Test: Goat Simulator: The GOATY (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 11. Februar 2019

Herzlich willkommen in einem der abgedrehtesten Videospiele, das ihr jemals spielen werdet!

In den nächsten Zeilen vergessen wir jegliche Logik, Physik und alles, was sonst noch für ein gutes Videospiel nötig ist und lassen uns einfach nur auf ein gewisses Niveau an Blödsinn herab. Was sich etwas abgedroschen und abwertend anhören mag, zeigt sich leider auch, wenn man das folgende „Spiel“ in seinen Grundfacetten betrachtet und es als solches bewertet. Jedoch kann auch ein „Ziegen-Simulator“ für spaßige Stunden sorgen.

Ihr wollt eine Ziege sein?

Eine Geschichte reimt man sich hier bestenfalls zusammen: Ihr übernehmt die Kontrolle über eine Ziege. Diese hat sich das einzige Ziel gesetzt, möglichst viel Chaos anzurichten. Das war es - mehr gibt es nicht zu wissen. Für das Erfüllen genau dieser Grundaufgaben, nämlich möglichst viel Zerstörung in einer fiktiven Stadt anzurichten und viel Trubel unter den dort ansässigen Menschen zu stiften, gibt es Punkte und weitere Aufträge. Diese werden nach und nach abgearbeitet und dürfen anhand einer Aufgabenliste gemeistert werden. Das reicht von einfachen Aufgaben, wie „springe sehr hoch“, bis hin zu komplexen Themen, wie „lass dich von einem Auto rammen“. Ihr seht schon, auch die Aufgabenliste ist mit viel Humor versehen.

Die Protagonistin verfügt über verschiedene Fähigkeiten. Eure Ziege kann springen, Gegenstände rammen und sich mit ihrer klebrigen Zunge an Dingen „festlecken“. Dadurch lässt sich die Heldin mitschleifen, was bei verschiedenen Aufgaben notwendig wird. Außerdem ist der Vierbeiner ein wahrer Akrobat und verfügt über verschiedene Salti-Techniken, die selbst Zirkus-Clowns vor Neid erblassen lassen. Wenn man bei all diesen Aktionen von einem Feature absehen MUSS, dann ist das eine vernünftige Kollisionsabfrage. Denn diese ist einfach nur grauenhaft; hier stimmt einfach gar nichts und es ist teilweise purer Zufall, ob die Ziege ein anvisiertes Objekt trifft oder nicht. Das macht sich schon bei einfachen Dingen bemerkbar, beispielsweise beim simplen Laufen auf der Straße. Die Ziege berührt teilweise nicht einmal den Untergrund mit den Hufen. Noch „schlimmer“ wird es natürlich, wenn sie auf Hindernisse stößt oder von einem Fahrzeug gerammt wird, denn dann wird sie zig Meter durch die Luft geschleudert wird. Diese ganzen Fehler und Bugs wurden zwar nicht gewollt eingebaut, im Sinne der Unterhaltung legt Entwickler Coffee Stain aber auch keinen Wert auf etwaige Patches.

Hier ist eure Chance!

Auch die Besitzer von Nintendo Switch bekommen mit der Goaty-Edition ein großes Paket rund um die Ziege. Das Hauptspiel des Goat Simulator ist bereits am 01. April 2014 erschienen, mittlerweile gibt es zusätzlich vier DLC-Pakete, welche allesamt in der Edition enthalten sind. Somit werden auch einige bekannte Spieleserien durch den Kakao gezogen und in unterschiedlichen Spielmodi veräppelt. Der „Goat MMO Simulator“ zum Beispiel bedient sich an World of Warcraft, während „Goat Simulator: Payday“ die berühmte Bankraub-Simulation (zum NplusX-Test) mimt. Die Parodien sind zwar witzig anzusehen und wer die Serien kennt, wird sich ein Schmunzeln kaum verdrücken können, spielerisch ändert sich jedoch nichts am Prinzip. Es werden lediglich die Aufgaben etwas an das jeweilige Szenario angepasst. Langzeitmotivation kommt dadurch auf, indem man neue Skins für seine Ziege freispielt und in den einzelnen Levelabschnitten 30 Ziegentrophäen einsammelt, die teilweise gut versteckt sind.

Technisch ist das Abenteuer nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Neben der gewollt katastrophalen Physik leistet sich auch die Optik einige Aussetzer. Auf Xbox One beispielsweise sah das Spiel im Vergleich zur Switch-Version etwas detaillierter aus, die Charaktermodelle etwas sauberer und die Texturen etwas weniger verwaschen. Sicher, die Konsole von Microsoft hat noch etwas mehr Power, aber die Optik ist nun wirklich nicht das Maß aller Dinge und hätte in der Form auf Nintendo Switch durchaus umgesetzt werden können. Außerdem ist der lokale Multiplayer-Modus, der in allen anderen Version mit bis zu vier Spielern möglich ist, in der Switch-Version auf zwei Spieler beschränkt. Unverständlich, denn mit mehreren Leuten wirkt das Spielgeschehen natürlich nochmal doppelt so spaßig.

Fazit:

Den Goat Simulator zu bewerten, ist nicht ganz einfach. Auf der einen Seite ist das Spiel durchaus spaßig, bietet einen herrlich abgedrehten Humor und nimmt sich zu keiner Zeit wirklich ernst. Es gibt viel zu entdecken, die Langzeitmotivation ist durchaus hoch, wenn man sich denn darauf einlassen möchte. Dank des DLC-Komplettpakets bekommen wir viele Anspielungen auf andere Videospiele, die nicht nur für mehr Umfang sorgen, sondern auch viele Lacher mit sich bringen. Einer objektiv guten Bewertung des kompletten Spiels steht aber einfach die katastrophale Physik im Wege. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass dieses Spiel neutral betrachtet kolossal schlecht ist. Dazu ist die Optik arg angestaubt und die technischen Aussetzer könnten kaum schlimmer sein. Unter dem Strich kommt dennoch reichlich Spaß auf und das Spiel hat seine Fangemeinde, obwohl die angesprochenen Fehler schon seit Anfang an im Spiel verankert sind. Deshalb:

Wertung:

6.5

Michael Prammer meint:

"Hirn aus, Ziege an. Einfach ein bisschen durchdrehen!"
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Mangelhaft

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