Test: When Ski Lifts Go Wrong

Von Jeremiah David am 23. Februar 2019

Na, heute schon einen Skilift gebaut?

Es ist erst eine Woche her, dass ich mit Freunden beim Rodeln war. Ein Skilift brachte uns zuverlässig an den Ausgangspunkt unserer fast 5 Kilometer langen Schlittentour. Videospiele wie SSX, 1080° oder Steep lassen uns auch am heimischen Fernseher Skifahren oder Snowboarden. Ganz extreme Zeitgenossen dürfen jetzt noch einen Schritt weiter gehen: Sie dürfen eigene Skilifts designen.

When Ski Lifts Go Wrong ist ein physikbasiertes Puzzlespiel, das in vielerlei Hinsicht an die Bridge-Constructor-Serie oder andere Brückenbau-Simulatoren erinnert. Auch hier müssen in einer 2D-Ansicht (die Abfahrten werden optional sogar in 3D präsentiert) in einer Kampagne oder im offeneren Sandkastenmodus verschiedene Gerüste aus Stützen, Balken und Rundhölzern gebaut werden. Wo die mehr oder weniger komplizierten Konstruktionen in anderen Brückenbau-Spielen jedoch verschiedene Straßen halten, dienen dieselben Elemente hier dem Spannen von Stahlseilen, um Skifahrer über Schluchten, Bäume und andere Hindernisse hinweg zu befördern. Die ersten 13 der insgesamt 104 Level dienen als Tutorial. Hier werden die Grundmechaniken des Brückenbaus – Pardon, ich meinte natürlich Skiliftbaus – erklärt. Diese ersten Level sind noch relativ leicht zu bewältigen, danach nimmt der Schwierigkeitsgrad jedoch rapide zu, wodurch hartnäckige und vor allem geduldige Knobelfans voll auf ihre Kosten kommen. Fehlkonstruktionen und tote Skifahrer sind schnell an der Tagesordnung. Zum Glück werden besonders strapazierte Bauelemente nach der jeweils ersten Testfahrt gelb oder rot gekennzeichnet, sodass ambitionierte Hobbyarchitekten gleich erkennen, welche Stellen stabiler gebaut werden sollten.

Bridge-Constructor X Excitebike

Abseits von der Ski-Thematik bietet When Ski Lifts Go Wrong weitere Ideen, um sich von anderen Genrevertreten abzusetzen. Während in Bridge-Constructor und Co wirklich nur gebaut wird, dürfen Spieler in When Ski Lifts Go Wrong je nach Art des Levels auch durchaus selber Skifahren oder alternativ ein Snowboard, ein Schneemobil, ein Mountainbike oder sogar ein Motorrad steuern. In solchen Levels wird zunächst zwar ebenfalls gebaut, doch statt einem Skilift ist es meist eine Sprungschanze, die an einer passenden Stelle in einem ebenso passenden Winkel und eventuell mit Beschleunigungsstreifen errichtetet werden muss. Die Fahrt nach dem Bauvorgang erinnert dann nicht mehr an Bridge-Constructor, sondern an Trials HD oder Excitebike. Die Fahrer wollen mit höchster Präzision von A nach B manövriert werden. Ist unser Männchen im zeitlosen Pixel-Look zu langsam unterwegs, schafft es den Sprung über einen Abgrund eventuell nicht. Ist es dagegen zu flott, schießt es schnell über das Ziel hinaus. Kommt es nach einem Sprung im falschen Winkel auf der Piste auf, bremst es unschön mit dem Gesicht oder einem anderen Körperteil und zieht eine Spur roter Blutspritzer hinter sich her. All diese Szenarien enden mit einem Game-Over und das jeweilige Level muss neu begonnen werden.

Die stummen, namenlosen Figuren, die die einzelnen Level bevölkern, sind kaum mehr als Strichmännchen und so ist die oben beschriebene Darstellung von Gewalt kaum der Rede wert, zumal die Blutspitzer wahlweise auch ausgeblendet werden können. Ich muss gestehen, der ein oder andere „Unfall“ konnte mir ein Lachen ins Gesicht zaubern. Es macht einfach Spaß den Männchen, die eher wie bunte Crash-Test-Puppen als echte Menschen aussehen, dabei zuzusehen, wie sie an der Spitze eines Baums hängen bleiben, um dann mit dem Gesicht voran zu Boden zu stürzen. Misserfolge sind so weniger demotivierend, eher belustigend. Der Detailmangel sorgt aber abseits der Figuren dafür, dass die kantigen Level sehr steril und vor allen Dingen sehr eintönig daherkommen. Optisch bewegt sich When Ski Lifts Go Wrong auf dem Niveau eines kostenlosen Flash- oder Smartphone-Spielchens und auch die bestenfalls unauffällige, schlimmstenfalls nervige Aufzugmusik ist nicht besser. Die Steuerung während dem Bauen ist mit dem Gamepad oder den Joy-Cons zweckmäßig, aber weit weniger komfortabel und präzise als mit einer Maus.

Fazit:

When Ski Lifts Go Wrong bietet einen ordentlichen Umfang und genug eigene Ideen, um sich inhaltlich von anderen Brückenbau-Simulatoren abzusetzen. Puzzlefans und Freunde von Bausimulatoren bekommen ein grundsolides, gut spielbares Gesamtpaket, das gleichermaßen lustig und herausfordernd sein kann, in der Präsentation jedoch einige Schwächen aufweist.  

Von uns getestet: Switch-Version    

Wertung:

7.0

Jeremiah David meint:

"Solides, physikbasiertes Puzzlespiel mit Elementen aus Excitebike"
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich

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