Test: Persona 5: Dancing in Starlight

Von Andreas Held am 11. Dezember 2018

"And you know that we're out there, swatting lies in the making..." 

Als Atlus in einer finanziellen Notlage von Sega übernommen wurde war vielen Spielern bereits klar, dass der ehemalige Hardware-Hersteller die Persona-Serie ordentlich ausschlachten dürfte. Das passierte auch, aber die daraus entstandenen Titel - der Dungeon-Crawler Persona Q für den 3DS und das Musikspiel Persona 4: Dancing all Night für PlayStation Vita - wurden von der Fanbase sehr positiv aufgenommen. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen nach dem Release des in den Himmel gelobten Persona 5 nun nachlegen: Mit dem leider nur in Japan erhältlichen Persona Q2 und Persona 5: Dancing in Starlight bekommen beide Spin-Offs einen Nachfolger mit Auftritten der Figuren aus dem neuesten Serienableger spendiert. Für Fans des dritten Persona-RPGs erschien zeitgleich übrigens noch Dancing in Moonlight - wir beschränken uns in diesem Test jedoch auf das Persona-5-Spinoff.

Dancing!

Haben wir uns im Hauptmenü für den Tanz-Modus und anschließend für die auf der Bühne stehenden Tänzer und deren Outfits entschieden, präsentiert sich Persona 5: Dancing in Starlight als rudimentäres Rhythmusspiel. Von der Mitte des Bildschirms aus fliegen verschiedene Noten auf sechs am Bildschirmrand gelegene Symbole zu, die jeweils drei Richtungstasten und drei Knöpfen des DualShock-4-Controllers zugeordnet sind. Dabei beschränkt sich das Gameplay auf Einzelnoten, aus höchstens zwei Symbolen bestehende Akkorde und Noten, die gehalten und im richtigen Moment wieder losgelassen werden müssen. Schließlich gibt es noch Ringe, die mit dem richtigen Timing entweder mit einem Analogstick oder wahlweise auch mit einer Schultertaste gespielt werden können - letzteres ist auf den höheren Schwierigkeitsgraden mit etwas Übung deutlich einfacher, da eure Daumen entlastet werden.

Ganz ähnlich wie die Beat'em Ups Persona 4 Arena und BlazBlue Crosstag Battle hat auch Dancing in Starlight nicht das Ziel, Fans des Spinoff-Genres anzusprechen. Stattdessen richtet es sich an Liebhaber der RPGs, die mit Musikspielen sonst nur wenige Berührungspunkte haben. Somit beschränken sich die zu spielen Rhythmen selbst auf dem freischaltbaren Bonus-Schwierigkeitsgrad auf einfache Kombinationen aus Viertel- und Achtelnoten. Würde man die Songs nach DJMAX portieren, könnten die schwierigsten Songs aus Dancing in Starlight gerade so mit den einfachsten Songs aus dem Hardcore-Musikspiel mithalten. Seinen trotzdem durchaus fordernden Schwierigkeitsgrad bezieht das Persona-Spinoff aus der Art und Weise, wie die Noten präsentiert werden: Da sich alle Spielelemente am Rand des Bildschirms befinden ist es kaum möglich, alle Noten im Auge zu behalten und es dauert außerdem eine ganze Weile, bis man die verschiedenen Symbole intuitiv in Gamepad-Kommandos umsetzen kann. Durch die Unübersichtlichkeit der Notencharts, die durch optionale Gameplay-Modifikatoren noch weiter verschärft werden kann, werden auch Genre-Veteranen ihre liebe Mühe mit dem Erreichen von Höchstpunktzahlen haben.

Einen großen Fauxpas leistet sich Persona 5: Dancing in Starlight aber leider beim Umfang seiner Songliste. Gerade einmal 23 Tracks fährt diese auf - also ungefähr ein Viertel bis ein Sechstel des Umfangs, den andere Musikspiele zu bieten haben. Dazu kommt noch, dass einige Lieder doppelt oder sogar dreifach vertreten sind - in der Original- und in Remix-Versionen. Der OST von Persona 5 umspannt vier CDs - hier wäre also sicherlich deutlich mehr drin gewesen. Der ungenügende Umfang stößt vor allem deshalb sauer auf, weil Sega zeitgleich noch Persona 3: Dancing in Moonlight veröffentlicht hat und beide Spiele jeweils zum Vollpreis verkauft. Wer nicht auf das Bundle-Angebot im PSN zurückgreift zahlt also weit über 100€ für zwei Musikspiele, die dann zusammen etwa halb so viele Songs haben wie die meisten anderen aktuellen Genrevertreter. Das riecht schon sehr stark danach, dass sich Sega neben den tatsächlichen Spielinhalten auch den Markennamen "Persona" fürstlich bezahlen lässt.

