Test: Final Fantasy IX

Von Michael Prammer am 14. März 2019

Square Enix bringt nach und nach seine Final-Fantasy-Klassiker auf die aktuellen Konsolen. Wir haben uns Teil IX für Xbox One und Nintendo Switch angesehen.

Erzählerische Meisterleistung

Das Prunkstück des Abenteuers ist ganz klar die Geschichte, die mit zu den besten Erzählungen gehört, die es bis dato in einem Videospiel zu erleben gibt. Dabei spielen vor allem die unterschiedlichen erzählerischen Perspektiven eine wichtige Rolle, die den Spieler immer wieder mit Ortswechseln überraschen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Man begleitet einen Truppe von Dieben in die Stadt Alexandria, um die Entführung der dort ansässigen Prinzessin zu inszenieren. Der Coup soll mittels eines Theaterstücks als Ablenkungsmanöver auf die Beine gestellt werden und erweist sich als ziemlich einfache Angelegenheit. Eure Majestät hatte ohnehin vor, das königliche Leben hinter sich zu lassen und lässt sich vom Protagonisten Zidane und seiner Gefolgschaft liebend gerne „mitnehmen“. Während der Flucht aus dem Königreich geht jedoch einiges schief und plötzlich ist die Prinzessin tatsächlich verschwunden. Zidane begibt sich umgehend auf eine Rettungsmission.

Das wirklich Faszinierende hierbei ist nicht der Plot mit der entführten Prinzessin, der in beinahe jedem zweiten Videospiel auf der Speisekarte steht. Der erzählerische Geniestreich ist den Schreiberlingen mit den bereits erwähnten Perspektivwechseln gelungen, die dem Spiel immer wieder frischen Wind verleihen. So entstehen in den ersten Spielstunden bereits drei Storystränge, die allesamt zu einem Ziel führen und schließlich gemeinsam enden. Als Beispiel: Zidane plant das Theaterstück und die Entführung. Wächter Steiner will diese verhindern und begibt sich innerhalb des Schlosses auf die Suche nach der Blaublüterin. Und ein dritter Erzählstrang bringt den kleinen Schwarzmagier Vivi auf den Plan, der mithilfe aller möglichen Tricks versucht, das Theaterstück zu besuchen. Langweilig oder verwirrend ist das in keiner Phase des Spiels, vielmehr wird die gesamte Geschichte aus vielen Blickwinkeln erzählt und beschert viele „Aha“-Effekte.

Klassisches RPG

Spielerisch sollte man Final Fantasy eigentlich kennen, ist man in der Welt der Videospiele zu Hause. Es handelt sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel, das mit einigen Echtzeitelementen aufwartet. Hierbei hat man nicht ewig Zeit, seinen nächsten Zug oder seine nächste Aktion zu planen, sondern muss sich schon etwas sputen, da die Gegner nicht gerade zimperlich sind und schon gar nicht auf den Spieler warten. So muss der Energiebalken, der die Bereitschaft für eine neue Aktion signalisiert, immer im Auge behalten werden. Anschließend sollte man abwägen, ob es Zeit für den nächsten Angriff ist, oder ob der Energiehaushalt in Ordnung gebracht werden sollte. Hierbei spielt auch eine Rolle, wie groß die aktuelle Zusammenkunft der Helden gerade ist und wie viele Gegner gegenüber stehen. Wie es sich für ein japanisches Rollenspiel gehört, sind viele Kämpfe zufallsgeneriert und ihr werdet oftmals ohne Vorwarnung angegriffen. Das mag nicht jedermanns Sache sein, da an einigen Stellen die Angriffsrate etwas zu hoch ausfällt und kaum Zeit zum Durchschnaufen scheint. Allerdings gehört das nun mal zum Genre dazu.

Siegreiche Kämpfe verbessern den Charakter, bringen Geld und dadurch auch neue Waffen und Ausrüstungen. Sonderfähigkeiten, sogenannte Abilities, dürfen den einzelnen Protagonisten in begrenzten Slots zugeteilt werden und lassen diese unterschiedliche Spezialmanöver ausführen. Diese können hilfreicher Natur sein und zur Heilung und Stärkung der eigenen Truppe beitragen, oder starke Angriffe entfesseln. Besonders nützlich sind zum Beispiel automatische Heilungen, die sich ein Charakter aneignen kann. So verwendet dieser mit einer Spezialfähigkeit einige Runden automatisch Heiltränke, ohne dass man sich als Spieler selbst darum kümmern muss. Das kann in einem hektischen Kampf oder bei einem schweren Boss schon der Weg zum Sieg sein.

Optische Magerkost

Ein wichtiger Aspekt in einem Remake ist immer die technische Seite. Die Xbox-One-Version und die Nintendo-Switch-Variante sind jeweils Portierungen des PC-Remakes aus dem Jahr 2016. Getan hat sich technisch rein gar nichts, das Spiel ist optisch leider nicht auf der Höhe der Zeit. Es existieren einige hübsche Hintergründe und die Charaktere sehen auch nicht unbedingt übel aus. Allerdings wirkt alles aufgesetzt und lediglich die vorgerenderten Zwischensequenzen können wirklich überzeugen. Von der Optik abgesehen ist das Spiel technisch relativ solide aufgestellt und kommt ohne nennenswerte Makel aus. Allerdings, wie bereits erwähnt, kocht das Abenteuer auf grafischer Sparflamme und wird nicht jedem schmecken. Der Soundtrack ist hingegen nach wie vor überragend. Leider wiederholen sich einige Musikstücke sehr oft und auf eine Sprachausgabe wurde ebenfalls verzichtet. Alles in allem bleibt der fade Beigeschmack und der Gesamteindruck, dass die Entwickler einfach auf den schnellen Groschen aus sind und sich nicht mit voller Hingabe auf das Spiel gestürzt haben. Ein bisschen mehr Herzblut hätte die Neuauflage verdient gehabt.

Fazit:

Final Fantasy IX ist eines der besten Rollenspiele, das ich je spielen durfte. Und ich bin es - wohlgemerkt - erst im Jahr 2019 angegangen, die Serie ging in meiner Kindheit an mir vorbei. Unter dem Motto „lieber spät, als nie“ erlebte ich eine wunderschöne Geschichte, die durch ihre ständigen Wechsel eine unglaubliche Atmosphäre schafft. Der Soundtrack ist auch zur heutigen Zeit einfach unglaublich gut gelungen und wenn überhaupt, dann stört die fehlende Sprachausgabe, die sich manch einer wohl dazu wünscht. Was etwas enttäuscht, ist die fehlende Hingabe der Entwickler. Es war den Herrschaften scheinbar nicht besonders wichtig, eines der besten Rollenspiele der letzten Generationen ordentlich neu aufzulegen. Lieber wird hier mit bereits bestehendem Softwaregut eine schnelle Münze gemacht. Das ist einfach nur schade, auch wenn dieses Remake „nur“ etwa 20 Euro kostet. Nichtsdestotrotz kann jeder Rollenspielfan noch einmal eines der grandiosesten Rollenspiele überhaupt erleben.

Von uns getestet: Xbox-One-Version

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Remake auf Sparflamme, das allerdings immer noch zu faszinieren weiß."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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2 Kommentare:


Asinned
vor 2 Monaten | 0
FF9 ist ehrlich gesagt der Teil der Reihe den ich nie durchgespielt habe gerade weil der Spielablauf und die Story sich total langweilig präsentieren. Bei dem genannten Beispiel handelt es sich um den Anfang des Spiels. Danach kommt aber Story unmotiviertes geh mal durch Höhle X und Wald Y, dass ich nie lang ausgehalten habe. FF7 und 8 haben mich damals deutlich mehr gefesselt.

Denios
vor 2 Monaten | 0
ich werde das Spiel auf jeden Fall noch nachholen, aber höchstwahrscheinlich auf der Vita, wo es die Hälfte kostet...