Test: Octopath Traveler

Nutzer-Story von Matthew am 16. April 2019

Konsole: Nintendo Switch

Release: 13.07.2018

Abschlussdatum: 12.04.2019

Spielzeit: ca. 285 Stunden

Spieleinhalt

Alle acht Geschichten habe ich komplett durchgespielt und sämtliche verfügbaren Nebenquests abgeschlossen. Dazu habe ich mein komplettes Team auf dem maximalen Level von 99 hoch trainiert und jeden der 12 Berufe eingesammelt.

Spieleranzahl

Das Spiel lässt sich nur alleine durchspielen.

Story

Acht verschiedene Reisende treten acht verschiedene Wege an, um ihre eigenen Geschichten zu durchleben:
- Die Priesterin Ophilia, die ihre Reise für das Licht beginnt, um die heilige Pflicht ihrer Schwester zu erfüllen
- Der Gelehrte Cyrus, der seine Reise für die Wahrheit beginnt, um das Geheimnis eines gestohlenen Buches zu lüften
- Die Händlerin Tressa, die ihre Reise für Schätze beginnt, um ihren einzig wahren Schatz zu begegnen
- Der Krieger Olbric, der seine Reise zur Wiedergutmachung beginnt, da er einst versagte seinen König zu beschützen
- Die Tänzerin Primrose, die ihre Reise aus Rache beginnt, um die Mörder ihres Vaters ausfindig zu machen
- Der Apotheker Alfys, der seine Reise für den Beistand beginnt, um den Menschen zu helfen, die krank und in Nöten sind
- Der Dieb Therion, der seine Reise für die Freiheit beginnt, um sein Siegel der Schande zu entfernen, welches er bei einem versagten Raubzug erhielt
- Die Jägerin H'aanit, die ihre Reise für ihren Meister beginnt, da dieser nach der letzten Jagd nicht zurückkehrte

Review

Die 2D-HD-Optik und der atmosphärisch, wunderschöne Soundtrack von Octopath Traveler trägt stark dazu bei, dass es zu einem wundervollen Rollenspiel wird. Die Mischung aus klassischem Retro-Look und Aufpolierung in neuem Glanz der Grafik und Effekte harmonieren hervorragend.

Die Geschichte lässt sich nicht zu einem großen Blockbuster zusammensetzen, sondern verteilt sich in kleine Häppchen auf acht Charaktere, die noch durch verschiedene Nebenquests ergänzend verwoben werden. Mir persönlich hat die Erzählperspektive einzelner Charaktere sehr gefallen und erinnerte sehr stark an damalige Taschenbücher mit vielen Kurzgeschichten. Darunter fällt mir kein persönlicher Favorit auf, da ich alle acht Charaktere im Rahmen gleich spannend empfand. Leider interagieren die Charaktere zu selten untereinander, wodurch ich sehr oft das Gefühl bekam, dass trotz einer 4er-Gruppe der Protagonist der jeweiligen Geschichte immer alleine reiste. Dadurch entstanden oft logische Dialogfehler, wie "Du traust dich wirklich alleine in mein Versteck?", obwohl der Charakter seine drei Gefährten zur Seite hatte. Dennoch boten Bars die Möglichkeiten auf kurze Gespräche unter den Charakteren an. Selbst nach einem Storygespräch gab es die Option auf eine Unterhaltung zweier Charaktere, weshalb es schon den Eindruck hinterließ, sie würden als Gruppe reisen.

In der Oberwelt besitzen alle Charaktere diverse Fähigkeiten, um mit den Menschen zu interagieren, wovon jeweils zwei Charaktere eine Paarfähigkeit haben, z.B. kann Tressa Gegenstände von Menschen abkaufen oder man stiehlt diese durch Therions Fähigkeit. Diese werden primär dazu genutzt, um Nebenquests abzuschließen. Dadurch dauern diese nie lange an, sind dafür durch ihre zusätzliche Extrageschichte kurzweilig und interessant.

Zusätzlich gibt einem das Spiel viele taktische Optionen in der Gruppengestaltung, da wir genug Berufe finden, um unsere Gruppenkombinationen anzupassen. Dazu hat jeder Beruf seine individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften, die alle sehr hilfreich sein können und in guter Kombination effektiv und effizient einzusetzen sind.

