Test: Dirt Rally 2.0

Von Andreas Held am 26. Februar 2019

Die Hardcore-Rally-Simulation von Codemasters startet zur zweiten Etappe.

"Simulation" ist diesmal ernst gemeint

Wer sich einigermaßen im Rennspiel-Genre auskennt weiß, dass Gran Turismo oder Forza Motorsport keine echten Simulationen sind. Die Konsolentitel gehen einen Kompromiss zwischen Realismus und Zugänglichkeit ein, um trotz ihres Anspruchs immer noch von einer breiten Zielgruppe angenommen zu werden. Für den PC gibt es hingegen zahlreiche knallharte Rennsimulationen - Produkte wie iRacing oder Automobilista bringen virtuelle Rennfahrer an ihre Grenzen. Für Rally-Fans gab es, vor allem in den letzten Jahren, wenig Vergleichbares - diese Marktlücke hat sich Codemasters mit DiRT Rally sehr erfolgreich erschlossen, sodass ein Nachfolger nur die logische Konsequenz ist.

DiRT Rally 2.0 versucht zwar, seinen Spielern eine gewisse Lernkurve zu bieten - im Karrieremodus starten wir erst einmal relativ sachte mit einem Lancia Fulvia und bockeinfachen KI-Gegnern. Doch sobald wir die etwas schnelleren Fahrzeuge freigeschaltet haben, lassen sich diese selbst mit zugeschalteten Fahrhilfen kaum mehr auf der Strecke halten. 180-Grad-Drehungen sind an der Tagesordnung, und der geringste Kontakt mit einer Unebenheit abseits der abgesteckten Schotterpisten nimmt uns jegliche Kontrolle über unser Fahrzeug. Und auch die KI-Gegner legen deutlich zu, sodass wir sehr schnell lernen, uns auch über Top-20-Platzierungen zu freuen.

Diese Faktoren bedeuten natürlich auch, dass uns DiRT Rally 2.0 im Idealfall ein sehr einzigartiges Fahr- und Spielerlebnis bieten kann. Durch die hoch anspruchsvolle Fahrphysik haben wir manchmal das Bedürfnis, selbst auf gerader Strecke auf die Bremse zu treten, um uns das Gefühl von ein bisschen Sicherheit zu geben. Wer die nötige Willenskraft hat um sich dem zu widersetzen, nach zahlreichen Nahtoderfahrungen unbeschadet im Ziel ankommt und sich dann vielleicht sogar über einen Podiumsplatz freuen darf, wird jedoch schnell verstehen, was den Reiz einer Simulation wie DiRT Rally ausmacht. Durch den Detailgrad der Simulation, der sogar die Abnutzung der Schotterpisten durch vorausfahrende Fahrzeuge berücksichtigt und authentische Motorensounds bietet, dürften eingefleischte Rally-Fans absolut zufriedengestellt werden.

Toller Hauptgang mit minimalistischen Beilagen

Von dem riesigen Ehrgeiz, den Codemasters bei der Entwicklung seiner Physik-Engine an den Tag gelegt hat, ist abseits der Etappen aber leider nicht mehr viel übrig. Der Karrieremodus ist eher rudimentär: Wir starten sowohl im Rally- als auch im Rally-Cross-Modus in der untersten Liga und können durch gute Platzierungen nach einer kompletten Meisterschaft eine Stufe aufsteigen. Von den Preisgeldern können wir uns außerdem noch neue Fahrzeuge anschaffen oder besseres Personal einstellen. Das war es aber auch schon - einen motivierenden Event-Kalender, wie wir ihn beispielsweise in Sebastian Loeb Rally Evo oder Codemasters' eigenem DiRT 4 bekommen haben, gibt es nicht. Durch die jeweils mehrere Stunden langen Meisterschaften fühlt sich das Spieltempo extrem zäh an - vor allem, wenn eine komplette Meisterschaft wegen einer zu schlechten Platzierung wiederholt werden muss.

