Test: ABZÛ (Switch)

Von Michael Prammer am 23. Dezember 2018

Wie wäre es mit einem Ausflug raus aus dem Alltag, hinein in eine fantastische Welt, in der sich der Spieler einfach mal gehen lassen kann? Sucht ihr das, seid ihr bei Abzu genau richtig.

Abzu ist kein Videospiel, wie es von der Stange kommt und will das auch nicht sein. Kein Action-Feuerwerk, keine spannungsgeladene Geschichte und keine bahnbrechende Innovation. Vielmehr entführt uns das Team, dem zwei ehemalige „Journey“-Entwickler angehören, in eine ruhige, stimmungsvolle Welt und erschafft anstelle eines Videospiels vielmehr ein Erlebnis.

Mehr Erlebnis als Spiel

Zu Beginn wird euer Held, ein namenloser Taucher, einfach ins kalte Wasser geworfen. Wörtlich wie metaphorisch. Auf den Weg bekommt er noch eine Handvoll Befehle und schon ist er auf sich alleine gestellt. Der Spieler trifft im Laufe der etwa zwei Stunden andauernden Reise keine anderen Charaktere an und eine Geschichte gibt es ebenfalls keine. Vielmehr liegt das Hauptmerkmal des Spiels in der Erkundung des Gewässers.

Dieses entpuppt sich als weitläufiger Lebensraum verschiedener Fische und Lebewesen, später sogar einer ganzen versunkenen Zivilisation. Durch Interaktionen werden neue Fischsorten freigeschaltet, die sich dann zu den anderen Meeresbewohnern gesellen und kleinere Rätsel gelöst. Gegner oder Feinde gibt es keine. Der Taucher schwimmt in der Third-Person-Perspektive einfach von einem Ort zum anderen, erkundet verschiedene Ecken, sucht sich neue Wege und bahnt sich nach und nach seinen Weg durch die Unterwasserwelten.

Wunderschöne Ozeanreise

Was erst einmal relativ langweilig klingt, spielt sich herrlich entspannend. Das Zusammenspiel der Lichteffekte mit den Fischschwärmen, die malerischen Ruinen und schönen Meereskulissen laden zum Träumen ein. Dabei spielt auch die Musik eine wichtige Rolle. Diese unterstreicht die entspannte Atmosphäre nämlich wunderbar und der Spieler fühlt sich beinahe, wie in einem kleinen Aquarium. Was dagegen meiner Meinung nach nicht ganz ideal umgesetzt wurde, ist die Steuerung. Kamera und Taucher harmonieren nicht immer so, wie man das gerne hätte. Dramatisch ist das nicht weiter, da der Spieler sowieso nicht sterben kann. Jedoch hätte durch eine griffigere Steuerung das Spielerlebnis noch etwas dynamischer werden können.

Technisch zeigt sich Abzu absolut sauber und erlaubt sich nur im Handheldmodus leichtes Kantenflimmern. Lässt man den etwas lieblos gestalteten Protagonisten (oder die Protagonistin) außer Acht, ist das farbenprächtige Spiel einfach nur wunderschön. Leider ist der Ausflug ins Meer allerdings viel zu kurz und bietet kaum Wiederspielwert. Nur wem es genügt, nach einem harten Arbeits- oder Schultag lediglich ziellos die Seele baumeln zu lassen, der wird die Welt des kurzweiligen Abenteuers auch nach dem Erreichen des Abspanns noch einmal für ein paar meditative Runden in dem virtuellen Aquarium aufsuchen.

Fazit:

Abzu sollte weniger als Videospiel verstanden werden, sondern vielmehr als kurzweiliges Erlebnis, das den Spieler aus dem Alltag raus holt. Das Abenteuer ist sehr kurz, dafür aber atmosphärisch wirklich gelungen und schafft es, den Spieler in eine andere Welt zu saugen. Allerdings muss man auch diese Art von Spiele mögen und sollte sich beim Kauf bewusst sein, dass hier weder Story, noch Action geboten werden. Wer sich darüber im Klaren ist, bekommt einen schönen, kurzweiligen Ausflug in eine fantastische Welt.

Wertung:

7.5

Michael Prammer meint:

"Sehr kurzer aber atmosphärischer Ausflug in eine versunkene Welt."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Mangelhaft
Technik: Gut

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