Test: The Padre

Von Jeremiah David am 17. April 2019

Publisher Feardemic und Entwickler Shotgun with Glitters präsentieren uns ein Point-and-Click-Adventure im Stile alter PC-Abenteuer. Kann der pixelige Gruselspaß überzeugen? Wir haben die Switch-Version für euch getestet.

Der Padre

Padre Alexander befindet sich in seiner schlicht eingerichteten Klosterkammer, als jemand einen Brief von Vater Luca unter der Zimmertüre hindurchschiebt. Kardinal Benedictus ist verschwunden und Alexander soll sich mit seinen speziellen Fähigkeiten auf die Suche nach ihm machen. Der Brief verrät, dass Benedictus im Auftrag der Kirche auf einer wichtigen Mission war und zuletzt in der Nähe des Mississippi-Deltas gesehen wurde. Viel mehr Informationen bekommen wir erst einmal nicht.

Unser Padre kann Benedictus nicht ausstehen, darf als gläubiger Christ jedoch niemandem Hilfe verweigern und macht sich daher gleich auf den Weg zum Mississippi. Weil ein Sturm aufzieht, sucht er den Schutz eines alten Anwesens auf und beginnt dort in bester Luigi‘s-Mansion-Manier die muffigen Zimmer des Herrenhauses zu durchforsten und verschiedenste Rätsel zu lösen.

Die Technik

Genau wie im GameCube- beziehungsweise 3DS-Klassiker rund um Marios Bruder mit der grünen Latzhose werden dem Spieler die Räume des Anwesens mit Hilfe fester Kamerawinkel präsentiert. Allerdings setzt The Padre häufig auf eine isometrische oder eher noch dimetrische Ansicht, die nur einen einzigen Raum ohne angrenzende Zimmer zeigt. Umliegende Gebiete bleiben oft einfach schwarz. Besonders im Handheld-Modus ist das schade. Nicht nur wird der Bildschirm zu wenig genutzt, einige Räume werden dadurch unnötig klein dargestellt. Manche Gegenstände darin sind kaum erkennbar. Sie hätten sicher von einer dynamischeren Kamera und vor allem einem Zoom profitiert. Eine Zoomfunktion hätte auch das Lesen der vielen Briefe und Notizen im Spiel vereinfacht. Die verwendete Schrift ist auf dem Switch-Bildschirm gerade noch lesbar, hätte aber definitiv nicht noch kleiner ausfallen dürfen. Auf einem großen Fernseher entfällt dieses Problem natürlich.

Dass The Padre etwas grob wirkt, ist allerdings nicht nur der Kamera, sondern auch dem Umstand geschuldet, dass sich die Entwickler für einen sehr eigentümlichen 3D-Pixel-Look entschieden haben. Alle Umgebungen bestehen aus sogenannten Voxeln (Volume Elements). Das sind letztlich nicht mehr als unterschiedlich große Quader und Würfel. Schönere Räume erinnern tatsächlich an klassische Abenteuer-Spiele wie beispielsweise das 1992 erschienene Alone in the Dark, lediglich um modernere Lichteffekte erweitert. Häufiger sehen die Umgebungen in The Padre jedoch aus, als wären sie in Minecraft zusammengeschustert worden. Alexander besteht aus wenig mehr als fünf Quadern für Rumpf und Gliedmaßen, sowie einem würfelförmigen Kopf mit zwei weiß leuchtenden Rechtecken als Augen. Nicht jedem Spieler wird dieser minimalistische Look gefallen. Das Spiel profitiert zweifelsohne von dem sehr eigenen Stil, dieser geht jedoch auf Kosten der Details und der Spielbarkeit.

Die Steuerung

Als Folge der festen Kamera lässt sich Alexander nur schwerfällig steuern. Während PC-Spieler einfach mit der Maus auf interessante Gegenstände klicken können, um mit diesen zu interagieren, müssen wir als Konsolenspieler den Padre dagegen immer erst mit dem linken Analogstick auf besagte Gegenstände zubewegen, um dann, je nach eingeblendeter Taste, A, B, X oder Y zu drücken. Auch dieser Aspekt des Spiels erinnert an alte Klassiker, aber nur absolute Nostalgiker werden sich darüber freuen. Spieleserien wie Resident Evil haben sich nicht grundlos von ihren ursprünglichen Steuerungsmechaniken verabschiedet.

Immerhin ist die Steuerung beim Erkunden des Anwesens nicht so schrecklich, dass sie dem Spiel den Spaß raubt. Sie ist größtenteils zweckmäßig. Wirklich nervig ist sie nur während den Kämpfen. Nicht störend, aber zumindest irritierend ist zudem, dass sich die eingeblendeten Tasten zum Anwählen bestimmter Gegenstände abhängig von der Position unseres Charakters ändern können. Ein bestimmter Gegenstand muss also zunächst beispielsweise mit X, Sekunden später aber mit Y angewählt werden, nur weil sich Alexander ein paar Zentimeter bewegt oder umgedreht hat.

