hier können im Tausch gegen die Seelen der getöteten Gegner die Charakterstatistiken verbessert oder Dienstleistungen diverser NPCs wie dem Schmied oder der Händlerin in Anspruch genommen werden, bevor man das nächste Leuchtfeuer entzündet und in das erste Areal der eigentlichen Spielwelt reist: die hohe Mauer von Lothric.

Die Änderungen im Detail

Die erprobte Grundformel des Spiels ist natürlich gleich geblieben. Meter um Meter arbeitet ihr euch durch die einzelnen Areale der Spielwelt. Getötete Gegner geben euch Seelen, die Währung des Spiels. Solltet ihr allerdings sterben, startet ihr beim letzten Leuchtfeuer und habt dann genau eine Chance, lebendig an den Ort eures letzten Niedergangs zu gelangen, um alle bisher gesammelten Seelen erneut einzusammeln. Sterbt ihr bei diesem Unterfangen allerdings erneut, sind diese Seelen futsch. Geht alles gut, werdet ihr immer tiefer in die einzelnen Gebiete vordringen und neue Leuchtfeuer entdecken. Zusätzlich lassen sich haufenweise Abkürzungen freischalten, damit ihr später bequem in alle Winkel der Spielwelt gelangen könnt und etwa nach einem verlorenen Bosskampf nicht immer und immer wieder die gleichen langen Laufwege in Kauf nehmen müsst. Dabei fällt schnell auf: Dark Souls 3 kann mit einem mindestens so brillanten Leveldesign aufwarten wie seine Vorgänger. Die labyrinthartigen Gebiete stecken voller Geheimnisse und präsentieren viele gleichermaßen imposante und atmosphärische Szenerien, die an jeder Ecke mit Gegnern gespickt sind. Dabei schafft es das Spiel auf hervorragende Weise, immer fies zu sein, ohne dabei unfair zu werden.

Es gibt nur wenige größere Änderungen, die sich die Entwickler herausgenommen haben. Zunächst einmal spielt sich Dark Souls 3 merklich schneller als seine Vorgänger. Ausweichmanöver können sich so öfter lohnen als ein bloßes Parieren oder Kontern der Angriffe und in den Bosskämpfen spürt man durch die schnelleren Aktionen eurer Gegner die größere Prise Bloodborne, die ganz offenkundig in die Entwicklung dieses Spiels eingeflossen ist. Dies ist wohl klar Hidetaka Miyazaki zuzuschreiben, der bei beiden Titeln als Director fungierte.

Eine weitere Neuerung betrifft die als Estus Flakon betitelten Heiltränke. Erstmals gibt es mit den Asche-Estus-Flakon nun einen permanent nutzbaren Trank für die Wiederherstellung eurer FP, die für das Wirken von Zaubersprüchen benutzt werden. Beim Schmied kann dann individuell festgelegt werden, in welchem Verhältnis sich die Auffrischung der Tränke am Lagerfeuer auf die beiden Flakon-Typen verteilen soll. Je nach gewählter Charakterklasse gibt euch das Spiel so bessere Möglichkeiten, um verschiedene Spielstile umzusetzen.

Weitere Anpassungen betreffen in erster Linie die verschiedenen Items und ihr Balancing untereinander. Diese aufzuführen, würde jedoch den Rahmen dieses Tests sprengen und reizt in erster Linie vermutlich eh nur die absoluten Enthusiasten, die neben dem Hauptspiel besonders viel Zeit in die etwas konfus umgesetzten Co-Op- und PvP-Funktionen von Dark Souls 3 stecken. Kurzum kann aber gesagt werden: Wer aufmerksam durch die Landstriche Lothrics schreitet, wird schon recht früh im Spiel dafür belohnt und trifft auf weniger Reibungspunkte, die den Spielspaß schmälern könnten.

