Test: CATAN (Switch)

Von Lars Peterke am 25. Juni 2019

Ein Brettspiel-Klassiker auf der Nintendo Switch? Wir verraten euch, ob das Konzept aufgeht.  

Super Mario, Halo, Tomb Raider. Es gibt ein paar Spiele, die hat jeder irgendwann schon einmal auf einer Konsole gespielt. Gleichsam gibt es auch einige Brettspiele, bei denen wohl jeder schon einmal mit am Tisch gesessen hat. So etwa das 1995 von Klaus Teuber erdachte “Die Siedler von Catan” (heute einfach nur: CATAN), bei dem drei bis vier Spieler eine zufallsgenerierte Hexfeld-Insel besiedeln und untereinander Rohstoffe handeln, um so mit Taktik, einer Portion Glück und etwas Geschick siegreich zu sein. CATAN gehört weltweit zu den bekanntesten Brettspielen, weshalb schon seit geraumer Zeit digitale Umsetzungen erhältlich sind.

Siedeln auf der Switch

Über Asmodee Digital haben schon andere Brettspiele ihren Weg auf die Switch gefunden, etwa das Legespiel Carcassonne. Dabei handelte es sich in erster Linie um einen angepassten Port der Tablet-Version. Auch CATAN bildet da keine Ausnahme und basiert auf dem Tablet-Spiel “Catan Universe”. Die Spielinhalte sind hierbei allerdings etwas anders ausgewürfelt worden.

In der Kampagne oder den einzelnen Szenarien spielt man gegen zwei oder drei computergesteuerte Gegner. Diese zwei Modi sind jedoch eine kleine Mogelpackung. Die Kampagne bereitet die einzelnen Szenarien nur vordefiniert auf und müssen von euch in einer festgelegten Reihenfolge absolviert werden. Über den Modus "Szenario" sind aber direkt alle Inhalte von Anfang an freigeschaltet. Da in Sachen Spieltiefe die Luft beim Grundspiel recht schnell dünn wird, gibt es die Erweiterung “Die Seefahrer” gratis oben drauf. Erst damit ergeben sich bei den Szenarien vielfältigere Möglichkeiten beim Spielaufbau und den Siegbedingungen, da ihr nun nicht mehr auf einer Hauptinsel agiert, sondern für das Erlangen bestimmter Rohstoffe oft erst die Segel setzen müsst. Je nach Verteilung der Rohstoffe ist der Handel mit den anderen Spielern dabei unabdingbar.

Der Vorteil einer digitalen Umsetzung ist an dieser Stelle sofort ersichtlich: Das Spielfeld muss nicht erst selbst aufgebaut werden, sondern befindet sich bereits spielfertig auf dem Bildschirm. Auch die Startphase mit dem abwechselnden Bau der ersten Siedlungen und Straßen wird ideal gelöst. Da man für diesen Spielaufbau mit der analogen Variante je nach Szenario gut und gerne über eine halbe Stunde benötigt, ist dies definitiv ein großer Pluspunkt.

Handeln bis der Arzt kommt

Auch im laufenden Spiel selbst wird einem einige Arbeit abgenommen. Immerhin weiß das Spiel immer, wer wann welche Rohstoffe erhält oder abgeben muss. Demnach müssen auch keinerlei Hände quer über den Tisch greifen. Auch gewürfelt wird auf Knopfdruck. Leider findet diese Lobhudelei ihr jähes Ende, sobald man zum ersten Mal auf die unabdingbare Kernmechanik angewiesen ist: das Handeln.

Wie auch im analogen Original werden die Handkarten verdeckt gehalten. Wollt ihr also Handel treiben, müsst ihr im Handelsmenü zunächst eine beliebige Mischung an Rohstoffen selektieren und dadurch definieren, was ihr anbietet und welche Rohstoffe ihr dafür bekommen wollt. Es darf beliebig getauscht werden, also auch 2:2, 1:3. Falls sich alle Mitspieler stur stellen, kann auch mit der Bank getauscht werden. Für vier Rohstoffe der gleichen Art gibt es dann einen beliebigen anderen Rohstoff.

Nun ist es in der Praxis so, dass die computergesteuerten Mitspieler fast nie mit euch tauschen wollen, wenn ihr etwas Feil bietet. Sie folgen stur ihrer Taktik, bei der es im Übrigen keinen einstellbaren Schwierigkeitsgrad gibt. Ferner sind sie im Gegensatz zu menschlichen Mitspielern stumm. In vielerlei Hausregeln etablierte informative Sätze wie “Also ich könnte Stroh” gebrauchen, werdet ihr von ihnen nie hören. Ohnehin gibt es im kompletten Spiel keinerlei Dialogbausteine, die euch einen Hinweis darauf geben, mit welchen Tauschgeschäften ihr tendenziell Aussicht auf Erfolg habt. Die einzige Möglichkeit ist daher wild irgendwelche Kombinationen im Handelsmenü durchzuprobieren, bis endlich jemand anbeißt. Das wird schnell so lästig, dass man komplett von der Möglichkeit des Handelns absieht und nur noch direkt mit der Bank tauscht. 

Umgekehrt dürft ihr pro Spielerzug immer 4-5 Popups ablehnen, wenn eure Gegner wieder einmal versuchen herauszufinden, für welche Rohstoffkombination ihr vielleicht ein Holz hergeben würdet. Auch hier resigniert man sehr schnell und drückt die entsprechenden Hinweismeldungen weg, zumal das simple Blockieren von Tauschgeschäften oft die einzige Möglichkeit ist auf die oftmals zu perfekt spielende KI Einfluss zu nehmen.

