Test: Final Fantasy VII (Nintendo Switch)

Von Lars Peterke am 05. April 2019

Der JRPG-Meilenstein für Unterwegs.  

Square Enix ist aktuell fleißig dabei alle Klassiker der Final-Fantasy-Reihe auf Nintendo Switch zu portieren. Nach dem neunten Ableger folgt nun Final Fantasy VII, das seinerzeit in gleich zweierlei Hinsicht ein wegweisendes Videospiel war. Zunächst einmal war es das erste Final Fantasy für die PlayStation und schlug damit technisch ein ganz neues Kapitel voller ungeahnter Möglichkeiten auf. Ferner war es das erste Spiel der Reihe, welches für den deutschen Markt komplett lokalisiert wurde. Für viele JRPG-Fans fing daher alles mit diesem Abenteuer an. 

“Der erste Traum mit offenen Augen”

Ja, beim Marketing von Final Fantasy VII wurde damals ziemlich hoch gegriffen. Und nicht ohne Grund, denn bereits Screenshots ließen erkennen: Hier kommt etwas gänzlich Neues. Wer damals die erste von insgesamt drei Spiel-CDs in seine PlayStation legte, der sah in einer für damalige Verhältnisse bahnbrechenden Rendersequenz das Blumenmädchen Aerith aus einer dunklen Gasse hervortreten, bevor sie kurz darauf in den Straßen der futuristischen Stadt Midgard steht, dem ersten großen Schauplatz in Final Fantasy VII. Hier regiert die Shinra Inc., die mit ihren Mako-Reaktoren die gleichnamige Energie erzeugt und damit langsam aber sicher dem Planeten das Leben entzieht.

Der Spieler schlüpft in die Rolle des Antihelden Cloud Strife. Der ehemalige Elitesoldat ist nun als Söldner unterwegs und schließt sich für einen Auftrag der Rebellentruppe Avalance an, zu der neben ihrem Anführer Barret Wallace auch Clouds Jugendfreundin Tifa Lockheart gehört. Sie wollen den Planeten retten und jagen dazu einen der Mako-Reaktoren von Midgard in die Luft. Natürlich erregt die Gruppe damit Shinras Aufsehen und Cloud muss sich schon bald entscheiden, auf welcher Seite er stehen will. 

In über 50 Spielstunden ist es nun Aufgabe des Spielers die Machenschaften der Shinra Inc. zu beenden und den Planeten zu retten. Dabei gilt es auch zu erfahren, was es mit dem legendären Sephiroth auf sich hat, in welcher Beziehung er zu Cloud steht und welche Schlüsselrolle Aerith in diesem ganzen Konflikt zuteil wird. 

Squaresoft auf dem Höhepunkt ihres Schaffens

Vor der Fusion mit Enix war Squaresoft zur Ära der PlayStation 1 auf dem absoluten Höhepunkt ihres Schaffens. Final Fantasy VII belegt dies mit seiner außerordentlich großartigen Handlung, den tollen Charakteren und der faszinierenden Spielwelt. Auch Hauskomponist Nobou Uematsu lieferte mit dem Soundtrack zu Final Fantasy VII seine vielleicht beste Arbeit ab, die allenfalls mit seinen Kompositionen für Final Fantasy IX konkurriert.

Spielerisch bieten die Entwickler den gewohnten JRPG-Mix, der auf einem rundenbasierten Kampfsystem fußt. Taktisch werden die Kämpfe durch die Verwendung der sogenannten Materia sowie den Limit-Breaks vorangetrieben. Mit jeder Kampfaktion steigt die sogenannte Limit-Leiste des jeweiligen Charakters. Ist sie gefüllt, kann anstelle eines normalen Angriffes die Limit-Attacke ausgeführt werden. Diese Angriffe sind oft besonders stark und können gerade bei schwierigen Bosskämpfen das Zünglein an der Waage sein. 

Die Materia sind für sich zunächst nutzlos. Sie müssen erst dem Slot einer Waffe oder eines anderen Rüstungsgegenstandes zugewiesen werden. Jeder Slot fasst genau eine Materia und macht sie so im Kampf verfügbar. Je nach Materia kann der Charakter im Kampf dann etwa Blitz-Zauber wirken lassen oder einem Teamkameraden Heilung verschaffen. Manche Slots sind miteinander verbunden, sodass gewisse Materia kombiniert werden können. Kombiniert man etwa die Materia “Feuer” mit “Alle”, ist alles bereit für einen Flächenbrand, der allen Gegnern gleichzeitig Feuerschaden hinzufügt.

Nur das Nötigste

Eines der einflussreichsten JRPGs der Geschichte unterwegs spielen zu können, ist für sich genommen schon unglaublich klasse. Etwas beschämend ist es aber dennoch, dass ähnlich wie bei Final Fantasy IX nur das Nötigste getan wurde, um das Spiel für die Switch zu portieren. Die Umsetzung ist baugleich mit den ersten Port-Versionen für PC oder PS4 und macht keinerlei Anstalten ein paar Extrameilen zu gehen. 

Das ist im Falle von Final Fantasy VII besonders schade, denn der Zahn der Zeit nagt auch an diesem Videospiel-Klassiker. Als eines der Frühwerke für die erste PlayStation bietet das Spiel beispielsweise zwar vorgerenderte Hintergründe, die Charaktermodelle hingegen bestehen jedoch nur aus teils arg detailarmen Polygonmodellen. Auch auf ein leicht angepasstes Bildformat muss verzichtet werden. Besonders merkwürdig: Während die Hintergründe einfach nur hochskaliert wurden, kommt bei allen Texten ein Filter zur Glättung zum Einsatz. Dieser lässt sich auch nicht abstellen, sodass man keine Möglichkeit hat den Titel in möglichst originalgetreuer Optik zu spielen.

Fazit:

Eines der großartigsten Rollenspiele der Videospiel-Geschichte erscheint erstmals für eine Nintendo-Konsole. Das ist ein Grund zur Freude, lenkt aber nur bedingt von der doch sehr funktionalen Natur der Portierung ab. Dabei wären ein paar Anpassungen sinnvoll gewesen, da dieses PS1-Frühwerk über die Zeit ein paar Abnutzungserscheinungen angesammelt hat. Wer sich daran nicht stört, bekommt aber eine unumstrittene JRPG-Perle erste Güteklasse, die mit ihren spielerischen, grafischen und storytechnischen Errungenschaften die Gaming-Landschaft nachhaltig geprägt hat und noch bis heute nachhallt.

Wertung:

8.0

Lars Peterke meint:

"Funktionaler Port eines der prägendsten Videospiele aller Zeiten."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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1 Kommentare:


Asinned
vor 4 Monaten | 0
Gab es bei dem Spiel nicht damals zu PS1-Zeiten bereits diesen grausamen PC-Port der eigentlich unspielbar war? Ansonsten habe ich es mal zu PS2-Zeiten gezockt. Schönes Spiel aber Teil 8 fand ich besser. Warum kommt der nicht mal auf Switch?