Test: Travis Strikes Again: No More Heroes

Von Michael Prammer am 16. Januar 2019

Travis Touchdown ist zurück und das exklusiv auf Nintendo Switch. Wir haben den ehemaligen Auftragskiller durch sein neues Abenteuer begleitet.

Bad Man will Rache

Travis befindet sich in Rente. Seine Karriere als Auftragskiller hat er einige Jahre nach den Abenteuern in No More Heroes II endgültig an den Nagel gehängt. Zusammen mit seiner Katze Jeane behaust der leidenschaftliche Gamer einen Wohnwagen im Süden der USA und hat außer Videospiele nicht mehr viel im Sinn. Die vermeintliche Idylle wird jedoch eines Tages gestört als Bad Man ganz unverhofft vor der Tür steht. Er will Rache für seine Tochter Bad Girl, die durch Travis um die Ecke gebracht wurde. 

Während des Kampfes geht es drunter und drüber und schlussendlich werden beide Streithähne in die mysteriöse Videospielkonsole Death Drive MKII gesaugt. Die sogenannten Death Balls sind fortan das Ziel der beiden Kontrahenten, denn diese beinhalten nicht nur neue Spiele für die Konsole, sondern gewähren nach dem erfolgreichen Durchspielen auch einen speziellen Wunsch. Da sowohl Travis als auch Bad Man nur allzu gerne einen Wunsch äußern würden, schließen beide kurzerhand Frieden und begeben sich gemeinsam auf die Suche nach den Death Balls.

Die Spiele im Spiel

Das neueste Werk von Grasshopper Manufature unterscheidet sich von den bisherigen Titeln der No-More-Heroes-Reihe in sehr vielen Punkten. Travis Strikes Again besteht im Grunde aus sechs in sich abgeschlossene Spielen, die durch das Ansammeln der Death Balls nach und nach freigeschaltet werden. Jedes Spiel ist anders, bedient sich bei einem anderen Genre und bietet seine ganz eigenen Besonderheiten. In einem der Spiele müsst ihr beispielsweise zunächst einige Rätsel lösen gilt, ehe sich euer Held in die serientypischen Kämpfe stürzt. So bahnt ihr euch unter anderem durch kleinere Schalterrätsel den Weg durch die Straßen bis zu einem Zielpunkt. Dort warten dann die Gegner auf euch. Ein anderes Spiel entpuppt sich als Virtual-Reality-Rennen, bei dem ihr mit einem Hochgeschwindigkeitsboliden auf Tempojagd geht; Parallelen zum Film Tron sind natürlich reiner Zufall. Alle Spiele sind dabei herrlich abgedreht und unterscheiden sich recht deutlich voneinander, sodass für genügend Abwechslung gesorgt wird.

Dennoch gibt es im Verlaufe der Spiele fast immer einen gemeinsamen Nenner in Sachen Spielmechanik. Die Kamera wird von schräg oben fixiert und lässt sich nicht bewegen. Nun werden unterschiedliche Gegnertypen mit dem Beam-Katana, das Fans der Serie bestens im Gedächtnis sein dürfte, ordentlich vermöbelt. Im Falle von Bad Man, der übrigens optional ausgewählt werden darf, weicht das Beam-Katana einem Baseball-Schläger. 

Beseitigte Gegner bringen euch Erfahrungspunkte ein, mit denen ihr eure Spielfigur hochleveln könnt. So könnt ihr euch zum Beispiel mehr Lebenspunkte erspielen. Spezielle Fähigkeitsmarken bringen zudem neue Spezialattacken ins Spiel, die bei der Beseitigung der Gegner sehr hilfreich sein können. Außerdem findet Travis überall im Spiel eine Ingame-Währung, mit der neue T-Shirts erworben werden können, die allerdings nur optischer Natur sind. In jeder Welt gilt es darüber hinaus meistens einen Zwischenboss und später einen Gebietsboss zu erledigen. Letzterer greift euch in der Regel in mehreren Phasen an und erfordert je nach ausgewähltem Schwierigkeitsgrad (drei an der Zahl) viel Geduld und den geschickten Einsatz von Fähigkeiten.


