Test: SNK 40th Anniversary Collection

Von Andreas Held am 12. November 2018

SNK spendiert uns zum 40. Geburtstag eine Spielesammlung mit Arcade- und NES-Titeln aus den 80er Jahren.

Schön präsentierte Sammlung mit Lücken

Die SNK 40th Anniversary Collection präsentiert uns etwa ein Dutzend Retrotitel. Die Collection wird zwar mit dem Versprechen „über 20 Spiele“ vermarktet, doch etwa die Hälfte der Portierungen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fertig und wird am 11. Dezember im Rahmen eines kostenlosen DLCs nachgereicht. Dass SNK mit der Veröffentlichung der Collection nicht bis zu ihrer Fertigstellung gewartet hat, ist wenig überraschend: Schließlich spielen wir ab dem 07. Dezember alle Super Smash Bros. Ultimate und die SNK-Collection würde dann niemanden mehr interessieren.

Die auf dem Modul vorhandenen Spiele wurden wenigstens sehr gut aufbereitet. Alle Titel sind - sofern vorhanden - sowohl in der Spielhallen- als auch in der NES-Version wählbar. Dazu gibt uns die Collection so ziemlich jedes denkbare Feature an die Hand, mit dem wir den Schwierigkeitsgrad der meist knallharten Retro-Titel aushebeln können: Niedrige Schwierigkeitsgrade, zusätzliche Extraleben, unbeschränkte Continues, unbegrenzte Quicksaves und eine uneingeschränkt nutzbare Rewind-Funktion stellen sicher, dass wirklich niemand irgendwelche Mühe mit dem Erreichen der jeweiligen Endsequenzen haben wird. Aus Sicht von Vielspielern wäre es schön gewesen, wenn die Entwickler genauso viel Aufwand in die eigentliche Emulation gesteckt hätten: Alle Spiele leiden nämlich unter einer wahrnehmbaren Eingabeverzögerung. Diese fällt zwar so gering aus, dass sie beim normalen Spielen kaum auffällt - doch Nintendos Emulatoren, die auf den Mini-Konsolen oder der kürzlich gestarteten NES-Bibliothek zum Einsatz kommen, sind noch etwas ausgereifter.

SNK-Fans finden im Optionsmenü noch ein paar nette Extras. Dutzende zwischen 1979 und 1990 von SNK vertriebene Titel wurden in einer Art Powerpoint-Präsentation aufbereitet, die uns zahlreiche Screenshots und ein paar erklärende Texteinblendungen liefern. Zusätzlich wurden einige Werbeflyer und Handbücher eingescannt, die nun in digitaler Form eingesehen werden können - ein nettes Extra, auch wenn viele der Materialen nur auf japanisch zur Verfügung stehen. Im Hauptmenü finden wir dann noch den Menüpunkt „Achievements“, allerdings erhalten wir die virtuellen Auszeichnungen ausschließlich für das simple Durchspielen bestimmter Titel. Dabei dürfen wir die Rewind-Funktion und auch alle anderen Hilfsfunktionen uneingeschränkt nutzen, sodass die Liste bei Bedarf sehr leicht abgearbeitet ist - was im Grunde im direkten Widerspruch zu der Begrifflichkeit „Erfolg“ steht.

Die Spiele im Überblick

Alpha Mission ist ein klassischer 2D-Shooter. Sowohl die NES- als auch die Spielhallenversion sind technisch und spielerisch sauber umgesetzt, allerdings wirkt der Titel insgesamt etwas ideenlos.

Athena ist ein auffallend schlechter Action-Platformer, der von Genrekonkurrenten wie Ghosts 'n Goblins, Ninja Gaiden oder Shinobi vollständig überschattet wird.

Crystalis erschien 1990 ausschließlich für das NES. Das Action-RPG ist spielerisch vor allem aufgrund seiner schwammigen Steuerung deutlich schwächer als The Legend of Zelda oder Guardian Legend, punktet dafür jedoch mit ambitionierten RPG-Elementen. Seine größte Schwäche sind die ausladenden, aber eher lieblos gestalteten Dungeons. Crystalis hat bis heute eine kleine Fan-Gemeinde und gehört somit sicherlich zu den Highlights dieser Collection.