Ein ganz besonderes Spiel

Nichtsdestotrotz ist Dark Souls 3 ein Spiel, mit dem man sich intensiv beschäftigen muss. Tatsächlich macht das Abtauschen in die düstere Fantasy-Welt einen einen großen Teil des Suchtfaktors aus. So ertappt man sich irgendwann beim Lesen von Internet-Wikis und dem Studium von Map-Grafiken, damit man auch jedes versteckte Item findet. So erhöhen Estus-Scherben die maximale Anzahl an tragbaren Estus-Flakons und Untoten-Knochensplitter verstärken ihre Wirkung. Doch selbst wenn man besagte Items findet, ist man damit noch lange nicht am Ziel. Estus-Scherben müssen erst beim Schmied abgegeben und Untoten-Knochensplitter im Leuchtfeuer des Feuerband-Schreins verbrannt werden, damit sie ihre Wirkung entfalten. Ein Umstand, den das Spiel nicht in ausufernden Tutorials erklärt.

Dark Souls 3 steckt voller Geheimnisse. Ob man sie entdeckt oder nicht, ist Sache des Spielers und dem Spiel egal. Das gilt übrigens auch für die vielen optionalen Areale. Insbesondere im späteren Spielverlauf stehen so verschiedene Wege offen, bei deren Erkundung man noch tiefer in die Spielwelt abtauchen kann. Dark Souls 3 bietet dem Spieler eine anspruchsvolle Reise durch eine atmosphärische Spielwelt an, die der Spieler auch intensiv als solche erfährt. Erreicht man das Ende dieser Reise, werden der schwächliche Charakter sowie sein Spieler zu geschulten und erfahrenen Kriegern gereift sein. Dark Souls 3 will nicht bloß ein Videospiel sein, sondern eine Erfahrung. Ein Anspruch, der den meisten Videospielen der heutigen Zeit leider abgeht, diesen Titel dadurch aber nur umso besonderer macht.

Fazit:

Dark Souls 3 ist wie auch seine beiden Vorgänger zu gleichen Teilen nicht jedermanns Sache wie auch ein herausragendes Action-RPG mit einem sehr hohen, aber nicht unmöglichen Schwierigkeitsgrad. Tatsächlich dürfte der Titel dank der etwas flotteren Spielgeschwindigkeit sowie der vielen kleinen Detailanpassungen sogar der einsteigerfreundlichste Teil der Reihe sein. Zumindest präsentiert er sich im Gesamtkonzept wesentlich ausbalancierter und weniger sperrig als Dark Souls 2. Und auch wenn man Dark Souls 3 mit genug bösem Willen einen Mangel an Innovationen ankreiden und sich über das viele “More of the same” beschweren kann: Hier waren echte Gamedesign-Experten am Werk, was man dem Spiel bei genauerem Hinsehen auch stets anmerkt. Wer also in Ermangelung einer PS4 bisher neidisch auf Bloodborne geschielt oder schon länger mit dem Einstieg in die Souls-Serie geliebäugelt hat und genug Biss mitbringt, der sollte Dark Souls 3 unbedingt eine Chance geben. Für Fans der Reihe ist der Titel aber ohnehin ein Pflichtkauf, der seinem Hype gerecht wird.

Wertung:

9.0

Lars Peterke meint:

"Dark Souls 3 ist eine einzigartige Spielerfahrung, in der sich alle Gameplay-Elemente so perfekt ineinanderfügen wie in keinem anderen Souls-Titel bisher."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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14 Kommentare:


prog4m3r
vor 3 Jahren | 1
An sich ein schön geschriebener Test, ABER und das finde ich etwas bedauerlich, man kann ihm nicht entnehmen auf welcher Hardware du getestet hast, Lars... wäre gut wenn dies demnächst in der Infobox oben rechts steht. Vor allem da bei der Xbox One Version von Dark Souls 3 ja schon die ein oder andere klage über eine niedrige Framerate zu hören war, hätte mich da bspw. eure Meinung interessiert. Nunja, vor der GOTY-Edition interessiert mich der Titel eh nicht.

Samus_Aran
vor 3 Jahren | 1
PS4 :) Framerate ist immer Tutti gewesen :)

KonoeA.Mercury
vor 3 Jahren | 1
Ich bin bei den Spielen seit neuerdings sehr vorsichtig. Habe zum Beispiel von Bloodborne nur gutes bis sehr gutes gehört und war dementsprechend enorm enttäuscht.