Merkwürdiger Content-Mix

CATAN bietet zwar einen Multiplayer-Modus, dieser funktioniert allerdings nur online. Dabei ist dieser ebenfalls auf vier Spieler beschränkt, obgleich die Brettspiel-Vorlage mit Erweiterungen auch mit vier oder sechs Spielern gespielt werden kann. Viele andere rundenbasierte Strategiespiele wie etwa Wargroove oder Battle Worlds Kronos bieten hier auf der Switch einen lokalen Hotseat-Multiplayer. Dieser fehlt hier somit einfach schmerzlich.

Darüber hinaus ist trotz des happigen Preises von 20€ die Erweiterung “Städte und Ritter” hinter einem kostenpflichtigen DLC verborgen. Von der Erweiterung “Händler und Barbaren” fehlt hingegen auch im DLC-Menü bislang jede Spur. Das ist insofern besonders merkwürdig, da diese Erweiterung auch eine Spielvariante für zwei Spieler bereit hält. Eigentlich wie gemacht für die Switch und daher fraglich, wieso diese Erweiterung nicht von Haus aus mit dabei ist. Allerdings haben sich die Entwickler nicht einmal die Mühe gemacht die angepassten Regeln für die Zwei-Spieler-Variante der Kompaktversion “CATAN für Unterwegs” zu integrieren.

Fazit:

CATAN bietet tatsächlich genau was der Name verspricht: eine digitale Variante des gleichnamigen Brettspiels. Leider wäre damit auch der letzte Sargnagel in diesen mittelschweren Totalausfall geschlagen, denn ohne den kommunikativen Aspekt des Originals (der hier auch nicht simuliert wird) kippt das Spielerlebnis nahezu ins Belanglose. Dabei fällt es relativ schwer Kritik an die Entwickler selbst zu richten. Sicherlich gibt es genug Ansatzpunkte, an denen die digitale Umsetzung klüger hätte nachjustiert werden können. Prinzipiell weiß die Umsetzung aber zu Gefallen, gerade im audiovisuellen Bereich. Im Endeffekt muss man aber leider sagen: CATAN auf einer Konsole, das funktioniert nicht so ganz. Und das auch noch zu einem ziemlich hohen Preis, für den die Genrekonkurrenz auf der Nintendo Switch weitaus mehr zu bieten hat. Wir drücken Asmodee Digital die Daumen, dass es mit dem bereits angekündigten Pandemic besser klappt. Dieses bietet mit seinem komplexeren, kooperativen Gameplay einen wesentlich besseren Nährboden für eine digitale Umsetzung. Das hier war aber leider nix.

Wertung:

4.0

Lars Peterke meint:

"Kein lokaler Multiplayer, fehlende Erweiterungen und Varianten, miserables Handelssystem - CATAN bietet leider von allem viel zu wenig."
Spielerlebnis: Mangelhaft
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

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5 Kommentare:


Matthew1990
vor 5 Monaten | 0
"Kein lokaler Multiplayer" - als ich die Überschrift gelesen habe, dachte ich mir "Vllt. lade ich es runter, für ein Spieleabend mit Eltern." Hat sich ja nun erledigt.
Eigentlich sollte die Wertung "0" sein für "das Thema verfehlt". Ein Gesellschaftsspiel ohne eine Gesellschaft zuzulassen. DAS muss man erst einmal hinbekommen. :D

Samus_Aran
vor 5 Monaten | 0
Im ersten Moment hat das für mich sogar Sinn gemacht, da die Handkarten ja geheim sein müssen. Aber da dies wirklich der einzige Grund wäre, hätte man da sicher ein Workaround gefunden. Bei Battleworlds Kronos gibt es wie gesagt local Multiplayer und da wird nach dem Beenden des Zuges von Spieler A so ein dunkler Transition-Screen angezeigt, dann gibst du die Switch weiter und Spieler B drückt dann den Startknopf sobald er loslegen will und keiner gucken kann wo seine Einheiten stehen.
KeeperBvK
vor 5 Monaten | 0
@ Samus: Aber würde dann bei Catan jeder nur dann auf den Schirm gucken, wenn er selbst dran ist? Das wäre auch keine gute Lösung.
Tja, man mag über die WiiU sagen, was man will, aber da hätte man es elegant lösen können: Jeder guckt auf den TV und der Aktive auf das Pad.

Vielleicht hätte man wie bei Super Mario Party hier auch auf mehrere Switches setzen können.


Mithrandir
vor 5 Monaten | 1
Kleiner Tip für's Handeln mit der KI: Man kann auch einfach nur den Rohstoff auswählen, den man braucht - und das was man selber hergeben will einfach offen lassen. Wenn einer der KI-Spieler diesen Rohstoff entbehren kann, macht dieser einem ein Gegenangebot. Dann weiß man zumindest schon mal, dass jemand den gewünschten Rohstoff hat, und kann dann selber noch etwas rumprobieren, falls einem der vom Gegner geforderte Rohstoff nicht passt (manchmal geben die einem sogar mehr als ursprünglich angeboten).

Samus_Aran
vor 5 Monaten | 0
Ich hätte mir einfach Textbausteine gewünscht, die dann auf dem Hauptbildschirm neben den Spieler-Icons angezeigt werden. Damit hätte man das alles umgehen können und es hätte den Titel obendrein auch noch authentischer gemacht.