Auch die Streckenauswahl ist leider eher bescheiden. Im Rally-Modus stehen nur sechs Länder zur Auswahl, von denen jedes eigentlich nur zwei Etappen zu bieten hat. Durch Rückwärts- und Kurzversionen dieser beiden Strecken kommt Codemasters laut eigener Zählung auf 12 Etappen pro Land. Die vollständigen Pisten sind zwar sehr lang, aber das ändert leider auch nichts daran, dass wir während einer Rally gute 45 bis 60 Minuten lang immer wieder dieselben Streckenabschnitte befahren und nur wenig visuelle Abwechslung geboten bekommen - was auch daran liegt, dass Codemasters seine Etappen sehr realistisch gestaltet hat und sich das Streckendesign somit eher dem trockenen Simulationscharakter von DiRT Rally 2.0 angleicht. Wer durch schön gestaltete Landschaften donnern will, ist mit V-Rally 4 deutlich besser bedient.

Auch in der Technik-Wertung müssen wir leider ein paar Punkte abziehen. Selbst mit installiertem Day-One-Patch, der übrigens mit 13 Gigabyte zubuche schlägt, beobachten wir immer noch kleinere Grafikfehler; zum Beispiel ein leichtes Screen Tearing oder kleine Büsche, die am Straßenrand immer wieder aufblitzen und wieder verschwinden. Zumindest auf unserer PS4 Pro läuft das Spiel jedoch mit einer sehr flüssigen und stabilen Framerate - und da dies bei einer Simulation das absolut Wichtigste ist, können wir die etwas weniger schicke Optik gern verschmerzen. Leider scheint die Einzelspieler-Karriere von DiRT Rally 2.0 mit einem Online-Zwang verbunden zu sein - bei meinem Test konnte ich das Spiel mehrmals aufgrund von Verbindungsproblemen nicht fortsetzen und musste warten, bis die RaceNet-Server wieder erreichbar waren. Das Spiel hatte mich in diesen Fällen auch relativ deutlich darauf hingewiesen, dass ein Abbruch dieses Vorgangs dazu führen würde, dass mein Spielfortschritt nicht gespeichert wird und ich die letzte Etappe erneut absolvieren muss. Derartige Online-Zwänge im Single-Player-Anteil eines Spiels sind ein absolutes No-Go.

Fazit:

DiRT Rally 2.0 richtet sich ganz klar an absolute Simulations-Freaks. Das Handling der selbst mit zugeschalteten Fahrhilfen kaum beherrschbaren Offroad-Boliden, eine äußerst detaillierte Fahrphysik, die extrem konsequente Bestrafung von Fahrfehlern und knallharte K.I.-Gegner machen den Titel aus der Sicht von Genrefans zu einem wahr gewordenen Traum. Leider hat Codemasters nicht die Möglichkeiten wahrgenommen, mit denen sich DiRT Rally 2.0 auch einer größeren Zielgruppe hätte öffnen können. Ein Karrieremodus mit einem jederzeit einstellbaren Schwierigkeitsgrad und einer Sammlung von deutlich kürzeren, dafür aber zahlreicheren Renn-Events würde eine breitere Zielgruppe ansprechen. Auch Aspekte wie die zu geringe Streckenauswahl und der selbst im Einzelspielermodus vorliegende Online-Zwang sind sehr ärgerlich. Andererseits muss man den Entwicklern bei Codemasters natürlich dafür Respekt zollen, dass sie in einer Zeit, in der fast alle großen Publisher auf maximale Zugänglichkeit setzen und damit Vielspieler außen vor lassen, gegen den Strom schwimmen und stattdessen bewusst einen Nischentitel auf die Beine stellen, der Fans dieser Nische dafür auch absolut glücklich macht.

Wertung:

7.5

Andreas Held meint:

"Simulationsfans kommen mit DiRT Rally 2.0 voll auf ihre Kosten - wer einfach nur einen Offroad-Racer haben will, sollte sich aber nach einer Alternative umsehen."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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