Test: Tetris 99

Von Michael Prammer am 19. Februar 2019

Tetris meets Battle Royale. Ein Witz? Mitnichten! Nintendo wagt ein kleines Experiment.

Die vergangene Nintendo-Direct-Show brachte einige Neuankündigungen an die Oberfläche. Eine davon war ein neues Tetris-Spiel, welches direkt nach der Ausstrahlung der Episode heruntergeladen werden durfte. Einzige Einschränkung: der Spieler muss über ein Nintendo-Online-Abo verfügen. Doch schon der Trailer zum Spiel sorgte wohl bei den meisten Spielern für erstaunte Gesichter. Was macht Nintendo denn jetzt? Battle Royale in einem der ältesten Nintendo-Titel überhaupt? Wir haben den Titel getestet.

Tetris meets Battle Royale

Doch wie soll das Ganze überhaupt funktionieren? Tetris als Multiplayer-Spiel geht bereits auf die GameBoy-Zeit zurück und wurde damals mit dem sogenannten Link-Kabel fabriziert. Ziel war es und ist es auch jetzt noch, dem Gegner den Bildschirm zu vernageln. Wir sparen uns an dieser Stelle eine ausführliche Erklärung des Spielprinzips von Tetris und setzen ein wenig „Allgemeinbildung“ voraus. Das 1-gegen-1 funktioniert durch das gekonnte Stapeln der herunterfallenden Klötzchen, die letztlich die eigene Reihen auf dem Bildschirm eliminieren. Wer mindestens zwei Reihen gleichzeitig abschließt, zaubert seinem Kontrahent genau diese Reihen auf den hiesigen Bildschirm. Das Ganze erhöht sich natürlich mit drei und vier Reihen und bringt den Gegenüber mehr und mehr ins Schwitzen, da das Spiel im Zeitverlauf immer schneller wird.

Genau dieses Grundprinzip der Mehrspielerpartien wurde jetzt als Battle-Royale-Modus umgesetzt. Ihr tretet somit nicht nur gegen einen Gegner an, sondern online gleich gegen 98 andere Spieler. Dabei ist nie ein fester Gegner zugeteilt, wer eure erledigten Reihen kassiert, variiert ständig. Das Ziel ist dabei (wie in allen anderen Battle-Royale-Spielen auch), als letzter Spieler übrig zu bleiben. Was ist also tun? Stapeln was das Zeug hält und versuchen bis zum bitteren Ende durchzuhalten. 

Zwei kleine taktische Finessen gibt es dann aber doch noch. Der Spieler darf zum einen einen Block speichern, was jedoch bereits seit den späteren Tetris-Spielen zum Standard gehört und das Prinzip etwas vereinfacht. Zum anderen lässt sich eine taktische Ausrichtung des Angriffs wählen. Wer mit dem rechten Analogstick die Angriffsart „leichter KO“ wählt, dessen "Treffer“ werden vor allem bei Spielern landen, die schon relativ viele Blöcke und Reihen auf dem Bildschirm haben. „Konter“ hingegen sind klassische Gegenschläge, die ihr aus Rache platziert. Während des Spiels lassen sich die Befehle ständig verändern, je nachdem, wie der Spieler gerade taktieren möchte.

Wenig Tiefgang, solide Umsetzung

Viel Tiefgang bietet die Wahl der Angriffsart unter dem Strich allerdings nicht und eine Grundformel, wie der Spieler lange im Spiel bleibt, gibt es auch nicht. So bleibt viel auch einfach dem Zufall überlassen, sodass ihr es nicht immer selbst in der Hand, bis zum Ende zu überleben. So kann es nämlich schon mal passieren, dass Angriffe von mehreren Spielern gleichzeitig bei euch landen und so fünf oder mehr Reihen auf einmal den Bildschirm zuschütten. Das ist besonders dann frustrierend, wenn sich bereits eine Top-10 abzeichnet, bei einem selbst der gesamte Bildschirm fast leer ist und sich plötzlich innerhalb binnen weniger Sekunden der Traum vom Sieg trotz aussichtsreicher Position in Luft auflöst. Ein weiteres Problem betrifft die Übersichtlichkeit. Die Bildschirme eurer 98 Kontrahenten werden links und rechts neben eurem Spielfeld angezeigt. Die Angriffe der anderen Tetris-Spieler werden dabei von diesen Bildschirmen aus direkt auf den mittleren Bildschirm projiziert. Je nachdem, wie viele Pfeile (Angriffe) das sind, sieht der Spieler die eigenen Aktionen nicht mehr richtig, was bei schnelleren Aktionen schon mal zu ungewollten Patzern führen kann.

Technisch gesehen ist Tetris 99 tadellos. Die Optik ist zweckmäßig und kommt schnörkellos daher. Viele Details braucht es hierbei aber auch einfach nicht. Das Spielgeschehen läuft ruckelfrei und was noch wichtiger ist: in gut fünf bis sechs Stunden Tetris  gab es bislang noch keinen Verbindungsabbruch. Auch werden nach kurzer Wartezeit stets genügend Gegner gefunden. Musikalisch freuen sich vor allem Fans des Original-Spiels, denn der Titel „Korobeiniki“ aus der Ur-Tetris-Version wurde als fetzige Elektro-Version neu aufgelegt und passt gut zum hektischen Spielgeschehen. Nicht ganz so astrein ist die Steuerung. Merkwürdigerweise funktioniert die Eingabe mit den Joy Con noch am besten. Und es ist das erste Mal, dass sich die einzelnen Knöpfe an den Controller bezahlt machen. Denn beim Pro Controller ist das Steuerkreuz einfach zu ungenau und es passiert häufig, dass ihr versehentlich eine falsche Aktion ausführt; gerade dann, wenn es hektischer wird.

Fazit:

Tetris 99 ist ein durchaus gelungener und spaßiger Titel, der allerdings mit Battle Royale im eigentlichen Sinne nur wenig zu tun hat. Tetris ist zeitlos und funktioniert immer. Aber es würde auch ohne Battle Royale funktionieren. Mehr noch, man würde es vermutlich erst gar nicht vermissen. Die eingebauten taktischen Finessen greifen einfach zu wenig und es bleibt unter dem Strich etwas zuviel dem Zufall überlassen. Selbst wenn ihr Tetris eigentlich ganz gut beherrscht, kann es immer mal wieder passieren, dass ihr bereits nach wenigen Sekunden aus dem Spiel fliegt. Nichtsdestotrotz werdet ihr euch regelmäßig diebisch freuen, wenn ihr dann mal auf dem Treppchen landet oder sogar als Letzter übrig bleibt und gewinnt. Positiv ist zudem zu erwähnen, dass der Titel für Online-Abonnenten zu 100% kostenfrei ist und es keinerlei zusätzliche Inhalte käuflich zu erwerben gibt. Um die Langzeitmotivation aufrecht zu erhalten, sollte Nintendo aber noch den ein oder anderen Spielmodi nachträglich hinzufügen oder freischaltbare Extras einführen.

Wertung:

7.5

Michael Prammer meint:

"Tetris springt auf den Battle-Royale-Zug und macht auch in dieser Version Spaß, auch wenn längst nicht alles perfekt ist."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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