Die Kämpfe werden ganz klassisch durch Zufallskämpfe auf der Oberwelt ausgelöst und werden rundenbasiert ausgetragen.
Durch die verschiedenen Berufe könnt ihr im Vorfeld schon auf ein Grundgerüst an Fähigkeiten vorfertigen. Dabei hat jeder Charakter zusammen mit den Gegnern ihre Möglichkeit Aktionen durchzuführen, wobei die Reihenfolge abhängig von der Geschwindigkeit durchgewürfelt wird. Abgesehen von typischen Elementen, wie Angriff, Magie, Items, Verteidigung und Flucht, sind euch für manche Charaktere extra Fähigkeiten angesetzt. So kann Alfys bestimmte Zutaten mischen oder ihr beschwört als H’aanit gefangene Monster. Neben Lebens- und Magiepunkten besitzt ihr noch Boost-Punkte (BP), die sich pro Runde immer um eins auffüllen. Diese lassen sich verwenden, um häufiger Standardangriffe auszuführen oder die Magie zu verstärken, wodurch ihr entweder mehr Schaden mit einem Angriff verursacht oder Verstärkungen länger wirken. Die Waffe eurer Standardangriffe bzw. die verfügbare Magie ist ebenfalls abhängig von euren Berufen, weshalb manche elementar für eure Strategien werden.
Zusätzlich besitzt jeder Gegner Schilde, die sich brechen lassen. Brechen könnt ihr diese für erfolgreiche Angriffe auf den Schwachpunkt, d.h. sollte ein Gegner schwach gegen Dolche (physische Angriffe) oder Eis (magische Angriffe) sein, senkt sich der Schild nach einem erfolgreichen Angriff des jeweiligen Types. Bricht der Schild, verursacht ihr nicht nur mehr Schaden, sondern lasst den Gegner bis einschließlich der nächsten Runde betäubt.
Dadurch, dass ihr nicht nur die Reihenfolge der aktuellen, sondern auch der kommenden Runde sehen könnt, habt ihr damit ein offenes Feld eure Strategie und Aktionen ausführlich zu planen, wann ihr welche Fähigkeiten verwendet, die Schild brecht oder ausführlichen Schaden verursachen wollt.

Der Schwierigkeitsgrad von Octopath Traveler ist bemerkenswert hoch. Wenn ihr euch nicht ausgiebig mit dem System beschäftigt, könnte schon zu Beginn des Spiels recht zeitnah ein Game Over erscheinen.
Ansonsten wären Kritikpunkte anzusetzen an Punkte, die einem das Spielen etwas erleichtern, wie das gemeinsame Leveln der kompletten Truppe. Da jedoch nur die aktuellen vier Leute Erfahrungspunkte erhalten, könnte es vorkommen, dass ihr eine Weile mit Grinding beschäftigt seid.

Wertung:

9,5 / 10

Matthew meint:

"Octopath Traveler bringt viele schöne Kurzgeschichten in Form eines Bilderbuches im klassischen Design mit."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Herausragend

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4 Kommentare:


Denios
vor 5 Monaten | 1
Oha, 9,5 sogar. Mir hat es auch sehr gut gefallen, aber meiner Meinung nach gibt es doch noch ein bisschen Luft nach oben^^

Matthew1990
vor 5 Monaten | 1
Ich muss gestehen, dass ich sehr anfällig für solche Kurzgeschichten "gewöhnlicher" Menschen bin, wie der Krieger, Apotheker, Händlerin, etc. als solche epischen Geschichten des auserkorenen Superhelden. Das hat immer etwas von "Jeder kann ein Held sein". Ich finde solche Geschichten immer sehr schön. :)

Und meine fehlende Expertise in JRPGs spielt da auch eine große Rolle. ^^'
Denios
vor 5 Monaten | 1
ich finde es auch wirklich nicht schlimm, dass es mal kein superepisches Abenteuer mit jeder Menge Plottwists und anderem Kram ist, aber gerade Tressas Story ist wirklich einfach nur superlame. Sie erlebt ja nicht mal selbst was, sondern kriegt nur spannende Geschichten von dem Ex-Piraten erzählt :D Oder H'aanits Story, welche im Prinzip Monster Hunter nacherzählt. --> böses Monster ist da, muss besiegt werden. Wurde besiegt. Happy End.
Und die Charakterinteraktionen fehlen mir wirklich sehr. Ich spiele JRPGs zwar natürlich auch für die Story und das Gameplay, aber sehr wichtig ist mir eigentlich immer, dass ich mich mit der Gruppe, mit der ich umherziehe, wohl fühle und spüren kann, wie sie zusammen ein Abenteuer erleben. Genau deswegen liebe ich ja auch die Bravely-Games, die ja die quasi-Vorgänger von Octopath sind und deswegen hat mich der Aspekt auch so sehr enttäuscht, weil ich genau weiß, dass sie das viel besser können.

Matthew1990
vor 5 Monaten | 1
Ja, die fehlende Gruppeninteraktion hat mir leider auch sehr gefehlt. Ich hätte es echt schön gefunden, wenn es intern der Storys mehr dazu gegeben hätte, statt immer diese kurzen Nachträge, die nichts anderes sagen als "Sah echt übel aus, was dir da passiert, aber geht mich ja nix an."