Test: Devil May Cry 5

Von Michael Prammer am 12. März 2019

Devil May Cry erscheint endlich wieder auf der großen Videospielbühne und kehrt dabei zu seinen Wurzeln zurück. Nach dem durchaus umstrittenen Reboot des ersten Teils kommt der fünfte Ableger Serienfans wieder vollends entgegen.

Die Story von Devil May Cry 5 beginnt hektisch und actiongeladen. Einer von insgesamt drei Protagonisten im Spiel, Nero, wird zu Hilfe gerufen, um den berühmten Dämonen-Killer Dante zu unterstützen, der sich im Kampf gegen ein übermächtiges Wesen befindet. Jedoch ist Nero komplett chancenlos und kann nur mit sehr viel Glück und Unterstützung eines weiteren Hauptdarstellers, nämlich des mysteriösen V, die Flucht ergreifen. Damit hätten wir den Hauptcast von Devil May Cry 5 auch schon komplett. Nach dieser Sequenz kommt es zu einem Zeitsprung und wir finden uns ein paar Wochen später wieder, wo nun das eigentliche Abenteuer beginnt. Die Hintergrundgeschichte ist nicht sehr innovativ, erfüllt aber ihren Zweck: Eine Dämonen-Horde hat es auf die Menschheit abgesehen und das Helden-Trio um Nero, V und später auch Dante, müssen dem bunten Treiben ein Ende setzen.

Trio Infernale

Warum ist Dante erst später ein Thema? Nun, dieser hat zunächst einige Schwierigkeiten und spielt in den ersten Missionen noch überhaupt keine Rolle. Dafür tummeln sich in der Welt von Devil May Cry 5 andere interessante Personen, wie die schrille Waffenexpertin Nico. Sie zählt nämlich genau zu der Art von Charakteren, die dem Spiel interessante Dialoge verleihen und die Story gekonnt aufpeppen. Denn so toll diese auch durch die teils pompösen Zwischensequenzen inszeniert wurde, so uninspiriert wirkt das ganze Spektakel aus erzählerischer Sicht. In den Filmchen, die es vor allem zu Beginn einer Mission sowie vor jedem Endboss zu bestaunen gibt, geht es vor allem nur um die flotten Sprüche der Protagonisten. Außerdem werden die drei Helden in jeder Szene so cool wie nur möglich dargestellt. Eine wirklich tiefgründige Story wird in den 15 Stunden, die das Spiel ungefähr in Anspruch nimmt, nicht auf den Bildschirm gebracht. Die eigentliche Geschichte wird zudem vor allem in kurzen Textboxen vor den Missionen und im Hauptmenü in einer Rückblende vorgetragen. Hier können sich auch Serienneulinge ein Bild vom Devil-May-Cry-Universum machen, falls sie noch kein Spiel der Reihe gespielt haben.

Das Abenteuer selbst kann am ehesten als Hack'n'Slay-Adventure eingeordnet werden. Ihr kämpft euch in einem linearen Level von A nach B und steht am Ende jeweils einem großen Endboss gegenüber. Dazwischen wartet eine Vielzahl an Gegnertypen, die möglichst stylisch und abwechslungsreich zur Strecke gebracht werden möchte. Dabei werden die Gegner meistens in eine Art Arena zusammengepfercht und lassen den Held erst dann weiterziehen, wenn alle Gegner besiegt sind. Je nachdem wie cool der Held sich der Unterweltwesen entledigt, desto mehr sogenannte rote Orbs gibt es zu verdienen. Diese benötigen wir wiederum zum Aufwerten bestimmter Fertigkeiten im Spiel. Obwohl das grundsätzliche Leveldesign relativ geradlinig daherkommt, gibt es hier und dort ein paar verwinkelte Ecken und einige Geheimnisse zu entdecken. Großartig verlaufen kann man sich allerdings fast nie und die Abzweige dienen lediglich dem Entdecken von Bonusmissionen oder Extra-Orbs.

Geradlinige Level, trotzdem viel Abwechslung

Die drei Helden sind es vor allem, die dem Spiel eine spielerische Abwechslung verleihen; auch wenn der Charakter beim erstmaligen Durchspielen nur ganz selten gewählt werden darf und die meisten der 20 Missionen klare Charakter-Vorgaben haben. Nero ist ein Hitzkopf, der mit einem Schwert und Pistolen ausgestattet auf Dämonen-Jagd geht. Außerdem benutzt der Jüngling eine Armprothese, welche sich durch verschiedene Aufsätze unterschiedlich einsetzen lässt. Da wären zum Beispiel Explosionsgeschosse, aber auch extravagante Aufsätze wie Pasta-Prothesen. Für Mega-Man-Fans wartet zudem eine besondere Überraschung, die sich an dieser Stelle wohl jeder selbst denken kann. Die Aufsätze sind nicht unbegrenzt einsetzbar und verlieren bei einem Gegentreffer an Wirkung. Dafür lassen sich diese immer wieder im Spiel finden und sogar im Waffenladen von Nico via Orbs herstellen.

V hat hingegen ganz andere Fertigkeiten. Er ist dazu im Stande mächtige Wesen heraufzubeschwören, die ihm den Kampf deutlich erleichtern. Nachdem seine beschworenen Freunde die „Drecksarbeit“ erledigt haben, widmet sich der etwas sonderbare Genosse mit einem Finishing-Move nur noch den Feinheiten des Kampfes. Das spielt sich lange nicht so actionreich wie bei den anderen Beiden, hat jedoch auch sehr interessante Züge und ist vor allem von viel Taktik geprägt. 

Der letzte im Bunde, Dante, ist der Mann für das Grobe. Er setzt auf Schwert und dicke Wummen. Ihm fehlen gänzlich Besonderheiten und so spielt sich Dante zwar solide, aber am wenigsten aufregend, im Vergleich zu den beiden anderen Helden. Eines haben alle drei Helden aber gemeinsam: Sie dürfen im Waffenladen durch Orbs aufgelevelt werden. Rote Orbs werden im Spiel verdient, jedoch gibt es leider noch eine zweite Methode, um an das Bezahlgut zu kommen.

Lächerlicher Melkversuch

Capcom ist auf die glorreiche Idee gekommen, Orbs im jeweiligen Online-Store der Konsolen für Echtgeld anzubieten. Dadurch wäre man im Prinzip in der Lage, seinen Charakter zu Beginn des Spiels komplett zu überleveln und sich damit einen gehörigen Vorteil im Spiel zu verschaffen. Durch die Orbs lassen sich nämlich nicht nur Fertigkeiten für Waffen und Helden freischalten, sondern auch die Gesundheitsanzeige aufrüsten und Wiederbelebungspunkte kaufen. Damit lässt sich das Spiel lächerlich einfach machen, wobei die Schwierigkeitsgrade im Spiel sowieso relativ fair sind und diese Art der „Spiel-Hilfe“ getrost ignoriert werden kann. Es gib genügend Orbs im Spiel zu finden und wer einmal knapp bei Kasse sein sollte, der versucht einfach die ganzen Bonus-Level zu finden oder spielt einfach einen Level nochmal. All das ist definitiv besser, als sein hart verdientes Geld im spielinternen Shop auszugeben.

Technisch gesehen ist Devil May Cry 5 wirklich super geworden. Das Spiel sieht insbesondere in der ersten Hälfte des Spiel umwerfend aus und kann mit einem fantastischen Detailreichtum beeindrucken. In der zweiten Hälfte des Spiels, wenn es dann mehr oder weniger fast nur noch in die Unterwelt geht, fehlt es dem Titel jedoch an optischer Abwechslung, wenn auch die Grafik immer noch sehr gut ist. Hier sehen jedoch viele Passagen einfach zu ähnlich aus und man wünscht sich die abwechslungsreicheren Kulissen der ersten Missionen wieder. Die größte technische Schwäche zeigt sich jedoch bei der Kamera. Zwar lassen sich Gegner fixieren, jedoch hilft in vielen Kämpfen mit mehreren Gegnern nur lästiges nachjustieren. Da kann hier und da schon einmal die Übersicht flöten gehen, was es euch erschwert in den Levels durch Kombos hohe Punktzahlen zu erreichen. Der Soundtrack ist hingegen gut gelungen, auch wenn man sich mit sehr viel Rockmusik arrangieren muss. Ab und zu hallt etwas epochale Chormusik durch die Lautsprecher, was in so einem Spiel nicht fehlen darf.

Fazit:

Devil May Cry 5 ist unter dem Strich ein sehr gutes Spiel geworden, mit dem sowohl Fans der Serie als auch Neueinsteiger definitiv ihren Spaß haben werden. Das zu Beginn famose Leveldesign mag zwar geradlinig sein, bietet aber dank der unterschiedlichen Charaktere und den kolossalen Bosskämpfen jede Menge Unterhaltung. Zudem spielt sich der Titel durchgehend gut und sorgt so für jede Menge Spielspaß. Auch die wunderschöne Optik, die fantastisch aussenden Bosse und die super designten Protagonisten gefallen in vollem Umfang. Dass die Spielwelt zum Ende etwas abflacht und das grandiose Design des Spielbeginns nicht ganz gehalten werden kann, enttäuscht nur bedingt. Die etwas belanglos inszenierte Geschichte, die einzig und alleine auf die Coolness der Hauptdarsteller abzielt und das eigentliche Geschehen etwas aus dem Fokus verliert, fällt da schon eher ins Gewicht. Dies gilt auch für die hin und wieder auftretenden Kameraprobleme. Ganz und gar nicht gefallen haben uns jedoch die Mikrotransaktionen, mit denen man sich theoretisch das Spiel durch Fähigkeiten und Continues lächerlich einfach erkaufen kann. Dass Capcom keine andere Möglichkeit der nachträglichen Monetarisierung eingefallen ist halten wir für bedenklich, was Grund genug für einen Punktabzug ist.

Zweite Meinung von Lars Peterke:

Capcom setzt im Jahr 2019 ganz offenkundig auf Qualität. Nach Resident Evil 2 kann auch der nunmehr fünfte Teil von Devil May Cry überzeugen. Das liegt neben der optisch rundum gelungenen Präsentation mit seinen erstklassig in Szene gesetzten Zwischensequenzen am lupenreinen Gameplay, bei dem das Spiel souverän zwischen den drei Hauptprotagonisten alterniert. Diese bieten jeder für sich genug Varianz und Abwechslung. V als Neuzugang spielt sich hervorragend frisch und sorgt somit dafür, dass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Das kann man höchstens von der Ausgestaltung späterer Missionen behaupten, bei denen sich insbesondere in den eher höllischeren Levelumgebungen die Frage häuft, ob man den aktuellen Korridor nicht schon 4-5 Mal in optisch fast identischer Form durchlaufen hat. Auch die integrierten Microtransactions kann man kritisieren. Tatsache ist jedoch, dass diese fast schon mutwillig vor den Augen der Spieler versteckt wurden und erst bei der Abwahl eines vorselektierten Bestätigungsfeldes beim Kauf von Fähigkeits-Upgrades angezeigt werden. Dies sind aber alles eher kleinere Fußnoten. Devil May Cry 5 setzt die Messlatte für das Hack & Slay Genre gekonnt und spielt sich weitaus runder als der vierte Teil. Gut gemacht, Capcom!

Von uns getestet: Xbox-One-Version

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Beinahe rundum gelungenes Spiel mit herausragender Optik und nur kleinen Mängeln, jedoch mit bedenklichen Mikrotransaktionen."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


Falcon
vor 8 Monaten | 1
Schöner Test - werde es mir demnächst auch gönnen :)