In Guerrilla War steuern wir aus der Vogelperspektive einen Soldaten durch ein Kriegsgebiet. Die NES-Portierung hängt technisch weit hinter der Arcade-Version hinterher, ist dafür aber zumindest kein plumper Coin Sucker. Leider entpuppt sich die 8-Bit-Version sehr schnell als eine schwächere Version von Capcoms Commando.

In Ikari Warriors steuern wir aus der Vogelperspektive einen Soldaten durch ein Kriegsgebiet. Diesmal ist die Spielhallenversion deutlich besser als die NES-Portierung. Die Heimkonsolenversion bekam derweil ihre eigene Episode in der Web-Serie „Angry Video Game Nerd“ - leider völlig zu Recht.

In Ikari Warriors II steuern wir aus der Vogelperspektive einen Soldaten durch... ja, durch was eigentlich? In einer skurrilen und düsteren Fantasywelt werden wir von allerlei grotesken Wesen angegriffen. Ikari Warriors II stellt, vor allem für damalige Verhältnisse, riesige Gegnermassen dar, denen wir gleich im ersten Level einen dicken Flammenwerfer entgegenstellen. Die ganze Action wird jedoch mit quasi durchgängigen Slowdowns quittiert. Die Heimportierung ist sogar noch misslungener als die des ersten Teils und gehört zu den schlechtesten NES-Spielen, die ich jemals gespielt habe.

In Ikari Warriors III steuern wir aus der Vogelperspektive einen Soldaten durch ein Kriegsgebiet. Im Gegensatz zu Guerrilla War und den beiden Vorgängern ist Ikari Warriors III aber kein Twin-Stick-Shooter, sondern ein Beat'em Up, also eine Art Double Dragon aus einer isometrischen Perspektive. Die Arcade-Version ist aufgrund der viel zu großen Sprites kaum spielbar, das NES stellt sich diesmal etwas besser an.

In Iron Tank steuern wir aus der Vogelperspektive einen Panzer durch ein Kriegsgebiet. Der nur für das NES produzierte Titel leidet vor allem an seiner viel zu umständlichen Steuerung: Mit B schießen wir ein mehr oder weniger wirkungsloses Projektil in Fahrtrichtung ab und rotieren gleichzeitig unser Hauptgeschütz in Richtung der Fahrtrichtung - aber die Rotation findet nur dann statt, wenn unser Panzer in Bewegung ist. Müssen wir unser Geschütz erst um 180° drehen, um einen Gegner anzugreifen, ist der Verlust von Lebensenergie also kaum zu vermeiden. Faire Checkpoints und unbegrenzte Continues, die schon in der NES-Version vorhanden waren, machen Iron Tank zu einem spielenswerten Titel - aber das Steuern eines schwerfälligen Panzers macht einfach nicht wirklich Spaß.

In P.O.W. steuern wir aus der Seitenansicht einen Soldaten durch ein Kriegsgebiet. Das Beat'em Up nervt bereits nach wenigen Minuten mit den immer gleichen Gegnertypen und seinem monotonen, in die Länge gezogenen Leveldesign.

Mein persönliches Highlight der Collection ist der 2D-Shooter Prehistoric Isle. Während das Gameplay eher solides Mittelmaß darstellt, überzeugt der Action-Titel mit seiner visuellen Umsetzung und lässt uns in Gestalt eines Doppeldeckers auf einer Tropeninsel gegen Dinosaurier kämpfen. Der nahezu auf SNES-Niveau agierende Grafikstil sieht auch heute noch gut aus, sodass sich zumindest ein einmaliges Durchspielen (unter Verwendung der unzähligen Hilfsfeatures) auch heute noch lohnt.

