Test: Unruly Heroes

Von Michael Prammer am 30. Januar 2019

Was passiert, wenn Rayman Legends auf Trine trifft? Lest am besten selbst:

Rayman Legends zu erwähnen kommt nicht von ungefähr. Ehemaligen Entwicklern des Jump'n'Run-Hits ist dieser Indie-Titel nämlich zu verdanken. Dass man sich ein wenig von anderen Spielen inspirieren ließ, ist dabei völlig legitim. Und der Spieler wird im Laufe des Abenteuers immer wieder auf Situationen stoßen, die er vielleicht in dem ein oder anderen Videospiel schon einmal in ähnlicher Art und Weise erleben durfte. Aber der Reihe nach.

Vier Helden auf der Suche nach der heiligen Schrift

Die Story ist nicht sonderlich komplex aber durchweg interessant und märchenhaft erzählt. Eine sagenumwobene heilige Schriftrolle wurde durch unbekannte Kräfte zerrissen und überall verstreut. Seit diesem Ereignis tummeln sich merkwürdige Kreaturen im gesamten Land und sorgen für Unheil. Einzig vier Helden, die unterschiedlicher kaum sein könnten, sind in der Lage, dem Chaos Einhalt zu gebieten. Wukong, der Affenkönig und seine drei Gefährten begeben sich auf eine gefährliche Reise und versuchen, die Schriftrolle wieder zusammenzufügen und damit für Frieden im Land zu sorgen.

Unruly Heroes ist ein zweidimensionales Hüpfspiel, welches sich, wie eingangs bereits erwähnt, ganz klar an Titeln wie Trine und Rayman Legend orientiert. In klassischer Genre-Manier durchquert der Spieler ein Level meist von links nach rechts und tritt am Ende oder gegen Ende jedes Levels einem Boss gegenüber. Dieser Weg allerdings ist nicht so einfach und nur durch Teamwork zu bewerkstelligen. Jeder der vier Helden hat eigene Fähigkeiten, die regelmäßig wichtig sind, um im Spielverlauf weiterzukommen. Wukong beispielsweise ist Meister im Kung Fu. Er beherrscht nicht nur die Kampfkunst selbst, sondern kann auch seinen Stab an bestimmten Altären nutzen, um einen großen Steg zu zaubern und Abgründe zu überwinden.

Teamwork ist Trumpf

Dann wäre da noch Kihong, das Schwein. Dieser gefräßige Zeitgenosse kann über Abgründe gleiten und an bestimmten Altären seinen Bauch so voller Luft füllen, dass er für einige Momente wie ein Ballon durch die Lüfte gleitet. Sanzang der Weise verfügt über die Fähigkeit, an bestimmten Plätzen Energiekugeln einzusetzen, um schwer erreichbare Schalter zu aktivieren. Und zu guter Letzt hätten wir da noch Sandmonk, der Mann für das Grobe. Dieser grimmig dreinschauende Mitstreiter zermalmt Blöcke an bestimmten Stellen mit Leichtigkeit und öffnet so unüberwindbare Wege. Während des Spiels ist ein Wechsel der Helden jederzeit möglich, denn dieses Feature macht auch den Reiz des Gameplays aus. Der Wechsel ist zudem auch notwendig, wenn einer der Helden mal das Zeitliche segnet. Dieser schwirrt dann als Luftblase durch die Gegend und kann durch einen Schlag wieder zurück ins Spiel geholt werden - allerdings mit dezimierter Energie.

In den wunderschön designten 2D-Leveln, die vor Ideen gerade so strotzen und an manchen Stellen sogar an die grandiosen Donkey-Kong-Spiele erinnern, gilt es neben dem Meistern von kniffeligen Sprungpassagen auch einige Gegner zu besiegen und Rätsel zu lösen. Letztere sind zwar nie sonderlich schwierig, lockern das Spielgeschehen aber immer wieder gekonnt auf. Auch in Sachen Gegnerdesign haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen. Vor allem die Bosskämpfe sind ein echtes Highlight und stellen eine besondere Herausforderung dar. Es ist oftmals gar nicht so einfach, hinter die Taktik der Endgegner zu blicken. 

Auf den ersten Blick scheint man über unendliche Versuche zu verfügen, schließlich holt man ja seine Mitstreiter immer wieder zurück. Allerdings wissen das auch die Endgegner und ist man nicht schnell genug, zerplatzen die Blasen, ehe die Freunde gerettet sind.

