Labo-VR: Meinungen der Redaktion

Von Die Redaktion am 09. März 2019

Die Gerüchte waren schon länger da, auch wenn von offizieller Seite immer wieder ein Dementi kam. Seit kurzem wissen wir aber sicher, dass Nintendo den Schritt in die virtuelle Realität wagt, wenngleich das japanische Unternehmen einen kleinen Umweg dafür in Kauf nimmt. Ausgerechnet das teils umstrittene Baukasten-System Nintendo Labo, das noch nicht lange auf dem Markt ist und bisher für gespaltene Meinungen gesorgt hat, soll Switch-Spielern den Einstieg in VR ermöglichen. Kann das gut gehen? Wir haben einige Meinungen dazu gesammelt:

Michi: Einige Fragen wurden zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet. Der wichtigste Aspekt dürfte ganz klar die Auflösung der Konsole sein und das damit verbundene Dilemma, wie man denn die virtuelle Realität auf dem Bildschirm darstellen möchte. Wir dürfen gespannt sein, wie es Nintendo hinbekommt, die geringe Auflösung des Switch-Bildschirms in ein vernünftiges Spielerlebnis zu transferieren. Klar ist, obwohl Nintendo von vornherein die Zielgruppe auf Kinder und Familien ausgelegt hat, wollen auch diese Personengruppen keinen Pixelmatsch in der Pappbrille sehen. Selbiges gilt auch für neugierige Spieler, die einer ganz anderen Zielgruppe angehören und welche Nintendo in Hinblick auf VR-Tauglichkeit nur zu gerne testen möchten.Die Grundidee, das gesamte Paket in Labo zu verpacken, ist ziemlich geschickt. Nintendo schraubt die Erwartungshaltung herunter und zeigt dem Kunden ganz klar die Grenzen des Möglichen.  Wenn Kritiker das VR-Paket nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen und jeden noch so kleinen Fehler ausschlachten, kann sich Nintendo getrost zurücklehnen und auf die beschränkten technischen Möglichkeiten des Labo-Sets verweisen. Statt auf ein reinrassiges VR-Erlebnis, legt Nintendo einen Fokus aufs Experimentieren und Basteln. Der Spieler wird im schlimmsten Falle selbst bei einem mangelhaften technischen Erlebnis immer noch mit einem tollen Bausatz „entschädigt“, zumal es nur schwer vorstellbar ist, dass Nintendo einen komplett unausgereiften Hardwareschrott auf den Markt bringt – irgendetwas haben sich die klugen Köpfe bei dem Konzept mit Sicherheit gedacht.

Ganz klar punkten kann Nintendo außerdem bei den Preisen. Laut der Ankündigung soll das günstige Einsteigerpaket 40 US-Dollar kosten, was bei uns mit 40€ zu Buche schlagen würde. Wer die vielen Toy-Con-Erweiterungen des größeren Sets nicht braucht, bekommt für 40 Euro also einen relativ preiswerten Einstieg in die Welt des VR. Zum Vergleich: Sonys VR-Brille kostete zum Start gar das Zehnfache und ist selbst jetzt nicht für weniger als 200€ zu haben, wenn auch der Vergleich etwas hinkt, da man auf Sonys Systemen ein ganz anderes VR-Erlebnis zu erwarten hat, als auf Nintendos Hybridkonsole. Microsoft hält sich, trotz stärkster Konsole auf dem Markt (XBOX One X) mit dem Thema virtuelle Realität noch vornehm zurück und überlässt das Feld der Konkurrenz.

Es kommt einem fast so vor, als wolle Nintendo die Konkurrenz veralbern. Während man bei Sony zum Start ein kleines Vermögen auf den Tisch legen musste und nicht viel mehr als Tech-Demos geboten bekam, hat sich Microsoft noch überhaupt nicht zum Thema VR bewegt. Da kommt Nintendo mit seinem letztjährigen Pappspielzeug um die Ecke, was wohlgemerkt nicht gerade der erhoffte Verkaufserfolg war, und steckt dort die virtuelle Realität rein. Um kein Risiko einzugehen und von Anfang an klarzustellen, dass ja niemand zu hohe Erwartungen an das System haben sollte, steckt Nintendo die Zielgruppe gekonnt ab, mit dem Hintergrundwissen, dass es genügend Leute gibt, die bei den Preisen durchaus in das Thema „reinschnuppern“ werden. Was schlussendlich geboten wird, bleibt abzuwarten. Es wäre aber verkehrt Labo-VR jetzt schon als Reinfall abzustempeln. Obwohl die technischen Möglichkeiten beschränkt sind, wird uns Nintendo sicherlich keinen halbgaren Mist andrehen. Das würde doch sehr verwundern.

Jerry: Nintendo kündigt ein VR-Set an? Klammheimlich auf der eigenen Webseite nur wenige Tage nach einer Direct? Ohne Pressemitteilung? Ohne Trailer?Nintendos Marketingspezialisten werden Labo VR sicher nicht grundlos ohne großes Trompeten und Fanfaren angekündigt haben. Ich bleibe mehr als skeptisch, beobachte die Lage jedoch aus sicherer Distanz.