Auf der Suche nach den Death Balls

Der Wohnwagen von Travis wird nach jedem gespielten und erfolgreich absolvierten Spiel zur Anlaufstelle der beiden Protagonisten. Neben dem T-Shirt-Kauf können auch bereits beendete Spiele auf der Death Drive MKII-Konsole nochmals gespielt werden, um Erfahrung zu sammeln oder Geld zu verdienen. Außerdem wartet beim Wohnwagen ein Motorrad auf unseren Helden, mit dem die Story eigentlich vorangetrieben wird. Denn die Death Balls werden nicht in den eigentlichen Spielen verdient, sondern in den etwas skurrilen Zwischenleveln, die sich "Travis Strikes Back" nennen. Hier landet der Spieler in einer Art Text-Adventure und kann sich ein wenig von den Kämpfen erholen. Neben teils urkomischer Dialoge, die in einer Retro-Optik daherkommen, warten am Ende dieser Passagen die Death Balls und damit das nächste Spiel. Die Textadventure-Passagen bieten jedoch nicht mehr als ein wenig Unterhaltung. Direkt eingreifen darf der Spieler hier nicht.

Travis Strikes Again: No More Heroes steuert sich jederzeit hervorragend und wirkt dabei sehr arcadelastig. Wenn das Spiel jedoch überhaupt ein Problem hat, dann ist das die Kamera. Da sich diese zu keinem Zeitpunkt und in keinem Spiel bewegen lässt, kann die Übersicht trotz der Perspektive hin und wieder in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein roter Balken zeigt zwar an, aus welche Ecke die Gefahr kommt, jedoch wäre eine justierbare Kamera die elegantere Lösung gewesen. Technisch gibt es ansonsten nichts zu meckern. Das Spiel läuft sauber, die Ladezeiten halten sich in Grenzen und gerade die Musik ist sehr gut gelungen. Die Spielzeit zum einfachen Durchspielen ist zwar nicht allzu hoch, dafür gibt es dank der vielen kaufbaren T-Shirts einen Grund, das Spiel auch über einen längeren Zeitraum zu spielen. Richtig cool ist zudem auch der Koop-Modus, der euch ermöglicht, das komplette Spiel zusammen mit einem Freund durchzuspielen.

Fazit:

Travis Strikes Again: No More Heroes ist mit Sicherheit nicht das Spiel, das sich viele Fans der NMH-Serie gewünscht haben. Travis und Bad Man allerdings alleine deswegen keine Chance zu geben wäre jedoch nicht fair, zumal Serienfans dann ein tolles und abgedrehtes Abenteuer verpassen würden. Die Charaktere, die Dialoge und die Aufmachung sind mindestens genauso verrückt wie in den vorherigen Spielen. Das merkt man schon alleine an der Tatsache, dass Checkpoints Toiletten sind und Travis sich beim Speichervorgang auf das stille Örtchen begibt. Die sechs Spiele im Spiel unterscheiden sich alle stark genug voneinander und bieten viel Abwechslung. Die Spielzeit fällt je nach Spielstil mit 6-8 Stunden überschaubar aus und auch die feststehende Kamera nervt in einigen Momenten. Dennoch können sich Genre- und Serienfans die Wartezeit bis No More Heroes 3 mit diesem Zwischenableger wirklich gut versüßen.

Wertung:

8.0

Michael Prammer meint:

"Abgedrehtes Abenteuer, das auf jeden Fall eine Chance verdient hat."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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3 Kommentare:


Falcon
vor 5 Monaten | 1
Besser als erwartet. Ein Liebhabertitel irgendwie.

michi1894
vor 5 Monaten | 0
Absolut. Es kommt erstaunlich viel Spaß auf, hätte ich so nicht erwartet.

Sefgodio
vor 5 Monaten | 0
..Ich bin total positiv überrascht :-) Freut mich für Travis...und ich glaube jetzt kommt es doch in die Sammlung...:-)