Hoher Wiederspielwert – technisch sauber

Für Perfektionisten bietet Unruly Heroes noch ein paar weitere Schmankerl. Da wären zum Beispiel die Goldmünzen, von denen es insgesamt 2700 im Spiel zu finden gibt. Mit deren Hilfe lassen sich neue Skins für die Charaktere freischalten. Außerdem ist in jedem Level mindestens eine Schriftrolle versteckt. Diese befindet sich meistens nicht gerade einfach auf dem Weg und erfordert etwas Erkundungswillen des Spielers. Der Clou am kompletten Abenteuer ist die Kooperations-Fähigkeit des Spiels. So darf man nämlich zu viert an einer Konsole auf die Suche nach Schriftrollen, Münzen und neuen Level gehen, was gleich nochmal so viel Spaß macht. Auf Nintendo Switch ist man dank zweier Joy-Con-Controller sofort für eine Duo-Kombination startklar, was wiedereinmal den Mehrspieler-Wert der Konsole unterstreicht. Mit mehreren Spielern gleichzeitig werden manche Passagen zwar leichter, gleichzeitig herrscht aber auch etwas mehr Chaos auf dem Bildschirm und unliebsame Ableben der Mitstreiter sind an der Tagesordnung. An dieser Stelle sei allerdings ausdrücklich erwähnt, dass man das komplette Abenteuer inklusive aller Fundstücke auch alleine bewerkstelligen kann und die Hilfe von anderen Spielern rein optionaler Natur ist.

Leider wurde auf eine Online-Anbindung im Abenteuer-Modus komplett verzichtet. Das mag man zwar auf den ersten Blick verschmerzen, allerdings schreit das Spiel förmlich nach dem Multiplayer-Modus und nicht jeder hat immer einen Mitspieler zur Hand. Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich leider nicht anpassen und so werden weniger geübte Hüpfspiel-Fans bereits an den ersten Bossen ganz schön zu knabbern haben. Allerdings bietet Unruly Heroes abseits des Abenteuers noch einen Arena-Modus, der nicht nur für Abwechslung sorgt, sondern auch einen Ausgleich zum „Tagesgeschäft“ darstellt. Diesen gibt es sogar online und man darf seine Kampfkünste gegen andere Spieler messen. Während unseres Tests ist es uns leider nur selten gelungen, weitere Spieler für einen Kampf zu finden, sodass wir den Modus nicht ausgiebig gespielt haben.

Ein paar Worte zur von uns getesteten Nintendo-Switch-Version: Technisch gesehen läuft das Abenteuer butterweich. Hat man anfänglich beim Ladebildschirm noch Bedenken, ob die Performance es dem Ladebalken gleichtun könnte, so wird man spätestens beim Start beruhigt. Kein Ruckeln, kein Kantenflimmern und auch sonst keine technischen Aussetzer. Die Soundkulisse ist gelungen, wirkt manchmal allerdings nicht so epochal, wie es beispielsweise bei Donkey-Kong-Spielen schon der Fall war. Die Steuerung wiederum tut es den Genregrößen gleich und gibt sich keine Blöße.

Fazit:

Unruly Heroes ist ein Brett von Hüpfspiel. Wenn ich mir einen Rayman-Nachfolger gewünscht hätte oder ein neues Donkey-Kong-Spiel spielen wollte, hier ist es – bloß in einer anderen Verpackung. Die Parallelen zu den großen Titeln sind unverkennbar und auch die Brise Trine ist merklich vorhanden. Jedoch fühlt sich das Spiel komplett eigenständig an und kann beinahe auf ganzer Linie überzeugen. Das tolle Leveldesign und die klasse Endgegner unterhalten von Beginn an und sind durch die butterweiche Steuerung nie unfair. Das Spiel ist bockschwer, dass merkt man von Anfang an. Aber wenn die Mechaniken verinnerlicht, wenn die Stärken der Charaktere herausgefunden sind und wenn die noch so fieseste Stelle irgendwann eingeprägt ist, wird sich Erfolg abzeichnen. Und dank der sammelbaren Zusatzinhalte machen die Level auch ein zweites oder drittes Mal Spaß. Das alles zusammen mit Freunden bringt das Fass zum überlaufen und rundet dieses grandiose Indiespiel ab. Da verschmerzt man auch den fehlenden Online-Modus, der dem Abenteuer gutgetan hätte.

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Überragendes Hüpfspiel, das viel Inspiration aus anderen Spielen erfährt, jedoch komplett eigenständig wirkt."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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3 Kommentare:


nintenman
vor 2 Monaten | 0
Super! Das werde ich mir dann mal genauer anschauen.

Ramy
vor 2 Monaten | 0
Klingt sehr interessant. Hatte ich nicht auf dem Schirm. Jetzt aber! ;)

Falcon
vor 2 Monaten | 0
Werd ich mir mal gönnen :)