Psycho Soldier ist ein Run'n'Gun, das im Vergleich zu Contra oder Turrican jedoch sehr eingeschränkt ist. Statt zu springen, wechseln wir mit den Richtungstasten auf eine höhere oder niedrigere Ebene und können so zwischen vier übereinander angeordneten Korridoren hin und her wechseln. Der für einen Spielhallentitel recht faire Schwierigkeitsgrad tröstet nicht darüber hinweg, dass auch Psycho Soldier mit seinem monotonen und in die Länge gezogenen Leveldesign hadern muss.

Street Wise ist ein klassisches Kampfspiel mit Duellen gegen KI-Gegner. Durch das eingeschränkte Gameplay, die nahezu unerschöpfliche Lebensenergie der Kontrahenten und den fantasielosen Grafikstil wird es jedoch sehr schnell langweilig.

In T.N.K. III - und das hatten wir jetzt schon lange nicht mehr - steuern wir aus der Vogelperspektive einen Panzer durch ein Kriegsgebiet. Das Gameplay ist nahezu identisch mit dem von Iron Tank, aber der Spielhallenautomat stellt uns zwei Sticks zur Verfügung, mit denen wir Fahrt- und Schussrichtung unabhängig voneinander vorgeben können. Dadurch spielt es sich etwas besser.

Der mit Abstand älteste bisher spielbare Titel ist Vanguard aus dem Jahr 1981. Das sehr eingeschränkte Gameplay des 2D-Shooters könnte man durch sein Alter entschuldigen wollen, aber das ebenfalls 1981 veröffentlichte Scramble ist z.B. deutlich besser. Vanguard war also schon vor 37 Jahren kein Highlight.

Fazit:

Die wenig optimistischen Kurzfazits aus dem letzten Absatz lassen es schon erahnen: Die größte Schwäche der SNK 40th Anniversary Collection ist die eher mäßige Qualität der enthaltenen Spiele. Daran wird wohl auch der noch kommende DLC, der hauptsächlich Spielhallentitel aus den frühen 80er-Jahren enthalten wird, nicht mehr viel ändern. Rohrkrepierer wie Vanguard, Street Wise oder Athena sind zwar zum Glück eher die Ausnahme, aber selbst die solide umgesetzten Titel bedienen sich an bekannten Spielprinzipien, die andere Titel aus dem selben Zeitalter deutlich besser umgesetzt haben. Die Ideenlosigkeit, die sich sowohl im monotonen Leveldesign der einzelnen Titel als auch in der Masse der generischen Kriegsspiele erkennen lässt, ist vermutlich der Hauptgrund dafür, dass Klassiker wie Mega Man und Ninja Gaiden bis heute ihre Fans haben, während die meisten SNK-Titel doch eher in Vergessenheit geraten sind. Fans der Spiele sollten sich von diesem Review natürlich nicht abschrecken lassen und dürfen trotzdem zuschlagen, denn die Emulation ist zwar nicht perfekt, aber alle Titel sind zumindest gut spielbar. Freunde von Retro-Gaming, die mit der SNK Collection ihren Horizont erweitern möchten, werden aber vermutlich keinen adäquaten Gegenwert für den mit 39,99 Euro sehr hoch angesetzten Verkaufspreis erhalten.

Wertung:

5.0

Andreas Held meint:

"Trotz einiger netter Extras ist diese Collection nur für bestehende Fans der enthaltenen Spiele interessant."
Spielerlebnis: Mangelhaft
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Durchschnittlich

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2 Kommentare:


nintenman
vor 1 Monat | 0
Ich werde jedes Spiel mal ausprobieren und eventuell Crystalis länger spielen.
Die Sammlung wird wahrscheinlich relativ schnell im Schrank landen,dafür ist sie aber auch ein schönes Sammelobject.

GF0P
vor 1 Monat | 1
Bei den DLC Titeln kommen hoffentlich SNKs legendäre Top Down Shooter in einem Krisengebiet vor! Die kommen hier leider viel zu kurz!