Rein technisch gesehen kann Labo VR nicht dieselbe Erfahrung bieten wie PS VR, Oculus Rift oder HTC Vive. Die PlayStation VR-Brille arbeitet mit 960 x 1080 Bildpunkte pro Auge. Die Switch bietet im Handheld-Modus dagegen eine Auflösung von 1280 x 720. Pro Auge wären das maximal 640 x 720 Pixel. Betrachtet man die wenigen Bilder zur Peripherie wird zudem schnell klar: Das Papp-Headset wird nicht am Kopf befestigt, sondern muss stets mit den Händen gehalten werden. Längere VR-Sessions sind damit unabhängig von der Leistung und der Auflösung der Switch ausgeschlossen.

Trotzdem kann ich Kollege Michi kaum widersprechen. Nintendo positioniert Labo VR nicht als Alternative zu den "großen" VR-Sets. Stattdessen wird das Ganze hier als Spielzeug vermarktet, beziehungsweise als (relativ) preisgünstiger Einstieg in ein Feld, das heutigen Nintendospielern noch mehr oder weniger unbekannt sein dürfte (den Virtual Boy ignorieren wir an dieser Stelle geflissentlich). Nur: Dementsprechend sollten eben auch die Erwartungen ausfallen. Wer ein bisschen basteln und gerade unter die Oberfläche des Themas VR eintauchen möchte, macht mit Labo-VR vermutlich nicht viel falsch, wer dagegen ein vollwertiges VR-Erlebnis sucht und das nötige Kleingeld besitzt, der sollte sich eher bei der Konkurrenz umsehen.

Schniko: Nintendo wird also zwei VR-Sets im Rahmen der Labo-Serie auf den Markt bringen. Und bisweilen sind Nintendo-Produkte ein wenig wie Tierwelpen. Auch wenn sie etwas tollpatschig und ungelenk daherkommen, so sehen sie immer noch irgendwie sympathisch und putzig aus. Kollege Jerry hat es treffend analysiert: Nintendos überraschend präsentierte VR-Brille dürfte bei Weitem nicht mit Playstation VR, HTC Vive und Co. vergleichbar sein und tatsächlich eher den Charakter eines lustigen Spielzeugs haben. Ich kann natürlich nicht seriös einschätzen, wie gut Nintendos VR-Erlebnis funktionieren und wie genau es sich anfühlen wird. Ich möchte hier aber auch mal die Grundsatzfrage stellen, ob ein VR-Headset, so rudimentär es auch sein mag, überhaupt für die angepeilte Zielgruppe geeignet ist. Im Gegensatz zum Nintendo 3DS sollen unsere Kinder sich nun ein mit Linsen gepimptes Display auch noch direkt vor die Augen schnallen, damit den Kleinen räumliche Tiefe vorgegaukelt wird?Ich möchte nicht päpstlicher sein, als der Papst. Und vielleicht ist es ja wirklich „nur“ wieder eines dieser harmlosen familienfreundlichen Spielzeuge in bester Nintendo-Tradition. Aber die Augen und auch die Psyche von Kindern befinden sich in der Entwicklung. Inwiefern ein solches Gerät nun gesundheitsgefährdend sein kann, mag eine medizinische – vielleicht auch eine moralische – Frage sein. Eine Frage, auf die es wohl auch niemals eine eindeutige Antwort geben wird. Es ist aber ein Frage, die Verantwortliche sich stellen sollten. Auch wenn meine Ausführungen uncool oder spießig anmuten, so halte ich es für wichtig, dass Eltern sich grundsätzlich mit dem auseinandersetzen, was ihre Kinder machen. Dass sie solche Spielzeuge selbst ausprobieren. Und dass sie im Zweifelsfall auch einfach mal „nein“ sagen.

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3 Kommentare:


NXPro
vor 1 Woche | 1
Ich verstehe die Aufregung nicht. Das ist einfach Bastelspaß für Kinder mit der Funktion einer sehr einfachen 3D-Erfahrung. Früher bei Mickey Maus lag auch schonmal eine 3D-Brille bei...

TomParis
vor 1 Woche | 0
Und im Yps-Heft auch...
Nintendofan
vor 1 Woche | 0
Ist natürlich schon was anderes, aber ich versteh, was du meinst. Versteh die Aufregung auch nicht, ist schon etwas übertrieben. Nintendo versucht hier nicht, den VR-Markt aufzumischen, Vergleiche mit PS VR hinken IMO. Es ist nicht ohne Grund Teil der Labo-Reihe, das werden ein paar Minispiele und fertig. Da wird kaum was drauf aufgebaut werden oder gar Spiele für erscheinen. Die Auflösung sehe ich daher auch nicht als problematisch an. Das Display meines iPhones ist ähnlich groß wie das der Switch, zwar mit etwas höherer Auflösung, aber auch noch ne Ecke unter FullHD. Wenn ich das in meine 5€-Billig-VR-Brille packe ist das Ergebnis noch immer erstaunlich gut. Die Blickwinkel sind dabei auch deutlich kleiner als bei PSVR und Co., das wird bei Labo VR nicht anders sein.