Gerade bei der Kamera und vor allem dem Lock on (Was ja enorm wichtig ist, da der Charakter zu dämlich ist einen Gegner zu treffen, den er quasi schon umart) gab es enorme Mängel. Grafik fand ich jetzt auch nicht der bringer.

Hat sich an den Kritikpunkten was getan?

Samus_Aran
vor 3 Jahren | 2
Wenn du Bloodborne grafisch enttäuschend fandst wird das hier nicht anders sein. Kritik am Lock-on kann ich nichts zu sagen. Ich fand es selbst in Bloodborne gut und da in DS3 viel Geblockt wird und es sich daher langsamer spielt dürfte es da ruhiger zur Sache gehen
KonoeA.Mercury
vor 3 Jahren | 0
Am Lock-on hat mich gestört, dass das kleinste blockierte Objekt (und wenn es nur ein kniehohes Fass ist) schon ein Lock on unmöglich macht. Soll heißen, man sieht den Gegner klar und deutlich, aber bekommt ihn einfach nicht anvisiert. Und ohne anvisieren schlägt man nur Luftlöcher.

Naja und was mit der Kamera mist ist, sieht man schon schön beim ersten Boss...

Samus_Aran
vor 3 Jahren | 0
Hm, hatte bisher keine Probleme durch irgendwelche Objekte die im Weg waren.

KonoeA.Mercury
vor 3 Jahren | 0
Wo man das bei Bloodborne sehr gut sieht, in dem Haus mit dem Opa im Rollstuhl, der schießt (in der nähe der Kleriker Bestie) im Obergeschoss, kann man die Typen hinter den Kisten sehen, aber nicht anvisieren, da die hinter den Hüfthohen Kisten stehen.


NaIzE
vor 3 Jahren | 1
Schöner Test! Ich habe damals mit Dark Souls 2 angefangen und bin seitdem heiß auf die nächste Runde! Habe in den zweiten Teil über 300 Stunden investiert und es nicht bereut. Wenn ich mal zur PS4 greife, wird der hier sofort gekauft.

Farbi11
vor 3 Jahren | 0
Bitte um Entschuldigung für die Dark Souls Fans, aber ich muss irgendwo mein Off-Topic loswerden, da es wohl noch kein Forum gibt: Warum kann man seine eigenen Kommentare nicht ändern? Ich wollte noch eine Information zum Wario Land Test hinzufügen, die mir wichtig ist, weil es die schlechte Note beim Umfang abfedert. Ich kann jedoch weder meinen Kommentar ändern noch einen weiteren ergänzen.

nibez
vor 3 Jahren | 1
Das ändern der Kommentare kann im Nachhinein Diskussionen verfälschen, wir überlegen uns aber momentan eine Lösung für das von dir geschilderte Problem.
Gniest
vor 3 Jahren | 2
Man könnte zB erlauben, dass man Kommentare 10 Minuten nach erstellen noch ändern kann, so sollte es eigentlich keine Diskussion verfälschen, kann aber trotzdem noch fehler verbessern.
Alternativ könnte man auch sagen, man darf Kommentare überarbeiten, bis jemand drauf geantwortet hat.
Das wären meine beiden Ideen für dieses Problem :)


Der R
vor 3 Jahren | 1
Ich würde die zeitliche Steuerung bevorzugen. Grund: Wenn grade dummerweise Jemand direkt nach dir geschrieben hat, kann man bereits nicht mehr editieren. Bei einer zeitlichen Regelung - und wenn es nur 5 Minuten wären, in denen man noch auf "editieren" klicken kann, wäre die Möglichkeit unabhängig davon und jeder hätte quasi die "gleiche Chance" sich zu korrigieren.

prog4m3r
vor 3 Jahren | 1
Oder man kann seinen ursprünglichen Beitrag nicht editieren, sondern lediglich ergänzen sobald es einen neueren Post gibt, ähnlich wie Produktbeschreibungen auf eBay welche man, wenn jemand geboten hat auch nicht mehr verändern darf.

Asinned
vor 3 Jahren | 0
Oder jeder Kommentar hat ne Art Git repository. Das man also auf ältere Versionen zugreifen kann und sieht wer wann was am Kommentar geändert hat. Da möchte ich aber nicht der web master sein, der das integrieren muss^^