Viel Text - auch ohne Story-Modus

Im Gegensatz zu Persona 4: Dancing All Night verzichten die Tanz-Spinoffs von Persona 3 und 5 auf einen linearen Story-Modus. Eine Handlung gibt es jedoch trotzdem: Caroline und Justine ziehen die Akteure aus Persona 5 eines Nachts in eine Traumwelt - weil sie sich mit einer Schwester darüber streiten, wessen Schützling der beste Tänzer sei. Durch das Spielen der Notencharts schalten wir nach und nach verschiedene Events frei, die den Confidant-Szenen aus Persona 5 entsprechen. Die kurzen Dialoge stellen für Fans ein nettes Wiedersehen mit den RPG-Helden dar, reichen aber natürlich nicht annähernd an die im Hauptspiel gebotene Qualität heran. Das liegt auch daran, dass sich die Charaktere nach dem Zufallsprinzip daran erinnern bzw. wieder vergessen, dass sie sich in einer Traumwelt befinden. Ann nutzt diese Tatsache als Argument, beliebig viele Süßigkeiten in sich hereinstopfen zu können; in einer späteren Szene nehmen es die Charaktere jedoch plötzlich bierernst, als Futaba eine Skulptur in Yusukes Zimmer zerstört und vergessen dabei augenscheinlich, dass Yusuke das Kunstwerk nach seinem Aufwachen unversehrt vorfinden wird.

Durch das Ansehen der Social-Events schalten wir neue Outfits frei, die wir anschließend in den Tanzvideos begutachten dürfen. Darüber hinaus bewirbt das Spiel einen VR-Modus, der jedoch mehr als nur lächerlich ausfällt: In einem würfelförmigen Zimmer dürfen wir uns 3D-Skulpturen der Charaktere ansehen und diese optional noch in einer kleinen Animationsschleife gefangen halten. Da die starren 3D-Figuren keine menschliche Eigenschaften zeigen, entsteht trotz des VR-Effekts keinerlei Immersion. Zur technischen Seite des Spiels sollte eigentlich nicht viel zu sagen sein, allerdings kam es während unseres Tests beim Spielen des letzten Songs - der alle acht Charaktere gleichzeitig auf die Bühne holt - zeitweise zu gravierenden Framerate-Einbrüchen.

Fazit:

Eine Frage, die ich mir zur objektiven Bewertung von Spielen wie Persona 5: Dancing in Starlight gerne stelle, lautet: „Wäre das Spiel auch ohne eine namhafte Lizenz und mit unbekannten Figuren empfehlenswert?“ Die Antwort würde in diesem Fall wohl eher negativ ausfallen. Natürlich kann das Spiel dank der tollen Musikstücke und dem soliden Gameplay eine Zeit lang Spaß machen, aber insgesamt werden Musikspiel-Fans aufgrund der eher langsamen Notenserien und der mit 23 Tracks sehr kurzen Songliste nicht allzu lange auf ihre Kosten kommen. Fans des RPGs dürfen sich auf ein Wiedersehen mit tollen Charakteren und neue Dialog-Szenen freuen, aber auch sie werden nach spätestens zehn bis 15 Stunden alle relevanten Inhalte gesehen haben. Persona 5: Dancing in Starlight macht also nichts grundsätzlich falsch, hat aber letztendlich nicht genügend Spielinhalte zu bieten, um den Vollpreis auch nur annähernd zu rechtfertigen.

Wertung:

6.5

Andreas Held meint:

"Nettes Spinoff, das weder mit seinem Gameplay noch dem gebotenen Fanservice völlig überzeugt und mit viel zu wenig Umfang daherkommt."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Mangelhaft
Technik: Durchschnittlich

Schreibe einen Kommentar:

1 Kommentare:


Tobsen
vor 8 Monaten | 0
Klingt richtig gut! Wird geshöppelt!