Test: The Binding of Isaac: Afterbirth+

Nutzer-Story von Matthew am 03. Juni 2019

Konsole: Nintendo Switch

Release: 07.09.2017

Abschlussdatum: 03.06.2019

Spielzeit: ca. 455 Stunden


Spieleinhalt

Ich habe es geschafft alle 403 Secrets freizuspielen, welche u.a. erforderten mit allen  15 Charakteren sämtliche Bosse im Hard Mode zu besiegen, alle Challenges abzuschließen und sämtliche Items und diverse Zusatzaufgaben beendet.

Spieleranzahl

Das Spiel könnt ihr alleine als eine von vielen Isaac-Varianten durchspielen, während bis zu drei weitere Spieler als Coop-Babys mitspielen können. Das Mitspielen eines weiteren Spielers erfordert ein Opfer von Isaacs Herzen, weshalb manche Charaktere sich nur alleine spielen lassen.

Story

Isaac und seine Mutter lebten alleine in einem kleinen Haus auf einem Hügel. Isaac lebte für sich, zeichnete Bilder und spielte mit seinem Spielzeug, während seine Mutter christliche Fernsehsendungen im Fernseher schaute. Es war ein einfaches Leben und beide waren glücklich. Bis zum Tage als Isaacs Mutter eine Stimme vom Himmel vernahm: "Dein Sohn wurde durch Sünden verseucht. Er muss gerettet werden." - "Ich werde mein Bestes geben ihn zu retten, mein Herr", antwortete Isaacs Mutter, rannte in Isaacs Zimmer und entfernte all Böses aus seinem Leben. Erneut sprach die Stimme: "Isaacs Seele ist noch immer beschmutzt. Er muss von allem von der Welt isoliert werden und seine Sünden gestehen." - "Ich werde Euren Worten Befehl folgen, mein Herr. Ich habe Vertrauen in Euch", antwortete Isaacs Mutter, als sie Isaac in seinem Zimmer einsperrte, weggesperrt von allem Bösen der Welt. Ein letztes Mal hörte Isaacs Mutter die Stimme Gottes zu ihr sprechen: "Du hast getan wonach ich fragte, aber ich stelle dennoch deine Hingabe in Frage. Als Beweis deines Vertrauens möchte ich dich um eine weitere Sache bitten." - "Ja, mein Herr. Alles", antwortete Isaacs Mutter bettelnd. "Als Beweis deiner Liebe und Hingabe fordere ich ein Opfer. Dein Sohn, Isaac, soll dieses Opfer sein. Geh in sein Zimmer und beende sein Leben als mein Opfer, um zu beweisen, dass du mich mehr liebst als alles andere." - "Ja, mein Herr", antwortete sie, nahm sich ein Fleischermesser aus der Küche. Isaac erschütterte vor Angst, während er durch ein Spalt in seiner Tür sah. Flüchtend in seinem Zimmer schaute er sich nach einem Versteck um, bemerkte er eine Falltür in den Keller unter einem Teppich. Ohne Zögerung öffnete er die Klappe, während seine Mutter das Zimmer betrat und warf sich hinab in die unbekannten Tiefen...


Review

The Binding of Isaac ist ein düsteres und makaberes Indiespiel, welches mit vielen AddOns etablierte. Die Geschichte selbst ist oberflächlich recht trivial, doch tiefer betrachtet beinhaltet es eine düstere Lore als das gezeichnete Intro offenbart, denn das obrige Zitat aus dem Spielbeginn entstand allein in Isaacs Fantasie, so wie der restliche Verlauf des Spiels. Durch diese depressive Atmosphäre zeichnet sich der Geschmack des Spiels für mich hervorragend aus.

Das Spielprinzip ist zu Beginn leicht erklärt, denn ihr beginnt als kleiner, nackter Junge und weint euch durch die verschiedenen Räume einer Ebene bis ihr euch beim Boss wieder findet und diesen besiegt, damit ihr eine weitere Ebene hinab könnt. Eure Offensive sind meist die Tränen des gequälten Jungen, doch im Verlauf des Spiels könnt ihr allerlei skurrile Änderungen eurer Angriffsmuster wiederfinden. Dabei ist jeder Spielverlauf anders und völlig zufällig zusammen gewürfelt, welche Räume, Items, Bosse oder Gegner euch wann und wo erwarten.

Die Vielzahl an verschiedener Items sorgt dafür, dass The Binding of Isaac ein komplexes Gameplay bietet, welches eurem Jungen grausame Upgrades bieten. Ihr habt vier Arten von primären Collectibles: Münzen bieten euch Währung in Shops, Schlüssel öffnen euch verschlossene Wege, Herzen füllen eure Lebensanzeige auf und Bomben sprengen euch Blöcke weg, doch je nach Upgrade oder Charakter ändert sich euer Spielstil.
Wenn ihr Pyromaniac findet, heilen euch Explosionen, weshalb ihr Bomben eher als Heilmittel, als Wegsprenger verwenden wertet. Money = Power erhöht euren Schaden abhängig eurer Münzanzahl. Herzen könnt ihr ebenfalls als Währung einsetzen, wenn ihr Schmerz durch verfluchte Räume erleidet, Blut an einem Blutspender für Münzen abgebt oder ganze Herzcontainer beim Teufel für starke Items eintauscht. 

Ebenso ist es wichtig eure Ressourcen richtig zu managen: Ihr könnt maximal nur 12 Herzen besitzen. Jedoch könnt ihr eure Herzanzeige über euer Limit hinaus durch Seelen- oder Schwarze Herze erweitern, weshalb ihr immer anpassen müsst, nicht zu viele rote Herze zu besitzen.
Es befinden sich auf den Ebenen geheime Räume, die ihr mit Bomben aufsprengen könnt, welche zu zuerst zufällig versteckt erscheinen, jedoch ein bestimmtes Muster verfolgen und diese sich leichter auffinden lassen. Trotz des Zufallsfaktors lassen sich viele Dinge in eine bestimmte Richtung lenken. So existieren für Räume diverse Item Pools, die eine bestimmte Menge an Items umfasst, wodurch ihr z.B. die Bettdecke primär im Shop finden könnt. Ebenso erhöhen manche Items die Faktoren eure Wunschitems zu finden, z.B. könnt ihr mit einem 6-seitigen Würfel Gegenstände neu würfeln.
Darüber hinaus harmonieren viele Items miteinander, wodurch Kombinationsmöglichkeiten entstehen, um euch noch stärker zu machen.
Nach einem Bosskampf besteht eine bestimmte Chance auf ein Teufelshandel oder Engelsraum zu treffen. Der Teufel verkauft euch starke Gegenstände für Herzcontainer, während ihr von Engeln heilige Gegenstände geschenkt bekommt. Auch hier wirkt es zu Beginn wie reiner Zufall, doch mit bestimmten Punkten lassen sich die Erscheinungen manipulieren. Eure Chancen auf den Teufel zu treffen steigen, wenn ihr keinen Schaden erleidet. Weist ihr ihn jedoch ab, steigen die Chancen auf der nächsten Ebene einen Engelsraum zu erwischen.
Diese wenigen Beispiele für die Komplexität von The Binding of Isaac machen das Spiel zu dem, was es ist: Einem interessanten und immer spannendem Dungeon-Crawler.

Hinzu kommt die düstere und makabere Atmosphäre des Spiels. Der Spielverlauf läuft immer gleich ab: Die ersten 6 Ebenen befinden sich im Kellergewölbe und ihr stoßt auf zahlreiche Gegner, wie aggressive Scheißhaufen, augenlose Zombies, furzende Fettsäcke oder umher schwirrende Fliegen. In den darauffolgenden zwei Ebenen erreicht ihr jedoch den Uterus und müsst am Ende einen riesigen Fötus bekämpfen, woraufhin der Weg sich teilt: Ihr könnt von da an die letzten Ebenen in den Himmel bis zur Truhe gehen oder hinab in die Hölle voran schreiten.
Die Gegenstände verunstalten ebenfalls das Äußere eures Jungen. Diverse Spritzen infizieren ihn oder stecken in seinem Arm, Krankheiten befallen ihn äußerlich, selbst einfache Gegenstände wie Kleiderbügel oder Schrauben rammt sich der Junge in den Kopf, nur um seine Attribute zu steigern.

