Twitch denkt über Region Locks nach

Von Andreas Held am 05. April 2019

Aufgrund eines neuen EU-Gesetzes könnten Nutzer innerhalb der EU von Streams ausgeschlossen werden, die aus Nicht-EU-Ländern gesendet werden.

Die EU hat vor einigen Tagen ein neues Gesetz verabschiedet, laut dem in zwei Jahren fast jede Seite im Netz, auf der von Nutzern erstellte Inhalte hochgeladen werden können, mit einem Uploadfilter versehen werden muss, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Diese soll sämtliche urheberrechtlich geschützten Inhalte automatisch erkennen und bereits vor ihrer Veröffentlichung blockieren.

Über Twitch-CEO Emmet Shear äußert sich nun das erste große Online-Portal zu dem neuen Gesetz. Laut Shear seien die Richtlinien extrem restriktiv, weil ein Stream beispielsweise schon dann gesperrt werden müsste, wenn jemand aus seinem Zimmer streamt und im Hintergrund ein an der Wand aufgehängtes Filmplakat zu sehen sei. 

Das Gesetz sehe außerdem vor, dass kein Nutzer innerhalb der EU potentiell urheberrechtlich geschütztes Material konsumieren darf, das von außerhalb der EU gestreamt wird. Dies ließe sich beispielsweise durch Geoblocking, also den Ausschluss von EU-Nutzern von Nicht-EU-Streams realisieren. In den USA gilt hingegen der Grundsatz "Fair Use", durch den urheberrechtlich geschütztes Material grundsätzlich verwendet werden darf, wenn die Nutzung nichtkommerziell erfolgt, der Nutzer dieses mit eigenen Inhalten verändert oder erweitert, nur unwesentliche Teilstücke des Materials verwendet werden und kein wirtschaftlicher Schaden für den Urheber zu erwarten ist.

Twitch ist nur eines von vielen Online-Portalen, das von den neuen Richtlinien betroffen ist. Auch Dienste wie Facebook, WhatsApp, Instagram, Twitter, Youtube, DeviantArt, Reddit oder Pornhub müssen sich in zwei Jahren dem neuen Gesetz anpassen und in der Folge ihr Angebot innerhalb der EU entweder komplett einstellen oder zumindest extrem beschränken. Das Gesetz wurde maßgeblich von CDU-Politikern vorangetrieben; alle anderen deutschen Parteien waren bei der entscheidenden Abstimmung gegen die neue Rechtsprechung.

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1 Kommentare:


Farbi11
vor 2 Wochen | 0
Pornhub? Was ist denn das?

Scherz beiseite. Schlimm genug, dass das Gesetz tatsächlich durchgekommen ist!