Test: Trials Rising

Von Andreas Held am 25. März 2019

Trials kehrt zurück - und erscheint zum ersten Mal für eine Nintendo-Plattform.

Gas geben, bremsen und lenken

Die Trials-Serie verinnerlicht seit jeher das etwas zur Floskel verkommene Kredo: "Einfach zu lernen, schwer zu meistern". Denn eigentlich hat sich am Spielprinzip seit Excitebike nichts geändert: Aus der 2,5D-Perspektive steuern wir unser Motorrad und können neben Gas und Bremse nur die Gewichtsverlagerung des Fahrers beeinflussen. Damit müssen wir in der Luft unseren Landungswinkel steuern, um nicht nur ohne Sturz, sondern auch möglichst geschmeidig durch die einzelnen Kurse zu kommen. Die komplexe Physik-Engine und die sehr feinfühlige Steuerung ermöglichen uns jedoch unzählige weitere Tricks, mit denen wir Geschwindigkeitsverluste vermeiden, Landungen abfedern, an Sprunghöhe gewinnen oder diverse Hindernisse überwinden können. Zu Beginn sind diese Manöver nur für die Jagd nach Bestzeiten notwendig - doch im späteren Spielverlauf werden die Trials-Spiele traditionell bockschwer und warten mit Levels auf, die man sonst nur aus Fan-Projekten wie I Wanna Be The Guy oder Kaizo Super Mario World kennt. Ab diesem Punkt des Spiels müsst ihr alle Feinheiten in- und auswendig kennen, um überhaupt eine theoretische Chance zu haben, das Ziel zu erreichen.

Damit trotzdem jeder mit Trials auf seine Kosten kommt, haben die Entwickler einige doppelte Böden eingebaut. Zum einen stellt uns das Spiel ungefähr 100 Strecken zur Verfügung, die erst mit der Zeit immer schwieriger werden. Außerdem haben wir stets die Möglichkeit, auf einfacheren Strecken neue Bestzeiten aufzustellen, dabei neue Medaillen zu ergattern und nebenbei auch unsere spielerischen Fähigkeiten zu verbessern. Unzählige, in sehr kurzen Intervallen verteilte Checkpoints halten das Frustpotential so gering wie möglich. Zu guter Letzt gibt es, als Neuerung in Trials Rising, die Trials Academy - wo uns das Spiel alle fortgeschrittenen Tricks nach und nach beibringt und auf speziellen Kursen mit immer schwieriger werdenden Hindernissen abprüft. Dieser Modus richtet sich nicht nur an Serienneulinge, sondern auch an erfahrene Spieler, die bisher an den allerschwierigsten Strecken gescheitert sind und hier vielleicht den entscheidenden Schub bekommen, um das Spiel zu 100% zu beenden.

Trials Rising punktet mit seinem fantastischen Streckendesign, das nicht nur für einen tollen Spielfluss sorgt, sondern auch mit einem riesigen Ideenreichtum glänzt. Je nach Strecke balancieren wir über die Rotorblätter von Windmühlen oder fliegen im japanischen Gebirge vor der Kulisse einer sternklaren Nacht von Tempel zu Tempel. Wie in einem guten Nintendo-Spiel werden die meisten Ideen nur in einer einzigen Strecke verwendet und wiederholen sich nicht. Außerdem bekommen wir zum ersten Mal einen wirklich motivierenden Karrieremodus, der neben den bekannten Zeitvorgaben für verschiedene Medaillen nun auch optionale Zusatzaufgaben oder Stadion-Rennen gegen K.I.-Gegner zu bieten hat. Durch die hohe Streckenanzahl, den Wiederspielwert und den hohen Schwierigkeitsgrad fährt Trials Rising einen sehr ordentlichen Umfang auf, der den Kaufpreis in jedem Fall rechtfertigt.

"Oh, Ubisoft!"

Rising ist - nach Fusion und Blood Dragon - bereits der dritte Serienableger, der für die aktuelle Konsolengeneration erscheint. Anstelle spielerischer Innovationen (das Trick-System aus Trials Fusion wurde sogar wieder gestrichen) hat sich Ubisoft ein Games-as-a-Service-Korsett für die von RedLynx entwickelte Serie ausgedacht, sodass sich Serienfans nun über Lootboxen freuen dürfen. Diese enthalten neben neuer Kleidung für unseren virtuellen Biker vor allem viel Füllmaterial in Form von Aufklebern. Zwar erhalten wir für jeden Levelaufstieg eine Gratis-Kiste, aber irgendwann ist die maximale Stufe erreicht - danach lassen sich weitere Items fast nur noch durch den Einsatz von Echtgeld erwerben. Freigespielte Outfits und Tanzposen dürfen wir danach in einem synchronen Multiplayer-Modus zur Schau stellen, der aber eigentlich nicht viel bringt, da wir nicht mit unseren Gegnern interagieren können und somit im Prinzip nur Zeitrennen gegen Geistdaten absolvieren.

Ein weiteres zentrales Online-Feature, der Streckeneditor, ist keine Neuheit, aber auch in Trials Rising wieder mit dabei. Im Gegensatz zum Hauptspiel kommt der Editor ohne Tutorials aus und dürfte mit seiner Komplexität, die weit über die des Super Mario Makers hinausgeht, die meisten Spieler überfordern. Wer keine Lust auf das Überwinden der Einstiegsbarriere hat profitiert jedoch immer noch von der schier unerschöpflichen Auswahl an von Nutzern erstellten Strecken, die von den Ubisoft-Servern heruntergeladen werden können; auch wenn die meisten dieser Strecken erwartungsgemäß extrem schwierig ausfallen.

Mit der Switch-Anpassung haben sich die Entwickler jede Mühe gegeben, aber leider auch klar erkennbare Schwierigkeiten mit den Beschränkungen der Switch-Hardware gehabt. Fans der Hybridkonsole müssen sich ein erhebliches Grafik-Downgrade, eine niedrigere Auflösung und 30 statt 60 FPS gefallen lassen - dafür ist die Bildrate in der Switch-Version stabil, während alle anderen Konsolenversionen mit Framerate-Einbrüchen zu kämpfen haben. Auch ein Spielabsturz ist uns beim Testen begegnet. Noch schlimmer ist jedoch, dass die Switch-Controller über keine analogen Trigger verfügen - dosiertes Gasgeben und Bremsen aber schon im ersten Tutorial-Level sehr wichtig wird. Die schwierigsten Strecken sind mit digitalen Triggern schlichtweg nicht bespielbar. Als Workaround können wir mit dem rechten Analogstick die Geschwindigkeit regulieren oder sogar einen Gamecube-Controller anschließen.

Fazit:

Serienfans bekommen mit Trials Rising einen eher inkrementellen Nachfolger, der bahnbrechende Features vermissen lässt. Stattdessen wurde das Geschicklichkeitsspiel in ein Games-as-a-Service-Korsett gezwängt, das die nervigsten Elemente derartiger Titel plump kopiert - ohne dass sich irgendjemand bei Ubisoft gefragt hätte, ob diese Elemente auch wirklich eine Bereicherung für die Trials-Serie darstellen. Dem klassischen Gameplay stehen die Online-Features jedoch zum Glück nicht im Weg - und dieses ist dank des tollen Trainingsmodus, der sich auch an fortgeschrittene Spieler richtet, und des ideenreichen Streckendesigns so gut wie eh und je. In die von uns getestete Switch-Anpassung ist erkennbar viel Arbeit geflossen - trotzdem ist sie klar die schlechteste aller erhältlichen Versionen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.0

Andreas Held meint:

"Wer Lust auf einen Trials-Nachfolger hat, bekommt hier genau das, was er erwartet."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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1 Kommentare:


_Kate_to_Switch_
vor 4 Monaten | 0
Ich find das Spiel toll, wie auch schon die Vorgänger. Und jetzt auch endlich unterwegs spielen ist bei dem Spiel ebenfalls verdammt cool.