Die Vielfalt der Spielweisen steigern sich durch unterschiedliche Charaktere. Euch stehen viele verschiedene Varianten von Isaac vor Spielbeginn zur Verfügung: Startet ihr das Spiel als Magdamele, beginnt ihr mit einem Heilitem und mehr Herzen, während Cain weniger Herzen hat, dafür ein höheres Glückattribut. Eve ist eine Emo, der sich durch das Ritzen stärkt, im Spielverlauf wenig wie möglich Herzen besitzen sollte, während The Lost ein Geist ist und jeder Treffer für ihn tödlich ist. Jeder Charakter spielt sich auf seine eigene Weise und erfordert sein eigenes Itemglück.

Für die die nicht genug bekommen, beinhaltet das Spiel noch 35 weitere Herausforderungen, die für ihre eigene individuelle Spielweise angepasst sind, z.B. gibt es die Challenge "I Rule", welche eine kleine Anspielung auf The Legend of Zelda (Hyrule) ist. Ihr spielt das Spiel ausschließlich mit einem Messer, einem Schild, den Bumerang und einer Leiter. Eine andere Challenge lässt euch das Spiel rückwärts spielen oder ersetzt alle normalen mit XXL-Ebenen.

Das Spiel beinhaltet 403 verschiedener Erfolge, die ihr alle freischalten könnt, denn hier lohnt es sich, gerade durch das wiederholte Durchspielen schaltet ihr erst sämtliche Gegenstände, Bosse, Herausforderungen und sogar Ebenen frei. Beispielsweise erwartet euch vor dem Fötus erst einmal das Herz der Mutter bis es ab einem bestimmten Spielfortschritt ersetzt wird.

Ein weiterer Modus ist der Greed Mode, welcher wenige Ebenen bereit hält. Es ist ein kleiner, immer gleich aufgebauter Dungeon, welcher aus einem Hauptraum, zwei Schatzräumen, einem Händler und einem verfluchten Raum besteht. Im Hauptraum könnt ihr über einen Schalter einen Wellenmodus starten, woraufhin nach einer bestimmten Zeit immer neue Gegner hinzu kommen. Jede Welle fügt eine kleine Summe an Münzen hinzu, um euch im Shop neue Gegenstände zu kaufen. Nach Abschluss der ersten 8 Wellen, folgt eine Pause mit zwei Bosswellen. Nachträglich könnt ihr eine freiwillige, schwere Teufelswelle starten, um euch den Teufels- bzw. Engelsraum zu sichern. Solltet ihr alle Ebenen heil überstanden haben, wartet auf euch der Bosskampf Ultra Greed.

Mit all diesen verschiedenen Modi habt ihr - für die Verhältnisse eines Indie-Spiels - ein extrem langes Spiel, welches viel Spielspaß, aber auch Frust mit sich bringt. Das Spiel ist in dem Zeitraum extrem gewachsen und bringt viele Nachteile durch den Zufallsfaktor und den Challenges mit sich. Es gibt Räume, die lassen sich unbeschadet nicht überstehen, wodurch der Schwierigkeitsgrad unfair gehalten wird. Manche Herausforderungen lassen sich ausschließlich nur mit Glück schaffen. The Lost hat die meiste Spielzeit benötigt, da der Glücksfaktor die richtigen Items zu finden UND die glücksbasierten Erscheinungen der notwendigen Schlüssel des Endbosses Mega Satan selten gegeben war. Dadurch entsteht oft das Gefühl von Unfairness, wenn ihr trotz gutem Spielgeschick keine Chance habt das Spiel erfolgreich zu beenden.

Wertung:

8.0 / 10

Matthew meint:

"Wem das makabere Setting nicht abschreckt, bekommt hier einen gerade zu endlosen Content eines spannenden Dungeon-Crawlers besonderer Art."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Sehr gut

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