Test: Sid Meier's Civilization VI (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 12. Dezember 2018

Von der Steinzeit bis ins Informationszeitalter - und das auf Nintendo Switch. Wie sich der Strategiehit auf der Hybridkonsole schlägt, verrät unser Test. 

Bei Civilization handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel. Dabei hört sich das eigentliche Spielziel relativ simpel an: Man übernehme einen Herrscher aus der Antike und führe diesen über die Jahre hinweg in ein modernes Zeitalter. Ganz so einfach ist das in der Praxis natürlich nicht und hinter dem Titel verbirgt sich eine hochkomplexe Aufbausimulation, mit allerhand Finessen und Taktiken. Für Neueinsteiger gibt es glücklicherweise eine Handvoll Tutorials, die dem Spieler ganz behutsam das Spielprinzip erklären, denn wer die Serie nicht kennt, der wird zu Beginn regelrecht erschlagen. 

Von der Steinzeit bis in die Moderne

Die Herrscher, die es dabei im Spiel anzutreffen gibt, sollten größtenteils aus den Geschichtsbüchern der Schulzeit bekannt sein. So tummeln sich beispielsweise Kleopatra für das ägyptische Reich oder aber der ehemalige amerikanische Präsident Roosevelt im Spielgeschehen. Natürlich sollte man nicht alles haargenau nehmen, was uns das Spiel geschichtlich auftischen möchte, aber darum geht es auch nicht bei Civilization. Vielmehr geht es darum, das eigene Reich von einem kleinen Dorf zu einem mächtigen Imperium zu entwickeln. Jede Kultur wächst mit der Zeit und ist in der Lage, große monumentale Bauwerke zu errichten. Aus der realen Welt wissen wir: Die Ägypter werden irgendwann die Pyramiden bauen und die Römer zur Unterhaltung des Volkes auf da berühmte Kolosseum setzen. In Civilization steht es aber jedem teilnehmenden Volk offen, die globalen Wunder in ihrem Reich zu errichten.

Um von einer Epoche in die nächste zu wechseln ist einiges an Arbeit notwendig. Die eigene Stadt muss wachsen, das geschieht einerseits durch das Errichten neuer Bauwerke und andererseits durch das Erforschen von Technologien. Dadurch wird der Wissensstamm der Gefolgschaft erweitert und der Spieler ist in der Lage, neue Erkenntnisse für sein Volk zu erwerben. Dazu kommt auch die Tatsache, dass man nie alleine auf der Welt ist und das aufstrebende Volk im Fadenkreuz von Barbaren und anderen Völkern steht. Gegen Erstgenannte hilft das Militär, das es auszubauen und zu festigen gilt, um vor den wilden Eindringlingen gewappnet zu sein. Gegen andere Völker hilft auch mal die feine Kunst der Diplomatie. Ein friedliches Zusammenleben kann oftmals auch der Schlüssel zum Sieg sein, denn man hat mit sich selbst schon genug zu tun.

Aufbauen, erforschen und regieren

Das eigene Volk will nicht nur ständig wachsen, sondern muss auch unter einer strengen Regentschaft geführt werden. Das Politiksystem ist relativ komplex und bietet verschiedene Möglichkeiten. Je nach Ausrichtung der Herrschaftsform werden mehr Waren produziert, der Glaube gestärkt oder die Manneskraft der Armee erhöht. Jedoch sollte man immer darauf achten, welche Regierungsformen potentielle Verbündete im Umfeld tragen. Passen diese nicht mit den eigenen zusammen, kann dies zu Konflikten führen und der Spieler sollte überdenken, was in diesem Fall sinnvoller ist.

Wie funktioniert das Spielgeschehen in der Praxis? Wie eingangs erwähnt, haben wir es mit einem rundenbasierten Strategiespiel zu tun. Das Spielfeld ist in sechseckige Waben unterteilt, ähnlich wie bei Brettspiel „Die Siedler von Catan“. Jedes Feld verfügt über eine eigene Besonderheit und damit entweder über eine nützliche Ressource oder individuelle Eigenschaften. Eine Stadt integriert umliegende Felder nach und nach automatisch ins Stadtgebiet und versorgt das Volk so mit Rohstoffen. Deshalb ist es bei der Stadtgründung wichtig, darauf zu achten, welche angrenzenden Felder in Reichweite der neuen Siedlung sind. Die Stadt wächst nach der Gründung abhängig von den Nahrungsvorkommen unterschiedlich schnell und neben der Metropole können zusätzliche Gebäude errichtet werden. Der Spieler hat pro Spielzug immer eine begrenzte Anzahl an Möglichkeiten. Jede Stadt kann einen Bauauftrag erteilen, dieser dauert dann eine bestimmte Anzahl an Runden. Erst dann darf der nächste Auftrag erteilt werden. Wird eine Armee dringend benötigt, sollte dieser Zeitfaktor zum Beispiel berücksichtigt werden.

Neben Gebäuden müssen nämlich auch Siedler und Bauarbeiter in den Städten rekrutiert werden, diese Einheiten können dann weitere Siedlungen gründen und kleinere Gebäude errichten. Außerdem wäre da noch die Armee. Die Kampfeinheiten erfüllen dabei defensive wie offensive Aufgaben - sie können sich in einer Stadt verschanzen, um Angriffen entgegenzuwirken, oder aktiv ins Land ziehen und dabei selbst auf Kriegszug gehen. Dabei steht jeder Einheit eine begrenzte Felderanzahl an Bewegung pro Runde zur Verfügung, was bei den einzelnen Zügen zu berücksichtigen ist. Das Spiel mit all seinen Facetten ist an dieser Stelle nicht mal ansatzweise komplett erklärt, es würde allerdings den Rahmen eines Tests sprengen, würde man auf jedes Detail eingehen.

Gelungener Switch-Port?

Die Controller-Steuerung funktioniert auf zwei Arten. Entweder ihr entscheidet euch für eine klassische Knopf-Variante, was angesichts des rundenbasierten Gameplays relativ problemlos ist, oder nutzt im Handheldmodus den Touchscreen der Konsole. Letzteres spielt sich vor dem Hintergrund, dass der Titel auf dem PC zu Hause ist und eine Steuerung mit der Maus die erste Wahl ist, doch ziemlich komfortabel. Was den Umfang des Spiels anbelangt, ist Civilization VI normalerweise über jeden Zweifel erhaben. Allerdings bietet der Titel auf Nintendo Switch nur vier(!) der bislang verfügbaren sieben DLCs, sogar die große Erweiterung „Rise & Fall“ (zum NplusX-Test) fehlt hier. Es dürfte trotzdem Monate dauern, bis ihr euch durch alle Völker ausgiebig durchgearbeitet habt und dank Mehrspielermodus dürfen bis zu vier Freunde an einer Konsole diese Freude teilen. Nicht nachvollziehbar ist hingegen das komplette Fehlen des Online-Modus. Hier hat Entwickler Firaxis leider den Rotstift angesetzt und Konsolenspieler schauen in die Röhre.

Technisch gesehen gibt es an Civilization VI fast nichts auszusetzen. Der Titel funktioniert sowohl am TV, als auch im Handheldmodus beinahe tadellos, nur im späteren Spiel mit voll aufgedeckter Karte kommt es gelegentlich zu Rucklern. Die Entwickler haben sich wirklich Mühe gegeben und einen schönen Port geliefert, der optisch wie musikalisch absolut überzeugen kann. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade und verschiedenen Tutorials lassen Neulinge, wovon es auf Nintendo Switch viele geben dürfte, nicht im Regen stehen und behutsam im Spiel ankommen. Aber auch für Profis wird einiges geboten und dank Handheldmodus lässt sich der Strategiehit endlich überall mit hinnehmen.

Fazit:

Civilization VI ist das momentan beste Strategiespiel auf Nintendo Switch, diese Behauptung nehme ich mir einfach mal heraus. Das liegt natürlich teilweise daran, dass es kaum Vertreter des Genres auf der Hybridkonsole gibt. Das ist schade - vor allem, wenn sie so umgesetzt werden, wie dieser hier. Es stimmt einfach fast alles: Technisch sauber, ein gigantischer Umfang und wirklich gut portiert, ohne allzu viele Einschnitte. Wenn man Kritik üben muss, dann auf jeden Fall beim fehlenden Online-Modus und den wenigen enthaltenen DLCs. Diese Verluste schmerzen etwas, angesichts des kolossalen Umfangs des Titels sollte jeder Fan von Strategiespielen aber auch so genügend Futter geboten bekommen. Egal, ob Neuling oder Serienveteran: Civilization VI ist für Strategiefans ein Pflichttitel.

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Gelungene Umsetzung des sehr guten Strategiespiels mit gigantischem Umfang."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Gut

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2 Kommentare:


GF0P
vor 8 Monaten | 1
"Manneskraft der Armee" … soso … ;-) Wie die Manneskraft mit der Regierungsform zusammenhängt hätte ich dann mal gerne anhand knallharter Fakten fundiert recherchiert. In dem Zusammenhang frage ich für einen Freund, wo man denn sein Kreuzchen bei der nächsten Wahl setzen soll, damit es wieder … "bergauf" geht im Lande, wenn Ihr versteht!

michi1894
vor 8 Monaten | 0
Überragend... So ist mir das gar nicht aufgefallen :D