Test: Onimusha Warlords

Von Michael Prammer am 24. Januar 2019

Neuauflagen sind voll im Trend. Auch Capcom macht da gerne mit und brachte kürzlich den PS2-Klassiker Onimusha Warlords als Download-Version für alle aktuellen Konsolen. Wir haben uns die Frischzellenkur einmal genauer angesehen.

Publisher Capcom hatte früher ein einfaches Erfolgsgeheimnis, durch welches sich die Firma vor allem mit der Serie Resident Evil einen Namen machte. Es wurden starre und vorgefertigte Hintergründe und Szenarien verwendet und davor lediglich die Figuren animiert. Diese ständigen Perspektivwechsel sorgten in den ersten Teilen der Reihe für viele Schockmomente und waren ein signifikantes Merkmal von Resident Evil. Der Spieler musste stets seine Umgebung im Auge behalten, denn die Gefahr konnte jederzeit auch hinter dem Held oder um der nächsten Ecke lauern; meist gaben nur Geräusche einen Hinweis auf das nächste mögliche digitale Ableben. Diese Formel wurde in Onimusha Warlords ebenfalls verwendet und auf ein fernöstliches Setting übertragen.

Resident Evil meets Samurai-Krieger

Unser Held ist ein Samurai-Krieger, der um das Jahr 1500 im antiken Japan lebt. Er erhält einen Brief von einer Prinzessin, den sie gerade noch so schreiben konnte, ehe sie von Dämonen verschleppt wurde. Darin bittet sie den Krieger um Beistand. Er kann zwar der holden Dame zu Hilfe eilen, steht dann aber einem übermächtigen Gegner gegenüber und kann die Entführung der Dame letztendlich nicht verhindern. Der Krieger muss sich einer uralten Macht bedienen, dessen Kraft er aus Dämonen gewinnt, will er es mit dem Entführer aufnehmen. Eine schicksalhafte Reise beginnt also.

Zunächst nur mit einem Schwert ausgestattet, verfügt Krieger Samanosuke, so der Name des Protagonisten, schon recht früh auch über einen mysteriösen Handschuh. Mit diesem ist es ihm möglich, die Seelen besiegter Gegner aufzusaugen. Dies geschieht nicht automatisch, sondern via Knopfdruck. Wer also im Eifer des Gefechts die wertvolle Fracht außer Acht lässt, hat umsonst geschnetzelt. Die Seelen können entweder in das Freischalten neuer Angriffe oder das Aufwerten bereits vorhandener Attacken investiert werden. Das geschieht an Schreinen, die überall in der Welt verstreut sind. Im Laufe des Spiels wird der Held somit immer stärker und wappnet sich gegen immer stärker werdende Dämonen.

Nebenbei gilt es, viele kleinere Rätsel zu lösen. So findet sich zum Beispiel zu Beginn des Spiels eine Strickleiter, die zunächst etwas unnütz erscheint. Doch schon zehn Minuten später ist man dem Gegenstand sehr dankbar und erkundet einen neuen Bereich. Außerdem gibt es kleinere Schalterrätsel, die das Spielgeschehen immer wieder auflockern. Im Grunde aber besteht der Hauptteil des Gameplays aus den Kämpfen, die durch die Story entstehen. Letztere fällt leider recht kurz aus und dürfte für geübte Spieler je nach Schwierigkeitsgrad schon nach etwa fünf Stunden beendet sein.

Atmosphärisch immer noch top

Onimusha Warlords war seinerzeit atmosphärisch eine Wucht und kann auch heute noch stimmungsvolle Momente erzeugen. Nicht jeder Spieler der jüngeren Generation wird mit der Perspektive allerdings etwas anfangen können und die Kamera ist auch nicht immer der Freund des Helden. Glücklicherweise können wir das Feature der vorgerenderten Szenarien auch für unseren Vorteil nutzen, so lassen sich zum Beispiel brenzliche Situationen in Bosskämpfen auch mal geschickt entschärfen. Auf diese Weise kann ein Wechsel des Szenarios trickreich eingesetzt werden, um aus einer aussichtslosen Situation zu verschwinden und eine Heilung vorzunehmen.

Wenn wir diesem Remake eines vorwerfen müssen, dann ist das die Faulheit der Entwickler. Das klingt zwar sehr hart, doch sehen wir uns einmal andere Neuauflagen an, gerade auch aus dem Hause Capcom, dann ist es etwas unverständlich, warum so viel Potential liegen gelassen wurde. Resident Evil 2 macht bestens vor, was möglich ist, wenn man ein aufwendiges Projekt auf die Beine stellt. Sicher, Onimusha Warlords kostet nur 20 Euro. Der Titel wirklich jedoch nur wie eine leicht aufpolierte PlayStation-2-Version. Wir wünschten uns bei den Hintergründen und Charakteren mehr Liebe zum Detail, es wirkt einfach alles ein wenig zu trist für die heutige Zeit. Auch die Synchronisation und Lippenbewegungen passen so gar nicht zueinander und das sind einfach Details, die in einer modernen Neuauflage nicht verpatzt werden sollten.

Fazit:

Onimusha Warlords verschenkt in dieser Neuauflage viel Potential und dazu eine große Chance. Das Spiel ist im Grunde nämlich richtig gut und hat auch heute noch atmosphärisch einiges zu bieten. Die Geschichte ist vielleicht etwas kitschig, unterhält aber die komplette Zeit über; die Kämpfe sind motivierend und das Charaktersystem funktioniert auch heute noch bestens. Leider wurde Onimusha Warlords technisch nicht besonders schön aufgelegt und man sieht nur hin und wieder die Leistung der aktuellen Konsolen-Generation aufblitzen. Man könnte sogar von etwas zu viel Bequemlichkeit sprechen, denn dass Capcom Neuauflagen drauf hat, beweist der Publisher beispielsweise mit Resident Evil 2. Angesichts des Preises sollte man also nicht zu viel erwarten, doch wer das Spiel damals noch nicht gespielt hat und es unbedingt nachholen möchte, der macht mit einem Kauf auch nichts falsch.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Atmosphärisch auch heute noch top, technisch jedoch mit viel Luft nach oben."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Mangelhaft

Schreibe einen Kommentar: