Test: ISLANDERS

Von Nico Zurheide am 06. April 2019

Ein Kurztest zum frischen Wind im Genre der Städtebausimulatoren.

Um wegbrechende Spielerzahlen oder fehlende Innovationen muss sich dieses Genre zwar nicht sorgen - vor allem durch das seit Jahren quicklebendige und ständig erweiterte Cities: Skylines und das anstehende Anno 1800 sind die Simulationen weiter hoch im Kurs. Doch was kann es einem Genre schon schaden, wenn ein junges Entwicklerteam durch frische Ideen für Abwechslung sorgt? Das Berliner Studio GrizzlyGames konnte sich auf Steam bereits durch seinen Debuttitel Superflight einen Namen machen, hier steuerten wir ein kleines Wingsuit-Männchen durch prozedural generierte Welten und flogen auf der Jagd nach dem nächsten Highscore haarscharf an Wänden vorbei. Durch das gut umgesetzte Gameplay und den niedrigen Preis („ein Spiel für den Preis eines Kaffees“) sorgte Superflight dafür, dass die drei Studenten von GrizzlyGames nun beim Launch ihres neuen Titels deutlich mehr Aufmerksamkeit erhielten.

Städtebau ohne Einstiegshürden

Die Arcade-Flugaction und die Aufbaustrategie haben dabei mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick vermutet werden könnte. In beiden Spielen bekommen wir prozedural generierte Welten vorgesetzt und müssen die zugrunde liegende Spielmechanik bis zum Letzten ausreizen, falls wir den bestmöglichen Highscore erzielen wollen. Islanders ist allerdings keine gewöhnliche Städtebausimulation. Die Entwickler möchten den Spielern auf deren Weg zur eigenen Metropole möglichst wenige Hürden in den Weg legen und wählten folgerichtig für das Gameplay einen sehr minimalistischen Ansatz. Wir haben zu jeder Zeit immer nur eine handvoll Gebäude zum Platzieren zur Verfügung und müssen uns um etwaiges Ressourcenmanagement keine Sorgen machen. Unser einzige Ziel besteht darin, mit den uns gegebenen Gebäuden genügend Punkte zu sammeln, um die nächste Reihe Häuser freizuschalten. So geht es auf einer Insel stetig weiter, bis wir entweder ausreichend Punkte für die Umsiedlung auf eine neue Insel gesammelt haben oder uns vorher die Gebäude ausgehen und wir somit Game Over sind.

Die etwa 30 verschiedenen Gebäude bringen je nach ihrer Umgebung unterschiedlich viele Punkte. Jedes Bauwerk bekommt durch bestimmte Dinge innerhalb seines Radius Plus- oder Minuspunkte. Bedingt durch diese Nachbarschaftsboni geht es zu Beginn jeder Insel natürlich erstmal gemächlich zu und wir halten uns mit Holzfällern oder Ziegelbrennereien über Wasser. Sobald dann erstmal das erste Stadtzentrum und einige Häuser und Villen stehen, geht der Score dem Schneeballprinzip entsprechend schneller nach oben. Spätere Gebäude wie der große Tempel oder das Resort benötigen mehr Platz und sind deutlich anspruchsvoller in der Wahl ihrer Nachbarn, bringen dafür bei richtiger Vorbereitung aber auch immer wieder weit über 100 Punkte. Mit etwas Erfahrung lassen sich so äußerst lukrative Städte errichten, denn alle Gebäude besitzen stets den gleichen Grundriss - außer die Häuser und Villen. Diese treten in verschiedenen und zufällig ausgewählten Formen auf den Plan, passen aber wie Tetrominos wunderbar nebeneinander. So kommt schnell das Gefühl auf, dass Islanders eine Art erweitertes 3D-Tetris ist und es gibt wahrlich schlechtere Spiele, mit denen man einen Titel vergleichen könnte.

Natürlich dürfen Käufer hier nicht zu viel erwarten: Es gibt keine Kampagne, die Aufmachung ist trotz ihrer Ansehnlichkeit immer noch hauptsächlich funktionell, ein Karteneditor wird definitiv nicht mehr nachgereicht und momentan ist der Umfang auch nicht gerade gewaltig. Doch da das Spiel ohnehin eher auf kurze Runden „zwischendurch“ ausgelegt ist und GrizzlyGames zukünftig noch weitere Gebäude ins Spiel implementieren möchte, sollte man diese Kritikpunkte nicht zu schwer gewichten. Kurze Runden, keine Einstiegshürden, simpel gehaltenes Gameplay, bei dem man auch mal vom Bildschirm wegblicken kann... das klingt doch alles wie geschaffen für Nintendo Switch. 

Und tatsächlich haben uns die Entwickler im Gespräch verraten, dass sie Islanders gerne auf die Hybridkonsole bringen würden. Ob und wann so ein Port erscheint, steht derzeit allerdings noch in den Sternen.

Fazit:

ISLANDERS schafft es aufgrund des minimalistischen Ansatzes, das berühmte Paar Style und Substanz in Einklang zu bringen - zuletzt sah ich persönlich diese Eigenschaft im innovativen Zeitlupen-Shooter SUPERHOT (zum NplusX-Test). Damit habe ich in diesem Test bereits Vergleiche zu gleich zwei absoluten Tophits gezogen, ein Beweis für die Qualitäten der Aufbausimulation aus dem Hause Grizzly. Dennoch darf man hier keine Wunder erwarten, fehlen doch noch einige Features und ist der Umfang noch recht beschränkt. Ihr bekommt hier ganz einfach ein entspanntes und gut durchdachtes Strategiespiel, das ihr immer wieder zwischendurch anwerfen könnt. Vor allem auf Nintendo Switch dürfte dieses Spielprinzip einige Anhänger finden.

Wertung:

8.0

Nico Zurheide meint:

"Minimalistischer Städtebau wie ein 3D-Tetris - wunderbar."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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