Während wir mit dem Analogstick laufen und mit den normalen Buttons mit der Umwelt interagieren, verwenden wir die rechte oben Schultertaste, um das Inventar zu öffnen. Zum Kämpfen benutzen wir die rechte untere Schultertaste, wobei wir Waffen genau wie Tränke zunächst über das Steuerkreuz auswählen müssen. Die Waffen werden benötigt, weil immer wieder Zombies und Dämonen im Herrenhaus auftauchen. Diese meist langsamen Monster bestehen aus dem gleichen Pixelbrei wie alle anderen Elemente des Spiels und sind dadurch eher belustigend als furchteinflößend, allerdings offenbaren sie den schwächsten Aspekt der Steuerung. Alexander darf die Untoten mit einem Brecheisen, einer Machete oder unterschiedlichen Schusswaffen zur Strecke bringen, die festen Kameraperspektiven im dreidimensionalen Raum verhindern jedoch nicht selten ein schnelles, präzises Beseitigen der Gegner. Zu häufig verfehlen Schläge oder Schüsse ihr Ziel. Dies ist besonders zu Beginn des Spiels ärgerlich, weil The Padre über ein Perma-Death-System verfügt, wenn auch nur in abgeschwächter Form. Mit jedem Tod unseres Hauptprotagonisten füllt sich ein kleines Fläschchen mit Engelstränen. Ist das Fläschchen nach zu häufigem Ableben komplett voll, heißt es „Game Over“ und der gesamte Spielfortschritt geht verloren. Im späteren Spielverlauf ist dies zum Glück weit weniger relevant, da sich das Fläschchen an verschiedenen Stellen im Anwesen leeren lässt. Außerdem kann Alexander durch das Trinken einer seltsamen Flüssigkeit aus einem geheimen Brunnen dämonische Fähigkeiten bekommen. Dann wachsen ihm bizarre Tentakel aus dem Rücken und Alexander kann nicht nur Gegner leichter ins Jenseits befördern, sondern auch noch Spiegel als Portale zu geheimen Räumen nutzen. Gerade angesichts dieser Hilfestellungen muss sich Shotgun with Glitters jedoch die Frage stellen lassen, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre das Perma-Death-System komplett wegzulassen. Anfangs ist es nur nervig, später irrelevant.

Die Rätsel

Ab dem Moment, in dem wir zum ersten Mal das Herrenhaus betreten, lebt The Padre weniger von einer zusammenhängenden, spannenden Story als viel mehr von den vielen Rätseln, die uns das Haus bietet. Das Leveldesign und der Aufbau der Rätsel im Haus ähneln dabei sehr Luigi‘s Mansion, wenngleich hier keine Geister aufgesaugt werden müssen und alles etwas düsterer präsentiert wird. Dass sich Shotgun with Glitters tatsächlich von Nintendo hat inspirieren lassen wird spätestens dann offensichtlich, wenn Alexander so nebenbei erwähnt, dass er seinen Bruder Mario vermisst.

In einem Badezimmer schießen Tentakel aus einer blutigen Badewanne und bewerfen uns mit roten… naja… Pixeln. Bringen wir die Tentakel dazu, einen großen Schrank zu treffen, bricht irgendwann die Türe auf und ein Pümpel, mit dem wir die Badewanne leeren können, fällt uns entgegen. Anderswo singt eine „Zombie-Lady“ leise ein Kinderlied. Legen wir ihr eine Puppe ins Bett, bedankt sie sich mit einem Schlüssel.

Insgesamt machen diese Rätsel durchaus Spaß, aber das Niveau der Puzzle schwankt gewaltig. Die meisten sind viel zu einfach, einige wenige dagegen sauschwer. Während so manches Geheimnis des alten Gemäuers mit etwas Nachdenken leicht aufgedeckt werden kann, scheinen andere Rätsel keiner bestimmten Logik zu folgen. Ein altes Buch, das Alexander immer bei sich trägt, bietet Hilfestellungen, ohne die ich stellenweise nicht weitergekommen wäre. In einem Zimmer soll beispielsweise eine alte Standuhr so manipuliert werden, dass wir ein Pendel ausbauen können. Dieses Pendel muss in einem anderen Raum an einem Globus montiert werden. Ohne den Hinweis, dass dem Globus ein Teil fehlt und das Pendel ein bisschen wie ein Mond aussieht, wäre ich sicher nie auf die Idee gekommen die beiden Gegenstände miteinander zu kombinieren. Welcher Globus hat schon einen separaten Mond?

In der Dämonenwelt hinter den Spiegeln ähnelt The Padre weit weniger Luigi’s Mansion. Rätsel werden hier nicht mehr mit Gegenständen gelöst. Stattdessen muss Alexander mit Hilfe von Schaltern Spiegel manipulieren und durch magische Portale springen, um vor seltsamen Wesen zu flüchten. Das schlechte Leveldesign dieser verwinkelten Gebiete kann für Frust sorgen, erst recht weil es in der Dämonenwelt anders als im Herrenhaus keine Checkpoints gibt. Zahlreiche Bugs, die sich durch das Spiel ziehen trüben den Spielspaß noch weiter. Einen besonders kniffligen Abschnitt musste ich einige Male neu starten. Als ich den Abschnitt dann doch endlich geschafft hatte, blieb Alexander an einem Vorsprung hängen und das Spiel stürzte ab. In diesem Moment hätte ich am liebsten den Controller weggeworfen.

Fazit:

The Padre ist kein schreckliches Spiel. Es gibt einige Rätsel, die wirklich Spaß machen. Auch Alexanders flotte Sprüche und die vielen Anspielungen auf andere Spieleserien können gut unterhalten. Aber diesen wenigen Stärken stehen einfach zu viele Schwächen gegenüber. Der Voxel-Look ist sicher nicht jedermanns Sache, die Steuerung ist unpräzise, das Leveldesign unausgewogen. Verschiedenste Bugs, die das Spiel deutlich zu oft zum Absturz bringen, strapazieren zu allem Überfluss die Geduld des Spielers.

Geduldige Rätselfans, die nichts gegen die pixelige Retrooptik haben, dürfen einen vorsichtigen Blick riskieren. Andere Spieler suchen besser nach Alternativen.

Wertung:

6.0

Jeremiah David meint:

"Geduldige Rätselfans kommen auf ihre Kosten, müssen aber eine miese Steuerung und zahlreiche Bugs überwinden."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Sehr gut
Technik: Mangelhaft

Schreibe einen Kommentar: